Buddeln im Theater Pfütze: Bei Depression hilft das Büchsen-Telefon

SONNTAG, 18. OKTOBER 2026, THEATER PFüTZE

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Die Nürnberger „Pfütze“ startet mit der Ko-Produktion „Buddeln“ in die neue Saison – mit Spurenelementen von „Musiktheater“. Auch sonst dürfte es ein bisschen mehr sein. Von Andreas Radlmaier

Mit Musik geht alles besser. Mit „Musiktheater“ nicht unbedingt. Die Kultursparte taucht etwas großspurig, weil nur in Spurenelementen vorhanden, als Typenbezeichnung in Masha Sapizhaks durchwegs weiblich besetzter Inszenierung des Erfolgsstücks „Buddeln“ von Clara Leinemann im Theater Pfütze auf.

Vera Mohrs, seit Staatstheater-Tagen ab 2018 beim damaligen Schauspiel-Chef Jan Philipp Gloger mit Homebase Nürnberg im Einsatz, wird sehr zuvorkommend in der neugeschaffenen Rubrik „Komposition und musikalische Leitung“ geführt. Anfangs im Foyer kratzen drei Geigen im popbunten Pulli schon an den Hörnerven des Publikums, nach 90 Minuten ist der Sound (simultan zur Gemütslage) weiterhin in Schräglage. Wir wissen jetzt: Bei Depression hilft nur Geduld. Oder ein gutes, altes Büchsen-Telefon. Ihre Verbindung wird gehalten.

Also auch „Pfütze“. Das runderneuerte Ensemble in den Sebalder Höfen klinkt sich ein in die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Großen Depression, die aktuell und beharrlich durchs Land, Stadt und Krisenritzen strömt. Thematisierten zum Saisonauftakt die Kindertheater-Kollegen von Mummpitz soeben noch die Angst-Zustände, die tunlichst schon im Kinderzimmer betreut werden sollten (oder in der Geisterbahn), legt jetzt Pfütze mit der nächsten Psycho-Baustelle nach, die sich zunehmend in den Statistiken der jungen Menschen ab 8 Jahren findet.

Das sei jetzt doch „ziemlich anstrengend“ gewesen, urteilt eine der drei besten Freundinnen, als sie – schwups – von Olms Leidenstunnel ausgespuckt werden. Wohl wissend, dass dieses Kind von Traurigkeit eine „Krankheit wie Husten“ hat und „seinen Kampf bis zum Ende kämpfen muss“. Achso. Da hilft nur der Griff zum Büchsen-Telefon und das Warten auf den Hilfe-Anruf.

Vorher hat Olm keine Lust mehr zum Spielen. Er vergräbt sich in einem Tunnel, der in seiner fiktiven unterirdischen Turbo-Entstehung offensichtlich alle deutschen Bauvorschriften ignoriert. Ein Klettergerüst wird zum Rückzugsraum, umspannt von halbtransparenten Tüchern. Seine Freundinnen folgen ihm ins halbdunkle Seelen-Labyrinth, wo Schokoriegel und Schattenreichfiguren warten. Im Kegel der Taschenlampe entwickeln Funkelkatze, Rattenkönig und Feuerdrache die Fluchtwegs-Phantasie, die sich man sich für die ganze Tiefenbohrung ins ramponierte Ich gewünscht hätte. Beim Sprung zwischen den Erlebniswelten, zwischen Klassenzimmer und Meta-Ebenen, kommt die Aufführung leider immer wieder unglücklich auf und verstaucht sich die Gelenke. Das Gezeigte lässt einen seltsam unberührt. Das Leiden, auch das Mitleiden, bleibt lapidar.

Auch Anne Gisler, Maria Magdalena Mund und Andrea Zwicky als Schicksalstrio mit Frischwärts-Attitüde können kaum Dringlichkeit und Verletzlichkeit in ihren Figuren entwickeln. So bleibt die Seelenschürferei von „Buddeln“, das es zwischen Bremen und Bruchsal auf die Spielpläne geschafft hat, eine zunehmend mit Spannkraft ringende Fingerübung für eine diffizile Depressions-Diagnose. Gut gemeint sicherlich. Und deshalb auch entsprechend beklatscht.

Im kommenden Jahr ist die Aufführung dann in der Garage des Erlanger Theaters zu sehen. Denn „Buddeln“ ist eine Ko-Produktion mit dem Theater Erlangen, nachdem Fürths neue Theaterintendantin Silvia Stolz die „Junge MET“ des Theaters Pfütze, jene Inszenierungen mit Musiktheater-Ambitionen, aufgekündigt hat. Der Druck nimmt allerorten zu. Die Depression auch.

Infos: www.theater-pfuetze.de und www.theater-erlangen.de

Weitere Termine:
Di, 21.10., 10:00 Uhr
Mi, 21.10., 10:00 Uhr
Do, 22.10., 09:00 Uhr
Do, 22.10., 11:00 Uhr
Fr, 23.10., 10:00 Uhr
Sa, 24.10., 16:00 Uhr
So, 25.10., 16:00 Uhr
Di, 27.10., 10:00 Uhr
Mi, 28.10., 10:00 Uhr
Do, 29.10., 10:00 Uhr
Fr, 30.10., 10:00 Uhr
Sa, 31.10., 16:00 Uhr
Di, 10.11., 10:00 Uhr
Mi, 11.11., 10:00 Uhr
Do, 12.11., 10:00 Uhr
Fr, 13.11., 10:00 Uhr
Sa, 14.11., 16:00 Uhr
So, 15.11., 16:00 Uhr
In Erlangen  ab Fr, 29.01.2027

 




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