Theobald O.J. Fuchs: Hundert

DIENSTAG, 1. SEPTEMBER 2026, NüRNBERG

#100, #Kolumne, #Theo Fuchs, #Theo hinten raus

Hei da draußen an den virtuellen oder haptischen Reading-Stationen! CURT ist nicht von gestern, nein. CURT geht mit der Zeit, CURT ist bereit für morgen – ja, und wie! Dies ist meine hundertste Kolumne. »Hundert heulende Höllenkäuzchen!«, könnte man jetzt exklamieren, »was für ein Kaventsmann mag ausgerechnet jetzt auf die Lesenden zukommen?« 

Aber don‘t worry – alles easy. Habe mich rückversichert. Darf diesmal wirklich alles schreiben. Was auch immer ich will, keine Zensur, keine Grenzen des guten Geschmacks, keine Rücksicht auf Befindlichkeiten, kein Taktieren oder Lavieren. Wie geil ist das denn! 

Und das kam so: Wir hatten uns zum Business-Lunch getroffen, an jenem Montag, als die zweite (oder war es schon die dritte von neununddrölfzig?) Hitzewelle vorüber war. Lampe und meinereinerselbst. Die ganze Welt hatte über Nacht die Fenster und Türen aufgerissen – die ausgeglühte Stadt aus Stein atmete auf, als der Regen kam, und schlief dementsprechend gut. Um am nächsten Vormittag bei lächerlichen 29 Grad ein wenig zu frösteln.

Zum Glück wurde es dann schnell schwül, so dass auch nicht zu angenehm*. Angenehm in protestantischen Gegenden bekanntlich eh schlecht. Für jeden Genuss muss bezahlt werden, Luther legte bekanntlich in Wittenberg die 99 Unwohlsein-Umrechnungskurse fest... 

Aber back to business lunch: »Keine Hemmungen bitte«, hatte mir Lampe versichert und wüst dazu geschmatzschmunzelt. »Lass die Sau raus«, sagte er, »und führ dich auf (in deiner Kolumne natürlich) wie sonst nur ich auf dem Sofa, wenn ich mal wieder keine Roulade zum Frühstück bekomme. Mit roten Bohnen übrigens. Und noch eine Beilage, über die ich mit niemandem rede... Aber wie gesagt: keine Tabus!« 

Daher heute, tataaa!, etwas Kontroverses, echt maximal das Gegenteil von Unumstrittenes, quasi schwieriges Eisen, schwere Gedanken auf dünnem Eis, ein dickes Brett vor dem Kopf unserer Bundesregierung, in das ich ein schönes Loch des Durchblicks bohren möchte. Aber keinen Millimeter weiter, klaro. 

Wir alle müssten mehr arbeiten, hörte ich neulich irgendwo auf der Straße. Daran glaubt im Prinzip nur eine Person, und selbst Friedrich Merz zweifelt wohl insgeheim an dieser  Schnapsidee. Leistung, Leistung, Leistung – das ist die Richtung mit entsprechender Pflicht und Belohnung, mit Strafen und Verbrechen. Anders verrückt: Deutschland muss wieder nach vorne, koste es was es wolle. 

Nun gut. Da sich die Regierung offenbar in den Kopf gesetzt hat, den zweiten Weltkrieg 80 Jahre nach der totalen Kapitulation zumindest am Fließband doch noch zu gewinnen, wollen selbstverständlich alle dabei sein. Das ist wie mit dem FC Bayern München, den man angeblich nicht nicht lieben kann – Merz hat schon recht: nur Sieger sind wahrhaft liebenswert, Menschen ungefähr so wie er selbst. **Sarkasmus off** 

Jetzt ist es aber leider in diesem Land eine mausetot geschwiegene Tatsache, dass viele Menschen gar nicht mehr arbeiten müssen. Sie haben einfach genug Geld – geerbt, beim täglichen Trading-Frühschoppen an der Börse zusammen gezockt. Oder im Spielsalon. Oder auch ganz einfach mit gewöhnlichem Drogen- oder Waffenhandel – es gibt sooo viele Möglichkeiten, sich mit ein wenig Fleiß und zweieinhalb Millionen Euro frei zu machen von Zwang und Fron (nochmal irgendwo bei Luther). 

Und so beobachte ich einen absolut neuen Trend, hierzulande und weltweit. Da wir Geld wie Heu haben, lässt sich der Konflikt zwischen menschlicher Arbeitskraft und leistungslosen Einkommen aus Kapitalrendite nämlich verblüffend einfach lösen: wir bezahlen einfach unsere Arbeitgebenden dafür, dass wir nicht zur Arbeit erscheinen. Auf gut Deutsch: Wir kaufen uns aus der ganzen Scheiße raus. 

Es geht wirklich super einfach. Zudem man, wenn man nicht will, für sich selbst auch nicht mehr als Mindestlohn zahlen muss. Daher ist es für Millionen Arbeitnehmende in Deutschland eine erschwingliche Alternative zu sinnbefreiter Lohnarbeit wie Bürokratie, Verwaltung, Finance, Beratung, Sales-Management, Yoga-Influencer-Coach oder ansonsten Bullshit-Jobmist. Man macht einfach was man will, muss keine idiotischen Kollegen sehen, niemand kann dir was, nicht einmal der böse schwarze Mann (a.k.a. »Kanzler«). 

Man spricht im angelsächsischen Raum schon heute von der Not-work-only-life-Balance, die gleichzeitig Zufriedenheit UND Profite generiert. Manche Arbeitnehmenden, in Australien Job-buy-out-fuckers (J-BOFs) genannt, entscheiden sich bewusst dafür, täglich zu ihrem Arbeitsplatz zu fahren, weil ihnen das Pendeln Struktur im Leben gibt. Überhaupt ist es doch super, auch mal vor die Tür zu gehen. Am Zielort angekommen, machen sie sofort kehrt und fahren wieder nach Hause. So bleiben die Züge überfüllt, die Straßen verstopft und die Leute vom Verkehrsfunkradio relevant. 

Erste Testläufe in Oben-, Unten- und irgendwo Dazwischendeutschland waren sehr erfolgreich und im Sinne aller Beteiligten. Ein Mensch in Recklinghausen, beispielsweise, der das Experiment mitmachte, berichtete bei einer Dose Bier und einer Schrimps-Wurst mit Matjes: »Voll goil, digga. Ich zahle lediglich ungefähr so viel wie ich im Monat verdiene. Das bisschen, was fehlt, legt meine Mutter obendrauf. Die war ja auch Mathelehrerin im Milchmädcheninternat.« 

Ein anderer Teilnehmender aus Marktschorgast bei Wirsberg bzw. komplett anders herum äußerte sich ebenfalls begeistert: »Ich kriege echt Geld dafür, dass ich nur bis zur Eckbar latsche, mittags rum, Bierchen, Schwätzchen, Kippchen, und nicht zur Knochenmaloche im Uranbergbau. Das ist mir jeden Cent wert – mein Nachbar zögert noch, er ist Frührentner, Burnout im Show Business, der war Feuerschlucker. Da könnte er sich absolut einen Minijob leisten, find ich, aus dem er sich freikauft, aber seine Frau explodiert schon, wenn er das Thema nur erwähnt. Beziehungsweise das Benzin, Sie wissen schon.« 

Die Bundesrepublik ist heute im Begriff, eines der ersten Länder zu werden, die es schaffen, die Produktion deutlich zu reduzieren, ohne auf Luftverschmutzung, Lärm und Flächenversiegelung zu verzichten. Wenn das nicht Grund für einen neuen Nationalstolz ist, dann eben nicht! 

Und irgendwo ist es ganz tief unten links im Gemüt von jedem/r Einzelnen von uns doch auch brutal befriedigend, dass man das viele Geld, das man nicht selbst erarbeitet, sondern schnöde geerbt hat, ein Stück weit der Gesellschaft zurückgeben kann. 

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie man sich am günstigsten aus dem Broterwerb freikauft und dabei auch noch Steuern spart, bestellen Sie noch heute meinen neuen Ratgeber! Den ich jedoch aus Gründen der Arbeitsverweigerung erst schreiben werde, wenn er vergriffen sein wird. 

Ihr Finanz-Checker-Bunny, Dr. rer. you. tube. Fuchs 

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Dies und alles Weitere findet man auf der wilden Website 
www.theobald-fuchs.de
 




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