Rollerderby: Punk - Aber als Sport!

DONNERSTAG, 6. APRIL 2023

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Eigentlich habe sie nie besonders viel Sport gemacht, sagt Jule. „Einmal pro Monat zum Joggen rausgequält ...“, das kommt vielen, auch in der curt-Redaktion, bekannt vor. Bis ihr eine Mitbewohnerin vom Roller Derby erzählte, der Vollkontaktsportart auf Rollschuhen, die seit den Nullerjahren auch in Deutschland immer mehr Anhängerinnen gewinnt. „Das klang geil, weil es aus einer feministischen Bubble kam und alle Spielerinnen waren punky und cool und interessante Persönlichkeiten.“ Jule war sofort angefixt. 

Seit 2015 spielt Jule Roller Derby, zunächst in Regensburg, seit 2018 als Teil des Nürnberger Teams Sucker Punch, das seit kurzem zum Post SV gehört. Rollschuhfahren macht halt einfach Spaß, erklärt sie, aber das ist vielleicht gar nicht so entscheidend: „Das Team ist wie eine zweite Familie. Ich habe mich da instant wohlgefühlt und gewusst: Da passe ich rein mit all meiner Weirdness.“ 

Jule ist Teamkapitänin bei Sucker Punch, ihre Kollegin Johanna stellvertretende Teamleitung. Jede Person im Team bekommt, je nach persönlichen Stärken und Schwächen, eine individuelle Aufgabe. So auch Stefan, einer der wenigen Männer bei Sucker Punch, der bei den Spielen gegen andere weibliche Mannschaften nicht mit auf dem Feld steht, aber als sogenannter Bench Coach maßgeblich an der Strategie beteiligt ist. Und Christian flankiert ihn als NSO (nicht skatender Schiedsrichter).
Johanna kam vor nicht einmal einem Jahr zu Sucker Punch, beim Beginner Day im Mai 2022. „Ich hatte das schon ewig auf dem Schirm, habe mich aber zwei, drei Jahre einfach nicht getraut.“ Die toughe, coole Außenwirkung der Frauen habe sie verunsichert. Heute weiß Johanna: „Wir wirken tough nach außen, wir sind aber sehr bedacht darauf, dass es allen immer gut geht. Sucker Punch ist sehr friedlich und harmoniebedürftig.“

Das Nürnberger Team besteht derzeit aus 20 Frauen, plus Stefan. Corona hatte die Reihen stark ausgedünnt, durch die Beginner Days ist man mittlerweile aber wieder wettbewerbsfähig. Zwei Mal die Woche trifft sich die Gruppe zum Training, hinzu kommen Teambesprechungen und der Stammtisch im Mops von Gostenhof. Und auch wenn Sucker Punch in diesem Jahr noch nicht in der Bundesliga gemeldet ist, misst sich das Team in den Spielen mit anderen Roller-Derby-Vereinen aus ganz Europa. 
Aber was genau machen die da eigentlich? Fünf Spielerinnen laufen auf einer ovalen Bahn gegen den Uhrzeigersinn. Eine Spielerin hat den Stern auf dem Helm, das ist die Jammerin. Für jede gegnerische Spielerin, die von der Jammerin überrundet wird, gibt es einen Punkt. Der Rest der Mannschaft, das Pack, versucht, seiner Jammerin den Weg freizu-blocken bzw. die gegnerische Jammerin in ihrem Tun zu behindern. Deshalb: Vollkontaktsport, mit dicken Schonern zum Schutz der Knochen. Es geht zur Sache, schnell, ruppig, manchmal unübersichtlich. Ein Sport wie kein anderer. 

„Es schaut aggressiv aus, funktioniert aber nach sehr vielen Regeln“, sagt Johanna. „Du darfst nur auf eine bestimmte Art und Weise mit deinem Körper agieren.“ Am Kopf oder Unterschenkel darf zum Beispiel kein Block stattfinden, auch zum Schutz vor Verletzungen. 
„Die Schiris sind auch Teil der Teams“, erklärt Johanna. „Die warnen einen, wenn man kurz davor ist, ein Penalty zu begehen und dann gibt es auch keine Diskussionen.“
Wahrscheinlich ebenso wichtig wie der Sport in der Halle ist der kulturelle Background der Sportart. Die zweite Roller-Derby-Welle ab Ende der 90er-Jahre wurde aus der Punk- und Feminismus-Szene angeschoben. „Für mich persönlich“, sagt Jule, „ist dieser Aspekt sehr wichtig, weil ich sonst nicht dabeigeblieben wäre. Es gibt aber auch Spielerinnen, die sagen, es ist Sport. Und Punkt.“ Der Vibe der Sportart ziehe aber eben einen bestimmten Menschenschlag an. Über grundsätzliche Dinge müsse man sich nicht mehr verständigen, der vereinsinterne Code of Conduct spricht sich gegen jede Form von Menschenverachtung aus. „Das heißt nicht, dass jede*r bei uns links sein muss. Aber eine AfD-Person wird es schwer haben.“  
Alle anderen sind herzlich eingeladen, sich Sucker Punch anzuschließen. Vorerfahrung braucht es keine, nur irgendwann das Equipment. Mitmachen darf man ab 16 Jahren, nach oben sind keine Altersgrenzen gesetzt, und auch wenn es eine frauendominierte, feministische Sportart ist: Männer sind herzlich Willkommen bei Sucker Punch und ein Mixed Team könnte wiederum gegen ein anderes Mixed-Team antreten. Schnüren die curt-Männer in der Redaktion bald gemeinsam mit ihrer Sucker Puncherin Helene die Rollschuhe? Ja, bestimmt, also, vielleicht, wenn es sich zeitlich mal ausgeht …  

Die ein- statt ausschließende Grundhaltung der Sportart bildet sich im Übrigen auch auf dem Feld ab. Man kann mit jedem Körper kommen“, sagt Johanna. „Ich bin zum Beispiel ziemlich massiv. Wenn dir das im Roller Derby jemand sagt, ist es ein krasses Kompliment. An mir kommt man schwer vorbei.“ Gleichzeitig brauche eine Mannschaft natürlich auch schnelle Spielerinnen, die quasi übers Spielfeld springen. Zwei feste Jammerinnen hat Sucker Punch momentan, Nicinator und Poison Yvi, die ihre individuellen Stärken für Punkte aufs Feld bringen. Die Position dürfte aber durchaus noch tiefer besetzt sein. 

Um neue Spielerinnen den Einstieg zu erleichtern, gibt es bei Sucker Punch mittlerweile ein Beginner-Komitee, das sich mit den Neuen am Rande des Trainings um die Basics kümmert. Im Frühjahr und Sommer sollen weitere Beginner Days stattfinden. Man kann aber auch zum regulären Training mitkommen. „Das Erste, was du lernst“, sagt Johanna, „ist richtig hinzufallen.“ 

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Jule / Astro nutty / Captain
ist hauptberuflich in der Jugendkulturarbeit und hat 2015 in Regensburg beim Rolling Rat Pack das Skaten gelernt. Für ihren Traumjob hat es sie 2018 nach Nürnberg und zu Sucker Punch verschlagen. Seitdem war sie in der Spiel- sowie Teamorganisation und im Coaching aktiv, 2023 wurde sie frisch zum Captain gewählt. Auf dem Track spielt sie gern alles, ist aber primär als Blockerin aufgestellt.

Johanna / Sailor Doom / Stellv. Teamleitung
ist Theaterpädagogin, Tanzlehrerin und Germanistin, kam nach Nürnberg, um irgendwas mit Literatur zu machen. Seit 2022 bei SP, ihre Lieblingsposition ist der Pivot (Spielerin, die zum Jammer werden kann).

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Sucker Punch Rollerderby
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Mitmachen?
 

Egal, welche Vorkenntnisse du mitbringst, oder ob du dick oder dünn bist, im Roller Derby findet jede*r ihren/seinen Platz. Wichtig ist, dass du mindestens 16 Jahre alt bist. Männer sind natürlich auch willkommen – als Trainer, Schiedsrichter und Helfer auf acht Rollen. Oder als Skater.
 
Officials
In Nürnberg gibt es einen großen Bedarf an festen Officials, die mitmachen können. Auf Skates oder ohne Skates. Für jede*n ist etwas dabei und jede*r findet ihre/seine Position. Ob alt, jung, groß, klein, dick, dünn, weiblich, männlich, ganz egal. 
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Skater*in
In unregelmäßigen Abständen gibt es Beginner Days, an denen man zum Ausprobieren vorbeikommen kann. Alle, die Lust haben Roller Derby zu spielen, Schiedsrichter*in oder Helferlein zu werden, können alles mal ausprobieren. Das Team erklärt alles und man lernt sich kennen. 
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Das nächste Spiel findet am 29.04. in Frankfurt statt. Alle Infos dazu HIER.




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