So ein Theater ...

SAMSTAG, 1. OKTOBER 2016

#Dieter Stoll, #Gostner Hoftheater, #Staatstheater Nürnberg, #Stadttheater Fürth, #Tafelhalle, #Theater, #Theater Erlangen

Ja, wo laufen sie denn – wo laufen sie denn hin: die Fliessbänder der Kulturfabrik „Staatstheater Nürnberg“ sind ratternd angesprungen und demonstrieren im ersten Premierenmonat der neuen Saison ihre weltumspannende Produktionskraft. Frisch montiert: russische Oper neben Broadway-Musical, römische Historie neben jüngerer deutscher Vergangenheit, Emanzipations-Wortschwall à la Berlin neben Küchen-Koloratur à la italiano. In der Theaterkantine treffen sich Sugar und Cleopatra zum Pausen-Snack.

Sechs Premieren und acht Comeback-Versuche allein am Richard-Wagner-Platz. Und das Bühnenleben der anderen ist auch schon wieder ziemlich lebhaft. Hilft nichts, da muss sortiert werden.

STAATSTHEATER NÜRNBERG
PREMIERE. Früher dachte man bei diesem markant tönenden Bilderbogen aus Russland reflexartig an Bärte und Ikonen, aber seit der letzten Nürnberger Inszenierung von Modest Mussorgskis BORIS GODUNOW vor einem halben Jahrhundert hat sich die Opernwelt sehr verändert. Sogar musikalisch, denn statt der lange Zeit üblichen glättenden und zuckersüß glacierenden Korrektur der ziemlich wilden Klänge von 1869 durch den weichspülenden Nachfahren Rimsky-Korsakow triumphiert nun wieder die Urfassung in ihrer schroffen Pracht. Und das ist nicht russische Seelenklempnerei, sondern großes Psycho-Epos. GMD Marcus Bosch am Pult der Staatsphilharmonie will Abstand zur Folklore und hat mit dem stets entrümpelnden Regisseur Peter Konwitschny dafür den passenden Szenepartner. Die Nürnberger Koproduktion (auch für Göteborg und Lübeck entstanden) ist eine blitzende Rarität im Spielplan, ein Sonderfall, auch wenn das Stück grade erneut an vielen Staatsopern angekündigt wird. Der Baßbariton Nicolai Karnolsky, kürzlich noch an gleicher Stelle Mozarts leichtfüßiger „Figaro“, singt die anspruchsvolle Titelpartie dieses aus tiefster Seele röhrenden russischen Herrschers im Taumel verrottender Autorität. Deutsche Übertitel helfen dem Publikum zum besseren Verständnis bei der Aufführung in Originalsprache.
Premiere: 1. Oktober. Weitere Vorstellungen 5., 9., 22. Oktober im Opernhaus.

PREMIERE. Mit diesem Blick auf ein Kapitel deutscher Geschichte ab 1931 werden ein junger Anwalt und seine Mutter entdeckt, die sich im Berlin der frühen Nazi-Jahre gegen „ein immer monströser werdendes Unrechtssystem“ stemmten. Hans Litten, ein damals grade 27-jähriger Jurist, zwingt den nach der Macht grapschenden Adolf Hitler im Prozess gegen gewaltverherrlichende Hetzschriften zur Verantwortung in den Zeugenstand. Zwei Jahre später wird er Opfer der politisch motivierten Massenverhaftungen nach dem Reichstagsbrand. Seine Mutter führt einen verzweifelten Kampf um das Leben des Sohnes. Der britische Autor Mark Hayhurst nahm eine Dokumentation als Inspiration und drehte einen TV-Film über diesen Fall, ehe er ihn kürzlich in London noch einmal mit großem Erfolg fürs Theater verarbeitete. DER PROZESS DES HANS LITTEN – TAKEN AT MIDNIGHT hat in Nürnberg deutschsprachige Erstaufführung. Der Franzose Jean-Claude Berutti, unter anderem an Freilichtspiel-Klassikern wie in Bad Hersfeld und großer Oper in mehreren europäischen Ländern geschulter Regisseur aus Toulouse, inszeniert erstmals in Nürnberg und trifft auf eine besondere Besetzung. Neben Philipp Weigand in der Titelrolle spielt die in Nürnberg lebende Patricia Litten (sie ist eine Nichte des Hans Litten und am Schauspielhaus vom früheren Engagement in Erinnerung u.a. als Schillers „Maria Stuart“) die Mutter. Die berechtigte Frage vom Vorjahr, als die Premiere in der britischen Hauptstadt gefeiert wurde, warum denn dieses beklemmende Stück über Deutschland ausgerechnet in Deutschland nicht zu sehen ist, hat sich erledigt.
Premiere: 8. Oktober. Weitere Aufführungen 9., 15., 16. Oktober im Schauspielhaus.

PREMIERE. Sie ist derzeit die wahrscheinlich geistreichste und ganz gewiss giftigste Kolumnistin im deutschsprachigen Raum, Autorin kaum noch überschaubarer Prosa, und hat ihren pointierten Stil aufklärerischer Rempelei längst auch auf die Bühne verlängert. In Nürnberg wurde Sibylle Berg  bisher nur einmal und eher flau (mit „Nur nachts“) inszeniert, aber nun steht ihr voriges Jahr in Berlin gefeiertes Frauenquartett-Drama UND DANN KAM MIRNA auf dem Spielplan. Am Maxim-Gorki-Theater, dem innovativsten Ensemble der letzten Jahre, kam das als Fortsetzung einer in Nürnberg allerdings ausgeklammerten Basisgeschichte heraus. Erst skandierten die vier sehr jungen Frauen ihr wortgewaltig knatterndes Selbstwertgefühl in „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“, dann kehrten sie eine Saison später als von Lebenserfahrung geplagte Enddreißigerinnen mit dem Echo-Anhang altkluger Kinder in „Mirna“ zurück. Anne Bader, in dieser Saison auch am Deutschen Theater Berlin im Einsatz, inszeniert in den Kammerspielen nur diesen zweiten Teil, der durchaus für sich bestehen kann, und sie will alles anders machen als die Uraufführung. Karen Dahmen, Lilly Gropper, Nicola Lembach und Ruth Macke spielen mit Worten und Haltungen.
Premiere: 15. Oktober. Weitere Vorstellungen 19., 22., 27., 30. Oktober in den Kammerspielen.

PREMIERE. Der mächtig umtriebige Autor John von Düffel (hauptberuflich Dramaturg in Berlin, noch besser im Geschäft mit der Fertigung von bekömmlich portioniertem Bühnenfutter mit Promi-Etikett), setzt nach seiner Ausbeutung von Thomas Manns Romanen derzeit auch Stücke über Martin Luther und Robin Hood in Umlauf. Aber im Auftrag des Nürnberger Staatstheaters machte er aus drei abendfüllenden Dramen von William Shakespeare, die jedes für sich als Überforderung fürs heutige Theater angesehen werden, eine überwölbende RÖMISCHE TRILOGIE, die an einem Abend flächig Literatur- und Weltgeschichte ausbreitet. Schauspieldirektor Klaus Kusenberg, der mit „Hamlet“ und „König Lear“ schon die große Geste trainierte und im Vorjahr mit „Ödipus Stadt“ einen Antiken-Sampler im Düffel-Zuschnitt inszenierte, gab den Auftrag – „Coriolan“, „Julius Cäsar“ und „Antonius und Cleopatra“ in abendlicher Schicksalsgemeinschaft mit knallendem Schlagwort-Dreigestirn: Verachtung – Verschwörung – Verführung. „Tod den Spekulanten, die mit eurem Hunger Geschäfte machen“, wird da gleich in der ersten Szene gerufen. Der Text ist nicht von gestern. Stefan Willi Wang spielt Coriolan und Marc Aurel, bekommt in der Maske des Antonius obendrein noch Julia Bartolome als Cleopatra. Zur Verstärkung der Herrenriege im Ensemble kehrt Hubertus Hartmann wieder, der als sehr junger Mann einst in der denkwürdigen Utzerath-Inszenierung von „Hitlerjunge Quex“ in der Titelrolle faszinierte. Nicht zu vergessen: Zum Regieteam gehört ein Kampfchoreograph. Aber beim letzten „Ave“ sollte dann niemand mehr an Asterix denken.
Premiere: 22. Oktober. Weitere Vorstellungen 27., 30. Oktober im Schauspielhaus.

PREMIERE. Bei Musicals ist das inzwischen eine der Grundsatzfragen: Wer war die Henne und wie gerührt ist das Ei? Eher selten sind neu erfundene Storys, oft gibt es Adaptionen aus der Literatur oder vom Sprechtheater, im Gegenverkehr ist Evergreen-Kino das beiderseitig nutzbare Sprungbrett zwischen Film und Liveshow. Das galt anno 1972 auch schon, als sich der Komponist des Broadway-Hits „Funny Girl“ zehn Jahre nach dem Hollywood-Erfolg von Marilyn Monroe mit Jack Lemmon und Tony Curtis aus Billy Wilders Drehbuch eine Musical-Variante dieser womöglich besten Kino-Klamotte aller Zeiten basteln ließ. Für Jules Styne wurde das keine weitere Sternstunde, denn SUGAR - MANCHE MÖGENS HEISS kam aus dem Schatten des Vorbilds einfach nicht raus. Erst 1988 versuchte es ein deutsches Theater mit dem Import, das Ostberliner Metropol als führendes Operetten- und Musicalhaus der DDR brachte die Erstaufführung der deutschen Fassung. Als ein Jahr später die Mauer fiel, blieb das Werk erst mal „drüben“ liegen. Viel später griffen ein paar Intendanten aus dem Westen auf ihrer Suche nach entschmalzender Methadon-Therapie für Operettenfans auf Entzug zu, allerdings eher in der etwas tieferen Provinz. Diese Saison 2016/2017 hat nur noch Pforzheim den Titel im Spielplan. Inzwischen ist der Abstand zum Original aber groß, die Chance zur unabhängigen Eigendynamik der Bühne gewachsen. In Nürnberg reiht Intendant Peter Theiler die Inszenierung in seine bei Dienstantritt versprochene Broadway-Serie ein. Sophie Berner war hier schon in „Singin‘ in the rain“ und „Kiss me, Kate“ zu sehen, spielte in Gießen sogar mal ein kleines Monroe-Musical, die reisenden Boulevard & Show-Facharbeiter Andreas Köhler und Oliver Severin sind die ausgestopften Herren im Damenorchester. Der österreichische Regisseur Thomas Enzinger, der von Johann Strauß bis Cole Porter schon viele Entertainment-Größen im Spielplan verankerte, ist und bleibt der prägende Spezialist für betreutes Lachen in Nürnberg.
Premiere: 29. Oktober. Weitere Vorstellungen 4., 6., 23. November im Opernhaus.

PREMIERE. Damit die angestauten Belcanto-Ressourcen des Hauses bis zur nächsten Goldkehlchen-Premiere (das ist Rossinis „Italienerin in Algier“ am 21. Januar) nicht ungenutzt bleiben, werden die vorübergehend unterbeschäftigten Klangkörper in eine Matinee der schnörkelnden Stimmen geschleust. ZU GAST BEI ROSSINI heißt die edle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, in der Schauspieler Pius Maria Cüppers von nebenan den moderierenden Gastgeber macht und schon jetzt als „launig“ (nicht zu verwechseln mit launisch!) angekündigt wird. „Essen, lieben, singen, verdauen“ hat der in Noten und Rezepten gleichermaßen versierte Feinschmecker Rossini „die vier Akte der komischen Oper, die Leben heißt“ überschrieben. Auf die Reihenfolge kommt es offenbar nicht an, denn gegessen und verdaut wird bei dieser Schmankerl-Produktion am Rande des Repertoires erst nach dem Gesang, und das mit der „Liebe“ bedürfte sowieso einer genaueren Definition. Koloratur-Diva Hrachuhi Bassénz (Bellinis „Norma“ wartet im Mai 2017 auf sie) mit dem grade im „Weißen Rössl“ schmetternden Tenor Martin Platz, der aus dem Opernstudio entliehenen Mezzosopranistin Solgerd Isalv und dem schnell mal vom Russland-Ausflug als „Boris“ im Sturzflug nach Süden sausenden Bassbariton Nicolai Karnolsky ergeben das Special-Ensemble zum späten Vormittag, das Bravourarien in Serie verspricht, dass die Ohren nur so klingeln.
Premiere: 30. Oktober. Weitere Vorstellungen am 6.11. und 4.12. jeweils 11 Uhr im Opernhaus.

COMEBACK IM OPERNHAUS. Die beiden Hauptrollen sind neu besetzt bei der Wiederkehr der für die breite Frohsinnsbasis im Musiktheater-Repertoire zuständigen Revue-Operette IM WEISSEN RÖSSL. Matthias Wölbitsch, der Mozart-Papageno vom  Regensburger Theater, rückt als Gast nach in die von Volker Heißmann hinterlassene Lücke des (frei nach Peter Alexander) dackelblickfesten Oberkellners Leopold („Zuaschaun konn i need“) - und mit Heike Susanne Daum vom Münchner Gärtnerplatz stößt die inzwischen dritte Rössl-Wirtin dieser Produktion dazu. „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“, sagt aber weiterhin Richard Kindley, der amerikanischste aller Kaiser-Franz-Joseph-Darsteller.
Vorerst letzte Runde für Verdis RIGOLETTO in Verena Stoibers umstrittener Inszenierung, die den bösen Hofnarren zum noch schlimmeren Kidnapper macht. Mikolaj Zalasinski in der Titelrolle bekommt als geraubte Pflegetochter Gilda nun die Sopranistin Ina Yoshikawa.
Der Titel KAMMERTANZ täuscht, es ist großes Ballett, was da in drei Teilen geboten wird: Zu übernommenen Stücken der Choreographie-Meister William Forsythe und Christian Spuck hat Goyo Montero für seine Compagnie in der vorigen Saison wieder eine Uraufführung kreiert – und der Dreiklang ist erstaunlich harmonisch.
Termine: Kammertanz am 8., 11., 13., 21. Oktober. Im weißen Rössl am 3., 6., 15., 28. Oktober. Rigoletto am 14., 16., 23., 30. Oktober, letztmals am 2. November.

COMEBACK SCHAUSPIEL. Zum Dauerbrenner DIE 39 STUFEN frei nach Hitchcock könnte sich mit ähnlich langer Laufzeit bald das etwas leichtfertig mit dem Rechtsempfinden jonglierende Justizspiel TERROR des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach gesellen. Dem abstimmenden Publikum gefällt die Rolle des Hobbyrichters nach Gemütslage nicht nur in Nürnberg (wo Frank Behnkes blitzsaubere Inszenierung kaum zu wünschen übrig lässt), sondern an so vielen Theatern, dass dies auch 2017 wieder das meistgespielte deutsche Stück werden dürfte. Der intellektuelle Widerspruch der großen Liberalen Burkhard Hirsch und Gerhart Baum, die per Kampfinterview inzwischen schwere rechtspolitische Vorwürfe formulierten, ändert daran sicher nichts. Letztlich ist es halt bloß Nervenkitzel mit Bedeutungsbehauptung.
Schillers WILHELM TELL, die Klassiker-Übernahme vom Ende der letzten Saison, gilt als Schweizer Nationaldrama mit wild durch die Gegend fliegenden Kalendersprüchen. Die Begründung, warum uns das heute über den Wohlklang der geschliffenen Worte und den Apfelschuss hinaus interessieren kann, wird in der flott ins Leere laufenden Aufführung nur schwer erkennbar.
Klare Empfehlungen hingegen: In Klaus Kusenbergs griffiger Inszenierung von GEORGE KAPLAN (noch ein Phantom aus der Hitchcock-Hexenküche) sprießt blank polierter britischer Thriller-Witz und Albert Ostermaiers für Nürnberg geschriebenes Drama LINKE LÄUFER (die Hommage an einen Club-Trainer, der vor den Nazis fliehen musste) ist glücklicherweise mehr Poesie als Vereinsgeschichte.
Termine: Die 39 Stufen am 26. Oktober, 7. November. Terror am 26. Oktober, 10. November. George Kaplan am 29. Oktober, 13. November. Wilhelm Tell am 29. Oktober, 8. November. Linke Läufer am 29. Oktober, 8. November.

STAATSTHEATER NÜRNBERG
Richard-Wagner-Platz 2-10, Nürnberg
staatstheater-nuernberg.de


GOSTNER HOFTHEATER
WEITER IM PLAN. Mit grellen Blitzlichtern fährt der Autor in die düster dubiose Welt der Unternehmensberater, die sich traumwandlerisch durch den Luxus genormter Hotelsuiten bewegen als wäre es das echte Leben. Johannes Naber skizziert Karrieristen bei der rücksichtslosen Gierglobalisierung, treibt sie eher mit der satirischen Fliegenklatsche als mit der Moralkeule durch sein Stück. ZEIT DER KANNIBALEN ist die Bühnenfassung des 2014 entstandenen Films, inszeniert von Joosten Mindrup, der seit frühen Auftritten in der „Lindenstraße“ zwischen TV-Studio und Theater pendelt. Am Gostner Hoftheater mit sechs Darstellern die Großproduktion der Saison.
Termine: 5. bis 8. und 12. bis 15. Oktober im Gostner Hoftheater.

GOSTNER HOFTHEATER
Austr. 70, Nürnberg
gostner.de


TAFELHALLE

WEITER IM PLAN. In Berlin ist der Autor und Regisseur Falk Richter an der Schaubühne (wo seine wütende Attacke „Fear“ weiter im Spielplan nachwirkt) und am Gorki-Theater (das „Small Town Boy“ von ihm im dritten Jahr spielt) als feste Größe präsent, in Frankfurt hat er grade Endproben für „Safe Places“, sein neues Werk im Geist von Heiner Müller über die Herausforderungen eines offenen Europa. Grenzgänge zwischen sprachmächtiger Agitation, Tanz und Multimedia-Einkreisung sind das immer – und so ist es auch bei JE SUIS FASSBINDER – DEUTSCHLAND IM HERBST 2016. Das Stück, in Straßburg uraufgeführt und nun als Deutschland-Premiere dem Nürnberger Regisseur Barish Karademir anvertraut, bezieht sich auf Terror und Angst als wiederkehrende irrationale Größen einer verwirrbaren Gesellschaft. Rainer Werner Fassbinder hat das 1977 als Teilnehmer am Episodenfilm „Deutschland im Herbst“ aufgenommen, Falk Richter verbindet den Herbst 2016 mit dem „Je suis“-Bekenntnis. Fürs Europa der Zukunft textet er ein Klagelied, das vor „Konfusion, Ratlosigkeit, Panik, Hysterie, Hass“ warnt und blendet zurück: „Im Mittelalter hatte ich meinen eigenen IS, er nannte sich DIE KATHOLISCHE KIRCHE“.
Und was wäre das Beste für heute? Richter setzt sarkastisch O-Ton aus dem Mund der Mutter, die niederschmetternde Naivität ans Ende: „Das Beste wäre so ein autoritärer Herrscher, der ganz gut ist und ganz lieb und artig“.
Termine: 1., 2., 13. und 14. Oktober in der Tafelhalle.

GASTSPIEL. Eine „soziale Utopie der guten Laune“? Nichts wie hin! Zwischen bildender Kunst und Tanz bewegt die Choreographin Anna Konjetzky ihre szenische Phantasie und das dazu passende Ensemble. Zuletzt war sie mit „Ein Bein hier und ein Bein dort“, einer Produktion fürs jüngste Publikum, in der Tafelhalle. WAH-WAH ist der Titel des neuen Projekts, das grade an den renommierten Münchner Kammerspielen entsteht und wenige Tage nach der dortigen Uraufführung in Nürnberg zu sehen ist. Es verspricht „positive Energie, die alle Anwesenden erfasst“. Der verführerische Körper, leicht und großzügig, findet laut Selbstbeschreibung das besondere Interesse der Performance-Artistin. Fünf Solisten bilden die Compagnie.
Termine: 27. und 28. Oktober in der Tafelhalle.

TAFELHALLE
Äußere Sulzbacher Str. 62, Nbg
tafelhalle.de


THEATER PFÜTZE
PREMIERE. Rosie Bloom träumt von Abenteuern in Meerestiefen, lutscht Karamellbonbons und singt im Jazzclub – aber so richtig passt es doch nicht in ihrem Leben, bis sie aus dem Haus nebenan eine lockende Melodie hört. Gus Gordon hat das in Zeichnungen erzählt und Bilderbücher sind mehr noch als Wortgeschichten oft die Vorstufe zum Theater. Ensemble-Urgestein Christof Lappler, dessen Inszenierung „Die Busfahrerin“ zu den schönsten Aufführungen im Repertoire gehört, führt Regie bei Gordons HERMAN UND ROSIE in der Bühnenfassung von Martin Zels für die musikalische Abteilung des Theater Pfütze (mit dem anspruchsvollen Namen „junge MET“). Carina Wohlgemuth und Dominik Vogl komponierten den Sound und spielen ihn live. Kinder ab 7 Jahren sind das Zielpublikum, und die dazu passenden Erwachsenen sowieso.
Premiere: 1. Oktober.  Weitere Vorstellungen: 8., 9., 13., 15., 16., 22. und 23. Oktober.

THEATER PFÜTZE
Äußerer Laufer Platz 22, Nbg
theater-pfuetze.de


THEATER SALZ + PFEFFER

WIEDER IM SPIELPLAN. Ein Fall für Privatpatienten, dieser schöpferische Doktor und Erfinder des Chirurgie-Puzzles. FRANKENSTEIN kehrt zurück am Theater Salz und Pfeffer, der Arzt und sein Monster – Ersterer aus der Gegend von Ingolstadt und Letzteres eher in Alt-Hollywood daheim. Hochschulabsolventen aus München haben ein Labor im Hobbykeller gebaut, wo die Puppenspiel-Akteure Wally und Paul Schmidt mit akustischer Stütze des Cellisten Nico Nesyba das Gruselmelodram des Secondhand-Lebensspenders erforschen. Nach der Premiere im Juni folgt die Vorstellungsserie im naturgemäß unheimlicheren Herbst.
Termine: 28./29. Oktober, dann wieder 4., 5. und 11. bis 13. November.

THEATER SALZ & PFEFFER
Frauentorgraben 73, Nbg
salzundpfeffer-theater.de


STADTTHEATER FÜRTH

PREMIERE. Der vor 60 Jahren erschienene Roman von Lion Feuchtwanger hat für einen literarisch vielfach verarbeiteten mittelalterlichen Skandal aus der Zeit der Kreuzzüge die Perspektive gewendet. Die Geschichte, die sich vor dem Hintergrund der Kulturkämpfe zwischen Christen, Juden und Moslems ereignet, zeigt einen spanischen König in moralfreier Zone. Er nimmt die schöne Jüdin Raquel, die Tochter seines reichen Geschäftsparters, zur Nebenfrau und schiebt für sieben Jahre alle politischen Pflichten beiseite. Anders als andere Poeten schildert Feuchtwanger in DIE JÜDIN VON TOLEDO das Geschehen aus der Sicht des Opfers, das damit zur Metapher für ein geschundenes Volk wird. Der 1976 geborene Autor Kristo Sagor, von dem inzwischen zwei Dutzend Stücke durch die Spielpläne wandern, überträgt das historisch grundierte Gesellschaftsbild aus Fragmenten von Politik, Religion und Erotik in einen Rahmen, der die Diskussionen der Gegenwart im Blick behält. Der junge Regisseur Michael Götz, in den letzten Jahren mit Gerhart Hauptmann und Max Frisch in Coburg aufgefallen, hat ein großes 10-Personen-Ensemble in Fürth.
Premiere: 14. Oktober. Weitere Aufführungen 15., 16. und 19. bis 22. Oktober im Stadttheater.

GASTSPIEL. Ohne Feuchtgebiete geht es nicht, wenn Antonin Dvoraks RUSALKA aufgeführt wird. Die gefühlvolle musikalische Erzählung von der Nixe, fischschwänzige Tochter eines Wassermanns, die sich unglücklich in einen sehr menschlichen Prinzen verliebt, gehört zu den mythischen Werken für die Ewigkeit. Und zu den Auslese-Titeln, mit denen der adelnde Begriff „Nationaloper“ verbunden ist. Die Tschechische Oper Prag/Oper Liberec müsste also mit dem Gastspiel in Fürth die Autorität der genetischen Kenner garantieren.
Termin: 29. Oktober im Stadttheater.

STADTTHEATER FÜRTH
Königstr. 116, Fürth
stadttheater.fuerth.de


THEATER ERLANGEN

PREMIERENFRISCH. An vielen Theatern wird Max Frischs klassisch-modernes „Lehrstück ohne Lehre“ BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER grade wieder als hochaktuell eingestuft. Die Geschichte vom treuherzigen Bürger, der sich die Totengräber der freien Gesellschaft ins eigene Haus holt, erlaubt eigentlich viele Deutungen, im Jahr 2016 zeigt es klare Kante. Erlangen eröffnete damit die Saison und ließ mit der Deutschland-Premiere von Chris Thorpes BESTÄTIGUNG (ein „irgendwie sympathisch“ erscheinender Extremist sammelt klammheimliches Einverständnis wie mit dem Klingelbeutel) gleich das ergänzende Kammerspiel folgen.
Termine: Biedermann und die Brandstifter am 2., 3. Oktober, Markgrafentheater. Bestätigung am 1., 12., 13. Oktober in der Garage.

COMEBACK. Frei nach Homer, also antik mit gegenwartsnahem Vorbehalt, kommt ODYSSEE, EINE HEIMSUCHUNG (6., 7. Oktober, Markgrafentheater) wieder; ein Langzeiterfolg über nun schon drei Spielzeiten ist DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER (16., 17. Oktober, Garage) und das unterhaltsamste Spektakel der ganzen Region bleibt der „Intergalaktische Liederabend“ mit fliegendem Einsatz von Helene Fischers Double in HEIMAT ERLANGEN – DIE SHOW (19., 20. Oktober, Markgrafentheater).

THEATER ERLANGEN
Theaterplatz 2, Erlangen
theater-erlangen.de




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