Neuer Kulturort: Die Wiederbelebung des Rio Kinos?

DIENSTAG, 21. APRIL 2026, RIO PALAST

#Gostner, #Kino, #Leerstand, #MUZ, #Rio Palast

Das wäre die Vision: Ab 10 Uhr öffnen sich die Tore zum Rio. Man betritt das dreistöckige, denkmalgeschützte Foyer. Das Café unten wird vom Bistro West betrieben. Ein Konsumzwang herrscht nicht. Menschen kommen und gehen, verabreden sich auf ein Stück Kuchen oder einfach nur, um sich die Architektur anzuschauen. Weiter oben trifft sich ein Gesprächskreis. Es finden Beratungsangebote sozialer Einrichtungen statt. Um 18 Uhr schließt das Rio – aber nur kurz, um den Abend vorzubereiten, wenn das Gostner Hoftheater seine neueste Produktion im Saal zeigt. Oder die MUZ ein Konzert veranstaltet. 

So zumindest stellt Christine Haas sich das gerne vor. Die künstlerische Leiterin des Gostner Hoftheaters gehört zum Kernteam der Gruppe Rio, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den außergewöhnlichen Rio Palast in der Fürther Straße zu kaufen. Seit 2025 steht das ehemalige Kino, mit dem viele Nürnberger:innen sentimentale Erinnerungen verbinden, zum Verkauf. Preis: fast 1,5 Millionen Euro. 

Noch im selben Jahr formierte sich eine Gruppe aus Gostenhofer Initiativen, die das spektakuläre, vor allem von innen sehenswerte Gebäude als Kulturort erhalten möchten. Mit im Boot sind das Gostner Hoftheater, die MUZ, das Bistro West und das Kinder- und Jugendhaus Gost. Es finden monatliche Treffen statt, die für alle offen sind. "Wir wollen einen neuen Kulturort fürs Viertel", sagt Christine Haas, "mit Theater und Musik, kostenfreien Angeboten, verschiedenen Initiativen, die sich beteiligen ..." 

Im November fand ein erstes Treffen mit der Eigentümerfamilie Ach statt. Die ließ das Gebäude in den 50er-Jahren bauen und führte das Kino bis in die 2010er-Jahre. Einige Renovierungen später wurde der obere, kleine Kinosaal wieder bespielt, nun vor allem mit türkischen Filmen. Ein Experte, der die Gruppe berät, schätzt den derzeitigen Sanierungsbedarf auf circa 5 Millionen Euro, die zur Kaufsumme hinzukämen. 

"Die beteiligten Initiativen schwimmen alle nicht im Geld", sagt Haas. "Für Sanierungen gibt es Fördermöglichkeiten, beim Kauf sieht es nicht so gut aus." Die Gruppe befindet sich derzeit in einer Phase der Recherche nach Wegen der Finanzierung. Wenn andere Käufer:innen ihnen zuvorkämen, ist das Haus weg. Wegen Sanierungsbedarf plus Denkmalschutz hält Haas das allerdings für eher unwahrscheinlich. 

Für das Gostner könnte das Rio eine zweite Spielstätte mit rund 130 Plätzen werden, die MUZ den Saal unbestuhlt bespielen. Hinzu kämen freie Gruppen. Besonders wichtig ist Haas der Charakter eines Treffpunkts für die Theater- und Musikbubble, die Denkmal- und Kinofans und alle Menschen, die einfach gerade vorbeikommen: verkehrsgünstig gelegen, weniger versteckt als das Gostner, und grundsätzlich niedrigschwellig. 

"Viele Menschen verbinden total viele Erinnerungen mit diesem Ort", sagt sie, "und vielleicht finden wir ja jemanden, der dort z.B. seine Frau oder seinen Mann kennengelernt hat und jetzt Geld hat und etwas Gutes für diesen Stadtteil tun will?" Gesucht werden aber auch generell engagierte Menschen, die sich beteiligen möchten, das RIO als offenen Kultur-, und Nachbarschaftsraum weiterzudenken: Kino, Musik, Theater, Medien, Soziokultur – alles ist noch offen. Gostenhof würde es lieben!

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Leerstand, noch: das ehemalige Kino RIO Palast
Ein neuer Kultur- und Nachbarschaftsraum in Gostenhof?
Nächstes Treffen der Initiative am 21. April, 15 Uhr, im Kinder- und Jugendhaus GOST
Insta: @rio.palast




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GOSTNER. Den Spielzeit-Auftakt besorgt immer der künstlerische Leiter selbst: Laurent Gröflin führt Regie bei Graham Greens Unser Mann in Havanna, einer irren Agenten-Satire über einen britischen Staubsaugervertreter, der auf Kuba vom Geheimdienst angeworben wird, aus Geldsorgen zusagt und anfängt Kollegen und Nachrichten zu erfinden.Läuft noch bis zum 11.10.! Die zweite Premiere im Herbst wird dann, Gostner-typisch, eine Stückentwicklung: Nina Vieten, (2021: I Do The Same Job Bleeding) kümmert sich diesmal mit ihrem Schauspielerinnen-Team um das gesellschaftliche Phänomen der unsichtbaren, unterbewerteten und unbezahlten Art von Arbeit, die größtenteils von Frauen erledigt wird: Care Arbeit. [Ver]Kümmern feiert Premiere am 13.11. 
Aber auch drum herum ist gewohnt viel los am Gostner, insbesondere unten im Loft, das freitags und samstags Barbetrieb hat und unter der Woche einer der besten Orte ist, um der regionalen Szene von Musik über Literatur bis Theater in wohnzimmerlicher Atmosphäre auf die Pelle zu rücken. Am 04.11. steht hier endlich Tim Steinheimer auf der SuppKultur-Bühne beim Nachhol-Termin des Kwiss – Das Quiz für Dumme! Neu sind sind zwei Formate im Wechsel In guter Gesellschaft und 33 1/3
Bei beiden wird ein Thema vorgegeben (33 1/3 am 14.10.: Fernweh). Besuchende sollen Songs zum Thema mitbringen, die zusammen gehört und besprochen werden. In guter Gesellschaft macht das Selbe mit Texten (und auch anderen Hosts und Themen).

Am 28.10. kehrt die Soap zurück, der improvisierte wilde Ritt durch den Gehirnfasching regionaler Schauspieler:innen. In der fünften Staffel, Im Schatten der Dämmerung, geht es um eine nachaktive und blutdürstende Familie aus Nürnberg. Und zahlreiche Bands und Solo-Künstler:innen spielen auf, unter anderem die Hamburger Singer/Songwriterin Hannah Grosch am 22.10. oder der Egersdörfer mit seiner Boyband Fast zu Fürth am 31.10. Bitte ruf mich nie wieder an! heißt das Programm dieser vier unwirschen Herren, die orgelnd, brodelnd und tanzend ein Feuerwerk des geistreichen Wahnsinns entzünden werden.
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Gostner Hoftheater


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GOSTNER HOFTHEATER. Noch bis zum 07.06. habt ihr die Gelegenheit, am Gostner Hoftheater die Die Zornigen zu sehen, ein Stück, das sich abermals einordnet in die hier sogenannte Spielzeit der Wagnisse, in der Nürnbergs ältestes Privattheater das mutige, grenzensprengende, experimentelle, gegenwartsgesättigte Theatermachen hochhält: eine Stückentwicklung, eine Uraufführung, ganz ohne Worte. Regisseurin Johanna Heusser orientiert sich mit ihrem Team an den sieben Todsünden, die den Rahmen bieten für Betrachtungen über die Ansprüche und Erwartungen an Frauen. Ein komischer Abend zwischen Tanz und Theater.
Das Ende der Gostner-Spielzeit markiert dann ein Jugendstück, in dem Fall ab 11 Jahren: Funken von Till Wiebel, ausgezeichnet mit dem Retzhofer Dramapreis in der Kategorie Junges Publikum: Malte hat keinen Bock auf Feriencamp. Aber das hier, das Sommercamp der Arthur McPush Cooperation, ist anders als erwartet. Hier treffen die klügsten Köpfe ihrer Generation ohne Aufsicht aufeinander. Nerds und Außenseiter:innen, Tüfler:innen, Hochbegabte, Atome spaltende, Mozart auswendig lernende Jugendliche. Nur Malte, der durchschnittlichste 13-Jährige aller Zeiten, fällt aus dem Rahmen. Zum Glück nehmen ihn drei Genies unter ihre Fittiche. Zu viert kommen sie den geheimen Machenschaften der Arthur McPush Cooperation auf die Schliche. Die Nerds und Unangepassten begehren auf gegen die Großkapitalisten! Inszeniert von Birga Ipsen. Premiere am 26. Juni.    

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Gostner Hoftheater   
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GOSTNER LOFT. Die Ravensburger Band Platonow versteht sich eher als Kollektiv denn als klassische Musikkapelle: Seit über 20 Jahren kommen Menschen unter diesem Namen zusammen, manche nur für einen Auftritt oder eine Aufnahme, andere bleiben länger. Platonow, benannt nach einer Tschechow-Figur, will immer offen bleiben für inspirativen, künstlerischen Input auf allen Ebenen. Heraus kommt ein warm-melancholischer, schwärmerisch-verspielter Singer/Songwriter/Indie-Pop-Sound. Für ihren Auftritt im Nürnberger Loft des Gostner Hoftheaters holen sich Platonow ganz entsprechend des eigenen Anspruchs einen Künstler dazu, der in Nürnberg und insbesondere im Gostner hoch geschätzt wird: den Autor und Schauspieler Helwig Arenz, der das Konzert mit poetischen Texten anreichern wird. Tolle Kombi, Empfehung des Hauses!

Platonow & Helwig Arenz
26.04., 20 Uhr, Gostner Loft

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