AdbK: Jahresausstellung ist überall

16. JULI 2020 - 26. JULI 2020, NüRNBERG

#Akademie der Bildenden Künste, #Ausstellung, #Kunst, #Nürnberg

So sind sie die Künstler: Lassen sich nicht unterkriegen, nehmen widrige Umstände an und verwandeln sie kreativ in was Neues und oder sogar Gutes. Die Akademie kann in diesem Jahr wegen der widrigen Umstände kein Sommerfest und keine Jahresuasstellung auf dem Campus durchführen. Schade, aber: Die Jahresausstellung wird nicht abgesagt, sondern verteilt, sie wandert in die Stadt hinein und ist plötzlich überall.

Dezentrale Ausstellung heißt das Stichwort. Oder auch ein gutes Stichwort: Local Area Network. So nennt sich die Ausstellung in diesem Jahr folgerichtigerweise. Fast 30 Projekte finden zu diesem Anlass von 16. bis 26. Juli statt, im öffentlichen Raum, in Off-Spaces, in Museen, in Fenstern, im Internet, im Radio und sogar und sehr häufig in Print (Print: vollgas alive!). Das funktioniert auch, weil die Akademie-Künstler*innen ein Semester digitaler Lehre hinter sich haben und nicht wie sonst vornehmlich in den Ateliers und Werkstätten der Schule Kunst gemacht haben. Eine solche Zeit schafft neue Formen, die eine neue Ausstellungsform geradezu verlangen.

Das zentrale Element des Local Area Networks ist der Infokiosk, angesiedelt zwischen Kunsthalle und Kunstbunker, Bauhof 9, der zur Anlaufstelle für Besucher*innen wird, zum Treff- und Austauschpunkt. Eröffnung schon am 15. Juli, 17 Uhr. Hier kann man sich einen Überblick über die Aktionen verschaffen, durch die zahlreichen neuen Publikationen schmökern, Kunstpostkarten mitnehmen und sich einen Drink genehmigen. Bei Karl’s Kiosks Instagram bleibt man immer mal auf dem Laufenden darüber, was es da gibt. Einigermaßen unweit findet man eine Ausstellung im öffentlichen Raum: Max Pospiech und Max Grünauer zeigen am Bauzaun des KunstKulturQuartiers ihre Arbeit Unter Bäumen, die die Baumpatenschaften in der Stadt Nürnberg fotografisch aufgreift.

Hinauf zum Wanderer, diesmal nicht (nur) für Bierchen, sondern um Kunst zu sehen und, das ist der Clou, zu tauschen. Fünf Studierende aus der Klasse Felten/Girst haben an der Bergstraße 30 die Galeria Tauschof installiert, in dem ein wechselndes Sortiment künstlerischer Arbeiten getauscht werden kann. Nicht dazu gehört die Arbeit copying AdBK-Nürnberg with clay 2020 von Ella Speier, die aber durchaus in der Nähe auftauchen kann. Speier hat Negativ-Reliefs des AdbK-Bodens angefertigt und in der Stadt verteilt und trägt auf diese Weise die Akademie tatsächlich in die Stadt, kann man so sagen, oder?

Auch auf dem Campus selbst wird man natürlich Kunst sehen können. Die Klasse Stevenson beispielsweise bespielt die Vitrine der AdbK in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Kris Dittel mit der Arbeit It’s a matter of work, die sich mit dem Thema Arbeit und Kollaboration etc. befasst. Aus derselben Klasse stammt auch diese Website – Pavillon27 – die frisch gelauncht wurde. Zurück in die Stadt: In Gostenhof bekommt die fassade des Palais Schaumburg Kunst. Lukas Ulrich zeigt hier die Plakatserie Ungewohnte Blicke verändern Perspektiven, die unsere Sicht auf Gewohntes, wie die Fassade des Palais Schaumburg, herausfordern soll.

Nicht zuletzt, aber ebenfalls bemerkenswert: Auch das Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt Europas 2025 in der Spitalgasse 1 stellt seine Räumlichkeiten zur Verfügung und bekommt eine von Claudia Holzinger kuratierte Ausstellung namens proximity. Ganz, ganz viele weitere Aktionen finden online statt, via Zoom, bei Instagramm oder im eigens ins Leben gerufenen Radio Flatter. Die Klasse Ziese begibt sich beispielsweise auf eine digitale aber auch analoge Reise. 2303 km – so viel Wegstrecke liegt insgesamt zwischen den Arbeitsplätzen der Studierenden und ihrer Professorin. Mit einem dafür gekauften, 30 Jahre alten Auto wird diese Strecke abgefahren, die Reise wird via Radio Flatter und Instagram erfahrbar gemacht.   

Das alles ist freilich und wie immer nur ein Ausschnitt, bei dem ganz viel, auf das in einer gerechten Welt hingewiesen werden müsste, hinten runter fällt. Die glasklare Empfehlung lautet daher, sich durch das Programm auf der Homepage zu scrollen, das alles zu memorieren und nicht nur zu memorieren, sondern eben zu besuchen, anzuschauen, aufzusaugen. Die Jahresausstellung der AdbK 2020 ist eine, wie es sie noch niemals und never ever gab, unfassbar vielfältig, kreativ und letztlich tatsächlich ein bisschen überall. 

adbk-nuernberg.de




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