10 Jahre NUEJAZZ Festival

17. OKTOBER 2023 - 29. OKTOBER 2023, NüRNBERG

#Cory Henry, #Festival, #Frank Wuppinger, #Interview, #Jazz, #Lakecia Benjamin, #MonoNeon, #NUEJAZZ

Der genreübergreifende Reichtum des Jazz. Das ist, in eigenen Worten, das Ding des NUEJAZZ-Festivals, die Leidenschaft seiner Macher*innen, ihre Aufgabe. Jedes Jahr im Herbst kommen Weltstars des Genres und junge aufstrebende Musiker:innen, die den guten alten Jazz anders denken, zerlegen, neu zusammenbauen. 2023 ist Jubiläum: NUEJAZZ findet zum zehnten Mal statt – und hat den Kulturpreis der Stadt Nürnberg gewonnen. Wir haben Festivalchef Frank Wuppinger gefragt, wie das alles anfing und wo das alles hinführte.

Das NUEJAZZ findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Nimm uns doch bitte mit in die Anfänge, aus welchem Geist wurde dieses Festival geboren?
FRANK WUPPINGER: Zu der Zeit sind die beiden Vorsitzenden des Nürnberger Jazzmusiker e.V., Yogo Pausch und Hans-GüntherBrodmann, von ihren Ämtern zurückgetreten und Marco Kühnl hat den ersten Vorsitz übernommen. Marco und ich haben zusammen in einer Band gespielt und er wusste, dass ich bereits Festivals organisiert hatte, das Kulturspektakel in Gauting und in den ersten drei Jahren das Brückenfestival. Der hat mich also gefragt, ob ich nicht Bock hätte, mit in den Verein zu kommen. Und uns war klar: Nürnberg brauchte wieder ein richtiges Jazzfestival! Wir haben ziemlich schnell konkret überlegt, was das werden soll. Es sollte einen urbanen Anstrich haben und den Jazz für junge Menschen attraktiv machen. Mit Steffi Dunker Auf AEG haben wir dann eine Partnerin gefunden, die sofort dabei war. Die Kulturwerkstatt mit dem heutigen Gebäude gab es zu der Zeit ja noch nicht, nur das Kulturbüro Muggenhof mit der Zentrifuge als zusätzlichem Veranstaltungsrraum. Für uns war das genau das Ambiente, das wir gesucht hatten. Zusammen mit der TH haben wir uns dann auf die Suche nach einem Design und einem Namen begeben. Daraus entstand die Zusammenarbeit mit Philipp Dittmar, der bis heute unser Design macht. Und weil wir selber Musiker sind, haben wir ein gutes Händchen fürs Programm. Den Leuten hat es gefallen und wir konnten von Jahr zu Jahr größer werden. 2016, als die Kulturwerkstatt fertig wurde, sind wir  umgezogen – dadurch hat sich das Festival nochmal vergrößert. Und in Zusammenarbeit mit dem Opernhaus konnten wir zum ersten Mal Konzerte für bis zu 1000 Besucher veranstalten.

Was war für dich der größte NUEJAZZ-Moment in dieser Zeit?
Ich erinnere mich natürlich sofort an das allererste Festival, weil ich mit meiner Band auch das Eröffnungskonzert gespielt habe. Während dieses ersten Auftritts ist irgendwann die Alarmanlage losgegangen. Die Bühne stand auf der falschen Seite des Raums und die Nebelmaschine hat den Feuermelder aktiviert. Wir haben das aber gar nicht gehört, weil wir in dem Moment so laut waren. Ich dachte die ganze Zeit, der Geiger macht irgendwas. Dessen Solo hatte aber ein ganz abruptes Ende – und auf einmal war die Sirene ganz laut und alle stürmten raus. Und die Feuerwehr kam mit zwei Autos. Einer der Techniker ist sofort losgesürmt, um mit denen zu reden. Wichtig ist dann nämlich, dass die Besatzung nicht aussteigt. Wenn die sitzen bleiben kostet es nichts oder zumindest weniger.
Im vergangenen Jahr hatten wir einen Abend im Z-Bau mit Youssef Dayes als Healdiner. Wir hatten 650 Tickets verkauft, hauptsächlich wegen ihm. Dann hat er uns kurzfristig wegen Krankheit abgesagt. In der Kürze war kein Ersatz zu finden, also beschlossen wir, wir ziehen es mit den übrigen vier Bands durch, ohne den Headliner. Stattdessen haben wir Melanie Charles aus der Galerie in den Großen Saal umgelegt und die hat dort so einen Abriss gefahren, dass die Leute wirklich baff waren. Das war schon toll.

Wie hat sich die Szene, das Genre in der Zwischenzeit verändert?
Als wir angefangen haben, hatten viele das Gefühl, es muss etwas Neues passieren. Junge Musikerinitiativen wollten nicht mehr nur straighten Swing spielen, sondern das Genre öffnen, den Begriff weiten. Es ist aber immer so: Je jünger, desto weniger Geld, je elitärer und konventioneller, desto mehr Geld hat man zur Verfügung. Die freien Künste tun sich da immer sehr schwer. Wir versuchen mittlerweile einen Spagat. Auch ein klassischer Jazz kann schön sein, auf der anderen Seite wäre mir nur das zu wenig. Unser größter Erfolg bis dahin war die London Edition 2018, die vor allem die junge Londoner Szene präsentiert hat. Wenn man dort ein paar Mal war, weiß man, das ist eine alternative Szene. Die jungen Musiker denken den Jazz eher vom Club her und spielen so wie DJs auflegen, Spiritual Jazz, viel von HipHop beeinflusst, Leute wie Thundercat, Shabaka Hutchings, Kamasi Washington … Die Festivals, die mit dieser Generation mitgehen, die haben eine Zukunft. Und ein stückweit tun wir das. Aber auch das zielt auf eine bestimmte Zielgruppe, auf ein Publikum, das wir hier in der Breite wie z.B. in Köln, Berlin, Hamburg, Amsterdam nicht haben.

Wie schaust du auf der anderen Seite auf die Machenden, auf die junge Jazzszene in Nürnberg?
Corona hat viel durcheinander geworfen und überdeckt, was gerade am Kommen war. Aber wir haben eine tolle Hochschule und viele kreative Musiker, ich sehe das schon positiv. Es ist halt schade, dass die Kulturpolitik in Bayern die freie Szene nicht so fördert. Viele verlassen Nürnberg deswegen und sagen, da gehe ich lieber nach Leipzig, Berlin, Köln und versuche da mein Glück, da bekomme ich mehr Support. Hier sind die Auftrittsmöglichkeiten sehr begrenzt.

Ihr fasst den Jazzbegriff ja einigermaßen weit. Was muss eine Band oder ein:e Künstler:in denn haben, um für euer Festival infrage zu kommen?
Erstmal muss sie mir gefallen, denn ich mache das Programm. Es muss mich musikalisch packen, es muss Groove haben. Es ist aber wirklich schwierig zu sagen, weil es so viele unterschiedliche Qualitäten von Musik gibt, die auf so unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Bei uns spielen keine Bands, die sich wiederholen, keine Popbands mit sich wiederholenden Songstrukturen. Es geht schon um Improvisation und um Energie, die Musik muss handwerklich gut und nicht vorhersehbar sein. Wir haben in diesem Jahr Leute da wie Lakecia Bejamin oder Gerald Clayton, die weltweite Koryphäen sind. Was die an ihrem Instrument können, können nur ganz wenige auf der Welt. Und auf der anderen Seite MonoNeon oder Kid Be Kid, also Groove-orientierte Sachen, die Spaß machen, in Richtung Souljazz gehen und auch tanzbar sind.

Inwiefern ist die Jubiläumsausgabe eine besondere Ausgabe?
Es war von Anfang an anders, weil wir bei der Organisation im Vorfeld stark von Kürzungen in der auslaufenden Bundes-Förderung betroffen waren. Die Förderung in Bayern für alle Jazzveranstalter*innen liegtbei 180 000 Euro. Das ist schon eher marginal. Auf der anderen Seite haben uns die privaten Sponsoren, die wir haben, sehr stark unterstützt. Dementsprechend war das Festival aber schwer zu planen, weil es einfach lange gedauert hat, bis wir die Infos, z.B. vom Bezirk und vom Ministerium in München, bekommen haben. Das hat sich bis in den Juli gezogen. Dadurch haben sich aber auch Sachen ergeben, z.B., dass wir Veranstaltungen im Programm haben, die von anderen organisiert werden und unter dem NUEJAZZ-Dach stattfinden. Die Konzerte im E-Werk in Erlangen zum Beuspiel oder Jazzthinking, eine Idee von Thilo Wolf, die Jazz für Unternehmen interessant machen soll. Das Eröffnungskonzert in der Tafelhalle ist eine tolle Sache: Wir werden da eine Big Band haben, die zur Hälfte aus Musikern von hier und zur Hälfte aus Musikern aus Nizza, der Partnerstadt von Nürnberg, besteht. Lauter junge Leute, die zusammenarbeiten und neue Verbindungen eingehen. Wir hoffen, dies auch in Zukunft weiterführen zu können. Und mit Cory Henry werden wir einen Weltklassemusiker in einer Größenordnung, wie wir es bisher auch noch nie hatten, im Z-Bau veranstalten. Alles in allem ist es der große Spagat von der Big Band zum DJ-Abend in der Blok Bar zur Buchvorstellung über Jazz in der Bürgerrechtsbewegung.

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NUEJAZZ
17. bis 29. Oktober, Tafelhalle, Kulturwerkstatt auf AEG, Z-Bau, E-Werk.
Präsentiert vom Medienpartner curt!

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Frank Wuppinger
ist in Gauting bei München geboren und hat in Nürnberg Jazzgitarre studiert. Mit dem Wuppinger & l’Orchestre Europa bzw. Frank Wuppinger Arkestra hat er in ganz Europa gespielt und bereits 2007 das Kulturstipendium der Stadt Nürnberg erhalten.
Seit 2013 ist er zweiter Vorsitzender des Nürnberger Jazzmusiker e.V., im selben Jahr organisiert er zusammen mit Marco Kühnl das erste NUEJAZZ Festival. Zusammen mit Oskan Coskun gründet er das Coskun Wuppinger Duo, 2019 mit Jochen Pfister und Julia Fau die Eazz.Band. 2018 wurde Frank Wuppinger zu einem der herausragenden Künstler der Metropolregion Nürnberg gekührt.

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NüRNBERG. curt ist Medienpartner und fühlt sich deshalb stolz und geradezu mitnominiert: Das NUEJAZZ Festival, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feierte (großes Interview mit Festivalchef Frank Wuppinger hier), ist für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie Festival des Jahres nominiert. “Wir denken, allein diese Nominierung ist schon eine tolle Sache. Auch, dass ein bayerisches Festival dabei ist, ist bemerkenswert, machen es in dieser Kategorie sonst Berlin, Köln, Hamburg und Moers unter sich aus”, schreibt Frank. Ebenfalls nominiert ist die Queen of Big Band, straight outta Langenzenn, Monika Roscher. Und zwar gleich doppelt! In der Kategorie Album Of The Year für Witchy Activities And The Maple Death und in der Kategorie Composition/Arrangement Of The Year für 8 Prinzessinnen. Hier gehts zu unserem großen Monika-Roscher-Interview.

Die Vergabe findet am 18.04. in Köln statt. curt findet: Da kann  es keine zwei Meinungen geben, NUEJAZZ und Moni Roscher für Jazzpreis, ja!

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Kultur  13.11.2020
INTERNET . ANKÜNDIGUNG: NUEJAZZ-DIGITAL-EDITION.
Pressetext: Auf Grund der neuen Corona-Maßnahmen muss das NueJazz 2020-Festival in der geplanten Form abgesagt werden. Mit der live produzierten NueJazz Digital Edition präsentieren die Veranstalter mehr als ein musikalisches Trostpflaster. Festivalleiter Frank Wuppinger: „Es tut uns in der Seele weh, aber wir blicken trotzdem nach vorne. Mit der Digital Edition bieten wir Jazz-Fans eine attraktive Alternative.“

Nürnberg, am 31. Oktober 2020 – Es war angerichtet. Mehr als das. Die Bands waren gebucht und voller Vorfreude, die Helfer instruiert und motiviert, das Hygiene-Konzept akribisch ausgetüftelt und: sämtliche Karten waren im Vorverkauf vergriffen. Doch drei Tage, bevor das Preisträger-Konzert des Bruno Rother-Wettbewerbs am 3. November das achte NueJazz-Festival eingeläutet hätte, kam die Hiobsbotschaft: das Event muss auf Grund des besorgniserregenden Pandemie-Verlaufs in seiner geplanten (und ohnehin schon abgespeckten Form abgesagt werden. „Es tut uns in der Seele weh“, sagt Festivalleiter Frank Wuppinger, „aber es hilft nicht. Die Maßnahmen sind auf Grund der aktuellen Entwicklung aber auch nachvollziehbar.“
Digitales Jazz-Erlebnis, vom BR-Klassik unterstützt: die NueJazz Digital Edition

Dass man bei den Veranstaltern des noch jungen Jazz-Events nicht gewillt ist, in Selbstmitleid zu versinken, zeigt die eilig konzipierte Festival-Alternative: die NueJazz Digital Edition. Gemeinsam mit dem BR/Studio Franken soll ein attraktives Jazz-Format produziert werden. Dabei geben am 13. November vier bis fünf junge Jazz-Acts in der Nürnberger Kulturwerkstatt „Auf AEG“ 30- bis 45-minütige Konzerte. Im Anschluss auf die vom BR/Studio Franken aufgezeichneten Shows bittet Beate Sampson, Jazz-Expertin bei BR-Klassik, zum Musiker-Talk. Noch offen ist, wann die Sendung ausgestrahlt wird. Fest steht aber schon jetzt: Wer wissen möchte, wie die junge deutsche Jazz-Szene tickt, sollte sich die NueJazz Digital Edition nicht entgehen lassen. Und: Das schnell auf die Beine gestellte Format beweist erneut die Innovations-Freudigkeit der Nürnberger Festival-Macher – eine Mentalität, die sich stets auch im NueJazz-Programm spiegelt. Weitere Infos finden sich auf der NueJazz-Facebook-Seite.

Den Käufern der Tickets wird der Eintritt selbstverständlich zurückerstattet.  >>
KULTURWERKSTATT AUF AEG. Seit das Lineup des diesjährigen It Isn’t Happening Festivals öffentlicht ist, sind wir ganz unruhig. Das Team das Livemusik-Clubmusik-bildende Kunst-Experimental-Mashup-Festivals holt Künstler*innen nach Nürnberg, die faszinieren und begeistern und Sachen anders machen. Tolles Ding. Wir haben mit Antares Igel aus der Festivalorga über das diesjährige Konzept, die Kirterien von IIH und das Sitz-Tanz-Feeling gesprochen.   >>
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