KURZNACHRICHTEN

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VORWORT   (… oder doch lieber direkt zum e-Book?)

Die erste Ausgabe im neuen Jahr beinhaltet ja häufig einen sogenannten Jahrespoll. Also eine Zusammenfassung des Vorjahres, eine Auswertung, Analyse und so Sachen. Das jetzt akribisch anzugehen wäre nicht unser Ding, aber so aus dem Bauch heraus ein bisschen reflektieren und überlegen, was an 2015 gut oder mies war, das können wir schon auch.  >>
MAGAZIN  05.02.-09.02.2016, GEORG-SIMON-OHM TH (WASSERTORSTR.)
Egersdörfer  
Wie das Staatstheater Nürnberg für 2018 neu geordnet wird. Ein Kulturkommentar von Dieter Stoll. – Das Nürnberger Staatstheater ist in Bewegung geraten. Ohne böse Absicht, versteht sich, aber doch sehr viel heftiger als vorhersehbar. Vor einem Jahr gab es bloß die allgemeine Diskussion, ob ab 2018 oder wann denn nun genau das technisch marode und deshalb längst aus Sicherheitsgründen von Schließung bedrohte Opernhaus für zwei bis drei Spielzeiten zur Baustelle wird. Die Frage, inwieweit die Intendanz für diese bedrohlich näher rückende unbehauste Zeit in der Abseitsfalle von Behelfsräumen sparsam improvisieren muss, oder langfristig mit Ensemble samt Philharmonikern in einem millionenschweren Konzerthaus-Neubau neben der Meistersingerhalle vergleichsweise luxuriös notplanen kann, geriet jetzt durch den unvorhersehbaren Wechsel an der Spitze unter Druck. Der kombinierte Staatsintendant & Operndirektor Peter Theiler, auf der Karriereleiter von Biel Solothurn (Schweiz) über Gelsenkirchen (Ruhrgebiet) 2008 nach Nürnberg (Franken) geklettert, ergriff die Chance zur nächsthöheren Sprosse und macht 2018, somit auf alle Fälle noch vor Beginn der örtlichen Sanierungsturbulenzen, den logischen Schritt zur Dresdner Semperoper (Sachsen). Er hatte es erst im Herbst 2015 mitgeteilt, nach der Unterschrift fürs derzeit intendanzfreie Tourismusobjekt an der Elbe. Den Nachfolger der zu je 50 Prozent von Stadt Nürnberg und Freistaat Bayern finanzierten und politisch entsprechend ausbalanciert gelenkten „Stiftung Staatstheater“ zaubert der zuständige Stiftungsrat, um die Demonstration seiner Handlungsfähigkeit bemüht, blitzschnell aus dem Hut. Die internen Vertragsverhandlungen mit einem Favoriten laufen bereits, bis Ende Februar soll der Name bekannt gegeben werden. Wohl auch, ob er gleich mit Bauhelm anreisen muss.  >>
Z-BAU. Live-Performance-Clubbing präsentiert von CURT –  Mazedonien!? Also Mazedonien gibt es eigentlich nicht. Zumindest nicht die Republik Mazedonien, findet Nachbar Griechenland im Süden. Seit Erklärung der Unabhängigkeit vom ehemaligen Jugoslawien 1991 gibt es Streit über den Namen, weil das angrenzende Gebiet in Griechenlands Norden schon immer Makedonien war. Einmal auf der Landkarte mit dem Finger zu weit gerutscht, ein billiges Navi und schon wird Makedonien zu Mazedonien und Griechenland schaut in die Röhre. Findet zumindest Griechenland. Deswegen Grenze zu, Grenze auf, Embargo, Blockade, Petzen, Stänkern, Alternativname, das ganze Programm politischen HickHacks. Große Politik erklärt in ein paar Zeilen Text? Respekt, muss hier aber genügen.

Keinen ordentlichen Namen, dafür viele unterschiedliche Bevölkerungsgruppen machen es dem Land nicht leicht, eine eigene Identität zu finden. Schlimmer noch! Während es an allen Ecken und Enden fehlt, wurde unter dem Projektnamen „Skopje 2014“ ein dreistelliger Millionenbetrag in pompöse Staatsgebäude, kitschige Monumente und riesige Bronzestatuen versenkt. Der wahnwitzige Regierungsplan, so ein einheitliche Kulturnation zu schaffen und damit dem Vielvölkerstaat Identität zu geben, füllte nur dubiose Kassen, führte zu noch mehr Unverständnis und Unsicherheit und machte den Nationengedanken noch utopischer.

Aber was ist die Identität einer Nation? Wie schafft sich diese? Gibt es das überhaupt noch? Theatermacher Franz von Strolchen reiste 2012 durch Mazedonien, um diesen fiktiven Zustand einer Nation ohne Namen und Identität zu erforschen. Bei seinen Recherchen suchte er Antworten über das Zusammenleben, die uns alle derzeit in Europa beschäftigen. Angelehnt an die Volksgruppen überschreitenden illegalen Raves im Mazedonien der frühen Nullerjahre entwickelte Franz von Strolchen aus seinen zahlreichen Interviews und beeindruckenden Visuals gemeinsam mit drei mazedonischen Performern und dem Berliner DJ Anstam (Lars Stöwe) in „Fictional State“ ein Live-Performance-Clubbing als Event der Zusammenkunft. Die getanzte Utopie, ein fiktiver Raum ohne Grenzen ist ihre Antwort auf die begrenzte Fantasie einer Regierung in der Krise: „Let’s promote fiction, let’s freak out and dance!“

REGIE & KONZEPT: Franz von Strolchen
TEXT: Christian Winkler
MUSIK: Lars Stöwe (Anstam)
VISUALS: Simon Janssen.

Mit Unterstützung der Stadt Nürnberg/ Amt für Internationale Beziehungen.

FICTIONAL STATE – TRILOGIE DES ZUSAMMENLEBENS VOL.3
Eine Live-Performance-Clubbing präsentiert von CURT.
Am 11. Februar im Z-BAU, Frankenstraße 200, Nbg.
Beginn 19:30 Uhr. VVK: 10,- / AK: 12,- / Ermäßigt: 10,-

 


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Das Festival  der digitalen Gesellschaft! Nach bereits drei erfolgreichen Auflagen seit 2012 im Oktober findet 2016 erstmals im April wieder die bedeutendste Netzwerkveranstaltung der digitalen Szene in Nürnberg und der Region statt. Keine Frage, sondern Ehrensache, dass die digitalen Nativen wieder vollen Support von curt bekommen!

Seit 2012 gibt es die Nuernberg Web Week. Seitdem trafen sich die Interessierten, Vorreiter, Macher, Angestellten oder Arbeiter der digitalen Szene der Stadt und Region immer im Oktober, um auf zahlreichen Veranstaltungen an bisweilen ungewöhnlichen Orten interessante Dinge zu hören, sich kennen zu lernen und so das digitale Profil der Stadt zu schärfen. Weil die Teilnehmerzahlen stetig gewachsen sind, die Programme immer mehr wurden, damit auch die Organistation, und der Oktober und November in Nürnberg messemässig eigentlich auch schon ziemlich ausgelastet sind, wurde im letzten Jahr beschlossen, den Termin in den April zu schieben und die Nürnberg Web Week auch in Zukunft im Frühjahr zu veranstalten. Viel gutes Digitales findet im Nürnberger Frühling statt. Ein Ziel der Nuernberg Web Week ist es, eine Woche lang analog zusammen zu bringen, was digital zusammen gehört. In den Städten und Region arbeiten und leben sehr viele kreative, innovative, interessierte Freigeister oder Büromenschen in unterschiedlichen Bereichen und Arbeitsfeldern der digitalen Welt und manche davon wissen es noch nicht einmal. Viel Energie und Potenzial geht verloren, weil die Vernetzung fehlt oder die Möglichkeiten schlicht nicht bekannt sind oder erkannt werden. Unter dem Motto „Präsentieren, interessieren, lernen, kennenlernen“ will man das als Dachveranstaltung der Nürnberger Veranstaltungen, Konferenzen, Aktionen und Treffen ändern und Synergieeffekte schaffen, frei nach Aristoteles „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Wichtig ist den Organisatoren, dass die Events keine geschlossenen Gesellschaften von digitalen Nerds sind – im Gegenteil. Der Eintritt ist frei für jedermann zu allen Veranstaltungen, Berührungsängste soll und braucht hier niemand haben. Dafür wird auch das Programm im nächsten Jahr ordentlich upgegradet. Aus anfänglich 10 Events mit 500 Teilnehmern wurden 2014 bereits über 3.000 Teilnehmer an 40 Events. 2016 wird mit mehr als 5.000 Teilnehmern an bis zu 70 Events gerechnet. Darunter wahrscheinlich auch die wiederkehrenden Highlights der letzten Jahre, wie die Social Media Night oder die MobileFirst! Night, aber auch vielfältige Vorträge und Workshops zu verschiedenen Themen wie Internet of Things, Gamification, Crowdfunding oder Content Management Systeme. Für 2016 ist auch ein YouTube Barcamp geplant und ein Fokus wird auf das Indieweb gelegt. Im Jahr 2016 vergibt die Nuernberg Web Week zum ersten Mal auch den Web Week Award. Ausgezeichnet werden Unternehmen oder Initiativen, die die Bedeutung des Internets für ihre geschäftlichen oder gesellschaftlichen Aktivitäten erkannt haben und die Möglichkeiten der digitalen Sphäre vorbildlich und wegweisend nutzen. Anmeldefrist ist der 29. Februar 2016. Mehr Infos: award.nueww.de. NUE WEB WEEK vom 11. bis 18. April 2016 an verschiedenen Orten in Nürnberg. nueww.de. Award: http://award.nueww.de/    >>
Natalie de Ligt  22.10.-03.04.2016, KUNSTVILLA
Im Zusammenhang mit der Ankündigung der Ausstellung "Im Gleichgewicht" von Karin Blum und Meide Büdel stolperte ich über eine offensichtlich nach Geschlechtergerechtigkeit strebende Formulierung im Pressetext, die mich irritiert und zugleich fasziniert: „Als Bildhauerin gehört [Meide Büdel] zu den renommiertesten Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern im Bereich ‚Kunst im öffentlichen Raum’“.

Das lässt im ersten Moment an eine vermeintliche Zweigeschlechtlichkeit der Künstlerin denken, was aber eher unwahrscheinlich ist und ohnehin anders hätte ausgedrückt werden müssen, wenn es denn überhaupt Thema wäre. Folgt man der Logik, die der Formulierung zugrunde liegt, müsste es künftig bei den männlichen Kollegen heißen Peter Mustermann gehört zu den bekanntesten Künstlerinnen und Künstlern im Bereich Malerei. Ob ihm das gefallen würde? Abgesehen davon gibt es ja auch die Formulierung Peter Mustermann ist einer der bekanntesten Künstler... und Künstlerinnen? Dann wäre die Zweigeschlechtlichkeit (sprachlich) perfekt. Aber Herr Mustermann ist eindeutig ein Mann, und er wünscht sich, dass dieser Satz über seine Bekanntheit einmal in der Presse zu lesen ist, ohne dass man dabei an sein Geschlecht denkt. Doch die Sprache will und soll umfassend gerecht sein: geschlechtergerecht und auch ein bisschen selbstgerecht. Peter Mustermann kann deshalb leider nicht mehr einer der bekanntesten Künstler sein. Aber, und das wäre die Lösung, er kann der Bekannteste sein unter jenen, die Kunst machen. Prägnanter gesagt: Peter Mustermann ist einer der bekanntesten Kunstschaffenden. Oder doch nicht?! Leider begibt man sich auch hier auf vermintes Sprachgebiet, denn der Begriff Kunstschaffende impliziert das Tätigsein in der Gegenwart und schließt somit die Verstorbenen aus. Die können sich zwar nicht mehr beschweren, aber die Nachfahren – und Nachfahrerinnen ... hä? Um die Toten einzuschließen könnte allenthalben von Kunstschaffenden und Kunstschufenden die Rede sein. Kunstschufende dürfte gerade noch als politisch korrekt durchgehen, ist aber ein sprachlicher Unsinn. Und was ist überhaupt mit der sprachlichen Berücksichtigung von zweigeschlechtlichen und intersexuellen Menschen. In der offiziellen Sternchenvariante ist im Singular von d* Künstl*er*in die Rede. Aber wie soll das eigentlich ausgesprochen werden? Da empfiehlt sich dann doch die Unterstrichversion die_der Künstl_er_in. So oder so: Das Dilemma bleibt bestehen, entweder ist es geschlechtlich oder existenziell. Es bleibt die Aufgabe vom Ausbalancieren zwischen politischer Korrektheit, sprachlicher Sinnhaftigkeit und Vermeidung von Verhunzung. Manchmal ist das alles nicht unter einen Hut zu bringen. Eines steht fest: eine eventuell vollumfängliche Akzeptanz und Anwendung einer geschlechtergerechten Sprache wird eher eintreten als die an sie geknüpfte Forderung nach einer tatsächlichen Gleichbehandlung von Mann und Frau. Umgekehrt wäre es natürlich schöner. Dann würde auch mir die eine oder andere Verunstaltung viel leichter über die Lippen gehen. Zurückkommend auf Meide Büdel wäre folgende Alternative denkbar: Unter den Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern ist sie eine der renommiertesten. So tritt nicht nur die Berufsgruppe und die Zugehörigkeit von Meide Büdel zu dieser deutlich hervor, sondern auch die Tatsache, dass die Künstlerin aus der Gruppe herausragt. Es gibt viel zu tun. Wir schaffen das. Natalie de Ligt  >>
Egersdörfer  
Natalie de Ligt  25.09.-15.01.2016, BüHLERS
OPERNHAUS. Zum Einstieg in diese Nürnberger Neuinszenierung eines Werkes, das eigentlich als resistent gegen Regie-Zugriffe aller Art gilt und womöglich grade deshalb auf so stabile Spitzenquoten-Popularität bauen kann, wird dem Zuschauer  der neue Blick angekündigt.

Im Programmheft entwerfen die als Ausnahmetalente gehandelten Ungarinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka (immer gemeinsam verantwortlich für Spielleitung und Ausstattung) ihren verblüffenden Interpretationsansatz vom geradezu wagnerianischen Opfertod der lebensklugen Mimi, der für die abgehobenen Künstler den Weg in die Wirklichkeit öffne. Auf der Bühne führt das zunächst zur Installierung eines tonlosen Prologs. Die Szenen-Schwarzblende  öffnet  weit oben ein winziges Arm-aber-reinlich-Kämmerlein, wo sich ein stickendes Mädchen seufzend in den Finger sticht (nein, Dornröschen ist es nicht), und dann im zweiten Arbeitsgang erst weit unten den größeren Raum für die angemessen schlampige Anarchisten-WG der Dichter, Denker und Maler. Dort irritierte es ja in ungezählten Aufführungen, wenn der frierende Poet aus lauter Armut sein Romanmanuskript  verfeuerte, doch das erklären die beiden Regiefrauen nun geduldig als Ausdruck eines revolutionären Kunststils: „Vernichten ist das neue Schaffen“. Sie tun es natürlich im gedruckten Interview, denn szenisch ist der Unterschied zu sonstigen Solisten-Rundläufen am Heizkörper nicht recht erkennbar. Womit das Kernproblem der Aufführung, aber auch ihr Erfolg beim Premierenpublikum bereits hinreichend erklärt wäre. Mimi aus der Mansarde geht jedenfalls dem Schreibmaschinenklappern nach und baggert bei Kerzenlicht den schmucken Nihilisten Rodolfo an. Kleiner Ohnmachtsanfall effektvoll gleich an der Tür, dann Koketterie mit den kalten Händchen. Alsbald wird es ein Duett in Rückenlage geben. Was die in jeder Hinsicht leicht entflammbaren Herren nicht ahnen, kann der vorbereitete Zuschauer, wenn er mag, an der Hauptfigur entschlüsseln: Die Sopranistin Hrachuhí Bassénz spielt und singt (in Klang und Blick immer etwas verhangen) die meistbeweinte Puccini-Schmerzensfrau nach dem vorgelegten Psycho-Schnittmuster als Gegenpol mit Missionsauftrag, fast schon wie ein Wesen aus anderen Welten. Ein mütterlicher Erlösungsengel geht hustend durchs unaufgeräumte Zimmer, das Melodram wie eine Monstranz durch den Abend tragend. Mit ihrer Patenschaft ringt die Aufführung um die Beglaubigung als Requiem.  Die Inszenierung unterfüttert das anspruchsvolle Konzept mit Symbol-Ornamentik und Verschärfung von Details. Wenn das Liebespaar den brüchigen Schutz der eigenen Traumwelt erstmals gemeinsam verlässt, zerreißt es buchstäblich die Mauer (Dampf und feuriges Höllenlicht dringen durch die Spalten) und das profane Gewimmel auf dem Platz empfängt sie wie eine Zombieparty. Dort führt Erotikfacharbeiterin Musetta, wenn sie nicht im Cabaret gegenüber an der Stange tanzt oder nach alter Maxim-Sitte die Herren gruppenweise dahinsinken lässt, ihren reichen Galan mit Hundeleine aus. Auch für Vitamine ist gesorgt, uniformierte Soldaten verteilen Bananen an die hungrige Bevölkerung. Das Künstlerkollektiv kehrt gestärkt ins Studio zurück, die Herren klettern im spartenübergreifenden Malerkittel über die nächste Reizschwelle zum Happening mit Miet-Modell. Es wird fast eine Vergewaltigung, soll aber (Programmheft!) auch Sinnbild  für die innere „krankheitsbedingte Zerstörung“ der todgeweihten Mimi sein. Der angekündigte und nie eintreffende Doktor könnte sowieso nicht helfen, aber irgendwie passt es, denn letztlich geht es ja in der Oper immer um die totale Hingabe, ums Singen bis der Arzt kommt. Letztlich inszenieren Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka, wie sie die Figuren so durch ihre Bühnenästhetik aus surrealen und naturalistischen Verbrüderungen geleiten, ganz pragmatisch. Wenn Mimi den Rodolfo aus den Begrenzungen der Kulissenkunstwelt nach vorne an die freie Rampe lockt, kommt ihm das bei der nächsten Arie sehr zugute. Der junge Ilker Arcayürek, vorweg als Entdeckung gehypt, bringt eine sehr leichtgewichtige Stimme ein, die im Ensemble untergeht, um an den entscheidenden Stellen spektakulär aufzutauchen. Dramatik erreicht er dann in höchster Konzentration, wobei man dem erstaunlichen Prozess zuschauen kann, wie er sich bei der Rolle im entscheidenden Moment ausklinkt und nur noch Konzerttenor ist. Der Marcello von Levent Bakirci, ein kerniger Bariton mit Vitalitätsschüben, ist das persönliche Kontrastprogramm. Das Vielseitigkeits-Phänomen Michaela Maria Mayer (sie sang in Nürnberg in den letzten Jahren „Meistersinger“-Evchen, „Rößl“-Wirtin und „Figaro“-Susanna in dieser Reihenfolge) bleibt der schlagfertigen Musetta keine Töne, aber schillernde Frivolität schuldig, ist tatsächlich der Eisschrank, als der sie von ihrem für alle Krisen bereitstehenden Freund beschimpft wird. Das große Opernhaus-Ensemble samt Chor und Kinderchor liefert solide Arbeit. Dirigent Gábor Káli nimmt die Impulse des Regieduetts interessiert zur Kenntnis. Er lässt sich auf die Elegie als Grundprinzip ein, entwickelt freilich mit dem Orchester der Staatsphilharmonie im ersten Teil eine eigene, in sich geschlossene Soundtrack-Spur, die alle Sänger in den  Hintergrund  drängt. Für den flinken Witz, der anfangs wie beiläufig durch Puccinis Partitur blinkert (mehr als Kopftücher für Herren und ein neu erfundenes zänkisches Eheweib des Hausvermieters ist der Inszenierung dazu auch nicht eingefallen), hat er weniger Sinn als für die schimmernde Hochglanz-Melancholie. Sie ist in vielen Schattierungen ausgeleuchtet, fasziniert zunehmend in ihrer konsequenten Umsetzung, die sich sachte von den Regiebehauptungen emanzipiert. Am Ende, dem gekonnt effektvoll arrangierten Sterben, wird nochmal die leere Kammer der Heldin gezeigt als wäre es ein Tabernakel – und die Musik knallt wütend ihren finalen Schmerz dazu. Der neue Blick ist da längst in der Tränenseligkeit des alten verschwunden. Viel Beifall, kaum Widerspruch. Die Oper „La Bohème“ bleibt unbeeindruckt so wie sie ist. ___ Opernkritik von Dieter Stoll für das Theatermagazin „Die deutsche Bühne“ www.die-deutsche-buehne.de La Bohème von Giacomo Puccini Regie und Ausstattung: Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka Musikalische Leitung: Gábor Káli Premiere: 21.11.2015 Opernhaus Nürnberg www.staatstheater.nuernberg.de ___ Termine November 2015 24.11.2015, 19.30 Uhr 27.11.2015, 19.30 Uhr Dezember 2015 04.12.2016, 19.30 Uhr 06.12.2016, 19.00 Uhr 10.12.2015, 19.30 Uhr 14.12.2015, 19.30 Uhr 22.12.2015, 19.30 Uhr 26.12. – 18.00 Uhr 29.12. – 19.30 Uhr Januar 2016 10.01.2016, 19.30 Uhr 19.01.2016, 19.30 Uhr 23.01.2016, 19.30 Uhr 31.01.2016, 15.30 Uhr    >>
Natalie de Ligt  13.11.-14.02.2016, NEUES MUSEUM
QUELLE AREAL. So heisst es zum 1. Januar 2016. Vier Jahre lang befand sich das 260.000 m² grosse Areal in Zwischennutzung, knapp 100 Nürnberger Künstler, Bands und Kreative hatten hier temporär ihr Zuhause gefunden. Nun soll also endgültig Schluss sein. nachdem im Juni der neue Investor das Gelände zum Vorzugspreis erworben hatte, werden jetzt die Pläne für den Umbau umgesetzt: Das Gebäude wird geräumt und bleibt bis zum Beginn der Baumaßnahmen geschlossen.

Wir bringen Euch hier auf den neusten Stand, direkt aus der Quelle, direkt vom Quellkollektiv: wir haben nachgefragt und bekamen jede Menge Antworten und Einblicke. Viel mediales Echo hatte es im Zuge der Versteigerung gegeben, eine Petition und ein Crowd-Funding wurden gestartet und die ansässigen Künstler machten auf ihre schwierige Lage aufmerksam – auch durch  intensive Gespräche mit Politik und Institutionen. Mit dem Quell- kollektiv e.V. wurde ein Verein gegründet, um das Interesse an freien und unkuratierten Räumen besser vertreten zu können, gleichzeitig wurde die Identität der vom Team um Künstlerin Stephanie Walter betriebenen Galerie & Eventlocation Raum Heute geschärft und in ihrer Größe nahezu verdoppelt. Aktuell sieht es ganz so aus, als hätten sich die Bemühungen schon jetzt – zumindest teilweise – gelohnt: rund 50 der Kreativen sowie der Raum Heute werden im nächsten Jahr das rund 2.000m² große Heizhaus neben dem Quelle-Turm beziehen – ein Deal, der erst durch das beherzte Engagement der Stadt ermöglicht wurde. Man gibt sich beim Quellkollektiv zuversichtlich, dass dies erst der Anfang einer ganzen Reihe von gemeinsamen Projekten ist. Die Ziele sind groß: mittelfristig möchte man in den nächsten Jahren dabei mitwirken, das ungenutzte Gostenhofer Bahngelände an der Maximilianstraße zum freien Kultur- und Kreativzentrum zu entwickeln. Zunächst jedoch stehen neben dem Umzug noch weitere dringende Aufgaben an: das Vernetzen der Fähigkeiten und deren marktgerechte Präsentation. Das hat sich Stefan-Christoph Methner mit der Agentur team:morgen zum Ziel gesetzt und erste erfolgreiche Projekte deuten schon jetzt das ökonomische Potenzial an. Gleichzeitig will man als Kollektiv auch gezielt in der Integrationsdebatte Stellung beziehen und sich noch aktiver für geflüchtete Menschen engagieren. Sowohl kleinere Aktionen mit dem Camp vor Ort werden ins Auge gefasst, als auch ein eigenständiges integratives Kreativ- und Flüchtlingszentrum. „Aus vielen Gesprächen mit Geflohenen, Experten und Helfern sind wir zu dem Schluss gekommen, dass das gemeinschaftliche und partnerschaftliche Alltagserlebnis wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Integration ist. Durch das bewusste gemeinsame Entwickeln eines Areals möchten wir es darüber hinaus schaffen, statt einschüchternder Container-Tristesse ein spannendes und kostengünstiges kleines Stadtviertel zu kreieren“, so Karsten Barnett, Quellkollektiv-Sprecher. In den Planungen denke man in erster Linie an das freie Gelände hinter dem Parkplatz des Z-Baus, man sei aber auch offen für Vorschläge seitens der Stadt. Mit ihrem Appell „Vernetzt Euch für lebendige Kunst und kulturelle Vielfalt in der Region, damit Nürnberg zu einem attraktiveren Standort für Kulturschaffende und kreative Köpfe wird. Es liegt an uns!“ wendet sich der Vorstand um Peter Kunz, Wanda Leuthe und Tobias Witt an uns alle. Kann man so stehen lassen! www.quellkollektiv.net www.raumheute.de    >>
Bühne  10.10.-12.03.2016, STAATSTHEATER
 20160131_IBS
 20140000_Viva Con Agua_bird
 20151130_Curt

CURT MEDIA

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