Neugründung: Der Kaskadenverlag bringt Bühnentexte ins Buch

MONTAG, 4. JANUAR 2021, ERLANGEN

#Erlangen, #Felix Kaden, #Kaskadenverlag, #Literatur, #Neugründung, #Poetry Slam, #Verlag

Viele von euch Schlingeln haben das Medium gerade jetzt, Tanzverbot!, wiederentdeckt: Bücher. Sie sind platzsparend und stecken dabei voller Welten und man kann sie in jedem neuen Lockdown voll und ganz und ohne Einschränkungen genießen. Damit liefern sie auch ein bisschen Ersatz für die fehlenden Literaturveranstaltungen von Lesung bis Poetry Slam. Genau hier setzt in gewisser Weise der neue Kaskadenverlag an. Felix Kaden, selbst Slam Poet, und Johanna Stuber, Tänzerin und Germanistin, haben in Erlangen einen Verlag gegründet. Dessen Konzept sieht vor, die Texte, die für die Bühne, die Performance gemacht sind, auf Papier zu bringen. Über das Abenteuer Verlagsgründung haben wir mit Felix gesprochen. 

CURT: Ihr möchtet in eurem Verlag Menschen herausbringen, die performativ mit Text umgehen. Was ist der Hintergedanke dabei?
FELIX KADEN: Dass Worte eben nicht eindimensional sind. Je nach Medium, ja nach Ausdruck verändern Sie Ihre Bedeutung. Wenn man beispielsweise einen Text von Marie-Theres liest ist das Lesen gleich anders: Die Intonation, die für Bühnenpoetik wichtig ist, findet man stilistisch im Text wieder. Da sie Schauspielerin ist, beschreibt sie auch sehr "szenenhaft" mit detailgenauen Bildern, die man sich sofort wie ein Standbild vorstellen kann. Unser Ziel ist es, Literatur zu drucken, die eigentlich vom Auftritt lebt. deswegen fangen unsere Bücher das Außergewöhnliche unserer Autoren auch optisch ein: in einem interessanten Buchcover und in der Illustration.

Ist das eine freie Nische in der deutschen Verlagslandschaft?

Definitiv. Bühnenpoetik ist mit Poetry Slam ja sehr bekannt geworden, aber das interessante ist: Wie funktioniert das gelesen? Es gibt einige kleinere Indieverlage, die das im Programm haben, meistens aber geben die Autoren ihr Erspartes, um ihre Texte selber drucken zu können. Mit unserem Verlag unterstützen wir also die bekannte Branche der Wortkunst, aber beleuchten sie durch die gedruckte Widergabe neu.

Ihr seid ein Poet/Schreiber und eine Germanistin/Tänzerin/Theaterpädagogin. Woher könnt ihr Verlag?

Ich selbst habe vorher schon Erfahrungen gemacht, Bücher kreiert und gedruckt, beginnend mit meinen eigenen Texten. So sind auch andere Bühnenautoren auf mein Werk aufmerksam geworden und wollten dann ebenfalls ein Buch. Ich bin schon immer ein Learning-by-doing-Mensch und so habe ich einfach angefangen zu experimentieren und dazuzulernen. Mir ist wichtig, dass jedes Buch eine kleine verrückte Idee hat. Seien es Bücher mit Augmented Reality, Postkarten, die man zu Papierfliegern falten kann oder ein Kinderbewerbungsbuch für N2025, welches sich im Panoramablick über zwei zusammengebundene Bücher erspannt. 
Johanna ist seit ihrer Kindheit leidenschaftliche Leserin. Dabei interessierte sie natürlich vorrangig die Geschichte, aber immer auch, wie das Buch aussieht, ob die Bilder schön sind … Das ging so weit, dass diese Lieblinge auch nicht verliehen wurden. Im Studium hat sie sich dann eher auf das Stilistische und Sprachgeschichtliche fokussiert: Warum hat sich Sprache so entwickelt, wie sie ist? Warum gab es bestimmte Literatur zu bestimmten Zeiten? Deshalb kümmert sie sich um den Inhnalt und die sprachliche Gestaltung der Bücher.

Die Verbindung aus beiden, aus Kreeieren und Zeigen, daraus entstand die Idee zum Verlag, weil es unserer Meinung nach eine aktuelle und starke Ausdrucksform ist.

Was ist das Ziel des Kaskadenverlags, und soll es auf lange Sicht auch ums Davonlebenkönnen der Autor*innen und Verleger*innen gehen?

Das Ziel ist es definitiv eine aktuelle literarische Ausdrucksform zu verbreiten und vor allem, auch in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten für die Kultur, den Autoren ein zweites Standbein zu geben. Leider ist es nicht so leicht, als Kulturschaffender, sei es als Verleger oder Autor, davon leben zu können. Aber wir hoffen zumindest, dass wir damit junge Künstler unterstützen können. Und dass wir ihnen neue Möglichkeiten aufzeigen. Unsere Illustratorin Lydja beispielsweise hat für "Frau über Bord" wunderschöne Bilder geschaffen und nach durchweg positivem Feedback, beschlossen sich damit selbstständig zu machen. Dabei war das Buch ihr erstes Projekt und ohne uns als "Experimentierraum" wäre das wohl nicht so schnell passiert.

Ihr habt im Oktober ein Buch mit Texten der Liedermacherin Johanna Moll veröffentlicht, zuletzt den Erlebnisbericht der "Unterhaltungsmatrosin" Marie-Theres Schwinn, die fünf Jahre lang auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet hat. Wie kam dieser Kontakt zustande und was hat euch an ihrem Text überzeugt?

Mit Johanna Moll bin ich persönlich befreundet und wer ihre Lieder kennt, der weiß, dass sie sehr poetisch und literarisch sind. Johanna ist eine Geschichtenerzählerin, deswegen habe ich ihr direkt vorgeschlagen die Texte ihres neuen Albums zu drucken, wovon sie sofort begeistert war. Marie-Theres ist einfach eine Bühnenerscheinung – wer sie mal als Bühnenpoetin gesehen hat, der vergisst sie nicht, weil sie es schafft unheimlich viel Präsenz zu zeigen und ihre Texte so vorzutragen, dass man diese direkt bildhaft vor sich sieht. Sie hat dann begonnen ihre Kreuzfahrtschiff-Geschichte zu verschriftlichen und diesen Prozess immer in Live-Podcasts vorzulesen. Wir waren so begeistert, dass wir ihr Buch direkt drucken wollten.

Beide Bücher kommen auch mit Illustrationen, gehört das generell und auch in Zukunft zum Konzept?

Definitiv. Und auch immer mit innovativen, neuen und teilweise verückten Illustrationen.

Und apropos Zukunft: Was habt ihr für 2021 in der Pipeline?

Bis jetzt steht noch mein neues Buch an. Eine Sammlung meiner neuen Bühnentexte. Auch hier gibt es illustrationstechnisch etwas neues und ausgefallenes. Ich stehe mit einer Schwarzlichtkünstlerin aus Dresden in Kontakt und wir sind alle drei schon gespannt, was aus dieser Kooperation entsteht.

An eure Bücher kommt man wahrscheinlich am einfachsten via Onlinebestellung. Finde ich euch auch, so wieder geöffnet, im stationären Buchhandel der Region? 

Ja, da sind wir gerade in der Akquise. Aber da kam uns leider der Lockdown dazwischen. Also vorläufig erstmal online! Gerne können interessierte Händler mit uns über unsere Seite in Kontakt treten.

___

Kaskadenverlag
Paul-Gossen-Str. 99
Erlangen
www.kaskadenverlag.de 




Twitter Facebook Google

#Erlangen, #Felix Kaden, #Kaskadenverlag, #Literatur, #Neugründung, #Poetry Slam, #Verlag

Vielleicht auch interessant...

20210215_Filmhaus_Kino3
20210201_Allianz_GR
20201201_Staatstheater_Fundus
20210304_Mam_Mam_Burger
20210318_machtdigital
20210208_Tafelhalle_wir_streamen_360
20210101_Theresien_KH_Baby
20210401_VAG_Leihrad
20210401_Ohm_Professional
20210419_Figurtentheaterfestival_360
202103_CodeCamp
20210403_20Jahre_Kachelbau
20201201_KommVorZone
20210401_Umweltbank_360
20200920
20210401_pinqponq_Miriam_Fischer
20210117_curt_Image