Horror und Vulkane: Sommerabende im Filmhaus
#Cronenberg, #Filmhaus, #Horror, #Kino
Bald 2000 Jahre ist es her, dass der Vulkan Vesuv nahe dem heutigen Neapel ausbrach und die römische Stadt Pompeji unter einer mehrere Meter dicken Lavaschicht begrub. Eine Naturgewalt, die damals den Tod brachte – und gleichzeitig die Lebenswelt der Vergangenheit konservierte, sodass wir uns noch heute ein Bild des Alltags im ersten Jahrhundert nach Christus im Römischen Reich machen können. Fast wie im Kino, das schließlich ebenfalls die Menschen und Orten, die es auf Film bannt, vor dem Zahn der Zeit beschützt.
Das Filmhaus widmet sich im Juni der besonderen Beziehung, die das Kino zum Vulkanischen unterhält. Es handelt sich durchaus um eine Liebesbeziehung – aber um eine, in der es immer wieder drunter und drüber geht. Einmal quer durch die Filmgeschichte geht es in unserem Programm, vom spektakulären Stummfilm Die verlorene Welt (1925), in dem neben Feuer spuckenden Vulkanen auch waschechte Dinosaurier zu bestaunen sind, bis zu Ascent (2016), einem zeitgenössischen Dokumentarfilm, der sich mit dem kulturellen Wert des japanischen Mega-Vulkans Mount Fuji beschäftigt. Katastrophenfilme im Hollywoodformat wie Dante‘s Peak (1997) mit dem ehemaligen James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan stehen ebenso auf dem Programm wie Stromboli, ein Klassiker des italienischen Kinos, in dessen berühmten Schlussszene Ingrid Bergman erschöpft am Rande des Kraters eines Vulkans zusammenbricht.
Natürlich kommt auch der vielleicht allerbekannteste Vulkan Europas, eben der Vesuv, in der Reihe vor, und zwar gleich zweimal: In Paul W.S. Andersons Actionfilm Pompeii (2014) wird die damalige Katastrophe nach allen Regeln des modernen Special-Effects-Kinos nachgestellt; während der Dokumentarist Gianfranco Rosi sich in seinem neuen, letztes Jahr auf den Filmfestspielen von Venedig mit dem Jury-Preis ausgezeichneten Film Below the Clouds (2025) mit viel Sorgfalt und Neugier den Menschen nähert, die heute am Rande des Vesuvs leben - dessen nächster Ausbruch nur eine Frage der Zeit ist.
Der Schrecken in uns
Auch der Juli-Schwerpunkt des Filmhaus ist nichts für schwache Nerven. David Cronenberg zählt mittlerweile schon seit einem halben Jahrhundert zu den wichtigsten Namen des Horrorfilms. Der kanadische Regisseur spürt immer wieder auf originelle Weise insbesondere den Schrecken nach, die im Inneren des menschlichen Körpers lauern. “Lang lebe das neue Fleisch” lautet der Schlachtruf in Videodrome (1983), einem der berühmtesten Filme Cronenbergs, in dem die Hauptfigur Max sich in einen menschlichen VHS-Player zu verwandeln scheint.
Das Filmhaus zeigt eine breite Auswahl aus dem Werk Cronenbergs. Das Spektrum reicht von rauen, frühen Schockern wie Parasiten-Mörder (1975), dessen titelgebende Parasiten als eine “Kombination aus Aphrodisiak und Geschlechtskrankheit” fungieren und die Menschheit in einer enthemmten Orgie zu Grunde zu drehen droht; über moderne Klassiker wie Die Fliege (1986), in dem Cronenberg – selbstverständlich ziemlich beunruhigende – Spekulationen über die Zukunft der Menschheit im Zeichen der Manipulierbarkeit von Genmaterial anstellt; bis zu The Shrouds (2024), dem jüngsten Werk des Regisseurs und einer mutigen, wegweisenden Auseinandersetzung mit biologischem Verfall und Sterblichkeit.
Metall im Kopf
Ergänzend zeigt das Filmhaus einige aktuelle Produktionen, die sich, Impulse aus dem Werk Cronenbergs aufgreifend, auf dem Feld des sogenannten “Body Horror” austoben. Es sind vor allem Regisseurinnen, die in den letzten Jahren mit Filmen für Aufsehen gesorgt haben, die neue, aufregende Blicke auf gegenwärtige Körperbilder und ihre Abgründe werfen. In Julia Docournaus Titane (2021) ist es etwas eine Metallplatte im Kopf der Hauptfigur, die zum Ausgangspunkt eines verstörenden Horror-Damas wird, das den menschlichen – und insbesondere den weiblichen – Körper als ein Experimentierfeld beschreibt. Noch ein bisschen wilder geht es in The Substance (2024) zu, Coralie Fargeats blutrünstigen Science-Fiction-Thriller über eine alternde Hollywoodschauspielerin, die mit einer jüngeren Version ihrer selbst konfrontiert wird. Demi Moore und Margaret Qualley brillieren in den Hauptrollen eines Films, der zeitgenössische Diskurse zu Themen wie Jugendwahn und Selbstoptimierung aufgreift und in ebenso blutrünstige wie schwarzhumorige Alptraumbilder übersetzt.
Genau das Richtige für laue Sommerabende.
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Filmhaus Nürnberg
im Künstlerhaus, Nbg.
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