BMX #53: Nadja Pries

MONTAG, 1. JUNI 2015

#BMX, #Erlangen, #Fahrrad, #Sport

Bike-Knipser Felix Jäger war wieder unterwegs. Diesmal in doppelter Mission in Spardorf an der BMX-Strecke des RC50 Erlangen. Dort fotografierte er die Strecke und Profi-BMXerin Nadja Pries, die mit ihrer Startnummer 53 schon Titel und Medaillen auf Deutschen, Europa- und Weltmeisterschaften erradelt hat. curt stand die sympathische Erlangerin dann auch Rede und Antwort.

curt: Nadja, du bist jetzt 21 und erfolgreiche Profi-BMX-Fahrerin. Aber jede BMX-Fahrerin fängt mal klein an. Wie bist Du dazu gekommen?
Nadja: Zusammen mit meinem Bruder Timo habe ich als Kind jeden Tag auf dem Rad verbracht. Wir sind in Spardorf aufgewachsen, also unweit von der BMX Bahn. Nach vielen Versuchen konnten wir irgendwann unsere Mutter davon überzeugen, mal mit uns zu einem Schnuppertraining zu gehen.

curt: Was gefällt Dir am BMX-Fahren? Welche Fähigkeiten braucht man?
Nadja: Ich bin mit dem Sport aufgewachsen und er hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich habe durch das BMXen eine Menge fürs Leben gelernt und konnte schon viele Teile der Welt bereisen. Außerdem knüpft man viele internationale Freundschaften. Aber es ist ein Einzelsport: man hat den Erfolg für sich alleine, muss aber auch Niederlagen alleine wegstecken. Es fahren immer 8 Fahrer gegeneinander, wodurch es häufig zu Rangeleien kommt. Da unsere Räder keine Federung haben und keine Fehler verzeihen, muss man technisch absolut sauber fahren. Man braucht also ziemlich viele Fähigkeiten wie: Reaktion, Schnellkraft, eine gute Technik, taktisches Geschick, Durchsetzungsvermögen, eine starke Mentalität und vielleicht muss man auch ein bisschen verrückt sein.

curt: Du fährst für den RC50 Erlangen. Der ist ja ziemlich groß in der BMX-Szene. Kannst Du den mal kurz vorstellen?
Nadja: Genau! Unser Verein ist ziemlich groß und auch erfolgreich. Ich bin froh, dass ich hier anfangen konnte. Durch die Größe gibt es in jeder Altersklasse viele Fahrer, die sich gegenseitig im Training pushen können. Außerdem können sich jüngere Fahrer viele Tipps von älteren holen und Dinge abschauen. Das ist der Grundstein, um erfolgreich Rennen zu fahren.

curt: Wie ist denn die BMX-Szene hier in der Region? Gibt es außer der Vereinsbahn um die Ecke noch andere Bahnen hier, auf denen du unterwegs bist und trainierst? Welche kennst Du bzw. kannst du empfehlen?
Nadja: Empfehlen kann ich auf jeden Fall die Bahn des RC 50. Hier kann auch jeder dienstags und donnerstags ab 17:30 Uhr zum Training kommen. Ansonsten bin ich gerne in Nürnberg an den Zabo Trails. Das macht Spaß, ist entspannt und gut für die Technik. Neben den Dirts kann man dort auch ein bisschen auf dem Pumptrack rumdüsen.

curt: Stichwort Training. Wieviel trainierst Du? Was trainierst Du? Körperlich, technisch, mental?
Nadja: Im Winter zum Aufbau trainiere ich zweimal täglich und sechs Tage die Woche. Das sind dann ca. 18 Stunden reines Training. Dazu gehören Krafttraining, Sprints und Techniktraining. Zusätzlich übe ich cirka alle zwei Wochen mit einer Sportpsychologin und gehe 1 bis 2 mal die Woche zur Physiotherapie.

curt: Das klingt wirklich sehr professionell. Wie viele Sportlerinnen in finanziell weniger unterstützten Sportarten bist Du also nach dem Abitur als Sportsoldatin zur Bundeswehr, um auf diesem Niveau BMX fahren zu können?
Nadja: Richtig, ich bin seit 2012 in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Ich bin wahnsinnig froh, so eine Möglichkeit zu haben, denn anders könnte ich es mir nicht leisten. Im Moment konzentriere ich mich wirklich voll auf den Sport und arbeite nur nebenbei noch ab und an in einem Restaurant.

curt: Und Sponsoren?
Nadja: Ich bekomme eine sehr gute Unterstützung von der deutschen Sporthilfe. Außerdem Sponsern mich Scott, Sports-Block.com und Pure Bicycles.

curt: Gibt es auch lokale, regionale Unterstützer?
Nadja: Lokale Sponsoren habe ich leider nicht. Ich bin ständig auf der Suche nach Unternehmen, Firmen etc., die Interesse daran haben, mich zu unterstützen. Allerdings haben diese häufig kein Interesse an Rand- oder Einzelsportarten. Obwohl der Sport sehr viel Potenzial hat und auch seit 2008 olympisch ist, sehen das viele noch nicht so. Also bei Interesse gerne an mich wenden.

curt: Olympia klingt nach einer guten Gelegenheit für wirksames Sponsoring. An welchen Wettbewerben nimmst Du aktuell teil?
Nadja: Ich fahre hauptsächlich internationale, aber natürlich auch nationale Rennen. Im Moment stehen vor allem European-Cup Rennen an. Ab Ende Juni geht es dann mit den ganzen großen Rennen los. Zuerst die European Olympic Games in Baku, welche schon der erste Höhepunkt sind. Dann die Deutsche Meisterschaft bei Kassel, die Europameisterschaft in Holland. Der zweite große Höhepunkt sind dann die Weltmeisterschaft in Belgien. Und das alles in einem Monat.

curt: Und dauernd auf Tour. Wie bist Du da unterwegs? Wer begleitet und betreut Dich? Trainer, Techniker, Arzt, Mentaltrainer, Freunde?
Nadja: Ich würde sagen, meine zwei treuesten Begleiter und Fans sind meine Mutter und mein Hund (lacht). Die sind fast immer dabei, wenn die Rennen nicht zu weit weg sind. Ansonsten habe ich auf den Rennen noch meinen Trainer. Techniker haben wir leider nicht dabei, aber über die Jahre bringt man sich so die wichtigsten Sachen selbst bei. Meine Mentaltrainerin kommt nicht mit zu den Rennen, weil die Basis schon vor den Rennen gelegt wird und ich das Gelernte dann bei den Rennen nur noch abrufen muss.

curt: Du bist im Nationalkader, hast Medaillen und Siege auf Deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften geholt. Die nächsten Ziele?
Nadja: Dieses Jahr habe ich mir als Ziel eine Top-8-Platzierung bei den Europameisterschaften und eine Top-16-Platzierung bei der WM gesetzt.

curt: Zu Olympia darf man erst ab 19 Jahren. Also nächstes Jahr wäre es dann zum ersten Mal möglich.
Nadja: Das große Ziel sind natürlich die Olympischen Spiele 2016 in Rio! Die Quali für die Spiele ist extrem schwer, aber ich gebe alles, um nächstes Jahr dabei zu sein!

curt: Und dafür wird alles untergeordnet? Immer unterwegs, wenig Freizeit und viel Entbehrungen, Aufpassen bei der Ernährung, kein Alkohol, früh ins Bett, keine langen Clubabende in Erlangen. Ein typisches Sportlerleben.
Nadja: Ja, das kommt so ungefähr hin (lacht). Ich bin aber von Grund auf sehr diszipliniert und vielleicht auch ein bisschen perfektionistisch angehaucht, darum macht mir das nicht so viel aus. Ich bin es ja gewohnt und es hat auf jeden Fall auch seine Vorteile, denn nur wenige in meinem Alter haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und bereisen die Welt. Und wenn ich daheim bin räume ich mir immer genügend Zeit ein, um wieder runter zu kommen und was mit Freunden zu unternehmen.

curt: Hat man noch Zeit für alte Freundschaften oder kommen die auch eher aus der Szene?
Nadja: Also ich habe mittlerweile wirklich sehr gute Freunde aus anderen Ländern, mit denen ich dann eben immer auf den Rennen abhänge. Von meinen Schulfreunden sind mir zum Glück die wichtigsten auch noch erhalten geblieben.

curt: Wie ist die Reaktion, wenn man als attraktive Frau Anfang 20 sagt, man ist professionelle BMX-Fahrerin? Reagieren Männer und Frauen unterschiedlich?
Nadja: Haha! Die häufigste Reaktion - egal ob Mann oder Frau - ist „Boah echt? Ist ja cool!“ (lacht) Ich habe aber schon manchmal das Gefühl, dass es gerade bei Männern sehr gut ankommt, weil es eben mal was anderes ist und man ja nicht so viele Profisportlerinnen trifft wie, zum Beispiel, Studentinnen. Vielleicht aber auch deshalb, weil viele Männer den gleichen Traum hatten oder haben.

curt: Wir sind ja auch dementsprechend beeindruckt. Vor allem auch, weil Du sogar nebenbei noch studieren willst. Wie bringt man das unter einen Hut?
Nadja: Zum nächsten Wintersemester fange ich in Erlangen ein Teilzeitstudium in Psychologie an. Das wird auf jeden Fall stressig, aber wenn man was will, geht es auch. (lacht)

curt: Also schon die Vorbereitung auf die Zeit nach der Karriere? Wenn Du weiter verletzungsfrei bleibst, kannst Du doch als BMX-Fahrerin bis zum Rentenalter fahren, oder gibt es da eine Grenze, ab wann es eher uncool ist?
Nadja: Also viele Hobbysportler fahren tatsächlich bis ins Rentenalter. Das ist aber absolut nicht meins. Ich genieße diesen Lebensabschnitt im Moment, aber wenn ich irgendwann nicht mehr in der Eliteklasse mithalten kann, werde ich nicht mehr so viel Zeit und Kraft in den Sport investieren. Ich denke, dass ich mit spätestens 27 anfange, ein „normales“ Leben zu leben. Dann möchte ich auch einen normalen Job und eine Familie. Sport werde ich aber vermutlich trotzdem als Hundertjährige noch machen. Ich bin unerträglich, wenn ich keinen mache.

curt: Geht uns genauso. Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank und weiter viel Glück und Spaß auf der Strecke!

Mehr Infos zu Nadja unter nadjapries53.blogspot.de.


NADJA PRIES
Jahrgang ´94, BMX-Pro. Nationalkader. Heimatverein RC 1950 Erlangen.
TITEL: Bayerische Meisterin, 1. Platz DM, 2. Plätze WM (Junioren), 2. und 3. Platz EM (Junioren).

BMX-STRECKE RC50 ERLANGEN
Am Waldrand, Ecke Sieglitzhofer Straße / Spardorfer Straße. Der im Herbst 2009 umgebaute Track präsentiert sich mit anspruchsvollen, aber für jede Klasse flüssig zu fahrenden Hindernissen. 360 Meter, flach, Starthügel, 4 Geraden, 3 Steilkurven, viele Hindernisse.




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