Michael Akstaller in Venedig: Neue Formen auf der Insel

MITTWOCH, 31. JANUAR 2024, NüRNBERG/VENEDIG

#Akademie der Bildenden Künste, #Biennale Venedig, #Interview, #Klangkunst, #Kunst, #Künstler, #Michael Akstaller, #Sound, #Thresholds

Am 17. Januar hat er's verraten: Michael Akstaller, Klangkünstler, ist Teil des deutschen Beitrags auf der diesjährigen Biennale in Venedig. Und auch der ehemalige Dozent an der Nürnberger Akademie und Mouse on Mars Mitbegründer Jan St. Werner ist dabei. Eine Riesensache. Die Kuratorin Çagla Ilk beauftragt unter dem Titel Thresholds (Schwellen) einerseits Ersan Mondtag und Yael Bartana mit der Arbeit im Deutschen Pavillon, andererseits die Gruppe aus Michael und Jan plus Nicole L’Huillier, Robert Lippok mit ihren jeweiligen Sound-Arbeiten und Klang-Installationen auf der vorgelagerten Insel La Certosa. Kurz durchklingeln bei Michael Akstaller, der sich bereits in der Lagunenstadt befindet und, wie er gleich dazusagen muss, gar nicht so viel verraten darf über das, was die Gruppe dort gerade ausheckt.

CURT: Michael, seit wann weißt du denn, dass du Teil des deutschen Beitrags auf der Biennale in Venedig sein wirst?
MICHAEL AKSTALLER: Mit der Kuratorin Çagla Ilk arbeite ich tatsächlich seit 2020 immer wieder zusammen, auch in Konstellationen mit den anderen beteiligten Künstler:innen. Gemeinsam mit Nicole, Robert und Jan war ich zum Beispiel von ihr und ihren Co-Kuratoren Misal Adnan Yıldız und und Assaf Kimmel als Künstler für die  6. Ural Industrial Biennale in Jekaterinenburg eingeladen. Ich kenne die meisten, die dabei sind, schon sehr lange und deswegen kann ich die Frage nicht so konkret beantworten: Intensive Gespräche über Sound, performative und immaterielle Kunstformen führen wir, seit wir uns kennen. Der Call an sich kam vor etwa einem halben Jahr.

Was bedeutet diese Einladung für dich und deine Karriere?
Was mich mit Çagla verbindet ist, dass wir  in diesem Sinn keine klassische Karriere aufbauen, sondern ständig zwischen Disziplinen springen. Deswegen kann ich den Aspekt gar nicht so beurteilen. Es ist aber natürlich eine große Ehre mit diesen Leuten zusammenarbeiten zu dürfen. Es ist für mich aber kein neues Wasser, sondern eher der nächste Schritt in einer schon länger andauernden Entwicklung.

Was macht diese Konstellation an Menschen so besonders?
Ich finde, dass die Arbeit mit Sound und immateriellen Formen gerade in der bildenden Kunst eine besondere Chance bietet, weil das Feld noch nicht so stark besetzt ist. Die Recherche und die Auseinandersetzung mit neuen Formen ist ein gemeinsames Interesse von diesem Biennale-Team. Dass man über Materialitätsgrenzen hinausgeht, dass man gemeinsam an etwas Neuem arbeitet. Gerade mit Jan St. Werner verbindet mich ja eine intensive Zeit in Nürnberg, wo wir die Klasse Dynamische Akustische Forschung an der AdbK gegründet haben, in der Sound als Ausgangspunkt für eine komplett neue  Herangehensweise an bildende Kunst betrachtet wurde: Weg von ich stehe einem Bild gegenüber, hin zu ich höre, was um mich herum passiert, ich darf immer alles mitdenken und kann alles in meine Arbeit einschließen. Und das passiert auch hier: So individuell die Künstler:innen für sich genommen arbeiten, schließen sie doch alles um sie herum mit ein.

Ihr werdet zu viert auf der Insel La Certosa einen Raum mit Klang gestalten. Los geht’s am 20. April, wie weit ist die Arbeit bis jetzt fortgeschritten? Oder ist das geheim?
Lass es mich so formulieren: Die Positionen im Außenraum werden immer neu erfahrbar sein, weil die Landschaft, das Wetter sich ändert. Den Punkt, dass die Arbeit fertig ist, wird es nie geben. Wir sind gemeinsam hier, um genau an dieser Frage zu arbeiten: Wie formalisiert sich das Werk in immer neuen Kontexten und einer sich verändernden Umgebung? Es ist klar, dass jetzt in den letzten Wochen schon auch noch an der Installation gearbeitet wird.

Du lebst in Nürnberg und Berlin. Mehr Nürnberg oder mehr Berlin?
Mein Atelier habe ich in Nürnberg im heizhaus. Ich bin tatsächlich ein großer Fan von Nürnberg, auch wenn ich natürlich die Potenziale sehe, wo es sich verbessern könnte. Ich finde, in der Szene ist eine wahnsinnig gute Energie, die Leute geben sich gegenseitig Platz und unterstützen einander. Und so ein Atelier wie im heizhaus findet man woanders auch nicht so leicht. Berlin ist das andere Ufer – da muss man irgendwie auch sein. Ich habe generell festgestellt, dass es für mich nicht funktioniert, nur an einem Ort zu leben. Im vergangenen Jahr war ich auch viel in Karlsruhe zum Beispiel. Als freier Künstler ist es gut, wenn man viel reisen kann.


Michael Akstaller
Hat von 2011 bis 2017 an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg bei Eva von Platen studiert. 2017 gründete er dort mit dem Musiker und Soundkünstler Jan St. Werner die Klasse Dynamische Akustische Forschung, die heute als Kollektiv DAF weiter besteht. An der TH hat Michael zudem ein Studium in Bauingenieurwesen abgeschlossen. Er arbeitet forschend und produzierend an der Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst unter anderem in den Bereichen Strömungsforschung und akustische Forschung. Michael Akstaller war zuletzt an Ausstellungen unter anderem im Münchener Lenbachhaus, der Kunsthalle Baden-Baden und auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände beteiligt.
www.michaelakstaller.de

Weitere Informationen über den deutschen Beitrag zur Biennale in Venedig ab 20. April: www.deutscherpavillon.org

 




Twitter Facebook Google

#Akademie der Bildenden Künste, #Biennale Venedig, #Interview, #Klangkunst, #Kunst, #Künstler, #Michael Akstaller, #Sound, #Thresholds

Vielleicht auch interessant...

NüRNBERG. Über 30 Jahre lang hat Petra Weigle, die dieses Jahr formal in den Ruhestand geht, einige Dutzend Ausstellungen des Instituts für moderne Kunst, sowie diverse andere als Kuratorin verantwortet. Entstanden sind mal vielschichtige, mal minimalistisch präzise Setzungen in den verschiedensten Räumen Nürnbergs. Höchste Zeit, mit einer der erfahrensten Ausstellungsmacherinnen der Stadt ein paar Worte zu wechseln.  >>
curt und die Kunst – das gehört längst zusammen. Redaktionell auf jeden Fall, emotional sowieso. 
Diese Strecke im Magazin und Online macht unsere sowieso schon immer feine Partnerschaft mit Nürnbergs erster Adresse für zeitgenössische Kunst ganz offiziell.

Text: Marian Wild. Fotos: Instagramer*innen der
@igers_nürnberg

Der Staffelstab wurde längst weitergegeben: Seit letztem Sommer leitet Dr. Simone Schimpf als vierte*r Direktor*in Nürnbergs größtes Museum für zeitgenössische Kunst und modernes Design. Dass diese Zeit langweilig gewesen wäre kann man beileibe nicht sagen, zur Corona-Pandemie und der allgemeinen Krise des Kulturbetriebs gesellt sich seit Februar Ukrainekrieg und Inflation, die Energieknappheit des Winters winkt drohend vom Horizont. All diese Fragen gehen an einem zeitgenössischen Kulturort nicht vorbei, darum war es für uns vom curt höchste Zeit für ein ausführliches Interview über Nachhaltigkeit, Zukunftspläne und den feinen Zauber des Konkreten.  >>
KULTURWERKSTATT AUF AEG. Seit das Lineup des diesjährigen It Isn’t Happening Festivals öffentlicht ist, sind wir ganz unruhig. Das Team das Livemusik-Clubmusik-bildende Kunst-Experimental-Mashup-Festivals holt Künstler*innen nach Nürnberg, die faszinieren und begeistern und Sachen anders machen. Tolles Ding. Wir haben mit Antares Igel aus der Festivalorga über das diesjährige Konzept, die Kirterien von IIH und das Sitz-Tanz-Feeling gesprochen.   >>
20240201_Mummpitz_160
20240201_Staatstheater
20240201_VAG_D-Ticket
20230703_lighttone
20240201_Theater_Erlangen
20240201_NMN_Weaver
20240201_AFAG_akustika
20240201_Retterspitz
20240201_Kaweco
20240201_KuF_11xFAIR
20240201_Referat_Umwelt_Konferenz