So ein Theater ... im Juni

DONNERSTAG, 1. JUNI 2017

#Dieter Stoll, #Gostner Hoftheater, #Kultur, #Oper, #Opernhaus, #Staatstheater Nürnberg, #Stadttheater Fürth, #Theater, #Theater Erlangen

Mit fünf Premieren aus allen Sparten und so dicken Klassiker-Brummern wie Schiller und Verdi geht das Staatstheater offensiv in die Schlussrunde der Spielzeit 16/17. Einschliesslich heftiger Bewegung im Repertoire: Wagners Nibelungen räumen mit letztem Aufbäumen den Platz fürs Comeback des nach Zungenschlag fränkisch eingemeindeten Blumenmädchens Eliza. Die allseits geliebte „Fair Lady“, die für nochmal sechs Vorstellungen wiederkehrt, trifft zumindest in der Theaterkantine auf eine französische Jungfrau im Wehrdienst und den aktuell ins Trudeln geratenen Staatsgründer Atatürk, den das Schauspiel mit besonderem Rechercheprojekt würdigt. Eine deutsche Putzfrau mit türkischem Liebhaber Ali kann dazu von Erlangen aus auch einiges erzählen.

Dabei schlittert der ganze Grossbetrieb der regionalen Bühnen schon in die Teilzeitkonkurrenz mit dem „Sommertheater“ fränkischer Freilichtspiele rundum. Anschliessend beginnen Abschiedswochen, der Juli wird von vielen letzten Vorstellungen und dabei sicher unterschiedlich ausfallendem Trennungsschmerz besetzt.

STAATSTHEATER NÜRNBERG

PREMIERE. So etwas nennt man wohl „das Stück der Stunde“ und deshalb wird Max Frischs unverwüstliche Kolportage-Parabel BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER derzeit erneut so demonstrativ oft auf die Spielpläne gesetzt. Das 1958 uraufgeführte „Lehrstück ohne Lehre“ des Schweizer Autors, der damals im Wechsel mit seinem Landsmann Friedrich Dürrenmatt das deutschsprachige
Theater geradezu fahrplanmäßig mit den wichtigsten, literarisch fundierten Uraufführungen belieferte, erzählt vom leichtfertigen Herrn Biedermann, der Leute in sein Haus aufnimmt, obwohl sie bereits als üble Brandstifter erkennbar sind. Eine weit ausdeutbare Konstellation, die bis heute immer wieder anders „aktuell“ wurde. Nach der eben erst abgesetzten Erlanger Aufführung, die auf eine eigene Produktion am Fürther Stadttheater gefolgt war, wird von Regisseur Christoph Mehler in Nürnberg nun eine Inszenierung erwartet, die den zwangsläufig angesammelten Staub der Konvention beherzter aus dem Text fegt. Immerhin hatte Mehler hier schon bei Büchners „Woyzeck“ und Ibsens „Hedda Gabler“ kräftig zugelangt und mit der Fortschreibung von Orwells „1984“ in die Zukunft von 2050 sehr großen Erfolg. Den Biedermann spielt Stefan Lorch, der als armer Soldat Woyzeck bei Mehler eine Stunde lang nackt im Kreis taumelte. Diesmal muss er sich warm anziehen.
Premiere: 9. Juni. Weitere Termine 11./17./21./22./24. Juni, dann wieder ab 6. Juli in den Kammerspielen.

PREMIERE. Dieses furchterregende Drama gehört zu den tief verwurzelten Standards des Bildungstheaters und hat im Schiller-Sortiment der 18-jährigen Amtszeit von Schauspieldirektor Klaus Kusenberg (der als fleißiger Regisseur allerdings dennoch einen großen Bogen um den feurig-pathetischen Autor macht) grade noch gefehlt. Nach „Die Räuber“, „Kabale und Liebe“, „Maria Stuart“, „Don Karlos“ und „Wilhelm Tell“ ist Platz für DIE JUNGFRAU VON ORLEANS. Lilly Gropper, erst im Vorjahr von Münster ans Nürnberger Ensemble gewechselt und hier parallel als schrille Melania Pump im Edel-Klamauk „Pension Schöller“ in ganz anderer Verfassung zu sehen, ist die visionäre Johanna mit dem Drang zur offenen Feldschlacht in der Neuinszenierung des wortgewaltigen Klassikers. In Nürnberg gab es den zuletzt, als das alte Schauspielhaus vor dem Abriss nochmal saniert wurde, im Ausweichquartier-Großformat Opernhaus, und Oberspielleiter Daniel Karasek (inzwischen schon seit Jahrzehnten Intendant in Kiel) ließ seine damalige Ehefrau Bettina Kupfer als Ersatz-Madonna wie eine Statue durch die Szene tragen. Nun führt erstmals in Nürnberg Peter Wittenberg (57) Regie, der einst eine jun-
ge Hoffnung des Wiener Burgtheaters war und dort als wagemutiger Uraufführungsregisseur von Werner Schwabs bis dahin für unspielbar gehaltene „Präsidentinnen“ mit der unvergessenen Ortrud Beginnen zum Siegeszug durch viele Spielpläne anstieß. Inzwischen ist er Leiter des Schauspielstudios in Linz. Mit elfköpfigem Ensemble zieht er zum Scheiterhaufen. Die Ensemble-Größen Thomas Nunner, Elke Wollmann, Josephine Köhler und Stefan Willi Wang sind in wegweisender Funktion dabei.
Premiere: 10. Juni. Weitere Termine 11./17. Juni, dann wieder ab 6. Juli im Schauspielhaus.

PREMIERE. Ursprünglich wollte und sollte diese Uraufführungs-Planung ein subtiler Beitrag zur deutsch-türkischen Konfliktbewältigung werden, was mit der langfristigen Verpflichtung von Tugsal Mogul als Autor und Regisseur beglaubigt war. Ein unkonventioneller Theatermacher, der im Hauptberuf Unfallarzt und Anästhesist in Münster ist, dort mit seinem „Theater Operation“ Stücke wie „Halbstarke Halbgötter“ schuf (in Nürnberg ein denkwürdiges Gastspiel am Gostner Hoftheater) und zur imaginären Hundertjahrfeier für Staatsgründer Atatürk im Jahr 2023 laden wollte. Er hat sich inzwischen samt Arbeitstitel „Atatürks Erben“ zurückgezogen, aber seine drei Produktionspartner führten den Plan mit fünf Akteuren als großes „Recherche-Projekt“ eines imaginären Festkomitees weiter, das abklären will, was gesagt werden muss, wo so viel verschwiegen wird. Was vom FEST FÜR ATATÜRK zu halten ist (und ob es, Böhmermann hilf!, Empörungsreaktionen aus Ankara gibt) gehört zu den Fragen, die sich da unwiderstehlich stellen.
Premiere: 8. Juni, weitere Termine11./14./21. Juni, dann wieder ab 8. Juli in der BlueBox.

PREMIERE. Für den jährlichen Studioabend junger Choreographen, der mit dem elastischen Titel MADE FOR US schnell Tritt fasste und inzwischen wie eine luxuriös hausgemachte Alternative von Goyo Montero zu sich selbst, respektive seiner Opernhaus-Linie, wirkt, zieht die Compagnie wieder rüber ins Schauspielhaus. Jiri Bubenicek (einst Solotänzer in Hamburg und Dresden, seit 1999 Schöpfer vieler Ballett-Kreationen) und der Belgier Jeroen Verbrüggen (der schon mit 32 Jahren in Monte Carlo die Seiten vom Solisten zum Stückemacher wechselte) entwickeln als Gäste unter dem Titel MADE FÜR US II je eine Uraufführung für das Ensemble. Man muss sich aber beeilen, um das Ergebnis zu würdigen – nach acht Vorstellungen verschwindet das Doppel schon im Juli wieder aus dem Spielplan.
Premiere: 23. Juni. Weitere Termine 25./27./28./30. Juni, dann wieder ab 3. Juli im Schauspielhaus.

PREMIERE. Die neunte, also eine eher frühe Oper von Giuseppe Verdi, entstanden irgendwann zwischen „Nabucco“ und „Macbeth“, zählt an deutschen Opernhäusern zu den großen Unbekannten, während sie in der Opernwelt als Juwel vor der Feinschliff-Phase gilt: Im Drama ATTILA zeigt der zeitlebens politisch denkende Komponist gewisses Wohlwollen für den Hunnenkönig, der sich faulen Kompromissen (Weltherrschaft gegen Rom-Regierung) verweigerte. Ermordet wird der legendäre Gewaltherrscher erst, als er Schwäche zeigt und sich nicht mehr wehren kann. Der – seit Jahrzehnten mit oft verblüffend unterhaltsamen, manchmal arg lehrmeisterlichen Ergebnissen um den neuen Blick auf alte Werke bemühte – Regie-Veteran Peter Konwitschny, der in Nürnberg zuletzt „Boris Godunow“ mit Puppenspielern konfrontierte und nächste Saison Bernd-Alois Zimmermanns immer noch schwer zu bewältigende, geniale Musiktheater-Moderne namens „Soldaten“ inszeniert, erregte 2013 im experimentierfreudigen Theater an der Wien Aufsehen mit seiner drastisch satirischen „Attila“-Sicht. Es darf (aus)gelacht werden. Nürnberg hat die Produktion, ähnlich wie die Pariser „Norma“ und das Basler „Totenhaus“, als Rahmen-Fertigbau fürs eigene Ensemble eingekauft. Konwitschny lässt in seiner Wiener Fassung die Bühnenfiguren im Zeitraffer altern, ohne dass sie irgendetwas dazu lernen – wie das Leben halt so ist. Der Chor als kommentierendes Volk hat schon bei Verdi eine der Hauptrollen, aber neben der schwierigen Sopran-Partie (Helena Dix kommt als Gast direkt aus der Lübecker Adaption der gleichen Inszenierung) sind vor allem die dunkelstimmigen Partien des Hunnen Attila und des Römers Ezio (mit Nicolai Karnolsky und Mikolaj Zalasinski aus dem reichen Bariton-Bestand des Ensembles) interessant. Dirigent Gabor Káli, der mit Alban Bergs „Wozzeck“ überzeugte, studiert es ein.
Premiere: 24. Juni. Weiterer Termin 27. Juni, dann wieder ab 2. Juli im Opernhaus.

FESTIVAL. Mit der dritten Version des auf Osteuropa fixierten Dramatiker-Wettbewerbs TALKING ABOUT BORDERS, dessen jeweiliger Sieger mit einer Uraufführung in Nürnberg rechnen darf („Life is Loading“ von 2016/17 aus Polen, die unbekümmert juchzende Inszenierung eines matten Textes über die Abgründe des Facebook-Zeitalters, taucht allerdings nach sechs Vorstellungen in der kleinen BlueBox dort nur noch am 15. Juli auf), wird per Festival ein demonstrativer Schwerpunkt gesetzt. Sicher auch, weil offen sein dürfte, ob die neue Intendanz den „Blick über die Grenzen“ so weiterführen will. Autoren aus Tschechien und der Slowakei  waren diesmal aufgerufen, die Fachjury stellt den Siegertitel, der am 27. Juni 2018 im Spielplan realisiert werden soll, am 29. Juni 2017 vor. Bis 2. Juli sind beim Jahrgangs-Festival täglich szenische Lesungen, Konzerte, Vorträge, Party-Entspannungen und die völlig unabweisbare Grundsatzdiskussion über „Gegenwartsdramatik“ angesetzt.
Termine: 29. Juni bis 2. Juli in Kammerspielen, BlueBox und Schauspielhaus Nürnberg.

COMEBACK. Die Zugabe-Runde für das so evergreen greenende Musical MY FAIR LADY entwickelt sich zur differenzierten Wieder-
sehensfeier bei regionalem Austausch-Dialekt. Der von Strauß-„Fledermaus“ und Mozart-„Zauberflöte“ bestens in Erinnerung gebliebene Sänger Kurt Schober, beim Intendanten aus künstlerisch schwer nachvollziehbaren Gründen in Ungnade gefallen und seit etlichen Jahren im Opern-Chor auf Asyl, kehrt nach fünf Spielzeiten mit seiner gespeicherten Premierenerfahrung als Professor Higgins zurück, Sopranistin Isolde Blechschmidt ersetzt die nach der ersten Serie von 2011 ausgestiegene Schauspielerin Henriette Schmidt in der Eliza-Partie und Volker Heißmann (erneut mit der Polternummer des Müllkutschers Alfred Doolittle eine sichere Komiker-Nummer) bringt seinen Fürther Sketchpartner Martin Rassau erneut im fließenden Gewand der vornehmen Higgins-Mutter zur Travestie-Teestunde mit. Richard Kindley macht wieder den kauzigen Oberst Pickering und Teresa Erbe lässt für den Auftritt der Higgins-Haushälterin ihr eigentliches Reich im Souffleurkasten nochmal hinter sich. Alle reden mehr oder weniger fränkisch.
Termine: 30. Juni, dann wieder ab 5. Juli im Opernhaus.

PREMIERENFRISCH. Mit der inzwischen international gefragten Sopranistin Hrachuhí Bassénz (siehe auch Interview ab Seite 12)) in der schwierigen Titelrolle hat Nürnberg eine in allen Lagen brillant singende Haus-Besetzung für Vincenzo Bellinis Belcanto-Sonderfall NORMA. Schade nur, dass sie von der inspirationsfreien Inszenierung des Pariser Theaterleiters Stéphane Braunschweig, die in Nürnberg wie ein Bilderrahmen über den Sängern liegt, als Darstellerin der magischen Hass & Liebe-Figur so allein gelassen wird. Andererseits ist GMD Marcus Bosch am Pult der Garant für auffrischende Aktionen zwischen wuchtiger Dramatik und schwebenden Lyrismen und somit ein weiterer Trost. –-- Diese offensive Lachnummer soll offenbar noch die Quote der nächsten Saison sichern. Anders wäre es gar nicht zu erklären, dass im Schauspielhaus der zumindest in Teilen unwiderstehliche Komödien-Krawall PENSION SCHÖLLER nach üppiger Mai-Serie im Juni und Juli nur jeweils eine Vorstellung hat und dann erst Ende November wiederkehrt. Eine Denkpause wird`s wohl nicht sein, aber die Wogen der Heiterkeit schäumen so zuverlässig, dass man es als „Sommertheater“ schnell noch empfehlen kann. Und eine so umwerfend komische Performance wie die von Thomas Nunner als „knassisch“ rezitierendes Dickerchen mit zungenverknotendem Sprachfehler, gleichermaßen aufgeschlossen für die Fülle des Wohllauts in „Kabane und Niebe von Schinner“ wie für die Kalorienattacke der Schokopampe „Nutenna“ in jedem noch so abwegigen Fastfood-Menü, ist den halben Abend wert.
Termine: „Norma“ (1./29. Juni, dann wieder 3./8. Juli) im Opernhaus. --- „Pension Schöller“ (3. Juni und 5. Juli) im Schauspielhaus.

LETZTER AUFRUF. Nun geht die Welt also endgültig unter – bzw. nach Lesart dieser Inszenierung im Twitter-Weltall auf. Wagners DER RING DES NIBELUNGEN in der umstrittenen, gefeierten, geschmähten, verehrten Inszenierung von Georg Schmiedleitner verabschiedet sich mit dem zweiten Zyklus. Von RHEINGOLD über WALKÜRE und SIEGFRIED zur GÖTTERDÄMMERUNG (auch in den Einzelvorstellungen buchbar) führt GMD Marcus Bosch noch einmal die Philharmoniker und das Sänger-Ensemble, in dem Antonio Yang, Rachael Tovey und Vincent Wolfsteiner dominieren im Festspiel-Format. --- Der tanzende Ritter von der traurigen Gestalt kehrt mit Sicherheit zurück, denn schließlich bleibt sein Schöpfer, Ballettchef Goyo Montero, als einziger Spartenleiter über 2018 hinaus am Staatstheater und braucht langfristig verfügbares Repertoire. Nur vorerst geht der bewegte und bewegende DON QUIJOTE elf Vorstellungen nach der April-Premiere in den Ruhestand, schon für Oktober wird die Rückkehr geplant.
Termine: „Ring“-Zyklus („Rheingold“ am 7., „Walküre“ am 11., „Siegfried“ am 15., „Götterdämmerung“ am 4. und 18. Juni). --– „Don Quijote“ (2./10. Juni) im Opernhaus.

STAATSTHEATER NÜRNBERG
Richard-Wagner-Platz 2-10, Nürnberg
staatstheater-nuernberg.de


GOSTNER HOTHEATER

PREMIERE. Nach der Depression in bester Laune? Einen „lebensbejahenden Monolog über ein todernstes Thema“, der zugleich dennoch „eines der komischsten Stücke überhaupt“ sei, so haben staunende Kritiker nach der Uraufführung über Duncan Macmillans ALL DAS SCHÖNE beschrieben. Ein Kind listet da nach dem Selbstmordversuch der Mutter über viele Jahre eine immer länger werdende Liste von durchnummerierten Gründen auf, die gegen alle Melancholie für das optimistische Überleben sprechen. Weil da angebliche Schreckgespenster in Glücksfälle verzaubert werden, gehören „Unpassende Songs in gefühlvollen Momenten“ kurz vor Erreichung der Millionengrenze ins Abwehrprogramm. Gerd Beyer, der grade auch mit der Staatstheater-Inszenierung „Linke Läufer“ in der Rolle des von Nazis verfolgten Club-Trainers Jenö Konrad bei den Autorentagen am Deutschen Theater Berlin gastiert, spielt in Begleitung von Jan Bratenstein alias Black Elephant Band auf Augenhöhe mit den Zuschauern. So ist das von Regisseurin Anna Huber gewollt, denn zur besseren Illustration der Erzählung werden für kleine Auftritte Mitspieler aus dem Publikum in den Status von Moment-Künstlern versetzt. Im intimen Rahmen der Theaterkneipe Loft im Gostner sollte das als Sponti-Spaß mit Hintergrund funktionieren.
Premiere: 3. Juni. Weitere Termine: 9./10./21./23./24./30. Juni und 1. Juli im Loft des Gostner Hoftheaters.

COMEBACK. Das heißgeliebte Buch von Wolfgang Herrndorf ist zweifellos Kult, die sehenswerte Verfilmung durch Fatih Akin bekam gerade den Europäischen Jugendfilmpreis, die gefeierte Bühnenfassung am Gostner Hoftheater (übrigens inszeniert von Thomas Stang, der inzwischen das KULT-Ensemble am Fürther Theater leitet) entstand genau dazwischen. Jetzt kehrt TSCHICK, die lustvoll poetische Story von den zwei denkbar gegensätzlichen Jungen Maik und Tschick beim Abenteuer der illegal fantastischen Weltentdeckung und der Annäherung an das Mirakel „Freundschaft“, nochmal mit David Schirmer, Boris Keil und Vadim Samarsky zurück – ins größere Quartier Hubertussaal. Gespielt wird morgens für Schüler, abends für Erwachsene, die ihr kindliches Gemüt vor dem Sturz ins Alter bewahren wollen. Sehenswert ist es sowieso für alle.
Termine: 28. bis 30. Juni im Hubertussaal (Gibitzenhof).

GOSTNER HOFTHEATER
Austr. 70, Nürnberg
gostner.de


STADTTHEATER FÜRTH

GASTSPIEL. Mit zwei Choreografien, die typisch sind für die längst mehrheitsfähige Moderne des italienischen ATERBALLETTO, kommt die seit vielen Jahren auch in der begehrten Fürther Tanztheater- Gastspielreihe erfolgreiche Compagnie nach drei Jahren Pause wieder. Stücke, die 2015 daheim im Stammquartier der Regione Emilia Romagna Uraufführung hatten: Giuseppe Spota, der als Tänzer schon 2011 den deutschen Theaterpreis „Faust“ bekam, inszeniert in LEGO nicht weniger als „den Lebensweg, den jeder Mensch auf der Suche nach sich selbst beschreiten muss“. In „Antitesi“ setzt Andonis Foniadakia, der als Magier kibernetischer Energien gerühmt wird, auf Kontrastwirkungen – zwischen männlich und weiblich, langsam und schnell, abstrakt und konkret. Sein turbulenter Tanz verspricht ein „Aufbegehren gegen die Schwerkraft“. Alsdann, auf geht´s zum Schweben.
Termine: 21. bis 25. Juni im Stadttheater Fürth.

GASTSPIEL. In Berlin werden soeben mit den letzten Vorstellungen von zwei spektakulären Produktionen der beiden Teile des ultimativen Goethe-Klassikers „Faust“ (Frank Castorf an der gerade noch eigenen Volksbühne, Robert Wilson an Claus Peymanns fast schon verlorenem Berliner Ensemble) unter großem Getöse ganze Kapitel deutscher Theatergeschichte zwischen Jubel und Klage beendet. Aber im Alltag gilt die Goethe-Stadt Weimar immer noch als ständige Brutstätte, an der in der Kette diverser Neuinszenierungen von FAUST – DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL kaum Lücken zu entdecken sind. Die aktuell gültige „Nationaltheater“-Version stammt von Hasko Weber, der schon in Stuttgart und Dresden die Sparte leitete, ehe er 2013 als Generalintendant nach Thüringen wechselte und diese bedingt unkonventionelle Aufführung wie einen Leitartikel an den Beginn seiner Arbeit setzte.
Das zweitägige Gastspiel lädt auch zum Vergleich, denn erst im Mai war in Fürth Nikolaus Habjans ganz andere „Faust“-Interpretation mit dem jungen Grazer Ensemble „Next Liberty“ und Puppen-Assistenz beim Figurentheaterfestival zu sehen.
Termine: 29./30. Juni im Stadttheater Fürth.

STADTTHEATER FÜRTH
Königstr. 116, Fürth
stadttheater.fuerth.de


THEATER ERLANGEN

PREMIERE. Die Erlanger Intendantin Katja Ott, von der Stadt für ihre betont bürgernahe Spielplanpolitik mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung weit hinein ins nächste Jahrzehnt belohnt, hat sich für die Chefin-Produktion der Saison das Drehbuch eines Fassbinder-Films ausgesucht, das erst vor kurzem (u.a. am fabelhaften Berliner Gorki-Theater) den Weg zum Theater fand. Die Bühnen-Adaption von ANGST ESSEN SEELE AUF, dem schon wegen Brigitte Mira unvergesslich gefühlvollen Kino-Melodram um die weit jenseits des Jugendwahns befindliche Putzfrau mit dem wie ein Naturereignis hereinbrechenden Liebesverhältnis zum weitaus jüngeren Türken, vervollständigt das in Fürth und der Nürnberger Tafelhalle locker anlegt RWF-Mosaik. Ob es schwerpunktmäßig um Generationsfragen oder Migranten-Konflikte, Vorurteile oder die alles überstrahlende Naivität der Gefühle geht, müssen die Interpreten entscheiden. Den Arbeitstitel „Alle Türken heißen Ali“ hatte Fassbinder damals verworfen und für die wichtige Hauptrolle ist in Erlangen mit der Wiederkehr von Lea Schmocker als überraschend junger Besetzung schon mal Irritation gesichert.
Premiere: 22. Juni. Weitere Termine: 28./29.06. im Markgrafentheater.

THEATER ERLANGEN
Theaterplatz 2, Erlangen
theater-erlangen.de

 




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