Sebastian Wild will das KuKuQ zukunftsfit machen
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curt und Sebastian, das ist kein neuer Kontakt. Wir kennen uns schon sehr lange über die Musikzentrale (MUZ), deren Geschäftsführer er noch bis vor Kurzem war. Und: Sebastian saß zusammen mit curt-Heini Lampe im Kulturellen Beratungsgremium der Stadt Nürnberg, wo man sich um Födermittelvergabe und Kulturpreis-träger:innen-Anträge kümmert. Schade, aber klar, mit Sebastians neuem Job als Leiter des KunstKulturQuartiers geht das nicht mehr, Interessenkonflikt usw. Wir haben ihn befragt, er hat sich ja jetzt schon etwas eingegroovt.
CURT: Du bist jetzt seit eineinhalb Monaten im Job. Wie geht es dir?
SEBASTIAN WILD: Gut. Ich wurde wirklich offen im KunstKulturQuartier aufgenommen, das hat den Start erleichtert und dafür bin ich sehr dankbar. Gleichzeitig waren für mich die letzten Wochen naturgemäß geprägt von vielen neuen Informationen in kurzer Zeit, die man natürlich verarbeiten und sortieren muss. Mir ist es wichtig, einerseits den neugierigen Blick von außen nicht zu verlieren und gleichzeitig zu sehen: Was steht hinter den Abläufen, was sind Anliegen der einzelnen Teams? Um die Dienststelle letztlich gemeinsam weiterzuentwickeln. Ich bin jetzt in einer städtischen Struktur, auch da ist es wichtig, sich gut zurechtzufinden.
Um zu verstehen, wie das funktioniert?
Ja, genau. Die Stadtverwaltung ist ein großer Tanker, mit über 12.000 Beschäftigten. Die Arbeitsabläufe sind geprägt durch ein gut abgestimmtes Zusammenwirken zwischen Querschnitts- und Fachdienststellen. Das ist der Kontext, in dem sich das KunstKulturQuartier in organisatorischer Hinsicht bewegt.
Warum wolltest du den Job?
Ich war als Geschäftsführer der Musikzentrale wirklich nicht unzufrieden, ich habe den Job gern gemacht, allerdings inzwischen auch schon einige Jahre. Anfang 2011 bin ich als Projektmanager und in der Öffentlichkeitsarbeit eingestiegen, vorher war ich schon ehrenamtlich im Verein aktiv. 2017/2018 dann der Wechsel in die Geschäftsführung. Mir war immer wichtig, dort einen Wandel zuzulassen. Nach über 15 Jahren fühlt es sich also richtig an, weiterzuziehen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die Leitung des KunstKulturQuartiers zu übernehmen, mit seinen unterschiedlichen Spielstätten, der spartenübergreifenden Konzeption und der Lage mitten im Stadtraum, stellt für mich letztlich eine spannende Herausforderung dar, die mich sehr gereizt hat.
Kannst du schon sagen, worin die größten Unterschiede bestehen?
Vor Beginn dachte ich, die Unterschiede seien deutlich größer. Viele Aspekte sind mir aus meiner Tätigkeit in der MUZ aber nicht unbekannt. Klar ist die Dimension im KunstKulturQuartier größer, es sind viel mehr Menschen, es ist eine städtische Dienststelle mit allem, was dazu gehört. Aber vom Prinzip her ähneln sich die Tätigkeiten schon auch. Ein großer Unterschied ist natürlich die Breite der Sparten. Im KunstKulturQuartier findet sich eine umfassende Palette an Kunst und Kultur wieder: Musik, Theater, Tanz, Bildende Kunst, Festivals, Film, Literatur, Produktionsräume, Werkstätten uvm. Das ist aber auch ein Punkt, der mich besonders interessiert. Auch bei der MUZ hatten wir in einigen Projekten Berührungspunkte mit anderen Sparten. Ich finde es eine Bereicherung, über den Tellerrand zu schauen, Dinge vernetzt zu denken. Beim KunstKulturQuartier, mit seinen verschiedenen Häusern, geht es für mich auch darum, herauszuarbeiten, was dieses Kulturcluster über die Summe seiner Einzelteile hinaus ist. Da gehört für mich auf jeden Fall dieses vernetzte Denken der Sparten dazu, was natürlich auch aus Publikumssicht sehr spannend sein kann: Kunst und Kultur dahin bringen, wo man sie zunächst erstmal nicht vermuten würde, wo man eher drüber stolpert. Auch das Raustragen in den Stadtraum, das Ausnutzen der zentralen Lage sind für mich wichtige Aspekte. Und auch die Verbindung dessen, was man als Alternativkultur und was man als Hochkultur bezeichnen könnte. Das hat man alles in diesem Portfolio und dem begegne ich mit einer gewissen Experimentierfreude. Gleichzeitig ist mir klar, dass zum Teil in langen Zyklen geplant werden muss und mir ist es auch wichtig, dass die einzelnen Häuser ihr eigenes Profil und entsprechenden kuratorischen Gestaltungsraum haben. Insofern geht es auch darum, die größeren Linien und die Rahmensetzungen kontinuierlich gemeinsam weiterzuentwickeln.
Zu welchem der Häuser des KunstKulturQuartiers hast du selbst denn die emotionalste Verbindung?
Ich bin aufgewachsen in Hersbruck und habe es in meinen späteren Teenager-Jahren als echte Erweiterung meines Horizonts empfunden, dass es direkt gegenüber des Nürnberger Hauptbahnhofs das Künstlerhaus gibt, damals K4. Sehr gut erreichbar und mit einer unfassbaren Breite an Möglichkeiten, von Werkstätten über Musik bis Film und Fotografie. Das hat mich fasziniert und geprägt. Oder direkt angrenzend die Kunsthalle Nürnberg mit Ausstellungen internationaler, zeitgenössischer Kunst. Der Subtext war für mich damals: Nürnberg hat attraktive, inspirierende Orte und ein deutlich lebendigeres Kulturangebot, als man im ersten Moment meinen könnte. Über die Jahre hat sich der Blick erweitert, an Orten wie der Katharinenruine, der Tafelhalle oder der Kunstvilla konnte ich ebenfalls unvergessliche Kulturmomente erleben, an die ich mich sehr gerne zurückerinnere.
Guckst Du auch rein räumlich, dass Du mit einer gewissen Regelmäßigkeit überall mal präsent bist?
Das mache ich gerade tatsächlich. Ich mache eine Runde durch die Häuser, schaue mir alles an, auch hinter den Kulissen. Außerdem gehe ich natürlich zu Veranstaltungen.
Kannst du jetzt nach eineinhalb Monaten schon sagen, das ist eine Sache, die du geändert hast, die jetzt neu ist oder die bald neu sein wird?
Es gab aus Sachzwängen heraus zunächst einen starken Fokus auf den Bereich Verwaltung, Finanzen und Personal. Das ist also nichts, was man als Besucher:in sofort sieht. Man würde es nur merken, wenn es nicht funktioniert. Letztendlich geht es darum, das KunstKulturQuartier als Organisation von innen heraus fit für die Zukunft zu machen. Das wird uns in der kommenden Zeit auch noch weiter begleiten und beschäftigen.
Ich höre, dass du einerseits im Hintergrund die Organisation aufrechterhältst, andererseits schon auch programmatische Wünsche hast. Wie kannst du deine Rolle erklären?
Beide Aspekte sind eng verzahnt, wobei ich meine Rolle nicht darin sehe, konkret Programm zu kuratieren. Es gibt sehr kompetente Leute in den Häusern, die das machen. Mir geht es darum, Linien zu entwickeln, wie man dieses Kulturcluster mit all seinen Unterschieden und Besonderheiten als eine Idee weiterentwickeln und zukunftsfähig aufstellen kann. Und gleichzeitig die Häuser für sich genommen stark dastehen. Das kann z.B. bedeuten, cross-kulturelle Ansätze zu entwickeln oder am Erscheinungsbild und an der Kommunikation zu arbeiten, auch im Verhältnis der einzelnen Häuser zur Dachmarke. Oder themenübergreifend im Schulterschluss verschiedener Spielstätten und auch externer Partner zu arbeiten. Ziel ist es, ein vielseitiges und zeitgemäßes Kunst- und Kulturangebot für Nürnberg weiter auszubauen.
Nun ist ja die finanzielle Situation der Stadt Nürnberg nicht ideal, um große Projekte anzustrengen. Wie eng ist euer Rahmen?
Das ist natürlich ein Thema, das auch das KunstKulturQuartier betrifft. Es ist stadtweit Aufgabe, dazu beizutragen, dass der kommunale Haushalt durch die Regierung von Mittelfranken genehmigt werden kann. Alle sind angehalten, einen Anteil zu leisten. Ich versuche mein Team dahingehend zu sensibilisieren, dass es unser Ansinnen sein muss, den Weg des Gestaltens trotzdem nicht zu verlassen, trotz Einsparungen, Sachzwängen und knappen Kapazitäten. Wir arbeiten sehr effizient.
Konntest du die MUZ gut zurücklassen oder geisterst du da noch manchmel durch die Flure?
Ich habe mich in der Zeit vor meinem Wechsel viel darum gekümmert, eine stabile Interimsphase bis zum Start meiner Nachfolge zu organisieren. Das MUZ-Team ist gut aufgestellt und es läuft rund. Ich stehe bei Bedarf gerne für Fragen zur Verfügung und wir stehen in gutem Austausch, aber durch die Flure zu geistern ist absolut nicht nötig.
War es für dich mit Angst verbunden, das zurückzulassen, was du so gut kennst? Es könnte ja sein, dass man es bereut.
Ein Wechsel nach so vielen Jahren ist natürlich auch eine emotionale Sache. Ich hatte eine sehr herzliche, schöne Verabschiedung mit meinen Kolleg:innen in der MUZ. Dadurch, dass der Übergang komplett nahtlos und wirklich eng getaktet war, gab es auch gar nicht so viel Raum für mögliche Zukunftssorgen. Ich war über 15 Jahre dabei und es war alles gut aufgestellt und eingespielt, insofern konnte ich mit einem guten Gefühl sagen, ich gehe jetzt. Es fühlte sich also richtig an, an diesem Punkt weiterzuziehen, aber ein Stück weit war es für mich natürlich der Sprung ins kalte Wasser.
Viel Spaß und Erfolg – wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit dir!
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Kunstkulturquartier in Nürnberg
unter neuer Leitung von Sebastian Wild
Sebastian (40) ist aufgewachsen in Hersbruck, hat Soziologie und Kulturwissenschaften in Erlangen studiert und tourte in den 2000er Jahren europaweit als Bandmusiker. Im Jahr 2011 stieg er bei der Musikzentrale Nürnberg e.V. (MUZ) zunächst im Bereich Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit ein, 2018 übernahm er die Geschäftsführung. Seit Februar 2026 leitet er das kommunale KunstKulturQuartier. Er lebt mit seiner Familie in Nürnberg.
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