Poetry Slam #8: Lesen für Bier

FREITAG, 1. NOVEMBER 2019

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Zwei Personen auf der Bühne lesen Texte, die das Publikum mitbringt, und dann stimmt das Publikum ab, ob der Text oder der Vortrag besser war. Wer gewinnt, erhält ein Bier. Dieses Format hat sich der in Nürnberg lebende Poetry-Slam-Organisator und Autor Lucas Fassnacht vor einigen Jahren ausgedacht.

Mittlerweile gibt es in über 20 weiteren Städten Ableger, von Hamburg bis Olten in der Schweiz – und seit diesem Herbst auch in Fürth. mit mir, Kathi Mock, als Gastgeberin. Aber was hat es eigentlich genau mit „Lesen für Bier“ auf sich? Lucas hat dazu ein paar Fragen beantwortet:

Lieber Lucas, wie zur Hölle bist du auf dieses Format gekommen?

Die Kunstkellerei in Nürnberg hat gefragt, ob ich Lust auf eine Literaturreihe habe, und ich wollte nicht noch eine Lesebühne anbieten.
Außerdem mag ich es, mit dem Publikum gemeinsam einen Abend zu gestalten. So bin ich auf die Idee gekommen, dass das Publikum die Texte mitbringt. Vom Slam wusste ich, dass Leute auch im Kulturbereich auf Wettbewerb anspringen, deswegen müssen sie entscheiden, was besser ist: Text oder Vortrag. Und dann brauchte es natürlich auch einen Preis für den Gewinnenden – und was eignet sich in Franken besser dafür als Bier?!

Hast du das Format im Laufe der Zeit verändert?

Eigentlich ist alles noch wie am Anfang. Der einzige Unterschied ist, dass nicht mehr nur der künstlerische Gast eine Kostprobe aus seinem/ihrem eigenen Repertoire gibt, sondern ich auch – zumindest, wenn ich etwas vorbereitet habe, was mir zugegebenermaßen nicht immer so gelingt, wie ich es mir wünschen würde …

Was ist der große Unterschied zu „Poetry Slam“?

Der Wettbewerb ist viel spielerischer; man hat auf der Bühne mehr Zeit, auf das Publikum einzugehen, und dieses ist viel stärker beteiligt. Die Interaktion prägt den Abend und die Situation, nicht eine sorgfältig entwickelte Präsentation, die perfekt auf ein paar Minuten getrimmt ist.

Wie ist das Publikum? Was gefällt ihnen?

Obwohl ich viel Stammpublikum habe, kann ich nur Tendenzen ausmachen: Das Skurrile, das unfreiwillig Komische – aber auch Texte, die Leute selbst verfasst haben, werden honoriert. In Erlangen ist das Publikum jung und studentisch, in Nürnberg sehr durchmischt.

Viele deiner Bühnengäste waren so begeistert, dass sie in ihrer Stadt das Format übernommen haben. Hast du das Konzept gar patentieren lassen?

Inzwischen sind es, glaube ich, über 20 Orte, an denen Lesen für Bier schon stattfand. Ich finde das super. Patentieren lassen habe ich das Konzept nicht, das geht bei künstlerischen Ideen wohl auch gar nicht.

Wer sind deine Gäste und trinken die wirklich alle Bier?

Viele kommen aus dem Poetry Slam, weil da meine Kontakte am besten sind. Aber auch Improtheaterleute, Singer/Songwriter und so ziemlich alle, die öfter auf einer Kleinkunstbühne stehen, lade ich gerne ein. Und die allermeisten Gäste trinken dann auch Bier - immerhin ist das der Name der Show. Letzten Dezember hatten wir aber ein Glühwein-Special. Ich bin nicht sicher, ob wir das wiederholen. Ein Gast hat mal Pfeffi getrunken. Es gab auch schon den Fall, dass ein Gast keinen Alkohol trinken wollte, ich sie aber unbedingt dabei haben wollte. Da gab es dann Tomatensaft.

Was war die beste Show bisher und mit welchem Gast?

Jede Show hat ihr eigenes – nicht planbares – Potenzial, besonders zu werden. Wenn der Gast, das Publikum und ich auf einer Wellenlänge sind, dann ist fast egal, was wir machen, welche Texte mitgebracht werden; es wird einfach famos. Darum suche ich meine künstlerischen Gäste sehr bewusst aus und freue mich auf alle. Natürlich ist nicht jeder Termin gleich rund, aber es gab so viele großartige Abende, dass ich mich schwer tue, einen Gast besonders hervorzuheben.

Du warst bereits mit dem Erlanger OB Florian Janik und dem Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, zusammen auf der Bühne: wie haben die sich geschlagen, und wirst du das Format mit Politiker*innen weiterführen?

Janik hat Bier getrunken und auch einiges gewonnen. Habeck hat sich überlegt zu trinken (und ein Bier hatte er dann auch tatsächlich), aber da Wahlkampf war, war es seinem Wahlkampfbüro letztendlich zu heikel, ihn dem Zufall des Formats zu überlassen. Deswegen hatten wir es leicht angepasst und Fragen aus dem Publikum integriert.
Wenn Politiker*innen Lust haben, was zu machen, bin ich gern dabei; von mir aus ist allerdings aktuell nichts geplant in der Richtung.

Was ist das Geheimnis für eine gute Show?

Wie gesagt, wenn alle auf einer Wellenlänge sind, kann fast nichts schief gehen. Wichtig ist mir auch, dass trotz allen Unsinns von uns auf der Bühne die Texte ernst genommen werden. Es ist ein Spaß-Format, aber ich habe den Anspruch, nur um der Pointe willen nichts durch den Kakao zu ziehen. Mein Spott soll zu meinen Überzeugungen passen, und mir ist wichtig, dass das Publikum das merkt.

Hat sich dein Alkoholkonsum durch das Format bedenklich verändert?

Wir trinken ja nur kleine Bier und dass wir am Ende ordentlich angedüdelt wirken, liegt auch an der Schnelligkeit, mit der wir das Bier runterstürzen. Aber in der Tat trinke ich insgesamt weniger als früher.

Wenn du weißt: Morgen ist schon wieder beruflich trinken angesagt – dann hältst du dich lieber ein bisschen zurück.

„Lesen für Bier“ lässt sich zwar in drei Sätzen erklären, aber tatsächlich muss man es wohl einmal gesehen haben, bevor man die ganze Tragweite des Unsinns versteht, die ein solcher Abend mit sich bringen kann.

LESEN FÜR BIER
Das nächste Mal kann man Lucas mit einem besonderen Gast antreffen: der zweifache deutschsprachige Poetry-Slam-Meister Jan Philipp Zymny kommt ins Erlanger E-Werk. Termin: 13. November.
Schnuckelig und nicht minder unterhaltsam wird es aber auch in Fürth im Grünen Baum, wenn Kathi Mock den zweifachen bayerischen Poetry-Slam-Meister Yannik Sellmann aus München zum Lesen und Biertrinken einlädt. Termin: 14. November.

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LUCAS FASSNACHT
organisiert seit 2012 den monatlichen Poetry Slam im E-Werk Erlangen und seit 2013 den Slam im Nürnberger Parks. Außerdem veranstaltet er Lesen für Bier in Erlangen und Nürnberg und gibt regelmäßig Workshops. Im September 2019 erschien sein Politthriller #KillTheRich im Blanvalet Verlag.

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DIE SLAM-TERMINE IM NOVEMBER 2019
02.11. / 19:00    U20 Poetry Slam   Luise - The Cultfactory  
06.11. / 20:00    Wortgefecht    Südpunkt, Nbg
08.11. / 20:00    Poetry Slam #GutesGeld   Villa Leon, Nbg
09.11. / 20:00    Poetry Slam    PARKS    Nürnberg
10.11. / 20:00    Fürther Poetry Slam    Kofferfabrik, Fürth
10.11. / 20:00    Poetry Slam    E-Werk, Saal, Erlangen
13.11. / 20:00    Lesen für Bier    E-Werk, Saal, Erlangen
14.11. / 19:00    Lesen für Bier Fürth    Grüner Baum, Fürth
20.11. / 19:00    U20 Poetry Slam    E-Werk, Kellerbühne
20.11. / 20:00    Lesen für Bier    PARKS    Nürnberg
22.11. / 20:00    Diary Slam    E-Werk, Kellerbühne
25.11. / 20:00    Südslam    Südpunkt, Nbg
26.11. / 20:00    Revolte Poetry Slam    Gummi Wörner, Erlangen

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KATHI MOCK ist geboren und aufgewachsen am Bodensee. 2010 hat sie Poetry Slam für sich entdeckt und seither zahlreiche Auftritte im gesamten deutschsprachigen Raum absolviert. Seit 2014 lebt sie in Erlangen. Seit 2015 veranstaltet Kathi den monatlichen U20-Poetry-Slam und den Diary Slam im E-Werk Erlangen, sowie Lesen für Bier in Fürth.
Sie ist Mitglied beim Improtheater holterdiepolter! Nürnberg.


 




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