KURZNACHRICHTEN

Musik  29.04.-04.05.2016, WENDELSTEIN
Das Programm musikalisch überbordend und angenehm aufdringlich: Meister Egersdörfer fuhr zur Frühjahrsoffensive alles auf, was zur Show-Aristokratie zählt. Unser Korresondent vor Ort, Theobald O.J. Fuchs, berichtet ...

Egersdörfer und Artverwandte am 12.04.16 Übererwartungstreue Wertschätzung Erwartungen liegen wie ein roter Teppich auf den Treppen im altehrwürdigen Komm am  12. April, einem hoffnungsfrohen Frühlingsdienstag. Allesamt erwarten wir etwas voneinander: mit offenen Mündern Zuhörende, Singende und Sprechende. Gleich vorneweg: Das Glück der Erfüllung kannte weder Maß noch Zahl, auch nach Zigtrilliarden Shows ist die Artverwandten-Kiste immer für einen Höhepunkt gut. Grund: der Egers halt. Zum Auftakt beim Spaziergang durchs zahlreich hingefläzte Volk hält er ein Frisurgericht, das sich „Sie“ schreibt. Das Programm dann musikalisch überbordend und angenehm aufdringlich: zur Frühjahrsoffensive fährt E. alles auf, was zur Show-Aristokratie zählt. Bird Berlin verspottet sowohl Schwer- als auch Fliehkräfte, indem er, ein aus Glitzer geborener Hypertrophissimus, hummelrundig hüpft, gehüllt in elfenartigen Singsummsang. Zur höchsten Wonne auch diesmal lesend: das neueste Gedicht aus seinem Spezi-Zyklus. Alle Seelen erquickend schüttet Großpoet und Überdichter Philipp Balthasar Moll ein Füllhörnchen aus, struppig am Kopfe wie ein Räuberlehrling und seine gesundheitlichen Nicklichkeiten lyrisch in den Boden stampfend. Traumhafte Buchstabenschupfen, so liebevoll zusammengewurstelt, als habe er seit dem Schöpfungstag rund um die – damals gar nicht existierende - Uhr daran gefeilt und zusammengepicht. Einzelne Laute wie Meisterwerke, Wörter wie komplette Köchelverzeichnisse, Sätze, die das Bayreuther Festspielhaus aussehen lassen wie den demolierten Mülleimer an einer Bushaltestelle. PBM macht leichtzüngig den nächsten Schritt auf sprachliche terra incognita und errichtet neue Verbalkolonien jenseits der Welt, so wie wir heute über sie sprechen können. Beispiel gefällig? „In asoziale Idiotie hineinvernachtet“ - zum Abschlecken schön! Gankino Circus sind sowieso woanders her. Kein Mensch weiß, wessen Gesandte sie sind, uns Menschen auf diesem Planeten zu erfreuen, nur so viel ist klar: es handelt sich um eine der unseren absolut überlegene Zivilisation, kulturell fünf Lichtstockwerke höher angesiedelt, praktisch total irre. Der Geilheitsgrad der Musik lässt sich mit Vokabeln kaum beschreiben, die Ansagen sind kongenial und mindestens ebenwütig, wenn nicht außerirdisch. Tadellos gegart, wie ein Dietenhofener Katerfrühstücksei, die Pointen sauber gebastelt und ohne unnützes Beiwerk abgefeuert. Ein Kleinod im Großod. Blumenherzen rieseln vom Festsaalhimmel. Birdi kann nicht anders, er muss sich darin wälzen. M. Klaus Friedrich Egersdörfer lehnt sich heute weit heraus, aus seinem Spießerfenster, und trägt total süße Supermann-Socken zum ewig selben grauen Langweiler-Anzug. Richtig frech sieht das aus, wie da unter einer trägen Schale ein spontaner Kern herausspitzt. Seine Bühnenpartnerin Carmen a.k.a. Claudia Schulz hingegen in der immer gleichen ödemvioletten Kotzbluse. Unverschämt wie stets, man wundert sich, wo der Meister E. diese unendlichen Mengen Geduld hernimmt, dass er ihr nicht augenblicklich auf der Bühne eine über die Rübe planierraupt. Sodom und Gomorrha, Promi-Sterben – und schon steckt das Ehepaar mittendrin in einem Experiment zum arg nahen Tode. Carmen hat noch nichts erreicht und will nicht sterben, Egersdörfer schifft ins Cabriolet, Dr. Söders heißer Samen wird verhandelt wie die Existenz an sich oder braune Streifen in einer niemals gewechselten Unterhose. Eine sagenhafte Nummer: Komedy rulez! Stark kontrastierend erscheint eine finnische Dame zwischen all dem blinkenden Brimborium und Verhau der Gerätschaft. Nightbird alias Anna-Stina Jungerstam ist schnell aus Finnland herüber gejettet, um für uns zu singen. Das Raunen der skandinavischen Wälder weht herein: bezaubernder Nordlicht-Blues auf Moosteppich mit Schmerzen. Meister Matthias Egersd. berichtet aus seiner Kindheit, über die Prinzen, die einst um seine Schwestern buhlten, und fährt üppige Wortbildmalerei auf: metallische Blumen und bebrillte Fische, ein Wüsten-Jeep und vielfarbige Prinzen, Haare so weich wie von einem Dackel – ein phantasmagorischer Starkorgasmus, dabei ist's nur die erste von sieben neuen Folgen vom Betthupferl für den bayrischen Rundfunk. Ahmed: was soll man da sagen? Weinen möchte man vor Glück - wir erwarten alles und bekommen mehr. Preisträger in Berlin, Sultan von Gostenhof, dickster Schwiegertürke, der wo denkbar. Ein Wonnepickel zum Ausdrücken! Zu hoffen, dass er bald sein eigenes Lied schreibt: „Der Nahtod und meine Mutter“ verhunzt nach Herbert von Schubert. Wir bleiben auf der Kirchweih und trollen uns ins Bierzelt, wo gerade der Binser die Bühne entert. Der ist blanke Oberpfalz, die so ist wie Finnland, nur noch ein wenig brutaler. Binser ideal mit Bier und Schnupftabak angefüllt, bezaubernd radebrechend in seinem vordertschechischen Sprachimitat, die Liedlein fachgerecht aus Reimen und Lustigkeit gestanzelt, nur einen winzigen Hauch vorhersehbar, dafür umso inbrünstiger geschrammelt. Und obwohl wir sie überhaupt nicht kennen, lieben und bedauern wir seine Mama aus ganzem Herzen. Ein so ein schlauer und fröhlicher und hübscher Bub! Der gespielte Witz? Meine Herren! Fünfzehn Sekunden, die in einem Abgang sowie auch in eisig-mückenstummer Erstarrung des Publikums enden – und es wert gewesen wären, nicht nur drei, sondern dreihundert Stunden auf diesen Höhepunkt der Show hinzufiebern. [Theobald O.J. Fuchs]  >>
MAGAZIN  17.03.-19.06.2016, NEUES MUSEUM
Wie das Staatstheater Nürnberg für 2018 neu geordnet wird. Ein Kulturkommentar von Dieter Stoll. – Das Nürnberger Staatstheater ist in Bewegung geraten. Ohne böse Absicht, versteht sich, aber doch sehr viel heftiger als vorhersehbar. Vor einem Jahr gab es bloß die allgemeine Diskussion, ob ab 2018 oder wann denn nun genau das technisch marode und deshalb längst aus Sicherheitsgründen von Schließung bedrohte Opernhaus für zwei bis drei Spielzeiten zur Baustelle wird. Die Frage, inwieweit die Intendanz für diese bedrohlich näher rückende unbehauste Zeit in der Abseitsfalle von Behelfsräumen sparsam improvisieren muss, oder langfristig mit Ensemble samt Philharmonikern in einem millionenschweren Konzerthaus-Neubau neben der Meistersingerhalle vergleichsweise luxuriös notplanen kann, geriet jetzt durch den unvorhersehbaren Wechsel an der Spitze unter Druck. Der kombinierte Staatsintendant & Operndirektor Peter Theiler, auf der Karriereleiter von Biel Solothurn (Schweiz) über Gelsenkirchen (Ruhrgebiet) 2008 nach Nürnberg (Franken) geklettert, ergriff die Chance zur nächsthöheren Sprosse und macht 2018, somit auf alle Fälle noch vor Beginn der örtlichen Sanierungsturbulenzen, den logischen Schritt zur Dresdner Semperoper (Sachsen). Er hatte es erst im Herbst 2015 mitgeteilt, nach der Unterschrift fürs derzeit intendanzfreie Tourismusobjekt an der Elbe. Den Nachfolger der zu je 50 Prozent von Stadt Nürnberg und Freistaat Bayern finanzierten und politisch entsprechend ausbalanciert gelenkten „Stiftung Staatstheater“ zaubert der zuständige Stiftungsrat, um die Demonstration seiner Handlungsfähigkeit bemüht, blitzschnell aus dem Hut. Die internen Vertragsverhandlungen mit einem Favoriten laufen bereits, bis Ende Februar soll der Name bekannt gegeben werden. Wohl auch, ob er gleich mit Bauhelm anreisen muss.  >>
Das Festival  der digitalen Gesellschaft! Nach bereits drei erfolgreichen Auflagen seit 2012 im Oktober findet 2016 erstmals im April wieder die bedeutendste Netzwerkveranstaltung der digitalen Szene in Nürnberg und der Region statt. Keine Frage, sondern Ehrensache, dass die digitalen Nativen wieder vollen Support von curt bekommen!

Seit 2012 gibt es die Nuernberg Web Week. Seitdem trafen sich die Interessierten, Vorreiter, Macher, Angestellten oder Arbeiter der digitalen Szene der Stadt und Region immer im Oktober, um auf zahlreichen Veranstaltungen an bisweilen ungewöhnlichen Orten interessante Dinge zu hören, sich kennen zu lernen und so das digitale Profil der Stadt zu schärfen. Weil die Teilnehmerzahlen stetig gewachsen sind, die Programme immer mehr wurden, damit auch die Organistation, und der Oktober und November in Nürnberg messemässig eigentlich auch schon ziemlich ausgelastet sind, wurde im letzten Jahr beschlossen, den Termin in den April zu schieben und die Nürnberg Web Week auch in Zukunft im Frühjahr zu veranstalten. Viel gutes Digitales findet im Nürnberger Frühling statt. Ein Ziel der Nuernberg Web Week ist es, eine Woche lang analog zusammen zu bringen, was digital zusammen gehört. In den Städten und Region arbeiten und leben sehr viele kreative, innovative, interessierte Freigeister oder Büromenschen in unterschiedlichen Bereichen und Arbeitsfeldern der digitalen Welt und manche davon wissen es noch nicht einmal. Viel Energie und Potenzial geht verloren, weil die Vernetzung fehlt oder die Möglichkeiten schlicht nicht bekannt sind oder erkannt werden. Unter dem Motto „Präsentieren, interessieren, lernen, kennenlernen“ will man das als Dachveranstaltung der Nürnberger Veranstaltungen, Konferenzen, Aktionen und Treffen ändern und Synergieeffekte schaffen, frei nach Aristoteles „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Wichtig ist den Organisatoren, dass die Events keine geschlossenen Gesellschaften von digitalen Nerds sind – im Gegenteil. Der Eintritt ist frei für jedermann zu allen Veranstaltungen, Berührungsängste soll und braucht hier niemand haben. Dafür wird auch das Programm im nächsten Jahr ordentlich upgegradet. Aus anfänglich 10 Events mit 500 Teilnehmern wurden 2014 bereits über 3.000 Teilnehmer an 40 Events. 2016 wird mit mehr als 5.000 Teilnehmern an bis zu 70 Events gerechnet. Darunter wahrscheinlich auch die wiederkehrenden Highlights der letzten Jahre, wie die Social Media Night oder die MobileFirst! Night, aber auch vielfältige Vorträge und Workshops zu verschiedenen Themen wie Internet of Things, Gamification, Crowdfunding oder Content Management Systeme. Für 2016 ist auch ein YouTube Barcamp geplant und ein Fokus wird auf das Indieweb gelegt. Im Jahr 2016 vergibt die Nuernberg Web Week zum ersten Mal auch den Web Week Award. Ausgezeichnet werden Unternehmen oder Initiativen, die die Bedeutung des Internets für ihre geschäftlichen oder gesellschaftlichen Aktivitäten erkannt haben und die Möglichkeiten der digitalen Sphäre vorbildlich und wegweisend nutzen. Anmeldefrist ist der 29. Februar 2016. Mehr Infos: award.nueww.de. NUE WEB WEEK vom 11. bis 18. April 2016 an verschiedenen Orten in Nürnberg. nueww.de. Award: http://award.nueww.de/    >>
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