Für eine barrierefreie Kunstwelt: Idyllerei Festival auf AEG
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Der Kunstraum der Nürnberger Lebenshilfe aka Idyllerei hat sich in den vergangenen Jahren mit großer Liebe zur Sache als internationaler Player in Sachen Brut Art/Outsider Kunst etabliert. Zum dritten Mal findet Auf AEG das Idyllerei Festival statt, diesmal mit einem durch persönliche Kontakte natürlich gewachsenen Schwerpunkt auf Osteuropa. Vom 12. bis 14. Juni werden auf AEG sämtliche Barrieren abgebaut – für mehr Zugang und mehr Durchlässigkeit auf dem Kunstmarkt!
Denn: Idyllerei ist mehr als eine Kunstschau. Dahinter stehen zwei wichtige Erkenntnisse. Erstens, dass Menschen mit Behinderung im allgemeinen Kulturbetrieb in der Regel ausgegrenzt werden. Zweitens, dass das ein Verlust für alle ist. Diesen Künstler:innen eröffnen sich durch ihre Lebensumstände andere Erfahrungswelten als
Nichtbehinderten. In der Outsider Kunst findet all das statt: die Schmerzen, die Angst, die andere Wahrnehmung des Selbst und der Welt. Bei der Idyllerei haben alle die Möglichkeit, mit dieser Kunst in Kontakt zu kommen, das Publikum und die Galerien und Institutionen, die ein Interesse daran haben, ihre Barrieren abzubauen.
Das vielgestaltige Festivalprogramm setzt sich zusammen aus bildender Kunst in den Ausstellungsräumen, Theatervorstellungen und Konzerten inklusiver Gruppen/Bands, Workshops, Vorträgen und Dokumentarfilmen. Christian Vittinghoff und Lutz Krutein haben in den vergangenen Monaten ihr Netzwerk auf Konferenzen und Ausstellungen erweitert, unter anderem im tschechischen Brno und der slowakischen Hauptstadt Bratislava, beides Zentren der osteuropäischen Art Brut. Sie kehrten nicht nur beeindruckt von der Arbeit der Kolleg:innen zurück, sondern auch mit jeder Menge Adressen.
Durch diesen Austausch ergibt sich der Osteuropa-Fokus der diesjährigen Idyllerei mit Beiträgen u.a. aus Prag, Bratislava und Krakau. Ein besonderes Highlight der Ausstellung erreichte den Kunstraum bereits im April, unkommentiert zwischen zwei Pappdeckel gelegt: Meisterwerke aus dem legendären Studio Riera in Havanna, Kuba, die zuletzt auf der documenta15 zu sehen waren. "Wir konnten nicht glauben, was wir da in den Händen hielten", so Lutz Krutein.
Schon am Eröffnungsabend gibt es eine berühmte Truppe des italienischen Straßentheaters zu sehen: Das teatro due Mondi aus Faenza spielt seit 47 Jahren. Das wortlose Stück Die neun Gebote wird im Innenhof der Kulturwerkstatt gezeigt. Am Samstag bieten die Theaterkünstler:innen auch noch einen Workshop an. Außerdem gibt's Musik auf die Ohren: Metzer 58 ist eine sechsköpfige Band aus Münster, die sich aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammensetzt und mittlerweile deutschlandweit tourt. Schaut auf die Uhr: Ihre Konzerte dauern immer 58 Minuten!
Am Abend wird es noch einmal die Gelegenheit geben den Live-Theater-Science-Fiction-Film The Beginning zu sehen, der aus einer Zusammenarbeit des Brachland Ensembles mit den Lebenshilfen Nürnberg und Region Kassel entstanden ist. Ein magischer Programmpunkt am Sonntag: Das Theater Thikwa aus Berlin zeigt "Mehrjungmann", ein Tanz von Addas Ahmad und Kaveh Ghaemi, der nur mit den Körpern von Angst und Mut, Wut
und Toleranz, Ungerechtigkeit und Diskriminierung erzählt.
Die ganze Zeit, ab Samstag, 13 Uhr, wächst derweil die Murmelbahnvon Stephan Schwarzmann und Anett Langer, an der jeder und jede mitbauen darf. Sie ist nicht nur ein Spielzeug, sondern vielmehr ein gemeinsames Kunstwerk voller Leichtigkeit. Kunst kommt überhaupt aus aller Welt nach Nürnberg zur Idyllerei, aus Indien, Thailand, Serbien ... Viele Arbeiten sind zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Die Idyllerei: Garantiert horizont-, wenn nicht gar bewusstseinserweiternd!
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Idyllerei – Barrierefreies Festival
12. bis 14. Juni, in der Kulturwerkstatt, Auf AEG
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