Kinder auf die Alm! Heidi im Theater Salz+Pfeffer

DONNERSTAG, 22. OKTOBER 2026, THEATER SALZ+PFEFFER

#Figurentheater, #Heidi, #Kindertheater, #Theater Salz und Pfeffer

Riika Läser inszeniert Johanna Spyris Alpen-Klassiker Heidi (5 Jahre ± 2) fürs Theater Salz+Pfeffer – mit Holzpuppen und einer glänzend wandelbaren Spielerin. Kritik von Andreas Thamm

Einen dicken, schweren Koffer hat die Spielerin Jennifer Quast auf die Bühne des Theater Salz+Pfeffer zu schleppen. In dem sich, wie das im Kindertheater oft so ist, eigentlich die ganze Welt verbirgt: Berge und die große Stadt, Freundschaft und Familie, Enttäuschung und Verletzung und die große romantische Hoffnung. Im Koffer steckt ein dickes, dickes Buch. 

1897 erschien der erste Band von Johanna Spyris Heidi-Romanen. Die Grundzüge dieser großen Geschichte haben bis heute nichts von ihrer sehr berührenden Kraft verloren. Wie schön, dass ein Nürnberger Kindertheater sich diesen Stoff für seine erste Premiere der Spielzeit 26/27 nimmt: Heidi, inszeniert und choreografiert von Riika Läser, umgesetzt von, neben der erwähnten Jennifer Quast, Holzpuppen aus der Werkstatt des Erfurters Udo Schneeweiß. Vier Stück: Heidi selbst, der Ziegenpeter, Klara und der Almöhi. In die Rollen der fiesen Fräulein Rottenberger und der Tante Dete schlüpft Quast selbst. 

Es braucht nicht viel, um auf einer Bühne Berge wachsen zu lassen: Umgedrehte Stühle, über die man ein graues Tuch wirft. Die Puppen in den Händen von Jennifer Quast fliegen jauchzend darüber hinweg, schon sind es die grünen Almwiesen, auf denen Heidi und Peter den Ziegen nachjagen. Der Almöhi, ihr Großvater, hat das Kind, dessen Eltern verstorben sind, unwillig knurrend aufgenommen. Schnell hat die Spielerin die unterschiedlichen Stimmen ihrer Charaktere etabliert, in denen so viel Persönlichkeit mitschwingt. 

Und natürlich taut der verbitterte Alte in Anwesenheit seiner neugierigen, offenherzigen Enkelin auf: “Bleibst du immer hier? Auch morgen? Dann will ich auch da bleiben!” Wenn von der Decke projizierte Sterne über die Wände fliegen und Quast ihre Heidi träumend durch den Zuschauerraum sausen lässt, sind alle Kinder wie magisch gefesselt von dieser stillen und geheimnisvollen Atmosphäre. 

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Die Dete holt das Kind zurück, der Großvater und die Heidi sind böse: “Ich gehör doch zu dir!” Quast kann diesen sehr traurigen Moment in ihrer dritten Rolle, der der Spielerin, gut auffangen. Indem sie ganz einfach verspricht, dass das noch nicht das Ende ist. Als strenges Fräulein Rottenmeier triezt sie Heidi und ihre neue Freundin, Klara, das Mädchen im Rollstuhl. Läsers Regie ist insbesondere an dieser Stelle eben auch Choreografie, sie schickt Quast, die sich sonst so fließend-schwungvoll bewegt, in roboterhaften Bewegungen über die Bühne. Hinzu kommt eine schön gewählte Musikkulisse mit viel Akkordeon, aber ohne Alpenkitsch. 

Am Ende steht bei Heidi natürlich die, auch der Zeit geschuldet, romantische Idee: Alle Kinder auf die Alm, dann werden auch die Lahmen gehen! Die Salz+Pfeffer-Version tritt das nicht weiter breit. Die kompakt erzählte, angenehm un-überladene Inszenierung lässt vor allem viel Raum, den die zuschauenden Kinder mit sich selbst füllen dürfen. Und wie sie da über die Wiesen fliegen und nach den Sternen schauen. Ein zeitloses Meisterwerk, behutsam umgesetzt. 

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Heidi im Theater Salz+Pfeffer.
Wieder auf dem Spielplan ab 09.12.




 

 




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Der Plüsch-Angsthase erobert symbolisch die Kulisse und Aufmerksamkeit, noch bevor nostalgischer Schallplatten-Sound, wie von Geisterhand in Gang gesetzt, durch die fahle Kinderzimmer-Szenerie knistert. Am Ende überlistet die trostreiche Absicht dieses durchweg leichtfüßigen Mutmachwerks doch glatt die Logik der Wirklichkeit. Dann ist der ganze Spuk in der Geisterbahn Schlimm Schlimm vorbei. Und mit ihr die Ängste, die die neunjährige Luzie mit Vorliebe im Bett umstellen. Ob Mörder, Monster oder Marder, Nacktschnecken oder schlechte Noten, Phantasie-Monster oder Schulflegel – das Gruselige ist immer und überall: Lauert unterm Teppich und dem Bett, als Skelett im Bühnen-Hintergrund oder als handfester Raufbold auf dem Pausenhof.

Meist hilft da eine Stinkbombe oder ein Handkantenschlag zur Bereinigung der bedrohlichen Situation. Manchmal aber auch, den Angstgegner einfach wegzuzwinkern. Weiß die schnelle Eingreiftruppe aus den Erinnerungsfetzen der Filmgeschichte, die mit allen Ticks und Tricks arbeitet und dem Mädchen zur Seite steht. Die Geisterjäger, die man rief, leisten denn auch ganze Komödiantenarbeit. Judy Punk (Sabine Zieser im fließenden Rollentausch zwischen Kraft-Punk und Luzie-Leidensdruck), CoolCool7 (Michael Schramm im James-Bond-Smoking mit Schuhtelefon und Cocktailglas) und Herr Dutschke (Özgür Kantar als schlappohriger Gefühlsanker) treiben diese Suche nach dem Selbstvertrauen voran. Lustigsein verscheucht die Monster in uns und macht gute Laune.

Regisseurin Andrea Maria Erl hat mit dem Trio und Bühnenbildnerin Maria Pfeiffer ein typisches Mummpitz-Stück geschaffen, das Musik und Moral, Humor und Bildwitz vereint. Luzies Bett mutiert zur Riesenrad-Gondel, dient als Schießbude oder fährt als Geisterbahn-Wagen durch den Kleiderschrank. Die Inszenierung setzt mit Schlagzeug, Gitarre und Sax auf den Charme des Dilettantischen und kitzelt auch sonst an den Nerven, legt sie aber nicht blank. Da gerät auch der Schrecken der Geisterbahn zum Schauplatz einer Verwandlung und macht aus Luzie einen ganz neuen, mutigen Menschen. Das Leben könnte so einfach sein. Man müsste einfach mehr auf den Rummelplatz gehen. Diese Besuche sind bekanntlich immer Mutproben.

Die Mummpitz-Gemeinde feierte die Schlimm Schlimm-Premiere jedenfalls. Auch wenn dieses Mal das Ergebnis hinter der Idee zurückblieb. Glanzleistung hin oder: Illusionen dürfen sich weiter lohnen. 

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Theater Mummpitz: Schlimm, schlimm (6+)

Termine

Di 13.10.2026, 10:00 Uhr
Mi 14.10.2026 10:00
Do 15.10.2026 10:00
Fr 16.10.2026 10:00
Sa 17.10.2026 16:00
So 18.10.2026 15:00
Di 20.10.2026 10:00
Mi 21.10.2026 10:00
Do 22.10.2026 10:00
Fr 23.10.2026 10:00
Sa 24.10.2026 16:00
So 25.10.2026 15:00
Mo 26.10.2026 10:00
Di 27.10.2026 10:00
Mi 28.10.2026 10:00
Do 29.10.2026 10:00

Eine Wiederaufnahme ist für Mai 2027 geplant.

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