Jazz für Räuber: Uraufführung im Theater Mummpitz

30. SEPTEMBER 2023 - 12. OKTOBER 2023, THEATER MUMMPITZ

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Text von Andreas Radlmaier

Hatschi! Diese Räuberpistole hat Pfeffer und trifft. Auch, weil gute Lieder, Klassiker zumal, wie Pistolen sind. Spontanreaktionen sind somit unvermeidlich. Das Nürnberger Kindertheater Mummpitz um Regisseurin Andrea Maria Erl hat sich zum Saisonstart mit der Uraufführung „Jazz für Räuber oder Gretels großer Auftritt“ eine wunderbar ver-rückte Ergänzung zu seinen erfolgreichen „Jazz für Kinder“-Konzerten ausgedacht und räumt in einer kurzweiligen Stunde gleich das Vorurteil ab, Jazz und Humor seien von Natur aus nicht die besten Freunde. Puppenspiel und Blue Notes umarmen sich hier innigst. Am Ende steht das Publikum, Klein und Groß, und singt – frei nach Ray Charles und „Hit the Road, Jack“  -: „Wir brauchen mehr Jazz!“

Mit Musik geht bekanntlich alles besser, auch das Kasperltheater, das sich hier aus dem Traditionsguckkasten löst und die Daseinsberechtigungen von Seppl, Prinzessin, König, Räuber und Co zum übermütigen Panoramablick in die Gegenwart weitet. Diese Gretel-Frage musste in der Tat längst schon mal gestellt werden: Was ist denn, wenn in diesen politisch schwer korrekten Zeiten das handelnde Personal aus den Büchern rausgeschrieben wird, weil es den Machthabern, in diesem Fall seiner Majestät Semmelwurst I., besser in die eigene Vorlage passt? Die – naturgemäß fränkelnden - Traditions-Holzköpfe Kasper und Seppl werden zunächst mal auf den Mond geschossen, Gretel kämpft um ihre Reputation als „berühmteste und gefährlichste Räuberin aller Zeiten“. Ein finaler Box-Kampf um die Deutungshoheit bleibt da nicht aus. 

Die Figurenspiel-Prinzessin Panja Rittweger und die sichtbar begeisterte Live-Band (Gabriel Drempetic – Trompete; Peter Pelzner – Gitarre; Ferdinand Roscher – Kontrabass, Simon Froschauer – Schlagzeug) machen aus „Jazz für Räuber“ ein Kinderspiel. Punktgenau und voller Phantasie-Kehrtwenden zwischen Knast-Spannung und Schreibmaschinen-Nostalgie. Herbie Hancock, Bossa Nova und Ray Charles schauen vorbei, die Anarchie swingt, die Bannkraft hält. Die Spannkraft auch Fürth als möglicher Ort fürs Happy End wird verworfen, es geht in Mardi-Gras-Formation quer durchs Publikum nach New Orleans. Ein Heidenspaß, dieser Heldenspaß! Groß und Klein, nix wie rein!

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Jazz für Räuber
Mittwoch / 04.10. / 10:00
Donnerstag / 05.10. / 10:00
Samstag / 07.10. / 11:00
Sonntag / 08.10. / 11:00
Mittwoch / 11.10. / 10:00
Donnerstag / 12.10. /  10:00

Für Menschen ab 3 Jahren.
Weitere Aufführungen beim Panoptikum-Festival im Februar 2024 sowie im Frühjahr 2024.




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THEATER MUMMPITZ. Man kann ja nie früh genug mit der Gruppen-Therapie der German Angsthasen und ihrer immerwährenden Vollkasko-Mentalität anfangen. Also schickt das Nürnberger Theater Mummpitz zum Auftakt in die 46. Saison die Generation 6+ mit der hausgemachten Uraufführung Schlimm Schlimm aufs heilende Chaka-Karussell zwischen Schießbude und Geisterbahn. Ja, wenn’s hilft, lautet die sanft blinkende Botschaft.

Der Plüsch-Angsthase erobert symbolisch die Kulisse und Aufmerksamkeit, noch bevor nostalgischer Schallplatten-Sound, wie von Geisterhand in Gang gesetzt, durch die fahle Kinderzimmer-Szenerie knistert. Am Ende überlistet die trostreiche Absicht dieses durchweg leichtfüßigen Mutmachwerks doch glatt die Logik der Wirklichkeit. Dann ist der ganze Spuk in der Geisterbahn Schlimm Schlimm vorbei. Und mit ihr die Ängste, die die neunjährige Luzie mit Vorliebe im Bett umstellen. Ob Mörder, Monster oder Marder, Nacktschnecken oder schlechte Noten, Phantasie-Monster oder Schulflegel – das Gruselige ist immer und überall: Lauert unterm Teppich und dem Bett, als Skelett im Bühnen-Hintergrund oder als handfester Raufbold auf dem Pausenhof.

Meist hilft da eine Stinkbombe oder ein Handkantenschlag zur Bereinigung der bedrohlichen Situation. Manchmal aber auch, den Angstgegner einfach wegzuzwinkern. Weiß die schnelle Eingreiftruppe aus den Erinnerungsfetzen der Filmgeschichte, die mit allen Ticks und Tricks arbeitet und dem Mädchen zur Seite steht. Die Geisterjäger, die man rief, leisten denn auch ganze Komödiantenarbeit. Judy Punk (Sabine Zieser im fließenden Rollentausch zwischen Kraft-Punk und Luzie-Leidensdruck), CoolCool7 (Michael Schramm im James-Bond-Smoking mit Schuhtelefon und Cocktailglas) und Herr Dutschke (Özgür Kantar als schlappohriger Gefühlsanker) treiben diese Suche nach dem Selbstvertrauen voran. Lustigsein verscheucht die Monster in uns und macht gute Laune.

Regisseurin Andrea Maria Erl hat mit dem Trio und Bühnenbildnerin Maria Pfeiffer ein typisches Mummpitz-Stück geschaffen, das Musik und Moral, Humor und Bildwitz vereint. Luzies Bett mutiert zur Riesenrad-Gondel, dient als Schießbude oder fährt als Geisterbahn-Wagen durch den Kleiderschrank. Die Inszenierung setzt mit Schlagzeug, Gitarre und Sax auf den Charme des Dilettantischen und kitzelt auch sonst an den Nerven, legt sie aber nicht blank. Da gerät auch der Schrecken der Geisterbahn zum Schauplatz einer Verwandlung und macht aus Luzie einen ganz neuen, mutigen Menschen. Das Leben könnte so einfach sein. Man müsste einfach mehr auf den Rummelplatz gehen. Diese Besuche sind bekanntlich immer Mutproben.

Die Mummpitz-Gemeinde feierte die Schlimm Schlimm-Premiere jedenfalls. Auch wenn dieses Mal das Ergebnis hinter der Idee zurückblieb. Glanzleistung hin oder: Illusionen dürfen sich weiter lohnen. 

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Theater Mummpitz: Schlimm, schlimm (6+)

Termine

Di 13.10.2026, 10:00 Uhr
Mi 14.10.2026 10:00
Do 15.10.2026 10:00
Fr 16.10.2026 10:00
Sa 17.10.2026 16:00
So 18.10.2026 15:00
Di 20.10.2026 10:00
Mi 21.10.2026 10:00
Do 22.10.2026 10:00
Fr 23.10.2026 10:00
Sa 24.10.2026 16:00
So 25.10.2026 15:00
Mo 26.10.2026 10:00
Di 27.10.2026 10:00
Mi 28.10.2026 10:00
Do 29.10.2026 10:00

Eine Wiederaufnahme ist für Mai 2027 geplant.

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NüRNBERG. Alle zwei Jahre kann man beim Kindertheaterfestival panoptkum aufregende und neue Produktionen aus Bayern und ganz Europa entdecken. In diesem Jahr hat das Theater Mummpitz Schüler:innen der 11. Jahrgangstufe des Labenwolf Gymnasium Nürnberg gebeten, für uns Stücke anzuschauen und Kritiken dazu zu schreiben. Begleitet vom erfahrenen Theaterkritiker und Publizisten Prof. Manfred Jahnke konnten Sie sich ausprobieren und schufen eine Vielzahl von Texten, von denen eine Auswahl jetzt hier zu lesen ist. Danke ans Mummpitz und die jungenden Schreibenden für ihre tollen Kritiken!   >>
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