Autokino – Es wäre ein Lichtblick

DONNERSTAG, 30. APRIL 2020

#Autokino, #Corona, #coronasucks, #Kino, #Mobiles Kino e.V., #Openair, #Sommernachtfilmfestival

Das Mobile Kino bangt um seine Saison. Der Verein, der Open-Air-Film-Events und das Sommernachtfilmfestival auf die Beine stellt hat, nur die Sommermonate, um effektiv Einnahmen zu erzielen. Ob von den geplanten Kinoabenden irgendetwas stattfinden kann, ist momentan noch unklar. Autokino ist eine Idee, die Hoffnung macht, denn mit zwei Personen pro Auto scheint die Durchführung seuchensicher. Die Freistaat Bayern verbietet Autokinos momentan, weil sie zu Freizeiteinrichtungen gezählt werden. Gegen diese Regelung gibt es eine Petition. Wir haben uns mit Ute Schreiner, Geschäftsführerin des Mobilen Kinos über die Umsetzbarkeit von Autokino und andere Möglichkeiten von Kino auf Abstand unterhalten. 

CURT: Ich hörte, ihr steht in den Startlöchern. Was muss ich mir darunter vorstellen, ist das Autokino mit allen Anforderungen und Tonübertragung via Radio und weiß ich nicht, was noch dazugehört, für euch technisch prinzipiell schnell umsetzbar? 

UTE SCHREINER: Ja, wir haben alles da, wir könnten loslegen. Solange wir aber nicht wissen, an welchen Ort wir gehen dürfen, haben wir auch nicht die Frequenz für die Funkübertragung. Die muss man für den jeweiligen Ort freigeben lassen, wie lange das dauern würde, können wir nicht sagen. Das ist die eine Sache. Die allergrößte Problematik ist aber die Politik. Die Beschränkungen werden jetzt bis 11.05. verlängert und ich muss davon ausgehen, dass das Autokino davon betroffen ist, auch wenn es einer der bestgeschützten Orte ist. Man hat keinen Kontakt zum Publikum, die Scheibe kann immer oben bleiben. Auf Getränkeverkauf usw. muss man dann halt verzichten. Also, kurz gesagt, das ist das, woran es momentan scheitert: Wir bekommen keine Genehmigung.


Habt ihr denn bereit Erfahrungen mit solchen Veranstaltungen? 

Nein, das wäre das erste Mal. Es ist aber nur die Tonübertragung, die anders funktioniert, über Ukw ins Autoradio. Das Bild kommt genauso aus einem Projektor, die Leinwand ist auch dieselbe.

Wo wären Orte, an denen man so etwas umsetzen könnte? 

Der Volksfestplatz war bereits im Gespräch, genauso wie der Parkplatz vom Stadion, also Orte, die momentan eh nicht genutzt werden. Wir hatten überlegt, ob man das auch kleiner machen kann. Das Mobile Kino war früher Auf Aeg, da gibt es auch einen großen Parkplatz. Aber da haben wir noch Bedenken, weil es im Wohngebiet liegt und dann ja trotzdem 100, 150 Autos an- und abfahren. Im Hafen gäbe es auch ein großes Gelände... Wir schauen uns permanent um und überlegen, welche Orte wir der Stadt anbieten können.

Autokinos sind in der Coronakrise bayernweit verboten, das muss aber nicht so bleiben. Steht ihr mit den kommunalen Verwaltungen Nürnberg, Fürth, Erlangen in Kontakt, besteht da Bereitschaft?

Wir haben unseren Antrag abgegeben, sie haben sich aber bislang nicht dazu geäußert. Sie können wahrscheinlich nicht anders. Es geht noch nicht, deswegen können sie auch nicht genehmigen. Inwieweit die Städte da selber sagen, wir fänden das gut, ist uns bislang nicht kommuniziert worden.

In welchen Kooperationen würde so etwas umgesetzt, steht ihr mit den Kinos (Cine, Casa, Filmhaus, ...) in Kontakt?

Mit dem Cine und Wolfram Weber sprechen wir uns ab, da finden wir auf jeden Fall eine Lösung. Die anderen Nürnberger Kinos sollte man jetzt unterstützen, wir sind da offen für Gespräche und Absprachen, sodass man am Ende nicht gegen sondern miteinander arbeitet. Wobei man auch sagen muss, dass wir von den Kinos das sind, das am schwersten betroffen ist: Wenn es im September, Oktober heißt, es kann weitergehen, ist für uns die Saison gelaufen. Wir sind auf die Sommermonate angewiesen.

Bekommt ihr denn staatliche Unterstützung?

Wir haben alle Hilfen beantragt, die man beantragen kann und ich, als einzige festangestellte Kraft, bin in Kurzarbeit. Wir arbeiten mit vielen freien zusammen, mit Künstlern oder Studenten, Freiberuflern, die nebenbei bei uns arbeiten. Da sprechen wir von 40 Leuten. Für all die können wir momentan gar nichts tun. Aus eigenen Mitteln können wir die Leute nicht unterstützen. Von daher ist die Idee Autokino natürlich schon mit der Hoffnung verbunden, dass die Ausfälle doch nicht so groß werden. Es wäre ein Lichtblick.

Es gibt ja auch Menschen, die haben kein Auto. Welche anderen Konzepte wären denkbar, um Kino auf Abstand umzusetzen? 

Da sind wir noch ganz am Anfang. Wir überlegen, ob man zum Beispiel im Marienbergpark, da bespielen wir eine große Wiese, genug Abstand halten kann, auch ohne Auto. Dass man die Bereiche dementsprechend markiert, auf einer Picknickdecke mit zwei Stühlen hält man das ja eigentlich ein. Auch für unsere anderen Spielorte prüfen wir das momentan: Wie ein Autokino ohne Auto im Endeffekt.
Und wir hoffen weiterhin, dass vom Sommernachtfilmfestival irgendetwas trotzdem stattfinden kann. Natürlich nicht im selben Maßstab wie sonst. Aber wenn es bis dahin neue Auflagen gibt, mit denen wir arbeiten können, werden wir das auf jeden Fall tun.


Alle Infos übers Mobile Kino und die Möglchkeit, Gutscheine zu erwerben auf:
https://www.mobileskino.de/ ​

 




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Für viele Freiberufler im Kunst- und Kulturbereich waren die vergangenen Wochen nicht nur mit finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch mit großer Unsicherheit verbunden: Wo kann ich was beantragen, bin ich antragsberechtigt, wann kommen die 1.000 Euro pro Monat oder doch nicht oder für wen? Ein Teil Unsicherheit wird auch in den kommenden Tagen bleiben, dafür ist die Lage einfach zu neu und komplex und scheiße. Klar ist aber nach der heutigen Pressekonferenz von Markus Söder und Kultusminister Bernd Sibler, dass der Rettungsschirm vergrößert wird: 200 statt 90 Millionen kommen in den Topf. Das ist nötig, damit auch Menschen, die nicht in der Künstlersozialkasse versichert sind, Zugriff darauf haben. Dazu gehören dann zum Beispiel Techniker, Maskenbildner aber auch freie Journalisten, etc. Die Zahl der Begeünstigten verdopple sich von 30.000 auf 60.000. Nachzuweisen ist ein substantieller Beitrag zum Einkommen aus der freien künstlerischen Arbeit.

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Die Software, so Sibler, ist installiert, die Anträge können auf den Weg gebracht und ab nächster Woche heruntergeladen werden.
Die entsprechenden Anträge findet man, sobald es sie gibt hier:
https://www.stmwk.bayern.de/index.html

Einen guten Überblick über die Hilfsprogramme findet ihr hier:
https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/

Die gesamte Pressekonferenz zum Nachschauen:
https://youtu.be/9zf-x75-YOQ


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