Rosalia Flieder: Neue Fliederlich-Kolumne bei curt
#Fliederlich, #LGBTQIA+, #Queer, #Rosalia Flieder
Wenn jeder Ausdruck der eigenen Identität, jeder liebevolle Blick, jede Umarmung und jeder Kuss im öffentlichen Raum nur nach einem vorsichtigen Sicherheitscheck möglich ist, wenn Menschen sich nicht frei und unbeschwert bewegen können, bestimmte Orte aus Angst meiden oder lieber das Fahrrad nehmen, weil die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein Risiko darstellen könnte – dann bedeutet das eine massive Einschränkung persönlicher Freiheit. Für diese Freiheit setzt sich der Fliederlich Verein ein. Seit fast 50 Jahren für die queere Community in Nürnberg – nun auch mit einer Kolumne in curt, denn, um es mit Worten von Uschi Unsinn zu sagen: "Sichtbarkeit schafft Sicherheit!".
Text: Aleksander Beuermann
Der Fliederlich Verein setzt seit seiner Gründung 1978 auf Sichtbarkeit, um Sicherheit für die queere Community zu schaffen. Aus ursprünglich 15 Mitgliedern ist ein übergreifendes queeres Zentrum mit zahlreichen Gruppen- und Beratungsangeboten für queere Menschen aller Alterststufen geworden. Aber Sichtbarkeit allein reicht nicht aus, um Sicherheit zu schaffen. Es braucht Räume und Aufklärungsarbeit und dafür braucht es Förderungen und politische und gesellschaftliche Unterstützung. Und die stehen immer wieder auf der Kippe – oft gerade dann, wenn die Arbeit des Vereins besonders wichtig ist.
Die große Regenbogenflagge aus dem Erker im ersten Stock der Sandstraße 1 wehen zu sehen, hat für mich immer etwas mit Nachhausekommen zu tun. Denn dahinter liegen die Räume des Queeren Zentrum Nürnbergs, des Vereins Fliederlich e.V. Ich habe das Gefühl, dort aufgewachsen zu sein, auch wenn ich bestimmt mindestens 16 war, als ich zum ersten Mal zur queeren Jugendinitiative gegangen bin. Aber wahrscheinlich ist das normal, wenn man sich wöchentlich an einem Ort mit Menschen trifft, die einander so sehen, wie sie sind und sich gegenseitig auch genau so annehmen.
Seitdem bin ich aus der Zeit der Selbstfindung herausgewachsen und auch bei Fliederlich hat sich viel getan. Die ehrenamtlichen Gruppenleitungen, die zu meiner Zeit das meiste gestemmt haben, werden inzwischen von Sozialpädagog*innen unterstützt. Sie sind insgesamt zu viert, begleitet von einer Praktikantin, und arbeiten mit vier weiteren Festangestellten aus verschiedenen Qualifikationsbereichen zusammen. Ihre Aufgaben beginnen und enden aber nicht bei der Jugendgruppe, sondern beinhalten auch die Beratung von queeren Geflüchteten, zusammen mit dem Imedana e.V., die Betreuung einer queeren Wohnungslosenberatung mit sieben Wohneinheiten und einer Notschlafstelle, sowie Bildungsprojekte für Schulen und berufliche und persönliche Fortbildungen.
Mittlerweile gibt es insgesamt sieben Beratungsangebote, 16 Gruppen und zwei Arbeitskreise, in denen queere Menschen unterschiedlichster Lebenssituationen und -abschnitte Unterstützung, Emanzipation und vor allem auch eine Gemeinschaft finden können. Denn es reicht nicht immer, einfach nur verstanden zu werden.
Meine trans* und nichtbinären Freund*innen haben bei t*time Hilfe für ihre medizinische Transition gefunden und später TINA*, die Gruppe für Erwachsene trans*/nichtbinäre/inter* Personen gegründet. Einst skeptische Eltern beraten jetzt die Eltern der nächsten Generation queerer Kinder und mit jedem Jahr werden die Facetten unserer Community mit neuen Gruppen sichtbarer.
Es ist nicht zuletzt dieser aktiven Mitarbeit zu verdanken, dass aus den ursprünglich zwei Arbeitskreisen und fünfzehn Gründungsmitgliedern seit 1978 ein derart übergreifendes Queeres Zentrum werden konnte. Während zuerst die Schwulenbewegung im Fokus stand, ist Fliederlich heute ein Verein, in dem sich Menschen mit den unterschiedlichsten queeren Identitäten wohlfühlen können und der sich mit politischen Arbeitskreisen und Bildungsprojekten für ihre Rechte einsetzt.
Denn auch, wenn Fliederlich auf eine stolze aktivistische Historie zurückblicken kann: Der Kampf für Gleichberechtigung ist noch lange nicht vorbei!
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Fliederlich – Queeres Zentrum Nürnberg
Seit 1978 versteht sich der Verein als Ansprechpartner für queere Menschen aller Altersstufen im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen und bietet Informationen, Beratung und Austausch zu allen Bereichen queeren Lebens.
Aleksander Beuermann, 26, studiert Technik-Journalismus und betreut zukünftig diese Kolumne. Ins Fliederlich geht er, seit er 16 ist.
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