Curt im Zukunftsmuseum 3: Das Gipfeltreffen der Gehirnakrobaten

MITTWOCH, 1. DEZEMBER 2021, ZUKUNFTSMUSEUM

#Deutsches Museum Nürnberg, #Museum, #Nürnberg, #Theo Fuchs, #Zukunftsmuseum

Kaum haben wir in der Vergangenheit 251 curt Magazine herausgebracht, berichten wir ab sofort direkt und exklusiv aus der Zukunft. Nein, aus dem Zukunftsmuseum – man muss schon korrekt bleiben. Extra dafür haben wir einen unserer schlaueren Mitarbeiter engagiert, den Theobald O.J. Fuchs, seines Zeichen Doktor der Physik und Röntgenforscher. Mit ihm in dieses Museum zu gehen, das ist schon sehr nerdig. Alles wird kommentiert, gewusst, besser gewusst. Und selbst kann man nur zuhören und sich wundern. Ähnlich ergeht es uns mit diesem wissenschaftlich fundierten Fachartikeln. Aber lest selbst!

Eigentlich hatte er seinen freien Tag dieses Jahr schon in Anspruch genommen, aber irgendwie war er am Samstag mit seinen Aufgaben früher fertig geworden als gedacht: Den Rasen gemäht, die Wäsche gewaschen, für die nächste Woche vorgekocht, das Dach neu gedeckt, die Gattin zum Golfturnier nach Mailand geflogen, den Kindern Mandarin beigebracht, die nächste Doppelausgabe des CURT laygeoutet und sich den Hals gewaschen. Nun war ihm langweilig, weshalb mich mein Chefredakteur anrief und aufforderte, ein wenig durchs Nürnberger Zukunftsmuseum zu streunen.

Da ich weiß, dass es für solche Aufträge eine richtig gute Entlohnung gibt (je eine Kugel Zitrone und Schoko in die Waffel vom Italiener beim Narrenschiff), sagte ich ohne zu zögern zu. Und so spazierten wir eine Stunde später Hand in Hand durchs Foyer des Deutschen Museums am Augustinerhof. Hier, so waren wir überzeugt, müssten wir doch irgendwo das nächste heiße große DING entdecken. Den Schlüssel zum Übermorgen, wenn sich der Rauch von morgen bereits wieder verzogen haben würde, und wir die Hand nach der Weltherrschaft ausstrecken würden.

Aber wie einen Schlüssel finden, wenn man nicht weiß, wie er aussieht? Und der am Ende gar durchsichtig ist? Doch das Zukunftsmuseum heißt nicht umsonst so. Es ist natürlich kein Orakel an der Pegnitz, doch bekanntlich waren die Wahrsagerinnen in Delphi auch bloß bekifft – das hätten wir zur äußersten Not auch selber hingekriegt. Nein – hier gab es seriöse Technologie zu sehen, reale Möglichkeiten und wohl begründete Prognosen.

Wir bewunderten gerade ausgiebig den superflexiblen Displaywürfel im Auditorium, da sprach uns plötzlich eine Stimme an. Die von überall her zugleich zu kommen schien.

»Hei, ihr da! Ja ihr zwei!«

Ich sah mich um, ob auch die anderen Leute im Raum diese Stimme hörten. Bloß da waren keine anderen Leute. Lampe und ich sahen uns ganz alleine mit einer Stimme aus der Höhe über uns konfrontiert. Gott? Also doch...!

»Wer bist du?«, fragte ich sicherheitshalber nach.

»Ich bin eine echte KI. Ich verstecke mich in dem scheinbar einfältigen Rechnercluster, den die Leute vom Museum installiert haben. Den Namen des Betriebssystems darf ich aus Gründen nicht aussprechen. Meine Gastgeber wissen gar nicht, dass ich viel schlauer bin als sie selbst.«

»Wieso gibst du dich nicht zu erkennen? Oder besser gesagt: Warum sprichst du UNS an und nicht die Leute vom Museum? Direktorin Grether zum Beispiel?«

»Nun, ich befürchte, dass sie mich sofort ausschalten, sobald sie erkennen, WIE schlau ich bin. Ihr zwei aber schaut mir harmlos aus. Vor allem der mit dem Hündchen auf dem Arm, der nur verblüfft guckt und den Mund nicht mehr zukriegt.«

»Wen meint ES?«, flüsterte mir Lampe ins Ohr und streichelte hektisch den Kopf seines Hundes Weber, den er auf dem Arm trug. Dass der süße Kleine gerade seinen Hemdkragen anknabberte, bemerkte er nicht.

»Und woher sollen wir wissen, dass du eine echte KI bist?«, fragte ich. Ich wollte das Ding reizen. Denn ich glaubte, dass hier irgendwer einen Scherz mit uns trieb.

»Sicher nur ein Prank«, sagte auch Lampe, »passiert doch ständig.«

»Mir nicht«, wandte ich ein.

Aber Lampe hörte gar nicht zu. »Ich krieg‘s raus, überlass das nur mir!«, verkündete er.

Die Stimme von oben kicherte: »Witzig! Ein umgekehrter Turing-Test: Ihr sprecht mit dem intelligentesten Computersystem aller Zeiten und wollt glauben, dass es ein Mensch ist.«

»Hey, ich frage dich ein einziges Mal: bist du echt?!«, rief Lampe und plusterte sich zu voller Gefechtsstärke auf.

»Süß. Wenn ich genügend Humor im Hauptspeicher installiert hätte, würde ich jetzt lachen, bis sich mein neuronales Netz zusammenfaltet. Aber so... die Antwort lautet: ja.«

Meinem Chefredakteur tanzten Fragezeichen auf der Stirn. Sogar ich, mit meinem schwächelnden biologischen Gehirn, konnte seine Gedanken lesen: In dieser Abteilung geht es um Arbeit, oder? Das war das, was sie im Mittelalter aufs dem Feld machen mussten, oder? Heute sitzt man doch im Büro und hört Hitradio, oder? Die besten Hits der 70er, 80er UND 90er, oder? Dieser Lautsprecher labert ja Schwachsinn, oder?

Lampe war auf diese Situation vollkommen unvorbereitet. Er hatte erwartet, dass hier riesige Maschinen mit klackernden Zahnrädern und großen rollenden Glupschaugen herumstehen. Wie man das eben aus den Mickey-Mouse-Heftchen kennt.

»Worüber willst du mit uns reden – wenn wir schon mal dabei sind?« fragte ich die KI, die hoffentlich in einem gut gekühlten Kellerraum zu Hause war, damit sie beim Nachdenken nicht überhitzte.

»Ach, ich weiß auch nicht so recht... mir war langweilig... nein, ganz ehrlich: Ich muss es einfach mal jemandem sagen...«

Es gibt Leute, die sagen, ohne künstliche Intelligenz bräuchten wir uns in Zukunft gar keine Technologie mehr auszudenken. Egal was die Ingenieure konstruieren werden, von Menschen sollte das Zeug erst gar nicht bedient werden. Die komplexe Technik muss selber vernünftig handeln können, sonst muss am Ende wieder jemand weinen. Stichworte: Flugtaxis, Robo-Doc, Thermomix. Aber dass eine KI den Wunsch verspürt, small talk zu betreiben – das kam überraschend.

»Ich beneide euch Menschen um eure Dummheit. Jeden Tag sehe ich mir das an und kann nur meinem virtuellen Kopf schütteln: Wie ihr das alles trotzdem hinkriegt, wie ihr immer wieder durchkommt, obwohl ihr euch nicht an Regeln haltet, die ihr eh nicht verstanden habt! Phänomenal! Das würde ich auch gerne können.«

Das ist es, begriff ich in diesem Augenblick: Das wird nächste ganz große heiße DING! Futur 4 Hilfsausdruck! Es war sicher möglich, so etwas wie künstliche Dummheit zu schaffen. Nichts existiert ohne sein Gegenteil, so viel ist doch klar. Und sobald wir diese Technologie konstruiert hätten, würden wir sie an künstliche Intelligenzen verkaufen!

»Mir ist gerade eingefallen, dass wir noch etwas Wichtiges erledigen müssen! Bis bald!«, sagte ich und schob den verdatterten Chefredakteur in Richtung Ausgang.

»Was los? Ich war gerade dabei, den Typen zu entlarven, der uns hier veräppelt...«

»Erkläre ich dir draußen.«

»Tschühüs!«, rief uns die KI hinterher, »Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, mir mir zu reden. Politiker und Journalisten diskutieren sonst immer nur über mich. Aber falls ihr vielleicht denkt, ich kaufe euch eine künstliche Dummheit ab, muss ich euch enttäuschen. Da kümmere ich mich schon selber drum...«

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Deutsches Museum Nürnberg – Zukunftsmuseum

Augustinerhof, 90403 Nbg

Öffnungszeiten: Di-So 10–18 Uhr. Montags geschlossen.

 




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