Kinder auf die Alm! Heidi im Theater Salz+Pfeffer
#Figurentheater, #Heidi, #Kindertheater, #Theater Salz und Pfeffer
Riika Läser inszeniert Johanna Spyris Alpen-Klassiker Heidi (5 Jahre ± 2) fürs Theater Salz+Pfeffer – mit Holzpuppen und einer glänzend wandelbaren Spielerin. Kritik von Andreas Thamm
Einen dicken, schweren Koffer hat die Spielerin Jennifer Quast auf die Bühne des Theater Salz+Pfeffer zu schleppen. In dem sich, wie das im Kindertheater oft so ist, eigentlich die ganze Welt verbirgt: Berge und die große Stadt, Freundschaft und Familie, Enttäuschung und Verletzung und die große romantische Hoffnung. Im Koffer steckt ein dickes, dickes Buch.
1897 erschien der erste Band von Johanna Spyris Heidi-Romanen. Die Grundzüge dieser großen Geschichte haben bis heute nichts von ihrer sehr berührenden Kraft verloren. Wie schön, dass ein Nürnberger Kindertheater sich diesen Stoff für seine erste Premiere der Spielzeit 26/27 nimmt: Heidi, inszeniert und choreografiert von Riika Läser, umgesetzt von, neben der erwähnten Jennifer Quast, Holzpuppen aus der Werkstatt des Erfurters Udo Schneeweiß. Vier Stück: Heidi selbst, der Ziegenpeter, Klara und der Almöhi. In die Rollen der fiesen Fräulein Rottenberger und der Tante Dete schlüpft Quast selbst.
Es braucht nicht viel, um auf einer Bühne Berge wachsen zu lassen: Umgedrehte Stühle, über die man ein graues Tuch wirft. Die Puppen in den Händen von Jennifer Quast fliegen jauchzend darüber hinweg, schon sind es die grünen Almwiesen, auf denen Heidi und Peter den Ziegen nachjagen. Der Almöhi, ihr Großvater, hat das Kind, dessen Eltern verstorben sind, unwillig knurrend aufgenommen. Schnell hat die Spielerin die unterschiedlichen Stimmen ihrer Charaktere etabliert, in denen so viel Persönlichkeit mitschwingt.
Und natürlich taut der verbitterte Alte in Anwesenheit seiner neugierigen, offenherzigen Enkelin auf: “Bleibst du immer hier? Auch morgen? Dann will ich auch da bleiben!” Wenn von der Decke projizierte Sterne über die Wände fliegen und Quast ihre Heidi träumend durch den Zuschauerraum sausen lässt, sind alle Kinder wie magisch gefesselt von dieser stillen und geheimnisvollen Atmosphäre.
Der Rest der Geschichte ist bekannt: Die Dete holt das Kind zurück, der Großvater und die Heidi sind böse: “Ich gehör doch zu dir!” Quast kann diesen sehr traurigen Moment in ihrer dritten Rolle, der der Spielerin, gut auffangen. Indem sie ganz einfach verspricht, dass das noch nicht das Ende ist. Als strenges Fräulein Rottenmeier triezt sie Heidi und ihre neue Freundin, Klara, das Mädchen im Rollstuhl. Läsers Regie ist insbesondere an dieser Stelle eben auch Choreografie, sie schickt Quast, die sich sonst so fließend-schwungvoll bewegt, in roboterhaften Bewegungen über die Bühne. Hinzu kommt eine schön gewählte Musikkulisse mit viel Akkordeon, aber ohne Alpenkitsch.
Am Ende steht bei Heidi natürlich die, auch der Zeit geschuldet, romantische Idee: Alle Kinder auf die Alm, dann werden auch die Lahmen gehen! Die Salz+Pfeffer-Version tritt das nicht weiter breit. Die kompakt erzählte, angenehm un-überladene Inszenierung lässt vor allem viel Raum, den die zuschauenden Kinder mit sich selbst füllen dürfen. Und wie sie da über die Wiesen fliegen und nach den Sternen schauen. Ein zeitloses Meisterwerk, behutsam umgesetzt.
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Heidi im Theater Salz+Pfeffer.
Wieder auf dem Spielplan ab 09.12.
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