Theaterübersicht im Februar und März
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Andi sichtet regelmäßig die Theaterwelt in Nürnberg, Fürth und Erlangen und fasst euch alle Neuen und weiterhin laufenden Stücke der Häuser zusammen.
Schauspiel Erlangen: Die Aufarbeitung beginnt
Es ist vielleicht so etwas wie das Kernstück der Erlanger Spielzeit, das ab 20.02. auf dem Programm steht: Brauner Schnee über Erlangen, eine Uraufführung. Die Dramaturgin Natalie Baudy und der Regisseur Matthias Köhler haben sich intensiv in die Geschichte des Doppelmords an Shlomo Lewin und Frida Poeschke 1980 auseinandergesetzt. Vor ihrem Haus in Erlangen wurden der Rabbiner und seine Frau erschossen, es war der erste antisemitisch motivierte Mord der deutschen Nachkriegszeit. Der Täter, Neonazi Uwe Behrendt, floh in den Libanon, wo er sich im Jahr darauf das Leben nahm.
Baudy und Köhler rollen den Fall neu auf, verfolgen die Spuren von Erlangen in den Libanon und decken Verbindungen zu rechten Strukturen auf, die bis heute virulent sind. Was wurde verschwiegen, wer trägt Verantwortung? Ein dokumentarisches Stück, das auch bedeutet:
Die Aufarbeitung ist nicht vorbei, sie beginnt gerade erst.
Bis zum 27.03. gibt es außerdem noch einige Gelegenheiten, in Erlangen Miroslava Svolikovas poetisches Langgedicht Europa flieht nach Europa in der Inszenierung von Schauspiel-Chef Jonas Knecht zu sehen. Ein szenisches Konzert mit dem Schlagzeuger Chris Norz als Gast und einer eindrucksvollen Gestaltung von Bühne und Kostümen.
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Schauspiel Erlangen
www.schauspiel-erlangen.de
Stadttheater Fürth: Hornby-City goes Brecht
Sowohl Nipplejesus als auch State of The Union, die beiden Nick-Hornby-Stücke, laufen in Fürth fröhlich und erfolgreich weiter. Ein donnerndes Gastspiel-Highlight steht jedoch am 18.02. und 19.02. im Programm. Luise Voigts Inszenierung von Björn SC Deigners Fortschreibung eines Bertolt-Brecht-Stücks wurde im vergangenen Jahr als eine der herausragenden Arbeiten des Theaterjahrs zum 62. Berliner Theatertreffen eingeladen: Die Gewehre der Frau Carrar / Würgendes Blei. Frau Carrar hat ihren Söhnen verboten, sich dem spanisch-antifaschistischen Kampf gegen Franco anzuschließen. Ein kurzes Stück, das sich um die entscheidende Frage dreht, ob es angesichts eines brutalen Angriffs überhaupt das Recht auf Neutralität und Enthaltung geben kann. Eine erschreckend aktuelle Frage.
Das Münchner Residenztheater hat den Dramatiker Deigner beauftragt, den Brecht-Stoff in die Gegenwart fortzusetzen. Sein Text sucht eine Sprache für den überzeitlichen Schrecken von Krieg und Zerstörung. Tolle Gelegenheit, das Residenztheater in Fürth zu erleben!
Am 26.02. besteht dann die Gelegenheit die Comödie Dresden und eine ganz andere Theater-Tonalität zu erleben: Die Goldfische ist eine Inklusionskomödie nach dem Kinofilm von Alireza Golafshan:
Der Banker Oliver ist nach einem Autounfall querschnittsgelähmt. In der Reha lernt er die blinde Zynikerin Magda, den stillen Michi, den autistischen Rainman und die Glamour-verliebte Franzi mit Down-Syndrom, die Wohngruppe Die Goldfische. Ausgerechnet sie sollen ihm helfen, sein Schwarzgeld aus der Schweiz zu schmuggeln. Aus dem Kino- wurde ein Theatererfolg.
Am 13.03. kommt dann die aus TV und Kino bekannte Gesine Cukrowski nach Fürth. Der Titel ihres Solostücks verrät bereits die Rolle: Ich bin Astrid aus Småland. Martin Mühleis hat einen Bühnenmonolog über das bewegte Leben Astrid Lindgrens erarbeitet, live mit nordischer Musik begleitet von der Hennes Gäng und in Hamburg mit stehenden Ovationen gefeiert.
Ein riesiger TV-Erfolg gelang der Autorin Mizzi Meyer mit Der Tatortreiniger. Die Komödie Düsseldorf machte daraus, bzw. aus drei Episoden der Serie, einen Theaterabend. In die Rolle des Schotty schlüpft dabei Jan Schuba. Am 18. und 19.03.
Und noch eine theatrale Bearbeitung eines Filmstoffs: Das Altonaer Theater beehrt Fürth mit einem Klassiker: Der Club der Toten Dichter. Der unkonventionelle Englischlehrer John Keating verändert mit einer Geheimgesellschaft das Leben seiner Schüler. Am 28. und 29.03.
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Stadttheater Fürth
www.stadttheater.de
Tafelhalle: Grenzerfahrungen und die Suche nach Heilung
Der Februar in der Tafelhalle steht zunächst im Zeichen des Panoptikum Festivals mit Inszenierungen des Jungen Theaters Ingolstadt, der Compagnie Cie.Arcosm und katinkaspringinsfeld. Dann folgen gleich drei Produktionen aus dem eher tänzerischen, aber dabei sehr inhaltlichen Feld:
Mel Brinkmann: Zones of Simulation
Die Performer_in und Choreograf_in Mel Brinkmann hat für diese Arbeit zum Truppenübungsplatz Hohenfels recherchiert. Ein faszinierender Ort: Seit 1951 wird auf einem von den US-amerikanischen Streifkräften verwalteten Gelände Krieg simuliert. Sogenannte Civilians on the Battlefield – kurz COBs – verkörpern bei diesen Übungen fiktive Dorfbewohner:innen aus den globalen Konfliktzonen.
Die Tanz-Performance setzt sich mit den Menschen hinter diesen Statist:innen auseinander und blick auf einen Ort, an dem sich die Idee von Krieg in zivile Körper einschreibt. Termine: 13.02. und 14.02.
Julian Lorenza Sturz und Lina Hartmann: In/Sufficient
Zwei Solo-Performances, die gemeinsam zu etwas Neuem werden.
Julian Lorenza Sturz beschäftigt sich in seiner Choreografie mit der Frage nach der gewaltvollen Sozialisation als Mann und der Suche nach einem Umgang mit der spezifischen Genderrolle. Lina Hartmann setzt sich mit dem Gefühl der Reizüberflutung und Überforderung auseinander. Wie verhält man sich in einer Welt, für die man zu sensibel erscheint? Ein Abend über das Ungenügendsein, nochmal zu sehen am 06.03.
Astrid Hornung: Über Müdung, Premiere: 12.03.
Die Performerin und Schauspielerin Astrid Hornung ist seit 2020 an ME/CFS erkrankt, einer neuroimmunologischen Multisystemerkrankung, für die es aktuell noch keine Heilung gibt. Mit ihrer Arbeit auf der Bühne möchte sie diese oft missverstandene Krankheit erfahrbar machen.
Eine Grenzerfahrung auf der Suche nach Heilung, mit der Hoffnung im Herzen und der Erschöpfung als ständigem Begleiter.
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Tafelhalle
www.tafelhalle.de
Gostner Hoftheater
We Are Family, die Antikenüberschreibung von Tine Rahel Völcker, läuft noch bis zum 07.02. am Gostner Hoftheater. Andi Radlmaier hat die Premiere für uns besucht und schreibt auf curt.de: "Regisseurin Ragna Kirck konzentriert sich auf den feministischen Blickwinkel. Das Bühnengeschehen ist in weiblicher Hand. Es geht um die Frage, wie Frauen männliche Machtmuster auch in ihrem eigenen Handeln abschütteln können und warum sie auch noch nach 3000 Jahren im Wald lieber Schutz bei den Bären als bei den Männern suchen sollten." Ebenfalls am 07. sowie am 08., 13. und 14. Februar gibt es das Gastspiel der Schlampenlichter im Hubertussaal: In drei Teufels Namen, eine heiße Komödie über Liebe im besten Alter und kalt servierte Rache. Die nächste eigene Premiere des Gostner heißt Happy End (Keine Garantie) von Felix Krakau. Darin nimmt ein Trio das Publikum in Geiselhaft: Streits sollen beigelegt werden und der Meeresspiegel wieder sinken! Doch die Bundesregierung geht nicht ans Telefon! In der Regie von Sarah Speiser zu sehen ab 05.03.
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Gostner Hoftheater
www.gostner.de
Theater Rote Bühne: Shakespeare fränkisch neu denken
Die Rote Bühne in der Vorderen Cramergasse feiert 20-jähriges Bestehen (ausführliches Jubiläums-Interview in der kommenden
Ausgabe) und nimmt sich aus dem Anlass einen der größten Klassiker, die es fürs Theater überhaupt gibt, her: Romeo und Julia,
die berühmteste Liebesgeschichte der Welt. Hach!
Und wer hat den Klassiker geschrieben, wer weiß es? Shakespeare? Falsch, ganz falsch. Ab sofort wird nur noch von Romeo und Julia von Anette Röckl und Christian Schidlowsky die Rede sein! Diese beiden verlegen die Geschichte um die beiden Liebenden und ihre verfeindeten Familien hier her, zu uns, nach Nürnberg! Sie ist eine Patriziertochter, die mit ihrem Vater im Kucherschloss mitten in der Nürnberger Altstadt residiert. Romeo dagegen der Sohn einer Bauunternehmerin, die genau diese Immobilie abreißen will für ihre Vision eines neuen Nürnbergs. Uff, welch Ungemach! Natürlich müssen die beiden heimlich fliehen, um ihre Liebe leben zu können. Doch wohin? Zum Glück haben Romeo und Julia Freunde, die von Schleusen wissen, die Raum und Zeit überwinden können. Anette Röckl, bekannt von ihren Kolumnen für die NN, mischt fränkische Liebesmundart mit originalen Shakespeare-Schwüren und so entsteht eine Komödie, die das Überzeitliche betont: zwischen Renaissance-Tänzen und Gegenwarts-Baustellen. Regie führt Christian Schidlowsky, dem Rote-Bühne-Publikum bekannt durch seine Inszenierung von „Die Blechtänzerin“ zum zehnjährigen Jubiläum des Hauses. Viviane Hamm steht als Julia auf der Bühne, Lukas Heinrich als Romeo. Zu sehen ab 20.03.
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Theater Rote Bühne
www.rote-buehne.de
Megaplot: Immersive Theater-Experimente
Megaplot, dahinter stecken die beiden umtriebigen Kulturschaffenden Claudia Schulz und Martin Fürbringer, bekannt u.a. vom Kommando Romadour, bringen ihre neuste Produktion in das ehemalige Hefewerk in Nürnberg Buch: Beim Bast. Weh uns! Ist uns noch zu helfen? ist, soviel weiß man zumindest schon mal eine immersive Theaterperformance. Es steht zu vermuten, dass das Publikum an einer Erfahrung viel mehr teilnehmen als sie bloß konsumieren wird. Dazu holt Megaplot den rätselhaften Übungsleiter Leo von Trapp aus der Schweiz, ein Experte auf dem Gebiet des Solidaritätstrainings. Er soll mit den Besucher:innen Grenzen und Krisen der Solidarität und des Mitgefühls ausloten und erproben. Hört sich nach Live-Menschenexperiment mit ungewissem Ausgang an? Gut möglich!
Premiere am 27.02., weitere Termine am
28.02., 1., 2. und 4. März
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Megaplot: Weh uns! Ist uns noch zu helfen?
www.megaplot.net
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