Bei Anruf BR: Telephobia-Podcast im Museum für Kommunikation
#Bayerischer Rundfunk, #Interview, #Museum für Kommunikation, #Podcast, #Telephobia
Wir kennen das alle: Dieser eine Anruf, beim Chef, der Partnerin, dem Haftpflichtversicherer, ..., den man rauszzögert so lange es nur geht. Der Bayerische Rundfunk hat aus der Angst vorm Call einen Podcast gemacht, Telephobia. Zu ersten Folge der neuen Staffel gibt‘s ein Listening-Event im Museum für Kommunikation. Wir sprachen mit Podcast-Redakteurin Lea Utz.
CURT: Frau Utz, was war der letzte Anruf, vor dem Sie Angst und vor dem sie sich vielleicht sogar gedrückt haben?
Vor dem Anruf bei einer alten Freundin, bei der ich mich länger nicht gemeldet habe. Und je mehr Zeit vergeht, desto schwerer fällt es mir, mich aufzuraffen und einfach anzurufen. Das ist auch ein Problem, vor dem viele der Anruferinnern und Anrufe*innen in unserem Podcast stehen: Sie drücken sich schon so lange vor einem wichtigen Gespräch, dass dieser Anruf in ihrem Kopf riesengroß geworden ist. (Also vielleicht probiere ich‘s lieber gleich mit meinem…)
Die fünfte Staffel Ihres Podcast, Telephobia, handelt auch wieder von konkreten Anrufen, vor denen die Anrufenden Angst hatten. Woher kam die Idee für die Reihe?
Die Idee für den Podcast ist im Volontariat beim Bayerischen Rundfunk entstanden. Damals sollten wir Konzepte für neue Podcast-Formate entwickeln – und meine Kollegin Juliane Rummel hatte die Idee: Wie wäre es, wenn wir Leuten beim Telefonieren helfen? Ihr war aufgefallen, dass viele in ihrem Umfeld überhaupt nicht gerne telefonieren. Uns war gleich klar, dass in dieses Erzählgefäß viel größere Geschichten passen als die vom nächsten Arzt- oder Friseurtermin. In unserer neuen Staffel geht es zum Beispiel um Matthias: Er will seinen Bruder anrufen, zu dem der Kontakt wegen einer Suchterkrankung abgebrochen ist. Er hat Angst, dass die Familie nicht mehr zusammenfindet, bevor es zu spät ist. Wir erzählen aber auch immer wieder leichte, lustige Geschichten: Celina will zum Beispiel endlich den Typen aus dem Nachbardorf überführen, der ihr Tandem geklaut hat. Egal ob es das Wiederhören mit der eigenen Tochter ist oder die wilde Suche nach einem verschollenen Werbespot: Bei Telephobia ist jeder Anruf ein Ausflug in eine ganz neue Welt.
Sie erzählen die Geschichten hinter den anstehenden Anrufen, bis hin zum Anruf selbst, bei dem man dann mithören kann. Wie konnten Sie das umsetzen, sprich: Mussten Sie von den Angerufenen jeweils im Vorfeld das Einverständnis einholen?
Keine Sorge – niemand wird von uns angerufen und einfach so aufgezeichnet. Wir kontaktieren die andere Seite im Vorfeld, erzählen von unserem Podcast und fragen die Person, ob sie mitmachen will. In der Regel versuchen wir dabei, möglichst wenig zu verraten, damit der Inhalt des Anrufs eine Überraschung bleibt. Das ist der Moment, an dem wir uns von vielen spannenden Geschichten verabschieden müssen, denn nicht jeder will Privates in einem Podcast besprechen. Aber vielen gefällt die Idee, dass ich bei dem Anruf dabei bin und das Gespräch moderiere, als außenstehende Vermittlerin sozusagen. Manchmal muss ich auch erstmal die Telefonnummer von der Person auftreiben, die kontaktiert werden soll. Dabei ergeben sich oft wilde Recherchen, die wir im Podcast miterzählen.
Welche Geschichte hat Sie, ohne zu viel zu verraten, am meisten überrascht?
Am meisten überrascht hat mich Julia, die mich bei einem Anruf um Hilfe gebeten hat, der sich erstmal total langweilig anhört: Sie will bei der Bußgeldstelle anrufen – wegen eines Blitzerfotos… Aber dann habe ich gemerkt, dass sich hinter diesem vermeintlich banalen bürokratischen Akt eine berührende Geschichte verbirgt. Denn das Blitzerfoto zeigt sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester kurz vor deren Tod. Es ist für Julia ein unglaubliches wertvolles Stück Erinnerung. Und sie hofft, dass die Bußgeldstelle das Foto vielleicht herausrückt…
Wie haben Sie Ihre Protagonist:innen gefunden?
Fast alle Anrufer*innen sind Menschen aus unserer Community – das heißt sie kennen und schätzen unseren Podcast und melden sich mit ihrer Anrufgeschichte bei uns, egal ob per Sprachnachricht oder E-Mail. Das ist für uns immer ein aufregender Moment, wenn eine neue Nachricht aufploppt. Also, falls auch ihr einen Anruf vor euch herschiebt: Schickt uns gerne eine E-Mail an
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oder eine Sprachnachricht an 0175 3375 069. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Geschichten.
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Museum für Kommunikation
Telephobia gibt es überall, wo es Podcasts gibt. Die fünfte Staffel erscheint am 04.11.
Prelistening im Museum für Kommunikation am 29.10., 18.30 Uhr.
Lea Utz
geboren 1994 , hat Politikwissenschaft in Hamburg und Mainz studiert und ist Absolventin der Journalistenschule ifp. Sie ist Autorin und Podcast-Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. Lea hostet den Podcast Telephobia, den sie zusammen mit Kolleg:innen im Volontariat entwickelte.
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