Robocop Kraus: Die Bandchemie wieder auf Kurs

MITTWOCH, 5. APRIL 2023

#Albumrelease, #Bandinterview, #Lokale Band, #Musik, #Robocop Kraus

Nach eine gefühlten Ewigkeit kam Frankens prominenteste Indieband Robocop Kraus mit wirklich aufregenden News um die Ecke: ein neues Album! Ich war schon ein wenig aufgeregt, als ich den Promo-Link zum Album bekam – und wurde nicht enttäuscht. Ein fantastisches Album ist Smile geworden und die Fragen an den Gitarristen Matthias Wendl sprudelten nur so aus mir raus. Hier die Antworten.

TOMMY: Ein herzliches Welcome back!, die Herren. Am 14. April kommt euer neues Album, das erste seit 16 Jahren. Wie geht’s euch?
MATTHIAS WENDL: Danke, ganz gut. Es ist alles ein wenig aufregend. 
 
Das Album trägt den Titel “Smile“. Ein Lächeln kann in Zeiten wie diesen nicht schaden. Gibt es eine Geschichte zum Albumtitel?
Nein, aber es ist ein schönes Wort. 
 
16 Jahre ist eine sehr, sehr lange Zeit. Was war der Auslöser, ein neues Album zu machen?
Wir hatten die letzten Jahre immer die recht vage Vorstellung, noch mal eine Platte aufzunehmen, aber so richtig ins Rollen kam dann alles erst, als Johannes 2021 wieder zur Band gestoßen ist. Er ist der Studienrat, der Macher und der Kapitän und hat es letztendlich geschafft, das umherschlingernde Schiff, die Robocop Kraus, wieder auf Kurs zu bringen. Nebenbei spielt er auch einen starken Uff Chack Uff Uff Chack-Beat und beschränkt sich beim Gitarrenspiel um den 12. Bund rum. 
 
Das neue Album hat einen wunderbar positiven Vibe. Vieles erinnert an eure alten Sachen mit einem neues Twist und die musikalischen Querverweise sind klar, ohne dabei nicht zu 100% Robocop Kraus zu sein. So, jetzt genug gelobt – erzählt doch ein wenig vom Entstehungsprozess der neuen Stücke.
Loben ist schon okay und tut ganz gut, danke. Einige Stücke sind schon vor ein paar Jahren entstanden, oder zumindest Fragmente davon, die wir dann noch flugs weiter ausgearbeitet haben. Aber den Großteil der Songs haben wir letztes Jahr bei ein paar Proben entwickelt. Es ging alles recht schnell, weil die Bandchemie stimmte und es uns schluss-endlich egal war, was für eine Art Song dabei rauskommt, solange er uns Spaß macht. Der Vibe war einfach sehr positiv beim Schreiben der neuen Stücke. 
 
Wo und mit wem habt ihr das Album aufgenommen und welchen Einfluss hat ein Produzent auf eure Kunst?
Wir haben hauptsächlich bei uns im Proberaum aufgenommen. Tobi hat den Raum davor noch mühevoll aufnahmetechnisch so gestaltet, dass wir dort die Basics wie Bass und Drums gut aufnehmen konnten. Die restlichen Instrumente wie Synths, Gitarren und auch viele Vocals haben wir dann zum Großteil auch von zu Hause aus gemacht.  Aufgenommen und gemischt hat das Album Jan Phillip Janzen (Von Spar/ Die Sterne) – ein Freund von uns, den wir schon viele Jahre aus dem Bandkontext her kennen. In seiner Produzententätigkeit hat sich Phillip in unserem Fall hauptsächlich um das Engineering und den Endmix gekümmert und weniger um kompositorische Begebenheiten. 
 
Oft las und liest man über euch, dass der große nationale und auch internationale Durchbruch möglich ist, aber man hat das Gefühl, dass ihr hier nicht durchzieht, bzw. das auch gar nicht wollt. Verschwendet ihr euer Talent, oder hat es sich einfach nicht ergeben?
MATTI: Gute Frage, die ich in meinem Leben bisher geschickt ignoriert habe. Ich denke, wir waren oder sind so erfolgreich, wie wir es letztendlich gewollt und unserem Talent geschuldet verdient haben. Für jeden von uns ist diese Band nach 25 Jahren Existenz zu einem sehr großen und wichtigen Teil im Leben geworden und ich hätte mir unser Banddasein nicht schöner vorstellen können, als wir es bisher erlebt haben. Jetzt steht plötzlich eine Tour mit neuer Platte an und ich muss hier spät abends Interviews geben, was ich mir vor ein paar Jahren nicht wirklich hätte vorstellen können. Ich denke, der große Durchbruch steht unmittelbar bevor … wenn auch wieder nur in der Leistengegend. No hard feelings about success. 
 
Hersbruck scheint sich in den letzten Jahren von der fränkischen Indie/Postpunk-Hochburg zu einem gewöhnlichen Autotuner-Kaff entwickelt zu haben. Warum kamen damals so viele gute und talentierte Bands aus Hersbruck und wie steht es jetzt um das Städtchen?
Haha, Autotuner-Kaff! Das verwundert nicht, da doch einige unserer Freunde wieder zurück nach Hersbruck gezogen sind, um dort wieder ihr Unwesen zu treiben. Ich habe keine Ahnung, ob es da neue Bands gibt, ehrlich gesagt. Der Kulturbahnhof z.B. sorgt aber zumindest dafür, dass es wieder eine Bühne für Bands gibt und sich Hersbruck kulturell dahingehend anscheinend wieder in eine etwas belebtere Richtung bewegt. 
 
Die Zeiten sind irre. Hatten die Verwerfungen der letzten Jahre Einfluss auf eure Kunst, bzw. auf euch als Menschen?
Ja. Insgesamt keine gute Zeit mit wenig Hoffnung auf Besserung, leider. Wobei da jeder seine subjektive Wahrnehmung hat. Bewusst hat das aktuelle Weltgeschehen unsere Musik eher weniger beeinflusst, weil man ja auch oft Musik macht, um den Geist abzuschalten oder in eine andere Welt abzutauchen und die Sorgen mal vor der Türe zu lassen. Ich bin immer sehr dankbar, die Musik als Ausgleich zu haben. Trotzdem gibt es auf der Platte natürlich auch Songs, die textlich einen Bezug zu aktuellen Themen haben. Fränkische Klagelieder. 
 
Einige von euch sind auch in der Nürnberger Kulturszene aktiv, oder zumindest unterwegs. Wie gut oder schlecht ist unsere schöne Stadt hier momentan aufgestellt?
Dazu kann ich wenig sagen, da ich schon recht lange in Erlangen wohne und nur noch selten abends in Nürnberg ausgehe. Wahrscheinlich hat es sich nicht groß verändert. Die Stadt geht sozusagen mit der Zeit im Erhalt des wohlig warmen Durchschnitts.
 
Gibt es eine Zukunft für die Band?
Aber natürlich, es ist unser Hobby.

Reinhören:

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wurde 1998 aus den Mitgliedern der Bands Cyan und Maggat gegründet. Nach nur fünf Bandproben spielten sie ihren ersten Gig im Kunstverein Nürnberg. Im selben Jahr veröffentlichten sie die Split LP mit The Cherryville auf Swing Deluxe Records, ein Jahr danach die LP Inferno Nihilistique 2000. 2001 veröffentlichten sie das Album Tiger auf Day After Records. Danach folgten Touren durch die USA und bis nach Japan. Zwischen 2003 und 2010 veröffentlichen sie drei weitere Alben:  Living with Other People, They think they are the Robocop Kraus und Blunders and Mistakes. Nach vier Jahren Pause spielten sie 2014 das erste Mal wieder beim Vigyazz Festival. 
2022 erschien die Compilation Why the Robocop Kraus became the love of my Life. Und jetzt das brandneues Album Smile auf Tapete Records.

Robocop auf Instagram (Klick!)

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Dieses Interview wurde gefördert vom Mediensupport des Verbands für Popkultur in Bayern e.V.




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