Curts Quarantäne Koller: Was tun, Lilly, Pauline, John, Lara?

FREITAG, 24. APRIL 2020

#Corona, #John Steam Jr., #Kultur, #Lara Ermer, #Lilly Urbat, #Pauline Füg, #Quarantäne

Für die einen ist es Homeoffice, für die anderen Zwangsurlaub oder die lange Durstrecke. So oder so: Corona zwingt uns alle, daheim zu bleiben. Und teilweise sogar, uns selbst zu beschäftigen. Es ist vielleicht das Positive an der Krise: Dass wir Zeit bekommen, uns Kulturprodukten zu widmen, die seit Jahren ganz unten im Bücherregal verstauben. Oder so. Wir fragen bei Leuten nach, die sich auskennen mit Kultur: Was soll ich mir jetzt reinziehen?

In dieser Ausgabe mit einer Künstlerin/Fotografin, zwei Slamerinnen/Autorinnen und einem Musiker.

Lilly Urbat:

Ich konsumiere zB www.timeishardtomanage.com, das ist eine Website von Claudia Holzinger. Hätt eigentlich eine Ausstellung werden sollen, aber ist halt jetzt eine Website. Texte, Bilder, Illustrationen über das unmögliche Kaff Baden-Baden und noch bisschen was anderes. Es gibt viel zu entdecken, was zu lachen und auch was zu weinen.
 
Pauline Füg:
Also: ich höre gerade viele Podcasts. Paardiologie mit  Charlotte Roche finde ich super, ich höre auch gerne True Crime Podcasts wie Zeit Verbrechen oder Mordlust. Und den Podcast über das Bedingungslose Grundeinkommen Wir hatten ja keine Ahnung
 
John Steam Jr.:
Hört euch Musik an, die im Allgemeinen als genial gilt, euch aber bisher absolut nichts gegeben hat. Streamingdienste oder, noch viel besser, der Lieferservice des lokalen Plattenlades machen’s möglich. Fangt mit der ersten Veröffentlichung an und arbeitet Euch zum aktuellsten Release vor. In meinem Beispiel hat das sehr gut geklappt, ich bin jetzt wohl doch endlich Wilco Fan geworden. Unterstützende Lektüre können diverse Biographien sein. Nach der Pandemie will ich nie wieder hören, dass jemand die Beatles „gar nicht so gut findet“.  

Lara Ermer
Die beiden Comedians Till Reiners und Moritz Neumeier sind meiner Meinung nach so ziemlich das Beste, was deutschsprachige Comedybühnen in den letzten Jahren hervorgebracht haben. Auf ZDF Neo haben die beiden nun eine wöchentliche Show, die sie schön von Zuhause aus produzieren und es ist großartig. Der Titel „Homies“ gehört verboten, aber alles andere ist so, so gut. Nachgucken kann man das hier: https://www.zdf.de/comedy/homies
Ansonsten lese ich superviel. Seit letztem Jahr bin ich Mitglied in der Büchergilde (es war ein bisschen ein Kindheitstraum, den ich mir damit erfüllt hab). Die Bücher da sind nicht nur gut, sondern auch so absurd schön, es macht mich jedes Mal fertig. Zuletzt las ich Euphoria von Lily King. Spannende, komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen, ein bisschen Abenteuer, eine Prise Kolonialismuskritik und wie unverschämt hübsch darf ein Buch eigentlich sein?!

 




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Für viele Freiberufler im Kunst- und Kulturbereich waren die vergangenen Wochen nicht nur mit finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch mit großer Unsicherheit verbunden: Wo kann ich was beantragen, bin ich antragsberechtigt, wann kommen die 1.000 Euro pro Monat oder doch nicht oder für wen? Ein Teil Unsicherheit wird auch in den kommenden Tagen bleiben, dafür ist die Lage einfach zu neu und komplex und scheiße. Klar ist aber nach der heutigen Pressekonferenz von Markus Söder und Kultusminister Bernd Sibler, dass der Rettungsschirm vergrößert wird: 200 statt 90 Millionen kommen in den Topf. Das ist nötig, damit auch Menschen, die nicht in der Künstlersozialkasse versichert sind, Zugriff darauf haben. Dazu gehören dann zum Beispiel Techniker, Maskenbildner aber auch freie Journalisten, etc. Die Zahl der Begeünstigten verdopple sich von 30.000 auf 60.000. Nachzuweisen ist ein substantieller Beitrag zum Einkommen aus der freien künstlerischen Arbeit.

50 Millionen Euro stehen außerdem für “Spielstätten” (Söder) bzw. “Veranstaltungsbetriebe” (Sibler) bereit, die bis zum Jahresende unterstützt werden sollen. Söder nannte explizit 700 kleine und mittlere Theater und 260 Kinos. Sibler sprach von “Kleine und mittlere Spielstätten aus den Bereichen Theater, Kunst, Kleinkunst, Musik und Kabarett.” Musikschulen und Laienmusikgruppen wie Chöre können ebenfalls je 1.000 Euro beantragen, für sie stehen insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung. Söder: “Es ist der Versuch, Kultur in der Breite durch Förderung zu erhalten.” Außerdem gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer für die Rückkehr von kulturellen Veranstaltungen: "Wir glauben, dass wir Perspektiven für die Zeit nach Pfingsten entwickeln sollen”, so Söder. Man wolle sich dabei an den Hygieneschutzmaßnahmen in Kirchen orientieren. Am 20. Mai soll die Ministerpräsidentenkonferenz über ein solches, bundesweites Konzept entscheiden.

Die Software, so Sibler, ist installiert, die Anträge können auf den Weg gebracht und ab nächster Woche heruntergeladen werden.
Die entsprechenden Anträge findet man, sobald es sie gibt hier:
https://www.stmwk.bayern.de/index.html

Einen guten Überblick über die Hilfsprogramme findet ihr hier:
https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/

Die gesamte Pressekonferenz zum Nachschauen:
https://youtu.be/9zf-x75-YOQ


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