Der Egersdörfer trifft seinen Gottesgarten-Drehbuchautor: Constantin Lieb
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Die Sonne hatte von ihrem Glanz an diesem Sonntag in der vorletzten Augustwoche schon einiges eingebüßt. Der Himmel war verhangen. Egersdörfer ahnte den Herbst und zog im Hotelzimmer in Berlin ein Hemd über sein blaues T-Shirt. Als er zur U-Bahn loslief, bemerkte er, dass er zu warm angezogen war. Währenddessen zeichnete Michael Jordan im ICE eine Kommissarin, die mit einer erhobenen Augenbraue durch eine Lupe blickte. Als der Zugbegleiter durchsagte, dass als nächstes Berlin Hauptbahnhof erreicht werde, steckte er die Kapsel auf den Fineliner und verstaute ihn in seiner Tasche. Er trank einen letzten Schluck Mineralwasser. Dann stand er auf und verließ mit den anderen Reisenden das Abteil.
In den Ganglien des Hauptstadtbahnhofs fuhr er über mehrere Rolltreppen in die lichte Oberwelt. Im Stadtteil Kreuzberg trugen Männer mit sportlichen Schuhen aus einer duftenden Bäckerei Tüten mit frisch gebackenen Brötchen. Egersdörfer lief zwischen Bäumen und schmucken hohen Häusern. Er verschwand in einem Hinterhof. Er klingelte bei Constantin Lieb. Der Autor öffnete die Tür. Nachdem sich beide an den Tisch gesetzt hatten, klingelte der Jordan. Nach der Begrüßung nahm er auf dem Sofa Platz und holte Stift und Block aus der Tasche. Erst schaute er eine Zeit lang und begann schließlich zu zeichnen.
Egersdörfer spielt beim Frankentatort den Hauptkommissar der Spurensicherung, Michael Schatz. Der sollte, laut Drehbuch, nach mehrjährigem Aufenthalt in Asien wieder nach Nürnberg zurückkehren und bei den Ermittlungen zum neuesten Fall mithelfen. Diese Geschichte hatte Constantin Lieb ersonnen. Der Egersdörfer fragte ihn, ob er aus Bad Staffelstein oder Lichtenfels stamme. „Ich bin in Lichtenfels im Krankenhaus geboren“, antwortete darauf Constantin Lieb. „Und meine Großeltern lebten in Bad Staffelstein. Mein Elternhaus ist in Ebensfeld. Zwischen den beiden Dörfern bin ich sozusagen gependelt. Es ist für mich wie eine Heimat. In Bamberg bin ich zur Schule gegangen. Um 6:47 Uhr fuhr die Regionalbahn los. Dann kam ich um 7 in Bamberg an und musste zum E.T.A. Hoffmann-Gymnasium hochlaufen.“
Leise gurgelte die Kaffeemaschine und eine Vorahnung duftete. Auf dem Tisch stand ein Teller mit Gebäck und Schnittchen. Der Egersdörfer blickte kurz auf ein Croissant und fragte dann den Lieb: „Und wie führt dieser Weg aus der oberfränkischen Beschaulichkeit in die Großstadt Berlin?“
„Ich glaube, es gibt eine ganz einfache Antwort. Es war eine Flucht. Ich wollte aus der gefühlten Enge heraus. Während der Schulzeit hatte ich Berlin als Sehnsuchtsort auserkoren. Ich wusste, dass ich in einer Großstadt leben möchte. Und ich wollte diese Struktur einer schönen, aber auch kleinen Stadt hinter mir lassen. Ich mochte nicht immer in die gleichen Leute reinlaufen, andere Wahrnehmungen haben und vielleicht auch andere Freundschaften finden.“
Einen Tag nach dem Abitur fährt Lieb mit dem Auto des Großvaters in die Hauptstadt. Er schläft im Auto, bis er eine Wohnung findet. „Ich habe erst gearbeitet. Das war damals noch die Generation „Unbezahltes Praktikum“. Ich habe acht Monate bei einer Filmproduktionsfirma als eine Art Assistent gearbeitet und viel recherchiert. Habe bei Dokumentarfilmen mitgeholfen. Ich durfte denen Ideen von mir zeigen und ganz viel kopieren. Haha. Ich habe damit einen Einblick in die Filmbranche bekommen. Anschließend studierte ich Philosophie und Literatur. Nach dieser Flucht bin ich nie zurückgekehrt. Jetzt wohne und arbeite ich hier seit über 20 Jahren.“
Jordan schaute in dem Moment auf die Canapés. Dann blickte er aber wieder auf das Papier und zog eine Linie. Egersdörfer schaute kurz auf seinen Zettel, auf dem er seine Frage aufgeschrieben hatte, und wollte von Constantin Lieb wissen, wann bei diesem die Faszination für den Film angefangen habe. „Film und Literatur, um genau zu sein“ berichtigte der Autor. „Eigentlich stand an erster Stelle bei mir schon immer das Schreiben. Es war relativ klar, dass ich unbedingt schreiben möchte. Die Form war aber unklar. Obwohl die Bamberger Kulturszene ja toll ist. Da gibt es ja wahnsinnig viel zu holen und hohe Qualität in den verschiedensten Bereichen. Ich war zum Beispiel oft im Jazz-Club. Ich wusste, entweder Musik oder schreiben. Ich spiele Klavier und Bass und wusste schon sehr früh, dass es für die Musik nicht reicht. Ich bin nicht gut genug und nicht diszipliniert beim Üben. Dann blieb das Schreiben übrig.“
In Berlin lernt Lieb dann Leute aus der Filmbranche kennen. Eine neue Welt eröffnet sich. „Da kam dann irgendwann so dieses Gefühl, ach ja, ich verfasse Prosa, Kurzgeschichten und Gedichte und versuche einen Roman zu schreiben. Man kann aber auch eine andere Form finden. Diese andere Form war das Drehbuch. Ich habe gemerkt, dass ich damit die Leidenschaft für Literatur und Film verbinden kann. Dann habe ich versucht mir das anzueignen. Jetzt bin froh darüber. Es war aber ein Zufall.“
Michael Jordan schaute zum Fenster in den Hinterhof hinaus. Er betrachtete den Himmel und bekam Lust, eine Wolke zu zeichnen. Egersdörfer sah jetzt nicht mehr auf den Zettel mit den Fragen und wollte vom Lieb wissen, ob es so etwas wie einen Initiationsmoment gab, an dem seine Begeisterung für die Filmkunst begann. „Meine Liebe zum Film war sehr früh da. Ich bin in einem sehr fernsehsozialisierten Haushalt aufgewachsen. Sehr viel Tatort. Meine Eltern schauen bis heute jeden Tatort, jede Wiederholung. Erst als ich persönlich beim Tatort mitgearbeitet habe, habe ich festgestellt, wie stark geprägt ich bin. Ich dachte, ich hätte mich davon losgelöst und wollte Kino machen. Das habe ich dann auch gemacht und mache es immer noch. Aber durch diese kontinuierliche Tatortsituation in meinem Elternhaus war immer eine Liebe für den Film da. Der erste Film, an den ich mich so richtig dolle erinnere, ist diese Musical-Verfilmung von Mary Poppins aus den 60ern. Ich weiß nicht, wie jung ich da gewesen bin. Das war großartig. Wie sie aus ihrer Tasche alles rauszaubert und auf einmal fliegt sie und die Kinder. Ich konnte mich so sehr in diese Welt hineindenken. Das ist ein Film, der prägend war. In Berlin habe ich dann die Filmsozialisierung nachgeholt und bin ständig ins Kino gelaufen.“
Egersdörfer berichtete kurz, dass er bereits einige Male beim Frankentatort dabei gewesen wäre. Sehr oft sei es ihm vorgekommen, als hätte die Geschichte genauso gut in „Wanne-Eickel oder Gütersloh“ stattfinden können. Franken sei im Tatort nicht mehr als eine Kulisse. Doch bei der Folge „Gottesgarten“ sei es anders. Constantin Lieb sagte darauf: „Ich hoffe es sehr. Es ist ein Vorteil des Tatorts, dass er eine Landschaft und Örtlichkeit bespielen kann. Zu der Geschichte kann eine weitere Ebene dazukommen. Dadurch kann es einzigartig werden. Das ist die Schönheit des ganzen Formats, dass Deutschland in seiner Vielfalt und Breite dargestellt werden kann.“ Constantin Lieb meinte, dass es so oft nicht vorkommt, dass ein Landstrich detailliert abgebildet wird, weil der Drehbuchschreiber selten dort aufgewachsen ist und zudem Zeit und Geld nicht ausreichen, um im Vorfeld zu recherchieren. Lieb hatte vorher schon einige Angebote ausgeschlagen. „Ich kenne mich doch dort nicht aus. Was soll ich über diese, mir fremde Stadt schreiben? Aber als mir die BR-Redaktion dieses Angebot machte, habe ich zugesagt. Weil ich weiß, wie die Leute sprechen könnten, welche Orte es gibt, die ich interessant finde und die ich einem großen Publikum zeigen möchte. Ich weiß auch, welche Regionen spannend sind, um da einen Fall anzusiedeln. Dann war mein Vorschlag, dass ich das dort, wo ich herkomme, machen möchte. Es ist die Frage, wie oft man als Autor die Möglichkeit bekommt, genau darüber zu schreiben. Ich habe versucht, möglichst viel Lokalkolorit – ein schreckliches Wort – reinzubringen und nicht nur ein Dorf abzubilden, das auch in Brandenburg sein könnte.
Das Symbol „Gottesgarten“ hat eine Verbindung in dem Film und zu dem Konflikt. Das fand ich schön, dass es da eine weitere Ebene gibt, die man sonst vielleicht nicht erzählen kann, wenn man aus NRW kommt und plötzlich über Franken schreiben muss. Am Anfang habe ich viel reingepackt. Dann begann das Tauziehen mit der Produktion und der Redaktion. Die meinten dann: ,Wir haben jetzt sehr viel Lokalkolorit und müssen aufpassen, dass Leute, die nicht aus Franken kommen, weiterhin die Geschichte verstehen.` Ein Prozess wurde in Gang gesetzt, in dem man nach der bestmöglichen Variante suchte.“
Jordan schaute wieder zu den Hörnchen auf dem Tisch und überlegte, ob er diese auf seiner Zeichnung platzieren könnte. Auch Egersdörfer blickte auf die leckeren Teile. In Wien sagt man dazu auch „Kipfel“, fiel ihm ein. Dann verschwand der Gedanke wieder, und nach einer kurzen Pause wollte der Kabarettist wissen, was Lokalkolorit eigentlich sei – handelte es sich um einen besonderen Schauplatz oder sei es nur ein sprachliches Phänomen? Lieb erklärte: „ Es ist vermutlich eine Mischung. Dazu kommt eine Art von Weltsicht und Weltbegehung. Es geht darum, wie Leute agieren, wie und wann sie einen Witz machen oder aus dem Fenster gucken oder eben nicht. Es sind viele Details und natürlich Sprache. Es ist multikausal. Viele verschiedene kleine Punkte machen ein Kolorit aus.“
Der Egersdörfer fühlte sich jetzt sehr wohl. Wenn er sich wohl fühlt, wird er frech. Er fragte: „Haben die dir in Berlin das Fränkisch ausgetrieben oder hast du schon immer so schön Hochdeutsch gesprochen?“ Der Autor lachte. Jordan dachte an Zeichnungen, aus denen man ein Lachen heraushören konnte. „Es kommt darauf an, wie lange wir noch reden werden“, sagte er. Am Ende unseres Gesprächs werde ich mehr fränkisch reden. Ich nehme das ein bisschen auch an, wenn jemand fränkisch mit mir spricht. Leider Gottes kann ich es nicht besonders gut. Meine Familie lebt zwar seit mehreren Generationen in Franken. Die Eltern wohnen immer noch in dem Dorf, in dem sie aufgewachsen sind. Alle reden arg fränkisch. Bei mir ist das aber nie durchgegangen. Es war schon in der Schule so. In Berlin blieb kurz noch dieser Singsang von harten und weichen Konsonanten, die verschwimmen. Die Endsilben werden verniedlicht. Das hatte ich am Anfang noch ein wenig. Aber es hat mir niemand ausgetrieben. Es ist verschwunden. Je länger ich jetzt in Franken zu Besuch bin, mit Familienangehörigen telefoniere, oder wenn ich Alkohol trinke, dann kommt es wieder ein bisschen. Es sind dann Begriffe wie gell, freili, fei, a bissala. Diesen ganzen wunderschönen Sprachduktus und diese Färbung kann ich eigentlich gar nicht.“
„Bist du jetzt vor der Ausstrahlung von deinem Tatort nervös? Fürchtest du, man könnte dir verübeln, wie du deine Heimat darstellst?“ „Nervös bin ich nicht. Ich bin vorfreudig, euphorisch. Und in die Euphorie mischt sich ein kleines Herzklopfen. Es ist ein toller Film geworden und nicht nur ein toller Tatort. Ich stehe total dahinter, was wir gemacht haben. Es ist bemerkenswert, wie der Regisseur Dustin Loose mit den Schauspielern und Schauspielerinnen umgegangen ist. Der hat eine große Warmherzigkeit und das hat sich auch so transportiert. Da bin ich ganz sicher. Der Dustin passt deswegen eigentlich auch sehr gut nach Franken.“
Dann sprachen Egersdörfer und Lieb über das Drehbuch. „Ich habe mich bei ,Gottesgarten` orientiert an Dingen, die vorgefallen sind in Franken und in anderen Regionen. Es gab Referenzen zu Originalfällen. Gleichzeitig habe ich aber auch ein Dorf erfunden. Das Dorf, in dem die Eltern des Opfers wohnen, ist Bad Klostermain. Auf die Idee zu dem Namen kam mein Bruder. Das gibt es nicht. Klingt aber so, als gäbe es das. Es ist verortet in Gottesgarten. Es gibt alle Dörfer nebenan, die real sind, aber ich wollte definitiv auch so eine Art Fiktionsebene einziehen.“
Der Gastgeber lief zur Kaffeemaschine, kehrte mit der vollen Kanne zurück und goss die Tassen voll. Die Herren tranken und befanden die Welt als gut. In dieser Laune erzählte der Egersdörfer, dass er ja als Spurensicherer nicht besonders viel sagen dürfe. Aber oft sei es vorgekommen, dass die wenigen Sätze im oberbayerischen Dialekt im Drehbuch standen. Hätte er das so gesagt, wäre er direkt nach der Ausstrahlung in Franken erschlagen worden. „ Bei deinem Drehbuch war es das erste Mal, dass meine Sätze im feinsten Mittelfränkisch dastanden,“ sagte der Egers und grinste. Lieb sagte darauf: „Das freut mich. Das hat ja auch was mit Satzbau zu tun oder wo ein Füllwort eingefügt wird oder sowas. Trotzdem ist es ja schwierig, weil man so reinen Dialekt, wenn man sozusagen das jetzt überträgt auf Ä oder Ö oder andere Umformungen von Umlautverwendungen, das kann man nicht schreiben. Aber es gibt so bestimmte Sachen, die können ja in die Richtung gehen.“
„Die Begrifflichkeit ,Gottesgarten` hat es dir angetan,“ warf der Egersdörfer ein. „Ich finde diesen Begriff so toll und bizarr. Die Region wirbt damit. Man kommt auf der Autobahn an den Schildern vorbei: ,Willkommen im Gottesgartenʼ. Auch wenn man mit der Bahn fährt und in einem Dorf aussteigt, taucht das als Begriff auf. Es ist historisch interessant, weil Vierzehnheiligen, Kloster Banz und die Eierberge; das ist wirklich so eine Art Garten, der umrundet ist von Religiosität, natürlich auch Katholizismus. Obwohl eigentlich die gesamte Region eher protestantisch geprägt ist. Aber in der Ebene ist es sehr katholisch. Das signalisiert eine Idylle. Es ist auch Größenwahnsinn. Unsere Region ist der Garten Gottes. Das ist etwas typisch Fränkisches, dieser leicht charmante Größenwahn. Wird dann aber immer sofort wieder runtergespielt. Genau diesen Kontrast, dort diese schlimme Tat und die darauf folgende Ermittlung anzusiedeln und damit zu spielen, was Religiosität, Moral und Ethik ist, das finde ich interessant. Der Clash der Extreme.“
Michael Jordan beobachtete genau die Mimik von Lieb und wie er am Tisch saß. Immer wieder sah er auf die hohe Wand. Viele Bilder hingen da übereinander. Dem Zeichner aus Erlangen bereitete es eine Freude, diese Bildergeschichten auf seiner Zeichnung zu zitieren.
Egersdörfer trank einen Schluck Kaffee und fragte: „Wenn das Drehbuch abgesegnet wurde, bist du dann überhaupt noch beteiligt?“ „Das ist das Drama von Drehbuchautoren“, antwortete Constantin Lieb . „Das ist ein deutsches Problem. Ich bin ja derjenige, der sich jahrelang mit der Geschichte beschäftigt hat. Es gibt den Zeitpunkt, an dem der Regisseur übernimmt. Du bist nicht mal mehr im Verteiler, wenn die Dreharbeiten beginnen. Vor ein paar Jahren war es mal besser. Jetzt wird es wieder schlechter. Mit Dustin Loose war das anders, weil er mir jeden Tag die Muster geschickt hat. Ich konnte mitverfolgen, was gedreht wird und gelegentlich mit ihm reden, wenn etwas nicht aufgegangen ist. Wir haben dann überlegt, wie man das ändern kann. Ich versuche das auch in anderen Projekten so zu machen, dass ich im Schnitt dabei sein kann und zumindest einen Ratschlag gebe. Ich verlange nicht, dass ich ein Vetorecht habe. In anderen Ländern ist es nicht der Fall, dass der Drehbuchschreiber nicht mehr zum Team gehört. Seit Jahren kämpfen Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren für mehr Mitsprachemöglichkeiten. In Deutschland hat es was damit zu tun, dass es eine extreme Regiehörigkeit gibt. Es liegt größtenteils, zugespitzt formuliert, an den Konsequenzen des deutschen Autorenfilms. Die sagen, der Autorenfilm ist ein Regiefilm. Wir sind die Großkünstler. Wir haben die Vision. Alles andere ist Beiwerk. In den Hochschulen wird es immer noch gelehrt. Die Regisseure haben das Selbstverständnis eines Wim Wenders, Werner Herzog oder Edgar Reitz. Das sind sie aber leider nicht immer.“
Zum Schluss wollte der Egers noch etwas herausfinden. Für ihn stellt sich nämlich seit längerem die Frage, was er und seine Kolleginnen aus der Region genau tun könnten, dass sie ein bisschen mehr in die Kamera hineinsprechen dürfen. Egers hob die Arme und wedelte mit den Händen. „Hilft es, den Drehbuchschreiber zu bestechen?“ Constantin Lieb lachte. „Wir können gerne mal essen gehen, Matthias. Es ist eine gute Frage. Je stärker sich ein Autor mit dem Ort auseinandersetzt, desto stärker kann er Schauspielende vor Ort einbauen und desto besser wird die Geschichte wahrscheinlich auch. Meistens entscheidet die Redaktion, wer die Hauptermittler sind. Im Frankentatort sind das leider keine Franken. Das ist etwas, zumindest glaube ich das, was natürlich auch beeinflusst, wie viel Platz die Nebendarsteller bekommen, die dann sozusagen authentisch fränkisch sind. Ich finde, Rosalie Thomass ist zumindest nicht so weit entfernt davon. Sie spielt mit ihrer Position, dass sie als Fremde nach Franken kommt. Das finde ich charmant und das war irgendwie so eine Art und Weise, wie ich versucht habe, das Fränkische mit reinzuholen, über einen Spiegel und noch weiter. Aber ich kann dir ehrlich gesagt keine Empfehlung geben, wie du mehr Sätze bekommst.“
Der Egersdörfer hatte es zumindest versucht. Er steckte das Klemmbrett mit den Fragen in seinen Rucksack. Der Jordan schraubte wieder den Deckel auf seinen Stift und verstaute ihn in seiner Tasche. Die drei Herren verabschiedeten sich in bester Laune. Egersdörfer und Jordan stiegen gemeinsam in einen Bus. Auf dem Tisch stand der Teller mit den Hörnchen und Brötchen. Dieselbigen waren nur mehrfach angesehen worden.
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Der Tatort „Gottesgarten“ wurde in der ARD am 25. Oktober 2026 ausgestrahlt.
Ihr findet ihn hier in der Mediathek.
Constantin Liebs Roman Wildboden ist jüngst beim Insel Verlag erschienen.
Matthias Egersdörfer www.egers.de
Michael Jordan www.ansichten-des-jordan.de
Der Matthias Egersdörfer und Michael Jordan machen gelegentlich gemeinsame Ausflüge. Dann zeichnet der Jordan den Teil der Welt, den er von seinem Platz aus sehen kann. Und der Egers schreibt, was er hört und erblickt. So entsteht diese Kolumne.
Und was geht so bei Egi?
Am 28.10. ist er mit Egersdörfer & Fast zu Fürth mit „Bitte ruf mich nie wieder an“ in der Galerie im Z-Bau, Nbg und am 29.10. im Kulturverein Kofferfabrik, Fürth, sowie am 30.10. im Heiderhof in Leinburg. Und wem´s noch nicht reicht: Auch am 31.10., in Königstein, dort im Zum Hirschen – dort mit Support FO LATTA.
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