Jüdische Operetten am Täterort: Oper Plus in der Kongresshalle
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Als die Nazis die Macht an sich rissen, bedeutete das auch einen enormen Verlust an Intelligenz und Kreativität für Deutschland. Ein Beispiel, an dem sich das in besonderer Weise nachvollziehen lässt, ist die Operette. Nürnberg galt als Hochburg der Form, große Komponisten feierten hier Erfolge. Allerdings nur bis 1933, denn viele von ihnen waren Juden oder hatten jüdische Wurzeln. Das Ensemble Oper Plus hat sich auf die Suche nach diesen vergessenen Werken gemacht. Am 11.04. kommt das Programm Wo bleibt denn das Glück – Als die Operette jüdisch wurde ins Segment#16 der Kongresshalle.
1933 markierte in vielerlei Hinsicht einen einschneidenden Wendepunkt. Auch für das Publikum des Opernhauses: War man bislang gern und in Scharen in die Operetten von Kálmán, Lehár, Jessel und Abraham gegangen, galten diese Werke fortan als entartete Kunst. Wie hat sich das Musikleben in Nürnberg verändert, wer wurde noch gespielt, wer verboten? Mit diesen Fragen hat sich das aus der Hochschule für Musik gewachsene Ensemble Oper Plus auseinandergesetzt.
In Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftler, Dramaturg und Regisseur Michael Kerstan und Regisseur Ulrich Proschka wurde eine Liste der in Nürnberg gespielten Operetten jüdischer Komponisten erarbeitet. Auf alten Schellackplatten konnten noch Aufnahmen ausfindig gemacht werden, zwei Dutzend Lieblingsnummern kristallisierten sich heraus. Die Arrangeurin Bettina Ostermaier notierte die Stücke teilweise nur nach Gehör und arrangierte sie für ein kleines Instrumentalensemble, das die Sänger:innen des Ensembles ergänzt. Es wird den typischen 20-Jahre-Musikkapellensound zum Leben erwecken.
Im Programm finden sich Stücke von Franz Lehár, dessen jüdische Ehefrau von den Nazis bedroht wurde oder Robert Stolz, der jüdischen Kollegen zur Flucht verhalf, aber auch von unbekannteren Wiederentdeckungen wie Edmund Eysler. Als Gesamtkunstwerk bringt Wo bleibt denn das Glück? große, polarisierende Emotionen in eins und und erzählt von Heiterkeit und Traurigkeit, höherem Blödsinn und den Schicksalen der Komponisten. Die Melodien sind so leicht und fröhlich wie die Geschichten dahinter erschütternd sind. Im Segment#16 bekommt die Aufführung durch den Kontext des Täterorts noch einmal eine andere Aufladung. Ein wichtiges Projekt für Musikfans und historisch Interessierte gleichermaßen.
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Oper Plus: Wo bleibt denn das Glück? als die Oper jüdisch wurde
11.04., 19.30 Uhr im Segment#16
www.operplus.de
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