Interview Edel Extra

SONNTAG, 1. MäRZ 2020

#Edel Extra, #GoHo, #Gostenhof, #Interview, #Kunst, #Subkultur

Im vergangenen Jahr gab es Alarm im Edel Extra: Der Kunstverein mit der kleinen, feinen Galerie in Gostenhof war in Gefahr geraten, ohne Vorstandschaft dazustehen. Es wäre ein herber Verlust gewesen für Nürnbergs freie Kulturlandschaft. das Unheil konnte abgewendet werden und mit Leonie Elpelt, Mariella Falke, Lana Novikova, Jolien Trog und Lee Krutsch steht ein junges, tatkräftiges Team bereit, um das Edel in eine glorreiche Zukunft zu führen. Wir haben uns mit dem neuen Vereinsvorstand unterhalten.

CURT: Das Edel Extra hatte im vergangenen Jahr große Probleme, neue Leute für die Leitung zu finden. Wie kamt ihr nun zu dem Job, musstet ihr überredet werden?

EDEL EXTRA: Wir haben im vergangenen Jahr im EDEL EXTRA eine Ausstellung mit dem Titel „Was ist Kunst?“ veranstaltet, die von Franca Walser kuratiert wurde. Dort haben wir die Ergebnisse aus dem gleichnamigen Kunstvermittlungsprojekt für Jugendliche vorgestellt. Es war eine Kooperation zwischen dem Fach Kunstvermittlung der FAU, dem SOS-Kinderdorf Nürnberg und dem EDEL EXTRA. Wir hatten also schon eine Möglichkeit, den Verein sozusagen von innen heraus kennenzulernen. Und da es im letzten Jahr tatsächlich einige Schwierigkeiten im EDEL gab, neue aktive Mitglieder für das Team zu finden, haben wir auf den Rettungsaufruf reagiert.
Es hat sich ziemlich schnell ein neues, sechsköpfiges Team gebildet aus Leonie, Jolien, Lee, Justus, Mariella und Lana. Wir bringen unter anderem Erfahrung aus den Bereichen Design, Kunst- und Medienwissenschaft, Kunstvermittlung, künstlerischem Schaffen, Kunstpädagogik und Kunsttherapie mit. Für uns ist klar, dass das EDEL ein wichtiger Ort für Nürnbergs (Sub-)Kultur und damit auch für die Nürnbergerinnen und Nürnberger ist, daher liegt uns sein Fortbestehen sehr am Herzen. Die Besetzung der Vorstandsposten war für uns vor allem eine vereinsrechtliche Angelegenheit; im Verein selbst sind wir alle gleichgestellt und teilen die Aufgaben, die auf uns zukommen, untereinander auf. Wir agieren als Kollektiv und haben jetzt die Chance, den Verein auszugestalten, verschiedene Erfahrungen und Ideen miteinander zu verknüpfen und den Menschen, die das EDEL EXTRA besuchen, weiterhin einen Ort für unterschiedlichste ästhetische Äußerungen zu bieten.

Seit wann seid ihr nun in der Position?

Die meisten von uns sind seit September im Team und Anfang Dezember war unsere Jahreshauptversammlung, auf der die Vorstandsposten offiziell besetzt wurden und das neue Programm für das kommende Jahr besprochen wurde.

Wie waren die ersten Wochen und Monate für euch?

Es kommt natürlich einiges zusammen, wenn man so unvermittelt in die Vereinsarbeit hineingerät, vor allem bei so einem vielseitigen Verein wie dem EDEL. Aber wir haben das zusammen gut gemeistert und sind auch für die Zukunft zuversichtlich. Wir kennen uns gegenseitig auch aus anderen Kontexten und sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Die „Kennenlern-Phase“ hatten wir bereits hinter uns und konnten uns daher schnell auf die Aufgaben im Verein konzentrieren.

Warum wolltet ihr letztlich in diese Position? Was ist eure Vision für das Edel Extra?

Die Position war vakant und musste besetzt werden, um die Formalia zu erfüllen. Wir sehen das nicht so eng. In der Gruppe sind wir gemeinsam der neue Vorstand.
An erster Stelle steht für uns, die gute Zusammenarbeit mit den Kreativen fortzusetzen, die den Verein in den letzten sechs Jahre ausgemacht hat. Das EDEL EXTRA bleibt nach wie vor ein offener und freier Experimentierraum, der bewusst als Gegenentwurf zu den etablierten Institutionen der Hochkultur konzipiert ist und in dem verschiedene Formate und künstlerische Praktiken vertreten sein dürfen. Einige von den Veranstaltungen, die unsere Vorgänger*innen konzipiert haben, werden weitergeführt. Wir können zum Beispiel schon vorfreudig ankündigen, dass es „Literarisches bei Schnaps“ wieder geben wird.
Für uns ist es aber auch wichtig, das EDEL EXTRA als Kunst- und Kulturort weiterzuentwickeln und innovative Konzepte und Präsentationsformen zeigen zu können. Wir erweitern das Angebot und wollen, dass mehr Akteur*innen der Szene in der Region sich dabei angesprochen fühlen. Im Dezember lief schon das „Backstubenkino“ an, eine Kurzfilmabend-Reihe, bei der Filme von Regisseur*innen aus der Region gezeigt werden.
Das Edel Extra ist nicht nur ein Raum für Ausstellungen, sondern auch für Lesungen, Vorträge und Themenabende. Alle Text-Affinen können sich gerne bei uns melden. Wir freuen uns immer, wenn es Interesse gibt, etwas zum Programm des EDEL beizutragen. Wir möchten es Menschen ermöglichen, einen Raum zu finden, um sich (kritisch) damit auseinanderzusetzen, was den Kunst- und Kulturbegriff im 21. Jahrhundert ausmacht.
Das Programm wird zusätzlich um ein Kunstvermittlungsangebot erweitert. Als Möglichkeit, gemeinsam oder alleine künstlerisch tätig zu werden, gibt es ab März einmal im Monat ein offenes Atelier und im April ein Ferienatelier für Kinder. Es werden auch Workshops mit den Künstler*innen und Kunstvermittler*innen stattfinden. Außerdem planen wir in Kooperation mit verschiedenen Initiativen in Nürnberg Projekte, bei denen die Stadt- und Viertel-Bewohner*innen angesprochen werden sollen, die das EDEL EXTRA noch nicht kennen. Wir wollen den Raum, das Viertel und vielleicht sogar die Stadt etwas beleben und Menschen die Möglichkeit geben, sich an der Bereicherung der lokalen Kulturlandschaft aktiv zu beteiligen.

Was macht das Edel Extra in der Nürnberger Kulturszene so besonders, wichtig und erhaltenswert?

Der Verein bleibt einer von wenigen Freiräumen, in dem Experimente willkommen und ganz unterschiedliche Kunst- und Kulturprojekte realisierbar sind. Das EDEL ist und bleibt sowohl für die „Alteingesessenen“ als auch für Neulinge in der Kunstszene offen. Im EDEL stellen nicht hauptsächlich die Mitglieder aus, sondern Kunst- und Kulturschaffende mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. Das Programm hat keinen festgelegten Rahmen. Über jedes Projekt wird immer individuell entschieden und wir freuen uns, wenn es neue Konzepte gibt. Wir versuchen, möglichst vielen verschiedenen Ideen im Bereich von Kunst und Kultur einen Platz zu bieten. Das EDEL war schon immer sehr lebendig und wir wollen, dass es das auch in Zukunft ist.

Wie weit seid ihr mit der Programmplanung fürs Jahr, worauf freut ihr euch besonders?

Wir haben für dieses Jahr über 80 Veranstaltungen geplant. Nach unserem Aufruf an die Künstler*innen in den Social-Media-Plattformen haben wir viele Bewerbungen bekommen und es sind sehr interessante Projekte dabei. Das heißt allerdings nicht, dass das Jahresprogramm schon feststeht. Es gibt noch zahlreiche freie Termine für die Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und Veranstaltungen anderer Art.
Was schon fest geplant ist, sind Veranstaltungen, die regelmäßig oder als Veranstaltungsreihe stattfinden werden. „Literarisches bei Schnaps“, das „Backstubenkino“ und das offene Atelier haben wir bereits angekündigt. Dazu kommen noch „Spaghetti und Kunst“, „Gender Check“ und einige weitere Veranstaltungen, die aktuell in Planung sind. Wir freuen uns auf alles, was wir realisieren werden und ganz besonders auf die Künstler*innen, auf gute Zusammenarbeit und auf das Publikum.

Wo liegen die größten Hürden und Schwierigkeiten, in welcher Hinsicht braucht ihr noch Unterstützung?

Wie wahrscheinlich bei den meisten Kunst- und Kulturvereinen, die ohne Eintrittspreise und feste Verkaufseinnahmen auskommen wollen, sind auch bei uns die Finanzen ein omnipräsentes Thema. Wir leben von den Spenden, Mitgliedsbeiträgen und der städtischen Förderung. Wir hoffen, dass im Jahr 2020 mehr Geld in die Vereinskasse hineinfließt, um mehr Projekte zu realisieren und zu zeigen, wie vielfältig die lokale Kulturszene ist und was in Nürnberg möglich sein kann.
Abgesehen davon sind wir dringend auf personelle Unterstützung angewiesen. Die Vereinsarbeit besteht nicht nur aus der Organisation von Kulturveranstaltungen. Es gibt immer viel zu tun: Wir sichten Bewerbungen und Veranstaltungsvorschläge, führen Künstler*innengespräche, kümmern uns darum, dass die Veranstaltungen ordentlich beworben werden und versuchen, unsere Internetpräsenz auszubauen. Daneben fallen weitere Organisations- und Verwaltungsaufgaben an, die im Hintergrund laufen. Außerdem müssen die Räume regelmäßig sauber gemacht werden und zu sechst ist das alles schon ein sehr großer Aufwand, da wir uns in unserer Freizeit ums EDEL kümmern, berufstätig sind und einige von uns auch noch studieren. Wir brauchen daher sowohl weiterhin Mitglieder, die den Verein passiv fördern, als auch Mitglieder, die aktiv im EDEL EXTRA helfen wollen. Wir freuen uns auf alle Leute, die sich mit dem EDEL EXTRA identifizieren können, für mehr offene und freie Kulturräume streiten wollen und uns tatkräftig dabei unterstützen, unseren Raum weiterhin lebendig zu gestalten.


EDEL EXTRA – Verein zur Förderung ästhetischer Prozesse e.V.
Müllnerstraße 22, Nbg.
edelextra.biz

Achtung! Wet Paint (Ausstellung von Tom Pike) / 11.03-15.03.
ROY – Literarisches bei Schnaps / 24.03.
Wie fühlt es sich an? (Ausstellung von Hannah Santana) / 25.03.-28.03.

 




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