Himmlische, höllische, Blaue Nacht

SAMSTAG, 4. MAI 2019, NüRNBERGER INNENSTADT

#Blaue Nacht, #Kultur, #Nürnberg

Das Oben und das Unten, das Schreckliche, das Schöne: Mit dem Jahresmotto „Himmel und Hölle“ will das Kulturreferat in diesem Jahr quasi das Große und das Ganze in die Blaue Nacht holen. Traditionell leitet der Abend der Illuminationen den Nürnberger Kultursommer ein. Es ist 2019 der Sommer der Bewerbung um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai zeigt die Stadt, wie viel von dieser sogenannten Kultur sie tatsächlich in sich trägt. Spoiler: Viel!

Ein Künstlerpaar übernimmt in diesem Jahr die ehrenvolle Aufgabe, der Burg eine Illumination zu verpassen: Eun Hui Lee und Chang Min Lee. Die beiden stammen zwar aus Korea, haben sich aber an der Kunstakademie in Nürnberg kennengelernt. Das für die Burg vorgesehene Werk trägt den Titel „Himmlische Reise“. Bekannt ist das Paar, das in internationalen Galerien ausstellt, für kräftigte, farbstrotzende Bilder mit einem sehr eigenen, teils absurden Humor. Diese Werke feiern begeistert und ironisch die bunte Kuriosität des Menschlichen. Der zweite Illuminationsauftrag – Hauptmarkt, Neues Rathaus – ging an Urbanscreen, ein weltweit gefragtes Projektionsteam aus Bremen. Urbanscreen projizierten in Taiwan, im Irak, auf die Sydney Opera, an unzähligen Orten. Und: Vor zehn Jahren, Blaue Nacht 2009, schon einmal in Nürnberg. „Kontra“ nun erzählt auf der Rathausfassade vom Widerstreit der Gegensätze, kalt ist der eine, warm der andere, monochrom der eine, bunt der andere ... Urbanscreen fördern Auseinandersetzung und fordern Verschmelzung.

Drum herum um die Kunst finden die Besucherinnen und Besucher: noch mehr Kunst, logisch. Zehn Künstlerinnen und Künstler haben am Blaue-Nacht-Wettbewerb teilgenommen und stellen ihre Kunstwerke in der Nacht in der Altstadt aus. Damit nehmen sie auch an der Konkurrenz um den Publikumspreis teil, der immerhin 5.000 Euro einbringt. Weiterhin verspricht das Programm ein großes Scheitern, zumindest wenn es für den Einzelnen darum gehen soll, alles, wirklich alles gesehen zu haben, denn es werden über 300 Einzelveranstaltungen in mehr als 70 Kulturorten stattfinden. Zum Beispiel im KulturDREIeck Lessingstraße zwischen DB Museum, Museum für Kommunikation und Staatstheater. Die verbindende Straße soll vom Theater Anu aus Berlin mittels poetischer Performance in ein Zauberreich verwandelt werden. „Perpetuum Mobile“ heißt das Stück des Kollektivs, ein Reigen aus sechs Anschauungen zur Zukunft, zu Gott, zum ewigen drehenden Weltenrad.

Wie ein Rad dreht sich in dieser Nacht an allen Ecken und Enden die Kulturproduktion. In St. Martha lauschen die Besucher von 19 bis 23.30 Uhr Musik, die von Hades und Elysium erzählt. Die Sopranistin Theresa Steinbach wird neben vielen anderen dabei sein und es mit Bach und Kindermann aufnehmen. Im Krakauer Haus zeigt der Installationskünstler Adam Cmiel seine Visionen von Himmel und Hölle, die wiederum von der Krakauer Band Romantic Fellas mit warmem Synth-Pop unterlegt werden wird. Der Wuppertaler Künstler Gerhard Rossmann bringt sieben Särge mit in seine alten Heimat. Sie sind für die unterirdischen Felsengänge vorgesehen und, ein Glück, frei von Leichen. Dafür findet die Betrachter nahezu himmlische Landschaften in diesen letzten Ruhestätten.

Es geht auch anders: Im Schmuckhof scheint es zu lodern. Das liegt an der Installation „Höllenfahrt“ von Gunhild Kreuzer: Ein Vulkan – aber in einem Wohnwagen. Die heiße Arbeit der Künstlerin aus Berlin ist einer der zehn Wettbewerbsbeiträge des Jahres. Genauso übrigens wie die Installation „Sleepwalking“ der Nürnberger Künstler Joanna Maxellon und Harald Jantschke. Im Parkhaus Sterntor lassen die beiden eine mächtige Wassersäule aufsteigen und im Zement verschwinden. Wie das gehen soll? Muss man sich anschauen.  

Die Arbeiten von Kreuzer, Maxellon und Kolleg/innen befinden sich großzügig über die Altstadt verteilt, hier und da. An den Kunst- und Kulturorten, die nur mit dem Blaue-Nacht-Ticket besucht werden können, finden BesucherInnen die Karten, mit denen man selbst zur Kunstjury wird. Wer gar ein Zweitagesticket besitzt, kann sich mit den Werken exklusiverweise schon am 3. Mai vertraut machen und sich am 4. Mai dann in aller Ruhe der Gesamtschau Blaue Nacht widmen. Gar kein Ticket brauchen in diesem Jahr alle unter 15, solange sie mit ihren Eltern unterwegs sind. Ebenfalls neu: Die Firma Hüttinger spendiert ein Artist in Residence-Programm in Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste. Das Programm ermöglicht es der Studentin Yanran Cao aus Nanjing, China, ihr skulpturales Projekt umzusetzen: „The Moonlight is Beautiful Tonight“. Caos Vision: Ein spiegelnder, zauberhafter Glaskubus fürs historische Herrenschießhaus. Der Kubus wirkt nur auf den ersten Blick statisch.

Das Blättern durchs 120 Seiten dicke Programm offenbart die Bandbreite. Die blaue Nacht ist bildend und musikalisch, kindgerecht und erwachsen, alt und hypermodern, Hochkultur und Pop. Alles eben, was zwischen Himmel und Hölle nicht nur kreucht, sondern auch machbar ist. So viel Kunstgenuss macht durstig. Ein Glück, dass auch Getränke Kultur sein können. Im Stadtarchiv finden drei Weinverkostungen historischer Rebsorten statt. Die Teilnehmerzahl ist allerdings naturgemäß arg begrenzt. Wer nicht mehr reinpasst, muss aber bestimmt nicht verdursten. Auch anderswo werden Getränke gereicht werden. Am Rathausplatz, auf dem Kornmarkt, auf dem Sebalder sowie am Lorenzplatz macht sich die eigens konzipierte Blaue-Nacht-Gastronomie breit.

Zur Orientierung durch die Nacht zwischen Himmel und Hölle empfiehlt sich das umfangreiche Programmheft, das sämtliche Angebote, für die uns hier der Platz fehlt, noch einmal listet. Außerdem finden sich darin die Vorschläge zur themenorientierten Begehung, die sechs Touren durch die Nacht: Jung & neugierig, Familienausflug, Kunst-Weg, Blaue-Nacht-Kunstwettbewerb, Streifzug durch Wort & Klang und die Expedition für Entdecker. Man kann sich freilich auch fahren lassen: Zehn historische Omnibusse shutteln rund um die Altstadt.  Wer davon noch nicht ausreichend ermüdet ist, steuert zielsicher einen den violetten Punkte auf der Karte an, das sind die Late-Night-Orte für Spätzünder/innen. Dazu gehören unter anderem das Staatstheater und das Jazz Studio. Im Club Stereo und der Kantine im Kunstkulturquartier wird sogar bis 5 Uhr früh getanzt werden, bis die Nacht wieder zum Tag wird. Eine leise Version von Tanzvergnügen findet im Vorfeld auf dem Kornmarkt seinen Ort: Die Silent Disco ersetzt in diesem Jahr die Oldtimer-Schau. Die Musik von zwölf DJs kommt jeweils über Kopfhörer ins Ohr.   

Tickets für das blaue Wunder gibt‘s bis 3. Mai online auf blauenacht.nuernberg.de, an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie im KunstKulturquartier. Bändchen erhält man aber auch noch am 4. Mai an den diversen Tages- und Abendkassen. Bändchen und Ticket erlauben nicht nur Zugang, sondern auch An- und Abreise im gesamten VGN-Gebiet, Freitag ab 16 Uhr, Samstag bis Betriebsschluss.

DIE BLAUE NACHT – „HIMMEL UND HÖLLE“.
Samstag, 4. Mai 2019, ab 19 Uhr in der Nürnberger Altstadt.
Preview am Freitag, 3. Mai, nur mit Premiumticket. Premiumtickets erhältlich vom 10. bis 21. April!
Einzeltickets von 7,87 Euro (mit Nürnberg- oder Sozialpass) bis 22,50 (Print@home),
Alle Infos über Ticketpreise, Einzel-/Gruppentickets, Vorverkauf und Tageskasse hier!
blauenacht.nuernberg.de

ACHTUNG: curt vergibt Tickets! Einfach eine E-Mail mit dem Betreff “Blaue Nacht” an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst senden und Daumen drücken. Einsendeschluß ist der 28. April 2019.




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