Rosalila Flieder: Queer & Wohnungslos
#Fliederlich, #Queer, #Queer Kolumne, #Schutzeinrichtung
Text: Aleksander Beuermann
Ich kann mir nicht vorstellen, wie es manchen von meinen Bewohner*innen gehen würde, wenn die in einer gemischten Unterkunft wären, wo keiner darauf schaut, dass sie in Sicherheit sind.“, gibt Ben Weiskirchen in unserem Gespräch zu. Er ist Sozialpädagoge und arbeitet seit etwa einem Jahr bei Fliederlich. Dort betreut er die Wohnungslosenberatung und -pension. Die meisten Bewohnenden sind trans* Personen, für die herkömmliche Angebote für Wohnungslose ein zu hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Schon allein aus diesem Grund ist die Pension unfassbar wichtig. Keines der sieben Zimmer bleibt länger als einen Monat leer. Oft gibt es sogar eine Warteliste.
In der Münchner Studie „wohnungslos heimatlos“ von 2019 gaben 84% der befragten Fachkräfte der Wohnungslosenhilfen an, dass sie wohnungslose trans* Personen als besonders schutzbedürftig einordnen. Gleichzeitig gaben knapp 80% an, dass die Unterkünfte trans* und inter* Personen keinen sicheren Raum bieten können. Die Sicherheit von lesbischen, bisexuellen und schwulen Personen sehen ebenfalls fast 73% gefährdet. Die Einschätzung eines sinkenden Risikos für die betroffenen Personen geht vor allem damit einher, inwieweit davon ausgegangen wird, dass diese ihre queere Identität verstecken können. Zu diesem Schluss kam auch eine Studie von 2023 aus Berlin, wo es neben der Pension in Nürnberg die einzige weitere queere Wohnungslosenunterkunft Deutschlands gibt.
Die Pension besteht aus zwei WGs, in denen jeweils drei, beziehungsweise vier Personen zusammen leben. Ben fährt täglich bei ihnen vorbei. Seine Unterstützung beginnt selten bei der Job- oder Wohnungssuche. Viel häufiger müssen die Menschen sich zuerst einmal wieder psychisch stabilisieren. Deswegen telefoniert er mit ihnen Therapieangebote durch oder vereinbart Termine bei Beratungsstellen. Eine dieser Stellen ist auch die Queerberatung von Fliederlich selbst, z.B. wenn es um Transitionsfragen geht. Denn bei Themen, die für eine Person zu groß sind, kann Ben auf die Community bauen.
Trotzdem ist klar: Auch wenn das Angebot sehr positiv wahr- und auch angenommen wird; es braucht eine breitere Aufmerksamkeit, damit die Pension weiter bestehen und wachsen kann. Sieben Zimmer sind ein Anfang, aber sie sind bei weitem nicht genug. Immer mehr Menschen sind von Armut betroffen, Gewalt gegen queere Personen nimmt zu, aber gleichzeitig erklärt die Bundesregierung den queeren Aktionsplan für beendet. Eine passive Akzeptanz reicht deswegen nicht, es braucht eine öffentliche Meinung, die queeres Leben aktiv unterstützt – und dazu gehört eben auch queeres Wohnen.
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Fliederlich – Queeres Zentrum Nürnberg
Seit 1978 versteht sich der Verein als Ansprechpartner für queere Menschen aller Altersstufen im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen und bietet Informationen, Beratung und Austausch zu allen Bereichen queeren Lebens.
www.fliederlich.de
Aleksander Beuermann, 26,
studiert Technik-Journalismus und betreut zukünftig diese Kolumne. Ins Fliederlich geht er, seit er 16 ist.
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