Kirche ist kein safe space: Statement des CSD zur Schließung der Praunheim-Ausstellung

MONTAG, 31. JULI 2023, NüRNBERG

#CSD, #CSD Nürnberg, #Jesus liebt, #Kirche, #Rosa von Praunheim, #St. Egidien

Die, auch curt sehr verbundene, Kulturkirche St. Egidien hat am 20. Juli eine Ausstellung mit Bildern des Künstlers und Filmemachers Rosa von Praunheim eröffnet: Jesus liebt. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem CSd Nürnberg im Rahmen der Pride Weeks organisiert. Die provokanten Bilder spielen mit Kirchenkritik und Homoerotik – was ihre Platzierung im sakralen Raum umso spannender macht. Angefeuert vond er rechten Presse hat die Egidienkirche in der Folge einen Shitstorm erlebt, der dazu führte, dass die Ausstellung nach weniger als einer Woche wieder geschlossen wurde. Wir veröffentlichen an dieser Stelle gerne das Statemet des CSD, das die Problematik dieser Schließung auf den Punkt bringt. Wie mittlerweile bekannt wurde, wird die Kreis Galerie die Ausstellung übernehmen.

Mit sehr großem Bedauern haben wir als mitorganisierender Kooperationspartner die vollständige Schließung der Ausstellung „Jesus liebt“ zur Kenntnis genommen, welche am 27.07.2023 durch den Kirchenvorstand St. Egidien und St. Sebald beschlossen wurde.
Wir halten diesen Entschluss für ein fatales Zeichen aus dem Raum der Kirche. Denn wir haben nun hautnah erlebt, wie rechtsextreme und evangelikale Kräfte versuchen, Homosexualität weiter zu verteufeln, zu beschämen und aus dem Raum der Öffentlichkeit zu drängen. Wir mussten erfahren: Kirche ist in diesem konkreten Fall kein ‚safe space‘ für queere Menschen und ihre Kultur gewesen.
Im weltweiten Kulturkampf, den die organisierte Rechte auch nach Deutschland tragen will, haben wir hier ganz klar eine Auseinandersetzung verloren, indem auf die religiösen Sensibilitäten und Schamgefühle der bürgerlichen Mitte mehr geachtet wird, als auf die Erwartungen einer Minderheit, als ganze Menschen gesehen und akzeptiert zu sein – inklusive ihrer Sexualität.
Demokrat*innen müssen in diesen Zeiten zusammenstehen und dürfen sich nicht von einer kleinen lauten Menge durch Hassbotschaften zensieren lassen. Genau dieser Teil der Gesellschaft der sich über angebliche Cancel Culture am meisten aufregt, betreibt die tatsächliche Cancel Culture.
Aktuell arbeiten wir mit dem Egidier Kulturpfarrer Thomas Zeitler daran, einen neuen Ausstellungsort von „Jesus liebt“ zu finden, damit sie spätestens zum Finale der Prideweeks allen auswärtigen und Nürnberger Teilnehmenden zur Besichtigung und eigenen Bewertung zur Verfügung steht.
Wir stehen uneingeschränkt für Kunstfreiheit ein. Danke an Rosa von Praunheim, dass er mit seinen Mitteln gezeigt hat, wo die kirchliche und gesellschaftliche Debatte steht.
Über weitere Schritte halten wir auf dem Laufenden.


Die Vorstandschaft des Fördervereins Christopher-Street-Day Nürnberg e.V.
Bastian Brauwer (er/ihm) – Daniela Schlegl (sie/ihr) – Karlheinz Meininger (er/ihm) – Julia Heinrichs-Reichert (sie/ihr) – René Scheuermann (er/ihm)


Ergänzung 31.07.:

Jesus liebt wieder und zwar in der Kreis Galerie.

Bekanntmachung zur Nürnberger Wiedereröffnung der Ausstellung „Jesus liebt“ von Rosa von Praunheim in der KREISGalerie am Mittwoch, 2. August 2023

Wir lassen uns nicht schließen!
Und einschüchtern erst recht nicht!

Am Mittwoch, 2. August 2023 ab 17:00 Uhr werden die Bilder von Rosa von Praunheim wieder in Nürnberg zugänglich sein, und zwar in der renommierten KREISGalerie in der Karthäusergasse 14, 90402 Nürnberg, direkt am Germanischen Nationalmuseum und dem Kornmarkt, an dem das CSD-Finale gefeiert wird.

Nachdem sich die Nürnberger Egidienkirche nicht weiter in der Lage sieht, provokativer queerer Kunst ein Obdach zu gewähren, sind aus der Nürnberger Kunstszene viele Angebote bei uns eingegangen, die Ausstellung aufzunehmen.

Es müssen sich weiterhin möglichst viele Menschen ein eigenes Bild von Rosas Bildern machen und sich eine eigene Meinung bilden können. Denn: Eine Zensur findet bei uns nicht statt! 

Dafür ist die KREISGalerie ein symbolträchtiger Ort! Sie liegt direkt an der Straße der Menschenrechte. Kunstfreiheit und Religionsfreiheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden!

Ein Begleitprogramm, das noch in Arbeit ist, wird die Aspekte der entstandenen Debatte aufnehmen: Wie passen queere Vielfalt, Sexualität, Glaube und Kunst zueinander?

Wir freuen uns, dass der Egidier Kulturpfarrer Thomas Zeitler mit seinem Blick auf die Ausstellung weiter am Begleitprogramm mitwirkt. 


Die Vorstandschaft des Fördervereins Christopher-Street-Day Nürnberg e.V.

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Während der Prideweeks ist die Galerie wie folgt geöffnet:
Do 3.8. + Fr 4.8. von 14 bis 18 Uhr
Sa 5.8. von 15 bis 20 Uhr
So 6.8. von 13 bis 17 Uhr

 




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