Ein unvorstellbares Leben: 11 Frauen erzählen auf AEG vom Iran
#Ausstellung, #BEGU, #Iran, #Kulturwerkstatt Auf AEG, #LGBTQ
Dass der Iran keine Demokratie ist, dass Frauen dort unterdrückt werden, das Regime gewaltsam gegen Protestierende vorgeht, dass dort Krieg herrscht, davon weiß man. Aber wie ist es wirklich, dort zu leben, wie sieht der Alltag einer Frau oder queeren Person im Iran aus. Welche Verbote von Handlungen, die für uns selbstverständlich harmlos sind, bringen die Menschen dort in echte Gefahr? BEGU, ein interdisziplinäres Kunstprojekt, gibt in der Kulturwerkstatt auf AEG Antworten aus den Lebenswelten von elf iranischen Frauen.
Seinen Anfang nahm das Projekt BEGU vor etwa zwei Jahren. Die Exil-Iranerin, ehemalige Journalistin und Künstlerin Tutiya Roshan hatte das Bedürfnis, einerseits eine Community für Frauen aus dem Iran herzustellen, andererseits einen Raum zu bieten, um von diesem Land zu erzählen: “Wie der Alltag aussieht, unter welchen Bedingungen man dort lebt, das kommt in den deutschen Medien kaum vor. Es zu dokumentieren und davon zu erzählen, ist für uns im Iran strafbar.”
Alle an der Ausstellung Beteiligten bleiben deshalb anonym, die Initiatorin selbst tritt hinter ein Pseudonym zurück. Der Schutz der Identität war die Voraussetzung, um überhaupt an die Geschichten der Frauen heranzukommen. Fünf Monate lang führte Roshan verschiedene kunsttherapeutische Workshops durch. Es wurde getanzt, gemalt, geschrieben. Aus Altpapier entstanden riesige Vogelmasken, die sowohl für die Freiheit der Vögel stehen als auch für die Notwendigkeit, sich als Iranerin* hinter einer Maske zu verstecken.
”Mein Leitfaden war: Was hast du gemacht, was verboten war?” Davon ausgehend brachten die Frauen ihre Geschichten zu Papier oder verwandelten sie in Skulpturen. “Wir haben angefangen, Themen zu beschreiben, für die wir im Iran hart bestraft werden würden.” Das Verbot ist das zentrale Thema der Ausstellung auf AEG. Frauen im Iran dürften sich nicht frei bewegen, nicht tanzen oder singen, keinen Freund haben. Allein der Verdacht auf Sex außerhalb der Ehe könne für Frauen ein Todesurteil sein; nur für Frauen. Haare oder Haut zu zeigen, wie auf den Bildern der Ausstellung, würde zu Haftstrafen führen, queere Menschen seien von Folter und öffentlicher Hinrichtung bedroht.
Die gemeinsame Workshoparbeit geschieht, während im Iran Massaker an Protestierenden stattfinden. Die Familien der Teilnehmer*innen sind teilweise wegen der Blackouts nicht erreichbar. Eine von ihnen reist im März dieses Jahres zu ihrer erkrankten Mutter nach Teheran und ist zwischenzeitlich wie verschollen. Auch ihre Erfahrungen aus einem Land im Krieg fließen in die Ausstellung mit ein.
Zur Ausstellungseröffnung am Samstag, 02.05 ab 18 Uhr, spricht Andrea Kuhn, Leiterin des Internationalen Menschenrechts Filmfestival, die Iraner*innen selbst bleiben im Hintergrund. Im Anschluss findet eine Lesung aus dem Buch zur Ausstellung statt, das vor Ort erworben werden kann, eine deutsch-persische DJane legt auf.
„Wenn man hier lebt“, sagt Roshan, „kann man sich nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen die Frauen dort leben. Sie gehen dafür auf die Straßen, ein normales Leben führen zu können.“ Am 09. und zur Finissage am 13. Mai finden noch einmal Lesungen aus dem Buch statt.
___
BEGU, erzähl uns von dir
02. bis 13.05. in der Kulturwerkstatt auf AEG.
#Ausstellung, #BEGU, #Iran, #Kulturwerkstatt Auf AEG, #LGBTQ
















