Kabarett, Comedy & Co im November

FREITAG, 1. NOVEMBER 2019

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Was sich an Hochgeistigem und Scharfsinnigem tut, das erfahrt ihr genau hier, denn der kecke Tommy, unser Schreiberling von curt für Kabarett & Comedy, ist ein kritisches Trüffelschwein.

INKA MEYER: DER TEUFEL TRÄGT PARKA
SAMSTAG, 02.11. / BURGTHEATER NÜRNBERG
Schade ist es, dass anscheinend viele Kabarettistinnen “mein Mann ist so oder so“ und verpasste Schönheitsideal-Themen heutzutage nicht mehr auszukommen scheinen. Ist das politische Kabarettfeld schon von den Theaterwissenschaftsstundeten der 80er und 90er komplett besetzt? Liegt es daran, dass die Männer zuhause selbstverliebt in ihre Bildung Monologe zur politische Lage halten und deshalb die Frauen lieber die Krux im Kleinen und Zwischenmenschlichen suchen? War das jetzt von mir schon wieder zu wenig Gender-neutral beleuchtet? Meine Güte, unsere Zeit zurzeit hat es schon in sich. Was ich aber ganz vergessen habe zu erwähnen, ist die Tatsache, dass die Pointen-Dichte und der Unterhaltungswert von Inka Meyer phänomenal ist. Mein Tipp für den November.

EGERSDÖRFER & ARTVERWANDTE
DIENSTAG, 05.11. / E-WERK ERLANGEN
Zur letzten Ausgabe 2019 hat sich Herr Egersdörfer seine Liebsten, neudeutsch: Homies, eingeladen. Der Stargast kommt aus Österreich und auch dort haben beide für ihr gemeinsames Programm Erlösung den Kabarettpreis bekommen. MARTIN PUNTIGAM wird sich bestimmt wohlfühlen. Im Talk wird sich BIRD BERLIN den Fragen nach seiner künstlerischen Zukunft stellen und die wunderbare KARIN RABHANSEL wird musizieren und hoffentlich dem Gastgeber die Frage stellen: Mogst schmusn, mia wad’s wurscht. Alles in allem also ein Heimspiel par excellence – und das für einen in Fürth lebenden Laufer in Erlangen. (Präsentiert von curt!)

COMEDY MIX
DONNERSTAG, 07.11. / KULTURWERKSTADT AUF AEG, NÜRNBERG
Auch im November erwarten euch 2 Stunden feinstes Kabarett- und Comedy-Programm auf AEG in der Kulturwerkstatt. Am Start werden Markus Kapp, Isabel Arnold, Timm Full und Frank Gundermann sein. Kein Eintritt, günstige Getränke und eine üppige Hitspende für die Künstler sind angesagt.

JOSEF HADER: HADER SPIELT HADER
DONNERSTAG, 07.11. / STADTHALLE FÜRTH
Meine erste kabarettistische Live-Erfahrung war Josef Hader im Karstadt Café. Das war in den 90ern und auch damals spielte Hader schon Hader. Das zeugt auf der einen Seite von einem soliden künstlerischen Selbstvertrauen, zum anderen auch von seiner Klasse. Der Hader braucht keine reißerischen Programmtitel, um das Publikum in seine Vorstellungen zu locken, denn seine Klientel weiß, was zu erwarten ist und so lange die linke Rotwein-Bohème nicht ausstirbt, kann der in Wien lebende künstlerische Tausendsassa weiterspielen. Sollte sich das komödiantische Blatt für ihn wenden, ist er ja auch noch einer der bekanntesten Schauspieler Österreichs. Um den Josef braucht sich also niemand zu sorgen.

CHRISTINE PRAYON: ABSCHIEDSTOUR
SAMSTAG, 09.11. / THEATER FIFTY FIFTY ERLANGEN
Christine Prayon ist meines Erachtens die Beste ihres Fachs. Sie ist komisch, politisch, wenn’s sein muss auch absurd und immer mindestens auf Augenhöhe mit ihren Mitstreitern im Testosteron- bzw. Kabarettzirkus. Egal, ob als Birte Schneider in der heute Show oder auf den Kleinkunstbühnen der Republik – sie ist immer 100%. Sie lässt sich auch nicht vor den Quotenkarren spannen und auch Frauenthemen, wie sie selbst in der Ankündigung ihres Programms schreibt, sind nicht ihr Schnack. Sie stellt die Frage, was Kabarett bringt, wenn nach der Darlegung der Probleme an keiner Lösung gearbeitet wird. Ist das wirklich ihr Abschied oder will sie mit diesem Wort die ganze Sache nur emotional aufladen? Wir werden sehen.

FLORIAN SCHROEDER: AUSNAHMEZUSTAND
SAMSTAG, 16.11. / TAFELHALLE NÜRNBERG
Florian Schroeder, Baujahr 1979, geboren im Südwesten, konnte seine ersten kabarettistischen Erfahrungen bei keinem Geringeren als Harald Schmidt in dessen Sendung Schmidteinander machen – da war er 14. Kein schlechter Einstieg ins Geschäft und somit war ja fast schon klar, wohin die Reise geht. Schroeder ist klar in seinen Ansagen und für einen Kabarettisten reichlich unpolemisch. Die gegenwärtige politische Großwetterlage kommt seinem Stil natürlich entgegen. Wenn die Realität absurder als so manche Utopie daherkommt, reicht es ja meist schon, auf die Zustände hinzuweisen, ohne dabei den intellektuellen Querdenker zu mimen. Das ist in der Sache bekanntlich traurig, im Schroederschen Ergebnis aber durchaus unterhaltsam.

INGO APPELT: DER STAATS-TRAINER
SONNTAG, 17.11. / COMÖDIE FÜRTH
Ingo Appelt ist ein Pragmatiker. Jetzt stellt sich die Frage, warum und ob das Wort Pragmatismus und Kabarett überhaupt in einem Satz zusammengehen? Ja, denn Ingo Appelt ist Künstler und den wenigsten Künstler*Innen ist es beschieden, zu 100% immer nur das zu machen, was ihnen ihr Herz sagt. Die Miete, die Krankenversicherung und die Blagen wollen finanziert sein. Da war so eine TV-Omnipräsenz bei RTL sicherlich hilfreich. Jetzt, wo die Kleinen aus dem Gröbsten sind, macht der Ingo auch hier und da wieder politisches Kabarett und das darf er auch. Ich habe vor Künstlern, die sich dem Leben wegen auch mal verbiegen, höchsten Respekt – denn das muss man dem eigenen Herzen erstmal antun können.

ABDELKARIM: STAATSFREUND NR. 1
MITTWOCH, 20.11. / KULTURFABRIK ROTH
Abdelkarim nennt sich selbst den Marokkaner unseres Vertrauens. Er ist im Ruhrpott aufgewachsen und das prägt. Auch wenn es im Pott so scheint, als ob nicht die Ethnie, sondern die Stadt, aus der man kommt, bzw. der Fußballverein, den man verehrt, weitaus wichtiger ist, lässt uns Abdelkarim an seinen Erfahrungen als Deutscher mit einem für uns Kartoffeln gefährlich anmutenden Äußeren in der heutigen Zeit teilhaben. Er selbst bezeichnet seine Kunst als Komik und deshalb ist ihm der Witz an sich auch am wichtigsten. Das ist schön für uns und vor allem auch für ihn. Denn wir können sicher sein, den ein oder anderen Lacher zu erhaschen und er hat die Freiheit, entweder politisch oder einfach nur lustig zu sein.

THOMAS SCHRECKENBERGER: HIRN FÜR ALLE
SAMSTAG, 23.11. / BURGTHEATER NÜRNBERG
Hirn für alle, das wäre schön. Wenn man von einem soliden Grundintellekt ausgehen könnte und somit halbwegs sachlich und sich immer auf dem Pfad der Wahrheit entlang argumentativ auseinandersetzen könnte, hätten ich hier höchstwahrscheinlich nichts zu schreiben. Das Kabarett lebt doch von der Unvernunft und Dummheit der Anderen. Thomas Schreckenberger knüpft sich in seinem Programm die Rechenkapazität der Wichtigen und Mächtigen vor. Egal, ob der omnipräsente Trump, die ewige Nahles oder der Putin-Freund Schröder – all diese Entscheider bekommen ihr Fett weg und da Dummheit ja nicht exklusiv den in der Öffentlichkeit stehenden vorbehalten ist, geht’s eigentlich allen an den Kragen. Kann man machen.

 




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