Theaterwegweiser im Februar

SAMSTAG, 1. FEBRUAR 2020

#Dieter Stoll, #Gostner Hoftheater, #Oper, #Opernhaus, #Staatstheater Nürnberg, #Stadttheater Fürth, #Tafelhalle, #Theater, #Theater Erlangen

Ein Monat ohne Grosspremieren, aber mit 50 Produktionen in 120 Vorstellungen: die aktuellsten Aufführungen werden in allen Sparten ausgewertet, attraktive Comeback-Versuche kommen dazu – acht Abende gehören ganz dem Tanztheater, neun der Oper – Joachim Meyerhoffs fabelhafter Bestseller erobert als Gastspiel die Bühnen

FRAUENPOWER IM WARENKREISLAUF AM OPERNHAUS UND IM SCHAUSPIEL, AMOK BIS ZUM KOMA IN GOSTENHOF UND ENTSETZLICHE LÜCKEN IN ERLANGEN/FÜRTH

Es ist an der Zeit, verpasste Gelegenheiten nachzuholen – so groß war die Chance noch nie: An 29 Februar-Tagen zeigen die Bühnen in Nürnberg, Fürth und Erlangen das Neueste aus den ersten Wochen von 2020, setzen dazu die erfolgreichsten Aufführungen aus dem Vorjahr wieder in den Spielplan und holen sogar Inszenierungen zurück, die man schon verschollen glaubte. Kein Premieren-Blitzlicht lenkt vom Blick aufs große Ganze ab. Im international traditionell breit aufgestellten Opernhaus, wo die hier nahezu unbekannte und leider etwas gefriergetrocknet inszenierte französische „Manon“ (Jules Massenet) neben dem populären italienischen „Nabucco“ (Giuseppe Verdi) dominiert, sind auch acht Termine für zwei abendfüllende Tanzprojekte von 2018 und 2019 reserviert. Das Schauspielhaus stellt seinen Überraschungshit „Nora“ (Henrik Ibsen) auf Kassenbilanzhöhe zu den beiden faschingsgerechten anglophilen Spaßmachereien um Banküberfall und Drag Queen. Am Gostner kämpft Sigi Zimmerschied (Niederbayern) mit dem Rentenbescheid und an gleichem Ort zeigt man obendrein ein „Momentum“ (Lot Vekemans, Niederlande), das in ganz anderer Interpretation auch im Markgrafentheater Erlangen gespielt wird. Dort, wo im Repertoire-Rundblick Kleist und Goethe so gern gesehen sind wie hintergründige Schlagerparaden. Fürth holt Erich Kästners „Pünktchen und Anton“ als Familienhilfe ins Angebot zurück. Rund 50 verschiedene Theaterproduktionen in mehr als 120 Vorstellungen bietet der Städtegroßraum in diesem bunten Februar. Das Kindertheater-Festival PANOPTIKUM rund um das Mummpitz-Theater schwärmt dazu vom 4.2. bis 9.2. mit 24 internationalen Gastspielen in die Stadt aus.  


STAATSTHEATER NÜRNBERG

COMEBACK   Den großen Gefühlsmusiker Giuseppe Verdi mit der angedeuteten Ästhetik früher Stummfilme gegen alle aufmarschbereiten Verona-Üblichkeiten von dekorativer Massenbombastik zu inszenieren – da muss man erst mal draufkommen, um es sich dann zu trauen. Regisseur Immo Karaman hatte die Idee 2010 für die damalige Neuproduktion NABUCCO riskiert, das flächige Bibelspiel mit dem populären Dreivierteltakt-Chor, inszeniert als verkappte Movie-Hommage. Er wurde vom Publikum dafür gefeiert. Jetzt in der nahezu komplett neu besetzten Wiederaufnahme übernimmt der stimmgewaltige Sangmin Lee, der absolute Bariton-Favorit des Hauses, die Hauptrolle des vorchristlichen Königs Nebukadnezar, als seine Tochter Abigail wird die italienische Sopranistin Katia Pellegrino einsteigen, die in dieser Partie zwischen Essen, Leipzig und den Domstufen von Erfurt unterwegs ist. Und für die wie im Walzer bewegenden Gedankenflüge des Volkes bleibt der verstärkte Chor, der ja sowieso der eigentliche „Hauptdarsteller“ ist, zuständig. Neu am Pult: Dirigent Björn Huestege.
Aufführungen:  1./7./9./22. Februar im Opernhaus.

COMEBACK   Einmal pro Jahr greift Ballettchef Goyo Montero nach den Sternen, manchmal erwischt er dabei auch Wolken. Dann stellt er hohe Literatur vom freien Kopf auf die muskulösen Beine, mischt alte Klänge mit neuen Auftragswerken oder legendäre Choreografen-Vorbilder spornen ihn frontal an. Sein Zauberwald-Tanzstück frei nach Shakespeares berühmtem A MIDSUMMERNIGHTS DREAM war 2018 so ein multimusikalisches Poeten-Projekt, eines, das auch ganz anders in Oper und Kino viele Varianten kennt und zur Körpersprache den Sound zwischen Altmeister Mendelssohn Bartholdy und Neutöner Owen Belton mischt. Notfalls darf es da im Montero-Universum der Collagen und Zitate auch, zielsicher reitend durch Nacht und Wind, sogar erlkönigliche Leihgaben von geleasten Dichterfürsten geben, um die Stimmungslage abzusichern. Zum Finale nach turbulentem Solisten- und Kollektiv-Einsatz spaziert aber in der Tanzadaption ganz werktreu der sagenhafte Puck des Original-William staunend durchs Parkett. Der preisgekrönte Alexsandro Akapohi, derzeit auffälligster Solist in der ansonsten eindeutig das Kollektiv als geballten Star pflegenden Compagnie, tritt wieder in sein spezielles Schrittmuster für den jugendlichen Charmebolzen. Montero holt für seine ansonsten teilweise neu besetzte Compagnie die Traumvorlage aus dem Ruhestand und platziert das runderneuerte Comeback-Ergebnis zum Vergleich im Spielplan zwischen den Terminen für den aktuellen Strawinsky-Abend. Die Philharmoniker sind live dabei.
Aufführungen: 15./18./23./25. Februar im Opernhaus.

PREMIERENFRISCH   Tanz-Ikone Pina Bausch gab ihrer ewig wundervollen Modellinterpretation von „Le Sacre du Printemps“ den deutschen Titel „Frühlingsopfer“, ein Spalier von weltweit renommierten Choreographen wie Maurice Béjart, Mats Ek, Angelin Preljocaj, Uwe Scholz und Sasha Waltz bevorzugte den Originaltitel des wild rhythmisierenden, einst als so skandalträchtig empfundenen Stückes mit der rituellen Überrumpelungsenergie. Nürnbergs deutsch-spanischer Ballettchef Goyo Montero betitelt die Uraufführung seiner Tanzversion, die er schon vorweg zum Meilenstein der eigenen Karriere erklärte, einfach „Sacre“ und holte den Kollegen Douglas Lee für die Inszenierung des dämonischen Puppenspiels „Petruschka“ zum Opernhaus-Doppel STRAWINSKY dazu, das also ganz diesem russisch-amerikanischen Komponisten und seinem besondere Zuneigung für den Tanz gewidmet wird. Um es vorsichtig zu sagen: Zu Meilenstein-Dimensionen hat es der Strawinsky-Abend choreografisch in beiden Teilen nicht ganz geschafft, er ist im Vergleich zu anderen Schöpfungen eher grundsolide und hat gegenüber der voranpreschenden musikalischen Live-Dynamik oft das Nachsehen. Aber das eben mit der zündenden Schrittmacher-Einstudierung der „Dirigentin des Jahres“. Wenn nicht tanzend, so zumindest tänzelnd am Pult ist Philharmoniker-„Generalin“ Joana Mallwitz (manchmal) am Werk. Sie übernimmt, da sie in Frankfurt bei der Vorbereitung von Barrie Koskys Neuinszenierung der „Salome“ im Einsatz ist, im laufenden Angebot freilich nur am 8. Februar selber die musikalische Leitung, die drei anderen Vorstellungen des Monats überlässt sie dem neuen Kapellmeister Björn Huestege, der schon einen Teil der Vorbereitungen leitete.
Aufführungen: 3./5./8./29. Februar im Opernhaus.

ROTLICHT-RECHERCHE   Im Zusammenhang mit dem Titel der Uraufführung wirkt der Begriff „Rechercheprojekt“ ein wenig anzüglich. Was soll´s! In SEX ARBEIT ging der gelernte Betriebswirtschaftler und Tourismus-Experte Wenzel Winzer im Auftrag der Kunst auf die Suche nach der Wahrheit im Geschäft mit der Lust. 14,5 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr stehen in Deutschland bei diesem besonderen Wirtschaftszweig im kombinierten Rot- und Zwielicht in der Statistik. An der engen Gasse der Frauentormauer, wo die Nürnberger zu früheren Zeiten, als Käthe Strobel noch nicht mit dem Sexualkunde-Atlas aufklärerisch geholfen hatte, flüsternd den arg missverständlichen Begriff „Freudenhaus“ verorteten, beginnt dieser Doku-Abend der gemischten Gefühle um „Facetten der Prostitution“ mit den drei Schauspielerinnen Anna Klimovitskaya, Lisa Mies und Adeline Schebesch.
Aufführung: 18. Februar in der 3. Etage Schauspielhaus, danach erst wieder im März.

SPEKTAKEL IM SCHAUSPIELHAUS   Ein eher jämmerlicher Elvis-Imitator wird der blanken familiären Not gehorchend zum Star unter den Drag Queens: In der Deutschland-Premiere von Matthew Lopez´ THE LEGEND OF GEORGIA MCBRIDE tauscht der eigentlich fast bürgerliche Ehemann (Mietrückstand, Räumungsklage, schwangere Ehefrau – wie das Leben halt so spielt), der eine kleine King-Karriere im Presley-Outfit versuchte, nach der Trendwende im Schießbuden-Entertainment den Fummel auf der höheren Erregungsstufe der damenhaften Herren. Olivia Jones, Lilo Wanders oder Conchita Wurst, das ist die offene Vorbildfrage. Show, Tanz, Glitzer, Glamour und Gesang mit Liveband: Regisseur Christian Brey, der Macher vom „Banküberfall“ und ehemaliger Co-Regisseur von Harald Schmidt, lässt wieder nichts aus, was zwerchfellerschütternd an unseren Geschmacksnerven und dem Applaus-Reflex zupfen kann. Yascha Finn Nolding, hochtouriger Komödiant aus „Herzliches Beileid“ und  „Alpha“, spielt King/Queen, die Langzeit-Lokalmatadore Pius Maria Cüppers und Michael Hochstrasser sind zuverlässig im Komiker-Team. +++ Zum Anwärmen lädt obendrein der keinem Kalauer ausweichende Vorgänger-Jux aus der letzten Saison erneut ein: Die KOMÖDIE MIT BANKÜBERFALL ist wieder da.
Aufführungen: The Legend of Georgia McBride am 1./4./7./16./18./23./25. Februar +++ Komödie mit Banküberfall am 17./22. Februar im Schauspielhaus.

PREMIERENFRISCH IM OPERNHAUS   Den renommierten Bayreuther Festspielen gab die angesagte Regisseurin Tatjana Gürbaca nach längeren Verhandlungen über den „Ring des Nibelungen“ zum allgemeinen Erstaunen kürzlich wegen mangelhafter Probenbedingungen einen Korb, aber zum Nürnberger Opernhaus hatte sie Vertrauen. Jules Massenets in Deutschland eher als Rarität geltende, opernweltweit höher geschätzte MANON (in Nürnberg wurde mal sein „Werther“ in  einer außergewöhnlich kunstvollen Inszenierung von Peter Mußbach gespielt und leider nach nur vier Vorstellungen wieder abgesetzt), ein Melodram feinster französischer Art, das Stationen einer jungen Liebe in leuchtenden Tönen ausmalt. Die Regisseurin radiert die Schnörkel historisierender Ausstattungsorgien radikal aus, sie stellt die kritische Frage nach „Frauen im Warenkreislauf“ der Männergesellschaft. Das passt zum Rechercheprojekt „Sex-Arbeit“ im Nachbarhaus ebenso wie zur dort für Mai vorbereiteten Doppel-Regie bei Schnitzlers skandalisierter Erotik-Endlosschleife „Der Reigen“, die von einer Regisseurin und einem Regisseur mit dem jeweils eigenem Blick gemeinsam angegangen wird.  In der Opern-Titelrolle der Manon zeigt die reisende Sopranistin Eleonora Marguerre, die vor einem Jahr schon als Gast die Natascha in „Krieg und Frieden“ sang, viel schauspielerisches Potenzial in sprunghaften Entwicklungen zwischen Unschuld vom Lande, Unterwelt-Vamp in Paris und Abstürzende im T-Shirt-Elend. Stimmlich fehlt die schwebende, sanft  erblühende Wärme, aber die hat der stämmig Puccini singende Tenor-Partner Tadeusz Szlenkier, der wie für die Qualifikation zum Paul-Potts-Pokal schmettert, auch nicht zu bieten. Die Regie verheddert sich in den eigenen Trash-Behauptungen, Dirigent Guido Johannes Rumstadt entschlackt mit Blick auf die aufwendig kühle, manchmal verwirrend gedankenvolle Szene bei der musikalischen  Einstudierung die Massenet-Lieblichkeit und stachelt das willige Ensemble im Kampfmodus zur Differenzierung an. Handwerkliches Format hat das schon, die ganz große Inspiration sicher nicht. Man schaut in den drei Stunden gelegentlich auf die Uhr.
Aufführungen: 2./6./12./16./24. Februar im Opernhaus.

PREMIERENFRISCH IN DEN KAMMERSPIELEN   Der Staatstheater-„Hausautor“ Philipp Löhle lieferte den Text für eine weitere Nürnberger Uraufführung. Seine laufenden Stücke (neben „Am Rand“ bleibt auch „Das Ding“ im Spielplan) kommen gut an, verschreckt hat er Teile des Publikums lediglich als Zeitungskolumnist mit skeptischer Wortmeldung zur religiösen Kindererziehung. In seiner satirischen Völkerschau ANDI EUROPÄER, den schelmischen Begriff „Bestiarium“ ließ er in der letzten Bearbeitung fallen, schickt er ein Team als Querschnitt Deutschlands nach Afrika, um die dortige Bevölkerung von den Gedanken einer Flucht nach Europa abzubringen. Die Zukunftsangst der Deutschen in der Figur eines Berliner Hipsters, erstes Semester Kommunikationswissenschaft. Inspiriert wurde der Autor durch tatsächlich zirkulierende Denkspiele aus einem Bundesministerium. Die zwischen Zürich, Wien und Berlin inszenierende Tina Lanik, die im Vorjahr ihr Nürnberger Debüt mit der Puccini-Oper „Madama Butterfly“  hatte, übernahm die Uraufführung, die sich neben den beiden anderen Löhle-Produktionen von Jan Philipp Gloger im Spielplan einreiht. +++ Ergänzt im Februar zunächst nur mit dem Vorgänger-Auftragswerk AM RAND (EIN PROTOKOLL), einer mild schaurigen Grenzland-Groteske im Regie-Zugriff des grade am Opernhaus Zürich mit der Operette „Die Csardasfürstin“ befassten Schauspieldirektors.
Aufführungen: ANDI EUROPÄER am 1./6./12./16./27. Februar +++ AM RAND am 10. Februar in den Kammerspielen.

HIGHLIGHT IM REPERTOIRE   In der Neuproduktion von Peter Handkes schon mal 1968 von Günter Büch im kleineren Rahmen der Kammerspiele gewagten Spiel um KASPAR, das Spartenchef Gloger 2019 wie bestellt zur Literaturnobelpreisverleihung auf die große Nürnberger Bühne brachte, tritt das von Worthülsen und Sprachmustern strangulierte fränkische Findelkind auch im Schatten einer Handke-Dreifaltigkeit auf. Drei Dichter kämpfen um ein Mikrophon, also die Deutungshoheit. Die tragische Drastik der „Sprechfolterung“ des Titelhelden wird in dieser Sicht durch Entdeckung bzw. Beförderung von Nonsens und Satire abgefedert. Felix Mühlen, Janning Kahnert und Maximilian Pulst sind die doppelte Trilogie von Handke und Kaspar. Eigentlich war die Produktion als aufgefrischtes Remake von Jan Philipp Glogers Jahre zurückliegender Mainzer Inszenierung gedacht, doch dann kam die überraschende Nachricht vom Nobelpreis für Handke und die heftig einsetzende Debatte um die politischen Irrläufe des Preisträgers. Der Schauspieldirektor schaffte mit seinem glänzenden Ensemble das Kunststück, diese aktuelle Wendung nicht nur als Beleg zu zitieren, sondern mit eigener Haltung derart überzeugend zu verarbeiten, dass der Nürnberger Kaspar von 2019 zum hinreißenden, so überzeitlichen wie pointiert aktuellen Gegenwartstheater geriet. Die Aufführung („Toll!“ schrieb der Kritiker der „Süddeutschen“, und knapper als mit diesen fünf Anschlägen kann man es kaum richtig treffen) wurde dem selbstbewussten Autor durchaus gerecht, aber eben auch seinen wütenden Kritikern.
Aufführungen: 5./9./20.02. im Schauspielhaus.

DER KASSENSCHLAGER   Das Puppenheim, das wie ein Treibhaus zu diesem Frauenschicksal gehörte, hat der deutschlandweit renommierte Regisseur und Bühnenbildner Andreas Kriegenburg rigoros  abgeschafft. Bei seiner ersten Nürnberger Inszenierung, Henrik Ibsens Drama NORA, schiebt er die Emanzipations-Elegie aus der Rückblende energisch in die Comedy-Gegenwart und baut ihr eine schicke Galerie als eisig elegantes Eigenheim. Die Titelrolle der Frau, die nun also vom plappernden Zeitgeist gesättigt die Konvention der infantilen Ironie als Hausmittel gegen Depressionen pflegt und erst spät zur Andeutung von Tragik durchbricht, spielt Pauline Kästner. In ihrer ersten Saison führte sie die Roboter-Puppe Olimpia im „Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann wie eine Vertraute aus der elektronischen Heimaufrüstung vor. Jetzt ist sie durch und durch Pointen-Artistin im Wirbel heiterer Fragezeichen. Maximilian Pulst ist der ratlos mitwitzelnde Ehemann, Julia Bartolome die halb und halb verhängnis- und verständnisvolle Freundin. Alle treten ständig rein und raus aus dem Rollenspiel, kokettieren mit dem gutgelaunten Publikum und noch lieber mit sich selbst. Die für viele ausverkaufte Vorstellungen sorgenden Zuschauer nehmen das clevere, wenn auch Ibsen allzu lässig ignorierende Drei-Stunden-Format als Spaß in Überlänge. Die Interpreten schmunzeln, manche Betrachter grinsen, der Dichter  grüßt grübelnd aus weiter Ferne.
Aufführungen:  8./11./14./19./21./28./29. Feb. im Schauspielhaus.

DICKE BÜCHER AUF KLEINER BÜHNE   Der fast vergessene „prognostische Roman“ des Nürnbergers Ludwig Dexheimer, der sich 1930 als Literat Ri Tokko nannte, verfügt über Internet und künstliche Intelligenz. In DAS AUTOMATENZEITALTER entwirft der Autor seine pazifistische Utopie, die an ein Zusammenspiel von Technik und Moral glaubt. Der Blick richtet sich ins Jahr 2500, wo die Vision der besseren Welt allerdings von Skepsis unterlaufen wird. Kieran Joel inszenierte die Buch-Dramatisierung auf dem Laborgelände des Schauspiels mit Stephanie Leue und Sascha Tuxhorn.  +++ Noch ein dickes Buch in ausgedünnter Bühnenfassung: DIE FÜRCHTERLICHEN TAGE DES SCHRECKLICHEN GRAUENS nach dem Wälzer von Roman Ehrlich kehrt in den Studiospielplan zurück. Ob man den komplexen, sehr dicken und arg düsteren Roman wirklich in ein 150-Minuten-Kammerspiel verwandeln kann, ist auch nach der bemühten Nürnberger Teilinterpretation ungewiss. Es geht um einen gruseligen Cineasten-Selbstversuch, bei dem sich eine sektiererische Gruppierung im Kneipennebenzimmer regelmäßig zur Abschöpfung von individuellen Ängsten trifft, um aus den Erkenntnissen vielleicht einen B-Movie zu drehen. Regisseurin Anne Lenk hat die zweite Hälfte des anspruchsvollen Buches ignoriert und die erste für ein Duo-Drama mit Tjark Bernau und Sina Dresp eingerichtet. Das hat Reizmomente, bleibt der Vorlage aber geradezu zwangsläufig viel von ihrer elegisch düster sich ausbreitenden Kraft schuldig.
Aufführungen: DAS AUTOMATENZEITALTER am 23. Februar +++ DIE FÜRCHTERLICHEN TAGE DES SCHRECKLICHEN GRAUENS am 20. Februar und 1. März in der 3. Etage.

SCHAUSPIELER SINGEN   Wer sich an den riesigen Nürnberger Erfolg mit den singenden „Sekretärinnen“ erinnert, sollte hier vorsichtig mit der Einstufung sein – es geht um die andere Blickrichtung. Für den „Abend über Männlichkeit mit Liedern von Frauen“, der männchengerecht oder auch tierisch ernst den Titel ALPHA trägt, hat Vera Mohrs mit ihrem Team in Evergreens gewühlt. Solche, die ausschließlich aus der Perspektive von Frauen geschaffen wurden – und nun exklusiv von Herren als Interpreten vorgeführt werden (müssen). Komplizierte Verhältnisse. Unter Regie von Manuel Schmitt pinseln Frank Damerius, Michael Hochstrasser, Nicolas Frederick Djuren, Amadeus Köhli, Yascha Finn Nolting und Cem Lukas Yeginer am sehr besonderen Frauen-Hörbild. Und der männliche Teil des Publikums wird per Fragebogen zur sofort ausgewerteten Selbstanalyse aufgefordert, was in jeder Vorstellung neue Aspekte bringen könnte. Oder eben ein gemeinschaftlich angestimmtes „Neue Männer braucht das Land“. +++ Mit Rio Reiser und Wagners „Meistersingern“ am Ehekarussell: Das illustrierte Stadtporträt DIE MUSIK WAR SCHULD  verbindet Jahrhunderte Ortsgeschichte mit Klang- und Sangmotiven nebst Poetengarnierung. Hermann Kesten, der sanftmütigste Nürnberg-Versteher, hat auch in dieser letzten Aufführung das letzte Wort.
Aufführungen: ALPHA 5./9. Februar +++ DIE MUSIK WAR SCHULD letztmals am 20. Februar in den Kammerspielen.

IM REPERTOIRE   Der meistgespielte deutsche Gegenwartsautor Roland Schimmelpfennig, mit Stücken wie „Besuch bei dem Vater“ und „Der Goldene Drache“ schon in Nürnberg erprobt, hat die zeitlos durch tausende Jahre Theatergeschichte zirkulierenden „Bakchen“ des Euripides neu in deutsche Kunstsprache übertragen. Das Schauspiel schickt sie unter dem Krawalltitel DIE BESESSENEN in muntere Untergangsrunden, die im Elend auch komisch werden. Regisseur Jan Philipp Gloger zeigt in der Nr. 2 seines langfristig angelegten Antiken-Projekts eine beispielhaft schreckensreiche Gesellschaft mit politischen Prinzipienreitern und göttlichen Anarchisten. Der Spaß ist blutig, witzig, grell und rätselhaft. Also sehenswert. +++ Bestseller-Autor Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) schrieb vor zwei Jahren mit HEILIG ABEND ein konzentriertes Dialog-Duell fürs Wiener Josefstadt-Theater. Der Titel trügt, eine Krippe muss der Zuschauer nicht erwarten, man kann das zu jeder Jahreszeit spielen. Ausgerechnet zur Stillen Nacht sind ein Polizei-Ermittler und eine mutmaßliche Terroristin einsam wachend im Verhörraum wortkämpferisch gegeneinander angetreten. Es geht um eine Bombe, die irgendwo um Mitternacht detonieren soll. Kehlmann reizte die Echtzeit-Situation, denn die 90 Minuten dauernde Aufführung gibt sich als abgebildete Liveübertragung. In der Inszenierung von Mirjam Loibl ist Adeline Schebesch die linksradikale Philosophie-Professorin unter Verdacht und Thomas Nunner attackiert sie als personifizierte Staatsgewalt mit Hang zu verbaler Dienstwillkür. +++ Ein Waschsalon in der türkischen Metropole Istanbul ist Treffpunkt für fünf junge Leute, kulturaffin und arbeitslos, die trotz beängstigender gesellschaftlicher Entwicklung den Fluchtreflex verweigern. Ceren Erkans zeitnahes Stück I LOVE YOU, TURKEY!, daheim als kampflustiger Bühnenessay mit klarer Haltung gefeiert, hat es in der arg brav geratenen deutschsprachigen Inszenierung etwas schwer mit dem Ausrufezeichen im Titel. Der Premierenbeifall war gewaltig, die Kritikenbilanz ist widersprüchlich. Von „gruselig-komisch“ über den „lohnenswerten Zeitgeschichte-Crashkurs“ bis zu „politisch eine knallhart verpasste Chance“ reicht das Meinungsspektrum der Rezensenten. Irgendwie haben sie ja alle recht.
Aufführungen: DIE BESESSENEN am 15. Februar im Schauspielhaus +++ HEILIG ABEND am 1./2. Februar in der 3. Etage +++ I LOVE YOU, TURKEY! am 14./21. Februar in den Kammerspielen.

AUSVERKAUFTE RARITÄT   Das ist die derzeit durchweg am schnellsten ausverkaufte Vorstellung des Staatstheaters! Leonard Bernsteins nach New York versetztes „Romeo und Julia“-Musical WEST SIDE STORY, das in Hollywood von Steven Spielberg für 2020 in Zweitverfilmung vorbereitet wird. Auch in Nürnberg live ist es der zweite  Versuch (nach der deutschen Erstaufführung 1972) und 2019 war die Choreographin Melissa King für Regie zuständig. Sie setzte auf Tempo und Turbulenz, vor allem im Tanz, etwas verhalten in den Sketchen dazwischen. Neben einem Spezialisten-Ensemble sind Tony und Maria, das Shakespeare-Paar in den Häuserschluchten von Manhattan, aus dem Haus-Ensemble besetzt: Hans Kittelmann und Andromahi Raptis, sonst vorrangig für Wagner und Mozart im Einsatz, singen „Tonight, Tonight“.
Aufführungen: Nur eine Aufführung in diesem Monat am 28. Februar im Opernhaus (mehr dazu auch im Kultur-Kommentar).

LETZTER AUFRUF   Die gespenstische Novelle DER SANDMANN aus dem „Schauerroman“-Zyklus von 1816 gehört zu den bedeutendsten Werken des vielseitigen E.T.A. Hoffmann, nicht nur mit besonderem Appetit von Jaques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ geschluckt. Schauerliche Poesie, die den kleinen Nathanael bis ins Liebesleben verfolgt. Letztere ist in der Nürnberger Neuproduktion der Regisseurin Clara Weyde (Ende dieser Saison wird ihr Shakespeares auch in Nürnberg oft gespielte Komödie „Was ihr wollt“, in guter Erinnerung von den Regisseuren Peter Hathazy und Stefan Otteni, anvertraut) die mechanische Schwester der Internet-Begleiterin Alexa, also was zum Ausknipsen. Für Gänsehaut reicht dieses wie an einer Wäscheleine schaukelnde Bildertheater nicht ganz, aber das Publikum wusste die jetzt ausklingende Softgruselei zu schätzen.
Aufführungen: Am 2. Februar und zum letzten Mal am 13. Februar im Schauspielhaus.

STAATSTHEATER NÜRNBERG
Richard-Wagner-Platz 2-10, Nbg
staatstheater-nuernberg.de


GOSTNER HOFTHEATER

LETZTER AUFRUF   Nürnberger Theaterfreunde kennen die holländische Autorin Lot Vekemans von der Kammerspiele-Produktion „Gift. Eine Ehegeschichte“ (Adeline Schebesch und Michael Hochstrasser spielten 2017/18), in Fürth wurde zu gleicher Zeit ihr prägnantes Solo „Judas“ aufgeführt. Nun folgten parallel in Nürnberg und Erlangen zwei verschiedene Inszenierungen von Vekemans Ensemble-Stück MOMENTUM. Am Gostner Hoftheater inszenierte Britta Schreiber das „well made play“ um einen depressiven Spitzenpolitiker und seine lebenslustigere Ehefrau mit Thomas Witte, Nicole Schneider, Robert Arnold und Gerd Beyer. Konfliktbewältigung mit eingebautem Unterhaltungswert. In Erlangen wird das parallel auf größerer Bühne und breiter ausgekostetem Text erprobt. Wer mag, kann also zwei Versionen nacheinander anschauen.
Letzte Nürnberger Aufführungen: 1./5./6./7./8. Februar im Gostner Hoftheater.

GASTSPIEL   Aus dem Passauer Kabarett-Rempler und Schauspieler-Unikum Sigi Zimmerschied ist längst ein satirisches Ein-Mann-Theater von Dämonen-Format geworden. Der langjährige Stammgast des Gostner Hoftheaters, den die sonst so offenen Kollegen vom Burgtheater bei ihrer Kabarettpreis-Vergabe seit Jahrzehnten standhaft ignorieren, spielt in seinem Solo HEIL einen ruhestandsreifen Grantler namens Sigi Heil, der sich selbst VOM KOMA ZUM AMOK treibt, indem er bei der menschenleeren Geburtstagsfeier seines 65. alle denkbar grauenhaften Gratulanten aus Familie und Nachbarschaft selber darstellt. Glückwünsche hat die Post nicht gebracht, aber einen lange verschlossen bleibenden Brief – es ist, wie sich beim Öffnen herausstellt, der niederschmetternde Rentenbescheid. Niederbayerische Alltagspassion als Metapher im Schleudergang. Das kann man körpernah im Gostner und dann mit ein wenig mehr Distanz im Hubertussaal erleben.
Aufführungen: 19./20./21 Februar im Gostner Hoftheater, 22. Februar im Hubertussaal.

TRAVESTIE-TRADITION   Alle Jahre wieder wie das Christuskind und der pünktlich folgende Fasching, der bei uns keinesfalls Karneval genannt werden darf, sind in Nürnberg DIE SCHLAMPENLICHTER für Serien in zwei Jahreszeiten pünktlich zur Stelle. Temporäres Stammhaus Hubertussaal für „O du fröhliche“ und „Ahaaa“. Die Travestie-Komödianten mit der Vorliebe für den etwas dicker geschminkten Humor haben viel Dauerpublikum auf gleicher Wellenlänge und Gelegenheitsgäste, die auf den drohenden Streit über Geschmack pfeifen. Das Ensemble rudert beim Jahrgang 2019/20 in traditionell überschaubarem Gewässer und fummelt den Franken-Krimi in die traditionelle Pointenshow. Agatha Christie  wird eingemeindet, der Nil auf überschaubareres Gewässer umgefüllt. TOD AUF DER PEGNITZ treibt die Kreation des Mundart-Thrillers mit Verpackung voran, was wiederum daran erinnern könnte, dass am örtlichen Musikkonservatorium, damals „Kons“ genannt, ein sehr einheimischer Dozent den aufstrebenden Jung-Sängern für Todesdialoge im offiziellen Kunst-Drama zungenfertigen Sprachunterricht gab mit der legendären pädagogischen Ermahnung: „Das heißt nicht ,döiden`, sondern ´döden`!“ Nach der Dezember-Premiere geht´s im Fasching zum Zugabe-Döden wieder drei Abende nach Gibitzenhof.
Letzte Aufführungen: 14./15./16. Februar im Hubertussaal.

HUBERTUSSAAL, Dianastr. 28, Nürnberg
GOSTNER HOFTHEATER, Austr. 70, Nürnberg
gostner.de


TAFELHALLE   

ALLE EIN BISSCHEN BOVARY   Ein Roman lernt tanzen: Susanna Curtis & Co., die sich vor sprudelnden Inspirationsquellen der Weltliteratur auf Dauer die vieldeutige Rubrik „dance affairs” erwählt haben, legen nach mit MADAME BOVARY, IT´S MEE TOO und erläutern umfassend im Untertitel „Sex, Tanz und Sehnsucht – im Sinne von Gustave Flaubert“. Fünf Personen, Tanzende und Schauspielernde, folgen dem feinen Gespinst des Poeten, der mit Schicksalen und Tragödien in allen Nuancen hantiert. An der Oberfläche ist es die Story von der Bauerstochter, die in die besseren Kreise einheiratet und dort statt der erhofften Aufregung bloß gediegene Langweile findet. Ihr Sturz durch unglückliche Affären und ruinösen Luxus hilft nicht bei der Sinnsuche. „In uns allen steckt ein bisschen Bovary“, sagt Susanna Curtis, die tanzende Regisseurin mit den Wurzeln in Schottland und der Heimat in Franken, die den Roman aus dem 19. Jahrhundert mit der heutigen #meToo-Debatte verknüpft, was in der Produktion zu eigenen, aktuellen Beiträgen der Darstellenden führt. Zwei Frauen und drei Männer ergründen die Sehnsucht nach dem aufregenderen Leben.
Aufführungen: 1./2. sowie 20./21./22. Februar in der Tafelhalle.

GASTSPIEL   Das Beethoven-Jahr wird bis zum 250. Geburtstag im Dezember noch reichlich Feierstunden-Pathos versprühen, wenn auch in Nürnberg kein „Fidelio“ in Sicht ist und Philharmoniker-GMD Joana Mallwitz vorerst die gefällige „Pastorale“ als persönlichen Beitrag (mit Meistersingerhallen-Aufführung und Opernhaus-Expeditionskonzert) reserviert hat. Da setzt Isabelle Kranabetter mit IN CONVERSATION WITH … schon vorher ein anderes Zeichen in der Tafelhalle. Mit fünf Performern (Musiker, Sänger, Schauspieler) nimmt sie das Jubiläum zum Anlass für eine Bühnen-Untersuchung, wie Mythen und ihre Fälschungen die Kulturgeschichte bestimmen. Die Konversationshefte des tauben Titanen, erst nach seinem Tod an die Öffentlichkeit gekommen und laut späterer Forschung lediglich manipulierte Zeugnisse der Beethoven-Gesprächspartner enthaltend, keineswegs Botschafts-Dokumente des Komponisten, sind das lückenreiche Material, in dessen Leerstellen es seit Jahrhunderten mächtig wuchert. Der Sekretär des „Ludwig van“ hatte es in der Absicht, eine Legende auf Denkmalhöhe zu lenken, mit reichlich Fake-Füllung in Umlauf gesetzt. Patriotismus mit Zementpodest? Vielleicht hört man die Festkonzerte nach dieser Offenlegung anno 2020 noch genauer.
Aufführungen: 28./29. Februar in der Tafelhalle.

TAFELHALLE
Äußere Sulzbacher Str. 62, Nürnberg
tafelhalle.de


THEATER ERLANGEN

GASTSPIEL   Nur an einem Abend zeigt das Münchner Metropoltheater seine von allen Seiten hochgelobte Inszenierung von Joachim Meyerhoffs urkomischer und gleichzeitig zu Herzen gehender Seufzer-Biografie ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE. Wer es hier nicht schafft, hat im Fürther Theater an zwei weiteren Februar-Terminen die Gelegenheit.
Aufführung: 1. Februar im Markgrafentheater.

KLASSIK IM NAHKAMPF   Heinrich von Kleists literarisch wertbeständiger Lustspiel-Evergreen DER ZERBROCHNE KRUG, gerne auch auf den weiten Szenen der Freilichtspiele als lachbarer Klassiker ausgebreitet, rückt in Erlangen dem Zuschauer so nah wie nie. Auf der Hinterbühne läuft der Prozess des Scherbengerichts gegen Dorfrichter Adam um die Bruchstellen in Keramik, Moral und Gesellschaft quasi unter der Lupe. Katja Ott inszenierte Kleist-Klassik fast zum Anfassen.
Aufführungen: 5./6./7. Februar im Markgrafentheater.

PREMIERENFRISCH   Wie der Zufall so spielt, brachte neben dem Gostner in Nürnberg zur gleichen Zeit auch das Erlanger Theater eine eigene Inszenierung von Lot Vekemans Psychospiel MOMENTUM heraus. Nur eben auf größerer Bühne. Hier inszenierte Elina Finkel die Story um den amtsmüden Regierungschef und seine quirlige Ehefrau, die im Absturz aus dem alten die Chance für ein neues Leben vor sich sieht.
Aufführungen: 13./14. Februar im Markgrafentheater.

SCHAUSPIELER SINGEN   Eine TV-Show direkt aus dem Dschungel Vietnams, mit Popstar-Format, wie es in Deutschland bei VOX unter „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ Programm-Stammplatz hat. Hier auf der Bühne ist der Anspruch deutlich höher. Eine Ansammlung von Hitparaden-Idolen versucht sich in der Revue BOMBEN-HITS ´68 – REVOLTE, RAUSCH UND LIEDERTAUSCH an Ruhm-Mehrwert auf Gegenseitigkeit, indem jeder die Erfolge der Konkurrenten neu anders interpretiert. Um Kunst und Kommerz geht es in der Erlanger Uraufführung, die an einer Evergreen-Pyramide entlang klettert und mit dem Einbruch der Realität ins Urwaldstudio alle Optionen zwischen Politthriller und „Lasst mich hier raus“-Ekelkomik hat.
Aufführungen: 19./20. Februar im Markgrafentheater.

DAUERLÄUFER   Regisseur Eike Hannemann, der Spezialist fürs Kleinkunstformat großer Themen (man erinnert sich gern an „Winnetou“ in Nürnberg) steht mit zwei Langzeitproduktionen wieder im Spielplan der Erlanger Theater-Garage: Als Livehörspiel mit Video hat er Wolfgang Herrndorfs Roadmovie-Bestseller TSCHICK, auch schon als Theaterstück am Gostner und in Kinofassung erfolgreich, in Erlangen auf die Bühne gebracht. +++ Noch länger sind dort Goethes LEIDEN DES JUNGEN WERTHER in seiner Interpretation präsent. Da wühlt sich bereits der dritte Titelheld durch das melancholische Briefdrama mit Todesfolge. Max Mehlhose-Löffler, der im „Weihnachtsmärchen“ der Räuber Hotzenplotz war, demonstriert Vielseitigkeit in der Rolle des jungen Schwärmers.
Aufführungen: TSCHICK am 15./16./17. Februar +++ DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER am 11./12. Februar in der Garage.
 

THEATER ERLANGEN
Theaterplatz 2, Erlangen
theater-erlangen.de


STADTTHEATER FÜRTH

FAMILIENTHEATER   Mit Erich Kästners rührend frecher, erfreulich frisch gebliebener Kindergeschichte PÜNKTCHEN UND ANTON, wo die Junioren aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten den Eltern vormachen, was wahre Empathie ist, hat das Junge Ensemble des Fürther Theaters in der Regie von Thomas Stang einen Treffer mitten ins Herz und ein wenig auch aufs Zwerchfell gelandet. Die Wiederaufnahme zielt am Wochenende in Nachmittags- und Abendvorstellungen auf vereinigten Familienbesuch.
Aufführungen: 7./8. Februar um 19.30 Uhr, 8. Februar auch um 15 Uhr im Fürther Theater.

GASTSPIEL   Die beste Zeit des Boulevardtheaters, wo der schnelle Witz eines Dialoges immer wichtiger war als der Inhalt des ganzen Stücks, liegt einige Zeit zurück. Immerhin, etliche Spezialisten dieser Schmunzeleien sind zwischen Berlin, München und Hamburg weiter unterwegs. Der ewige Sonnyboy Herbert Herrmann etwa, der mit der Komödie ALS OB ES REGNEN WÜRDE seine Talente als Regisseur und in der Hauptrolle nutzt, bleibt auch im gereiften Alter führender Repräsentant des Genres und reist mit einer Aufführung aus dem eisernen Bestand des „Theater am Kurfürstendamm“ an.
Aufführungen: 13./14./15./16. Februar im Fürther Theater.

GASTSPIEL   Die autobiografischen Bücher des großartigen Volldampf-Schauspielers Joachim Meyerhoff sind das reine Vergnügen, ob man sie selber liest oder gar den Autor erleben darf, wie er die eigene Gedankenwelt abendfüllend performt. Nach vielen Jahren am Wiener Burgtheater ist er inzwischen zur Berliner Schaubühne gewechselt, wo er grade an ständig ausverkauften Abenden die als Buch noch gar nicht erschienene weitere Fortsetzung dieser Biografie-Serie „Alle Toten fliegen hoch“ komplett vorführt. Den bislang offiziell letzten gedruckten Bestseller ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE gibt es schon einige Zeit in dramatisierter Spielfassung. Der besonders gern für Musical-Regie wie „Jesus Christ Superstar“ und „Hair“ gebuchte Gil Mehmert (in Nürnberg machte er 2018 „Catch me if you can“) hat sie an seinem Münchner Metropoltheater gewagt und damit Publikum und Kritiker wie im Sturm gewonnen.
Aufführungen: 18./19. Februar im Fürther Theater.

STADTTHEATER FÜRTH
Königstr. 116, Fürth
stadttheater.fuerth.de




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