THEO FUCHS
Auch beim Metzger brennt nachts kein Licht im Kühlschrank. Die Würste sind unter sich und bürzeln sich jeden Abend auf zur großen Party. Logisch, denn sie können im Dunkeln sehen. Wir sprechen von einem richtigen Kühlschrank, einem Otzen-Koloss von Kühlaggregat, einem amtlichen Metzgerskühlschrank mit Brusthaaren und zehntausend Litern Kälte.
Und dann ging‘s auch schon los. Die Streichwurst schlich heran, spähte dem Aufschnitt in den Ausschnitt. Die zwergwüchsige Gesichtswurst spielte kindisch mit ihrem Zipfel, doch interessierte das keine alte Sau. Überhaupt zeichneten sich die Beziehungen unter den Würsten durch Kälte und wechselseitige Verachtung aus, nicht zuletzt geballt gegenüber Presssack, diesem Fresssack, dessen schwartigen Rücken man zwar gerne als Tanzfläche nutze, ihn zugleich aber verlachte als, tja, lächerlich und eben im Geiste grob, nichts Wertigerem als einem Denken in rot-weiß verhaftet. >>
Es gibt unfassbar viele Lieder in der Welt, permanent dudelt irgendwo irgendwas: Radio, Internet, Boombox, Ghettoblaster, der akustische Raum ist krass überfüllt, unzählige Chöre jodeln und jaulen und Taylor Swift feuert alle zehn Minuten einen Hit heraus, dass man nur noch dumm weghören kann. Ein Lied jedoch wurde bis heute nicht geschrieben, obwohl es absolut dringendst an der Zeit wäre: Eine fulminante Lobeshymne auf die VAG. Die meisten Nürnberger*innen wissen gar nicht, wie genial die Öffis in unserer Stadt sind. Selbst jene Bürgies, die regelmäßig Bus, Tram, U-Bahn und VAG-Rad nutzen, können offenbar nicht wirklich einschätzen, wie gut wir es hier in der Nahverkehrs-Noris haben, denn nirgend-wo und nie singt jemand das Hosianna. >>