Dem Egers sei (Frau ihr) Welt #4

DONNERSTAG, 5. JUNI 2014

#Comedy, #Egersdörfer, #Kolumne, #Natalie de Ligt

Ob es daran liegt, dass "Egersdörfer und Artverwandte" gerade Sommerpause macht? Jedenfalls ergibt sich die Konstellation, dass der Egers - mal wieder - die Arbeit auf seine Frau abwälzt. Und die wiederum ist gerade auf Jobsuche, wie man lesen wird. Uns ist es recht, denn so bekommen wir die Kolumne Egersdörfer auch sehr schön befüllt.


BEWERBUNG
von Natalie de Ligt

Derzeit bin ich auf Stellensuche, und gerade heute habe ich eine Bewerbung losgeschickt. Nun hoffe ich auf diesen vielversprechenden ministerialen Job. Im Folgenden lesen Sie mein vorbildliches Bewerbungsschreiben:

An das Ministerium zur Pflege von Heimat, Anstandsverwahrlosung und Psychosomatik
Platz der Opfer von Blödheit 15, 90401 Nürnberg

Bewerbung um die Stelle als Sprecherin im „Kompetenzteam Ignoranz“ vom 23. Mai 2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe ich mich als Sprecherin im „Kompetenzteam Ignoranz“. Die an die Stelle gebundenen fachlichen und persönlichen Anforderungen entsprechen nahezu vollständig meinen bisherigen Kenntnissen und Fähigkeiten.
Mein inhaltlicher Schwerpunkt und meine Leidenschaft liegen in den Fachgebieten Vetternwirtschaft, Schutzgelderpressung und Zensur. Dazu in kongenialer Ergänzung die Bereiche Desavouieren und Faulheit inklusive deren fachgerechter Anwendung. Es war mir von jeher gleichgültig, wo oder für wen ich arbeite, Hauptsache, ich konnte die von mir stets ignorierten Aufgaben möglichst schlecht erledigen.
Meine letzte Station war die Firma Konsumanto, wo ich in der Abteilung Subventionsbetrug große Erfolge feiern konnte. Zum Ende meiner Zeit in der rührseligen Firma leitete ich die Projektgruppe zur Bekämpfung von Integrität, in der es um das Erlernen und den Gebrauch maßgeblicher Unternehmensziele wie Respektlosigkeit, Charakterwracking und Inhaltsleere ging. Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts bin ich nun auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung. Ich bat daher um eine außerordentliche Blitzkündigung und erwirkte per Anwalt ein diffamierendes und rufschädigendes Zeugnis. Dieses finden Sie in der Anlage. Sie können ihm meine desaströsen Qualifikationen entnehmen, welche ich mit größter Freude in Ihrem „Kompetenzteam Ignoranz“ einbringen möchte.
Ich erlaube mir an dieser Stelle einige Worte zu meiner Arbeitsweise: An mich gestellte Aufgaben erledige ich absichtlich falsch oder leite sie an den unternehmenseigenen Psychologen weiter. So erspart man sich zum Beispiel auch die lästige Einarbeitungsphase. Während der Arbeitszeit, das heißt, falls ich überhaupt im Büro aufkreuze, gehe ich vorwiegend meinen privaten Interessen und Nebentätigkeiten nach. In der Freizeit betreibe ich einen Exporthandel mit kalt gepresstem Kuddelgelee und Kruzifixen aus abgeschnittenen Käserinden. Mich in ein Team einzufügen habe ich allein aus gesundheitlichen Gründen schon immer abgelehnt. Fehler gebe ich ungern oder gar nicht zu. Eine kollegiale Arbeitsatmosphäre weiß ich mit dem Mittel der psychokinetischen Kernspaltung nachhaltig zu zerbröseln. Unbeliebt zu sein ist mir ein großes Anliegen. Dem gegenüber schätze ich die Missbilligung der Kollegen sowie die seelische und körperliche Züchtigung durch Vorgesetzte. Ich arbeite gern in muffigen und mit Vorsatz schlecht beleuchteten Bürostuben. Hier sitze ich mit Vorliebe anführerähnlichen Geschöpfen gegenüber, deren Verbaldelirien und Kontrollsüchteleien ich mit dem Abhusten von eitrigem Schleim einfühlsam zu begegnen weiß.
Ich bin überzeugt, dass die in mir wohnende Kompetenzillusion, mein verludertes Aussehen und mein von Mischneurosen durchsetztes Wesen eine Bereicherung für Ihr Team sein werden.
Seit Langem schätze ich die Vorreiterrolle des Ministeriums zur Pflege von Heimat, Anstandsverwahrlosung und Psychosomatik und sein Wirken in die Gesellschaft. Gern würde ich mich im Rahmen meiner Unfähigkeiten an dieser Schnittstelle engagieren und mit dazu beitragen, den von Ihnen initiierten Trend zum flächendeckenden Ausdünnen jeglichen gesunden Menschenverstandes weiter voranzutreiben.
Über Ihre Einladung zum Bewerbungsgespräch freue ich mich. Außer montags und keinesfalls vor 14 Uhr. Die Kosten in Höhe von 8,03 Euro, die mir im Zuge meiner Bewerbung entstanden sind, bitte ich auf das im Briefkopf angegebene Konto zu überweisen. Zahlbar innerhalb von 10 Tagen. Skonto wird nicht gewährt.

Mit freundlichen Grüßen: Natalie de Ligt

 




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Was für ein nicht enden wollender Sommer das heuer gewesen ist. Bis in den Oktober hinein wurde ich immer dringlicher gemahnt: Genieße unbedingt den sonnigen Tag heute! Morgen kommt der Herbst, dann ist alles vorbei. Immer wieder habe ich mich in die Sonne gesetzt und habe die Sonne mit aller Kraft genossen bis zur Langeweile, bis zum vollständigen Überdruss. Das kommt daher, dass ich Befehle stets gewissenhaft und verlässlich ausführe. Da kann man sich einhundertprozentig auf mich verlassen. Meine Zuflüsterer taten immer so, als ob das Himmelgestirn im nächsten Moment unwiderbringlich explodieren würde und man sein Leben fürderhin in lammfellgefütterten Rollkragenpullovern, Thermohosen und grob gestrickten Fäustlingen verbringen müsste – in Zimmern, in denen die Heizung unentwegt auf drei gestellt ist. Aber es hat ja nicht aufgehört zu scheinen. Wenn ich an einem Tag genossen und genossen habe, hat der Leuchtkörper sein blödsinniges Leuchten am nächsten Tag keineswegs eingestellt. Die Dummköpfe aber haben es nicht unterlassen, weiterhin ihre Sonnengenussbefehle auf mich auszuschütten. Die Aufforderungen blieben keineswegs aus, sondern steigerten sich zur Unerträglichkeit. Wenn einer endlich einmal sein dummes Maul gehalten hat, dass ich mich unbedingt bestrahlen lassen muss, hat ein anderer damit angefangen, mich aufdringlich aufzufordern, mein Glück unter dem drögen Kauern unter dem aufdringlichen Glanz des leuchtenden Planeten zu finden. Noch Anfang November saß ich voller Wut auf der Straße und habe Kaffee getrunken und gehofft, dass mir die Sonne ein Loch in die Stirn schmort, dass den Schwachköpfen ihr blödsinniges Gerede leidtut und sie mich um Verzeihung bitten müssen. Die Sonne hat immer weitergeschienen wie ein Maschinengewehr, dem die Patronen nicht ausgehen.  >>
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