Filmhaus Kirsten Stewart – Ikone des Gegenwarts-Kinos
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Für manche ist sie immer noch vor allem Bella Swan, das blasse Vampir-Girl mit dem melancholischen Glänzen in den Augen aus den Twilight-Filmen. Dabei hat Kristen Stewart ihre Karriere seit dem Blockbuster-Durchbruch konsequent weiterentwickelt, ist als Schauspielerin inzwischen vor allem im internationalen Autorenkino heimisch – und feiert nun auch als Regisseurin Erfolge. Ihr Langfilmdebüt hinter der Kamera, The Chronology of Water, erzählt in sinnlich-fragmentarischen Bildern und einer teils wagemutig experimentellen Filmsprache die Lebensgeschichte der Schwimmerin Lidia Yuknavitch und wurde bei der Weltpremiere in Cannes letztes Jahr hymnisch gefeiert. Das Filmhauskino hat den Film ab dem 09.03. im Programm.
Schon vorher blickt das Filmhaus auf Stewarts Schauspielkarriere zurück. In insgesamt 17 Filmen kann man ab dem 12.02. eine außergwöhnliche Karriere nachvollziehen, die sich abseits stromlinienförmiger Starbiografien eigensinnig entfaltet. Ihren Durchbruch feierte Stewart bereits als als Elfjährige in David Finchers Panic Room, einem klaustrophobischen Thriller der Extraklasse.
Rasch stieg sie zum internationalen Superstar auf, drehte aber von Anfang an auch stets kleinere Filme, wie etwa die bezaubernd feinfühlige Teeniekomödie Adventureland (2009), die von heute aus betrachtet wie ein Klassentreffen künftiger Weltstars wirkt: Stewarts love interest spielt ein junger Jesse Eisenberg, als ihre Affäre ist Ryan Reynolds zu sehen. In den letzten 15 Jahren konzentriert sich Stewart zunehmend auf sperrige Stoffe abseits des Mainstreams und arbeitet mit Regisseur:innen wie Olivier Assayas, Kelly Reichardt oder Pablo Larraín zusammen.
Das Filmhaus zeigt Beispiele aus allen Werkphasen Stewarts. Zu entdecken ist einerseits eine Frau der vielen Gesichter: mal aufgewecktes Teenie-Mädchen, mal glamouröser Hollywoodstar, mal nuancierte Charakterdarstellerin, mal – und in den jüngeren Filmen zunehmend – queere Ikone. Andererseits gehört Stewart zu jenen Schauspielerinnen, die auf der Leinwand stets sie selbst bleiben; was den Filmen keineswegs schadet. Denn es gelingt ihr mühelos, in jedem Film neue Facetten ihrer selbst sichtbar werden zu lassen. Nebenbei bemerkt: Selbstverständlich wird Stewart auch in ihrer nach wie vor berühmtesten Rolle im Rahmen der Reihe zu bewundern sein: Am 21. und 22. Februar sind im Filmhaus alle fünf Twilight-Filme zu sehen. Für Fans ist ein Sonderpreis eingerichtet. Fünf Filme für 25 Euro.
Retrospektive Konrad Wolf
Weiter zurück in die Filmgeschichte geht es ab dem 20.03.: Ende März beginnt das Filmhaus eine Komplettretrospektive der Filme Konrad Wolfs, die im April fortgesetzt wird. Wolf war der vermutlich wichtigste Filmemacher der DDR. Von seinem Debüt Einmal ist keinmal im Jahr 1955 bis zu seinem letzten vollendeten Film, dem legendären Solo Sunny (1980) entfaltet sich ein Werk, das sich durch einen neugierigen, humanistischen Blick auf seine Figuren, aber auch durch formale Experimentierfreude auszeichnet. Neben realistischen Gegenwartsfilmen wie Sonnensucher (1958) und Der nackte Mann auf dem Sportplatz (1974) entstehen auch Filmfantasien wie die in sanften Farben schimmernde Literaturverfilmung Der kleine Prinz oder das bildgewaltige, teils fast psychedelische Biopic Goya (1971).
Wolf wuchs als Teil einer Emigrantenfamilie in Russland auf und war im Zweiten Weltkrieg als Soldat der Roten Armee am Sieg der Alliierten über Nazideutschland beteiligt. Die Kriegserfahrung prägt sein Werk zutiefst. Sein Meisterwerk Ich war neunzehn etwa, das eigene Erfahrungen Wolfs im Zweiten Weltkrieg verarbeitet und die Reihe eröffnet, ist ein Antikriegsfilm, dessen immense Wucht sich nicht aus hohlem Pathos, sondern aus gelebter Erfahrung speist. Dem realsozialistischen Experiment der DDR wiederum fühlte Wolf sich als überzeugter Kommunist und Antifaschist während seiner gesamten Karriere über verbunden. Den ostberliner staatlichen Zensoren war sein Werk, das stets von den Menschen statt von der Ideologie her gedacht war, dennoch immer wieder ein Dorn im Auge. Sonnen-sucher wurde 1958 verboten, da der Film unmenschliche Arbeitsbedingungen in ostdeutschen Bergbaugebieten thematisierte. Auf einfache Lösungen lässt sich jedenfalls kein Film Konrad Wolfs ein.
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Filmhaus Nürnberg
Künstlerhaus, Nbg.
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