shift/walls 2021: Gemeinschaft auf Zeit

MONTAG, 25. OKTOBER 2021, KüNSTLERHAUS IM KUKUQ

#Ausstellung, #Bogi Nagy, #Cris Koch, #Curt Young Journalism, #Kunst, #KunstKulturQuartier, #Künstlerhaus, #Luca Hien, #Performance, #shift/walls

Sieben Künstler*innen arbeiteten zwei Wochen in einem Gebäude, nebeneinander, ohne Türen, nur durch Wände getrennt oder nicht einmal das: Das war shift/walls im Kunsthaus Nürnberg, ein Projekt kuratiert von der Projektkoordinatorin des Künstlerhauses & Kunsthauses, Stephanie Braun. Als Abschluss von zwei Wochen Kunstschaffen fanden am letzten Wochenende zwei live Sessions statt. Am Freitagabend den 22.10. war Julia Ahlfeld für curt vor Ort und besuchte die Live-Visual-Soundperformance mit HANNAH GEBAUER, CRIS KOCH, MARCO STANKE und KADMIUM ULTRA, dem Gast aus München. 

Ein Gastbeitrag im Rahmen des Projekts CURT YOUNG JOURNALISM. Text: Julia Ahlfeld

Eine Stunde vor dem Beginn der Performances war die Ausstellungsfläche des Kunsthauses noch wie leer gefegt und die Fortschritte und Ergebnisse der letzten Wochen konnten in Ruhe für sich stehen und betrachtet werden.
Schon vom Eingangsbereich vor den Ausstellungsräumen aus und in den Gang blickend, konnte man die schwarz-weißen Kunstwerke an den Wänden des Gangs entdecken. Den Gang der Ausstellungsfläche hatte die Künstlerin Ilana Pichon aus Québec gestaltet. Mit schwarzer Farbe in verschiedenen Grauabstufungen, außergewöhnlichen Pinseln und unterschiedlichsten Formen standen die Wandbilder mit den abgerundeten Ecken in perfekter Harmonie zu den vorgegebenen Bögen des Mauerwerks im Gang.
Links und rechts vom Flur abgehend in den angrenzenden Räumlichkeiten, hatten die anderen Künstler*innen ihre temporären Ateliers eingerichtet, entweder zu zweit in einem Raum oder allein.
Der Bogendurchgang hinten links führt zu BOGI NAGYS Räumlichkeiten, die sie in ihre gold-pinke Arbeitsstätte verwandelt hatte. „Hier habe ich mich zum ersten Mal an ein größeres Format für meine Skulpturen herangewagt und es in dieser kurzen Zeit sogar geschafft, eine von zwei Skulpturen fertig zu stellen“, erklärt die Nürnberger Pop-Art-Künstlerin. shift/walls bot ihr nicht nur den Raum, sich kreativ auszutoben, sondern auch die Zeit, sich ohne Druck einem neuen Projekt widmen zu können. Das nutzte die Künstlerin, um sich auszuprobieren.
So wie Bogi geht es auch ihren Ateliernachbar*innen: Sie alle genossen es, Teil dieser Gemeinschaft auf Zeit zu sein. Gegenüber von Bogis Ateiler hatte LUCAS KRIEG wortwörtlich sein Zelt aufgeschlagen: Aus Fundstücken baute er sich in seinem Atelier sogar einen Schlafplatz. Diesen nutzte er allerdings nicht wirklich, um sich nach einem langen Arbeitstag zu erholen, viel mehr war er Teil seiner Arbeit. Denn der Nürnberger beschäftigt sich darin auch mit seinen Träumen, die sich dann auch oft wieder um genau diese Arbeit drehen.
Im angrenzenden Raum neben Bogi befand sich der gemeinsame Arbeitsplatz von CRIS KOCH und MARCO STANKE, in dem nicht nur Kunst, sondern auch Sound entstand. Gegenüber von ihnen wiederum gestaltete LUCA HIEN ein riesiges Wandbild, während HANNAH GEBAUER an ihren Visual Sounds arbeitete.
Was hier zwei Wochen lang stattfand, war also tatsächlich keine Ausstellung im eigentlichen Sinn, sondern viel mehr ein Experiment. Bereits 2020 hatte shift/walls im Kunsthaus Platz gefunden, damals jedoch ohne die Möglichkeit, als Zuschauer*in den Kunstschaffenden über die Schulter zu gucken. Während des zweiten Corona-Lockdowns wurde das Event lediglich online gestreamt.
Dieses Jahr konnte shift/walls sogar in einem Raum voller Besucher*innen seinen Höhepunkt finden. Im Atelier von Luca und Hannah zeigte eben diese Künstlerin, während einer gemeinsamen Live-Visual-Soundperformance mit CRIS KOCH, MARCO STANKE und KADMIUM ULTRA, was sie in den zwei Wochen programmiert hatte.
Es versammelten sich ungefähr 20 Interessierte in dem kleinen Raum, um der Gruppe zu lauschen und das Ergebnis von Hannahs Creative Coding zu bewundern.
Cris startete das Mini-Konzert mit Gitarre und Gesang und wechselte zwischendurch immer wieder die Instrumente durch. Im Anschluss unterstütze er Hannah, Marco und den Münchner Gast bei deren Performance. Hannah Gebauer hat Fotografie und Grafik Design studiert und ist als VJ (Video Jockey) in der Nürnberger Clubszene bekannt, während der Liveperformance steuerte sie ihre selbst programmierten soundreaktiven Bilder und schaffte die passenden Übergänge zwischen den verschiedenen Formen, die mit einem Beamer an die Wand projiziert wurden. 

___
Der Prozess von shift/walls ist unter dem Hashtag „#shiftwalls“ auf den Instagram-Kanälen @kunsthausnuernberg und @kuenstlerhaus_nbg
sowie auf den Kanälen der Künstlerinnen und Künstler zu sehen:

Bogi Nagy @boginagysworld
Chris Koch @criskoch.noise 
Hannah Gebauer @hannah_gruenewald 
Ilana Pichon @ilanapichon
Luca Hien @lucahien 
Lucas Krieg @lucwojna 
Marco Stanke @stankemarco 

shift/walls auf kunstkulturquartier.de

___


curt schreibt im Rahmen von "curt young journalism" in losen Abständen vergütete Onlinebeiträge für junge Kunst- und Kulturjournalist*innen aus.
Interessent*innen können eine Arbeitsprobe an
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst senden. Voraussetzung für die Mitarbeit ist die Möglichkeit, qualitativ hochwertige Beiträge zu erstellen und eine entsprechende Rechnung stellen zu können.



 




Twitter Facebook Google

#Ausstellung, #Bogi Nagy, #Cris Koch, #Curt Young Journalism, #Kunst, #KunstKulturQuartier, #Künstlerhaus, #Luca Hien, #Performance, #shift/walls

Vielleicht auch interessant...

KüNSTLERHAUS IM KUKUQ. Kreative Antwort auf Verdienstausfall: Die Künstlerinnen und Künstler drucken sich das Geld, das sie gerade nicht einnehmen können, einfach selbst. Die Idee stammt von der Verwertungsgesellschaft – Martin Droschke und Oliver Heß. Seit Ende Januar rufen die beiden bildende Künstler*innen dazu auf, ihr Künstlernotgeld zu entwerfen und zu drucken. Jetzt soll umgetauscht werden.  >>
KüNSTLERHAUS IM KUKUQ. So langsam wird das mit dem Spaziergang: Nicht nur das Konfuzius-Institut (bzw. der Kunstraum desselben in der Pirckheimerstraße) stellt momentan Gewinner*innen eines Fotowettbewerbs aus, sondern ab sofort auch das Künstlerhaus. Hinzu kommt das Bernsteinzimmer mit seinem Bernstein-Kabinett (bis 06. Dezember mit den Wunderkammern von Susanne Stiegeler). Googles Vorschlag für unseren Nürnberger Kunstspaziergang siehe unten, dabei sind allerdings die neuen Litfaßsäulen nicht mit eingerechnet, die den ein oder anderen zusätzlichen Schlenker bedeuten würden. Ärzte empfehlen aber eh 10.000 Schritte am Tag, wenn man dabei auch noch Kunst bestaunen kann, trainiert man Herz und, äh, Hirn.   >>
LORENZKIRCHE. Es war eine der künstlerisch aufregendsten Aktionen des Jahres. Inmitten der Nürnberger Altstadt, an der Baustelle der in Restaurierung befindlichen Lorenzkirche, hingen seit Mitte August großformatige Bilder des Performance-Künstlers Otakar Skala (Disclaimer: kuratiert mit kundiger Hand von unserem curt-Mitarbeiter Marian Wild). Begleitet wurde das Haus of Skala von einem performativen Programm. Und von Anfang an war klar, dass das eine Aktion ist, mit der sich eine bayerische Stadt vielleicht erstmal anfreunden muss, die vielleicht auch Gegenwind erzeugen kann. Dass sie nun endet, hat aber eher mit ignoranz zu tun.     >>
20210201_Allianz_GR
20210304_Mam_Mam_Burger
20210318_machtdigital
20211201_Rudolf-Steiner-Schule
20211123_E-Werk_JOB
20211201_SParkasse_Rote_Engel
20211201_Bloom_HR
20211201_Kaweco
20211201_Zukunftsmuseum
20210101_Theresien_KH_Baby
20210401_Umweltbank_360
20210117_curt_Image