10 Jahre Heizhaus: Der Suchprozess endet nie
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Das Heizhaus, einer der energetischsten Kollektiv-, Soziokultur- und Kunstorte der Stadt und vom Freistaat Bayern ausgezeichneter Kreativort seit 2022, wird zehn Jahre alt. Da ist es mehr als überfällig, mal ganz nah mit der Ohrmuschel ans Rolltor zu gehen, was hier gerade so passiert. Unser Kunstredakteur Marian Wild hat ausführlich mit Michael Grebner gesprochen, stellvertretend für die rund 80 Köpfe starke Truppe.
Marian: Hi, Michael, schön, dass wir uns heute sprechen! Ich würde erne mit der Frage anfangen: Wo steht ihr gerade so, in eurem Jubiläumsjahr?
Michael: Aktuell haben wir, je nachdem, wie man zählt, circa 80 Mietende. Das ist die Zahl an Menschen, bei denen wir sagen können, dass sie bei uns regelmäßig ein- und ausgehen. Insgesamt sind hier aber circa 240 Leute unterwegs, zum Beispiel, weil sie Teil des Chors Stimmengewitter sind, der jeden Dienstag bei uns probt und Zugang zum Haus hat. Das Quellkollektiv, der Trägerverein des Heizhauses, geht aktuell auf die 200 Mitglieder zu. Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen und wachsen.
Was kann man bei euch denn alles finden?
Wir sind ein belebtes Haus, in dem sowohl Veranstaltungen stattfinden als auch Raum geboten wird für Atelierplätze für Kunst und Kultur, Proberäume und ein professionell ausgebautes Tonstudio. Dann gibt es eine professionelle Textildruckerei, Hobby-Werkstätten oder den Schrauber Klaus Schulz, der an seinen Motorrädern schleift und feilt. Es gibt eine Holzwerkstatt. Es gibt drei große Räume, die sich als Gemeinschaftsateliers verstehen; eines ist das Studio, in dem unter anderem die Künstler:innen Max Hanisch, Melissa Hieke und Michael Akstaller arbeiten. Oder zum Beispiel Quirin Gerner, der dort Möbel restauriert, fotografiert und verkauft. Es gibt einen Prototyper, der im Studio arbeitet und da seinen Platz hat. Dann gibt es die „Lücke“, einen Durchgangsraum, der sich auch als Gemeinschaftsattelier versteht. Es gibt einzelne Büroplätze oder Schreibtischplätze, aber grundsätzlich ist es eine sehr große Keramikwerkstatt und eine ziemlich große „Malereiwerkstatt“, wo wir die Wände so eingezogen haben, dass wir es dezidiert für zweidimensionale Kunst vermieten können. Dann gibt es den „MöRa“, also den Möglichkeitsraum, größtenteils eine Textilwerkstatt. Das war auch schon immer ein Textilraum, von Urgestein und Quellkollektiv-Gründerin Wanda Leute mit ins Leben gerufen. Der hieß immer YAR-Raum. Daraus ist auch der Second-Hand-Laden Gentlemachine hervorgegangen, der ja jetzt im Glasbau im Künstler:innenhaus angesiedelt ist.
Aktuell haben wir jeden zweiten Montag im Prinzip eine offene Textilwerkstatt, die bisweilen auch städtisch gefördert wurde. Du kannst kommen und unter Anleitung von Menschen, die zum Beispiel wissen, wie man eine Nähmaschine bedient, an deinen Klamotten was ändern oder sogar Klamotten selbst gestalten, für eine gewisse Zeitspanne und gegen einen kleinen Spenden-Obolus. Es gibt das Repair-Café, das von einer bundesweiten Stiftung gefördert wird. Das macht unser Hausmeister Eddie, er ist auch jeden Montag da. Bei Eddie kannst du meistens schon ab 14 oder 15 Uhr antanzen und dein altes Radio mitbringen, weil es einen Wackelkontakt hat, und der kriegt das hin. Und es gibt den Bio-Wochenmarkt: Tristans Biohof, einen kleinen Hof in der Nähe von Emskirchen. Da ist auch das Rübezahl-Festival, wo dieses Jahr auch unsere Jam-Session-Bühne stattfindet.
Du merkst, das ist alles auch in sich vernetzt. Jeden Montag ab 16 Uhr kannst du bei uns also regionale, saisonale Bio-Lebensmittel kaufen. Außerdem gibt es einen Stand von Irmin, der Marmeladen, allerlei eingekochtes Gewürz, auch ein paar Sachen auf die Hand, Waffeln und all so was verkauft.
Dann gibt es donnerstags das Programm „Hot Jam Freshly Served“, wo wir Newcomern eine Bühne bieten – das betreue ich. Der Eintritt ist frei, es gibt die Hutspende. Zum Tanz in den Mai kamen Leute zur Jam-Session, die freestyle ins Mikro gerappt haben, und dieses groovige HipHop-Feel hat sich die ganze Zeit noch weiter da reingetragen.
Ein Tsunami an Events! Wo finden die Leute, die das hier lesen, all diese Veranstaltungen, wenn sie euch besuchen wollten?
Also am meisten up-to-date ist eigentlich immer unsere Instagram-Seite @heizhaus.nbg. Und was es alles so an eingespielten Sachen bei uns gibt, das findet man auf unserer Website www.heizhaus.org.
Bei euch passieren so viele Sachen, ein ganz schönes Gewusel. Mit deinen Worten: Was ist das Heizhaus eigentlich im Kern?
Oh, das ist auch schwer zu beantworten, weil wir ja immer noch in einer Art Suchprozess sind. Es ist noch nicht alles abgeschlossen und das wird es auch nie sein. Es ist alles ein Projekt und ein Prozess. Zum einen hat es immer Leute gebraucht, die Verantwortung übernehmen, die reingehen und viel Herzblut reinstecken. Und es ist das Miteinander, das Kollektiv und sein Vorstand, das die Entscheidungsprozesse trägt, angefangen bei kleinen Aufräumaktionen bis hin zum Prüfen und Umbauen der Türen für den Brandschutz. Oder Momente wie „Oh Gott, die Energiekosten fallen uns auf die Decke, was machen wir?“ So was funktioniert nur, wenn sich für Verantwortungsbereiche Menschen finden, die sagen: „Ich nehme das ehrenamtlich in die Hand und in drei Wochen hast du ein Angebot auf dem Schreibtisch, was die günstigste Solaranlage ist, und dann schauen wir, dass wir das irgendwie in mehreren Wochenendaktionen aufs Dach bringen.“ So im Prinzip funktioniert das Heizhaus.
Wie kann man denn ein Projekt bei euch umsetzen?
Unser Entscheidungsgremium ist grundsätzlich auch offen für Leute, die nicht im Kollektiv sind. Es kommen Anfragen von außen, ob wir dies und das realisieren, ob wir die und die Aktion gestalten können. Zum Beispiel hatten wir jetzt einen großen Kongress von der Initiative „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“, mit Vorträgen, Workshops und musikalischem Programm. Die kommen dann ins Gremium, stellen das vor, sagen, was sie brauchen, und dann entscheidet das Gremium. Und erst dann geht so was in die Hände der Veranstaltungsleitung.
Ganz allgemein gefragt: Wer darf bei euch eigentlich mitmachen?
Im Prinzip alle, die eine Idee haben, mit der sie bei uns andocken können. Du kommst und sagst: „Hey, ich brauche einen Raum für Projekt X.“ Und wir dann so: „Ja, also im Gemeinschaftsatelier da und da könnte was frei werden. Was hast du denn dann genau vor?“ Wir haben uns mal auf die Fahne geschrieben, mit diesen Projekten möglichst vielseitig sein zu wollen: Alle Kulturäußerungen, alle Geschlechter, Gender und Hautfarben sind willkommen, vom klassischen Chor bis zum FLINTA*-BIPoC-Safe-Space. Unser Leitbild ist klar humanistisch, demokratisch, antirassistisch, antiableistisch, pro-feministisch, queer-offen, weltanschaulich liberal. Und wir sind Mitglied in der Allianz gegen Rechtsextremismus. Wir diskutieren mit allen, die es ernst meinen mit Freiheit und Demokratie.
Und das alles in einem Haus, das ihr mietet?
Wir planen ja, das Haus zu kaufen, und von unserer Seite aus sind wir da sehr weit. Unser Ziel ist es, Gelder nach dem Vorbild des Miethäuser-Syndikats einzusammeln, indem wir Direktkredite anbieten. Leute parken bei uns Geld, und wenn die Summe X überschritten ist, können wir damit zur Bank, können uns einen Kredit zusammenzimmern lassen und damit dann das Haus kaufen. Wir kriegen ja jedes Jahr finanzielle Unterstützung von der Stadt, als Gebäudeunterhaltszuschuss. Aber das stopft manchmal auch nur die Löcher. Jedenfalls haben wir diesen Schritt bald vor: Leute geben uns einen kleinen „Direktkredit“, wir kaufen das Haus, und zahlen in der Folgezeit die Kredite durch unsere Einnahmen zurück. Und vielleicht legen wir dann auch noch einen bedruckten Hoodie aus einer limitierten Kollektion drauf. (lacht)
Da habt ihr doch vermutlich zukünftig nicht mehr sehr viel Zeit für weitere Projekte …
Es gibt tatsächlich noch zwei Sachen, die stattfinden und uns wichtig sind: Zum Einen haben wir, was auch in das Thema „10 Jahre Heizhaus“ gut reinpasst, eine Förderung für ein Late-Night-Format bekommen. „Late-Night-Heizhaus“ ist der Arbeitstitel. Wir sprechen über Freiräume, über Digital Independence, über Queerness, über Feminismus. Und zum Zweiten gibt es eine Kooperation mit dem Krakauer Haus. Wir besuchen ein ähnliches Projekt wie das Heizhaus in Krakau, das nennt sich „Skład Solny“. Wir sind dort vom 15. bis 23. Juni mit einer kleinen Gruppe vertreten und bauen ein schwimmendes Fahrzeug, eine Art Floß, das dann dort bei einem Event teilnimmt, das sich Wodna Masa Krytyczna nennt. Eine Critical Mass, nur auf dem Wasser. Es soll aufmerksam machen auf Wasserflächen als urbane Nutzungsräume, aber auch eben als etwas Schützenswertes, Erhaltenswertes. Geplant ist, dass die Gruppe im September dann zu uns kommt, und das Boot, das wir gemeinsam mit Skład Solny gestaltet haben werden, wird dann zu uns nach Nürnberg transportiert, und es gibt eine Wasserinstallation auf der Pegnitz.
Außerdem wollen wir in der zweiten Jahreshälfte unser 10-jähriges Bestehen feiern – ich bin sicher, das bekommt ihr früh genug mit.
Natürlich. Und wir werden mitfeiern!
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Heizhaus – 10 Jahre Kunst, Kultur, Soziokultur, DIY & mehr
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