Preisgekrönte Graphic Novel aus Nürnberg: Who's The Scatman?

SAMSTAG, 1. OKTOBER 2022, NüRNBERG

#Buch, #Graphic Novel, #Interview, #Jeff Chi, #Scatman, #Who's The Scatman, #Zwerchfell Verlag

Wir sagen mal nur Folgendes: Ski-bi dibby dib yo da dub dub. Yo da dub dub. Ski-bi dibby dib yo da dub dub. Yo da dub dub. Und wenn ihr jetzt einen Ohrwurm habt, dann wisst ihr, was gemeint ist: Scatman, das One-Hit-Wonder von Scatman John aus dem Jahr 1995. Den Song kennt wahrscheinlich jede*r und man denkt sich nicht viel dabei, wenn er nochmal im Radio läuft: Bisschen kurioser Eurodance halt. Dass sich in diesem Song tatsächlich die berührende Geschichte des lange erfolglos gebliebenen, stotternden Jazzmusikers John Larkin verbirgt, wissen auch wir erst seit Who‘s The Scatman, der preisgekrönten Graphic Novel des Nürnbergers Jeff Chi. Wir haben mit Jeff über dieses Comic-Meisterwerk gesprochen – und verlosen zwei Exemplare!  
Jeff hat‘s übrigens ganz richtig gemacht und uns sein Thema mundgerecht angeboten. Wir freuen uns und machen was drüber und dann freut sich der Jeff und ihr euch auch. Macht‘s wie Jeff, machts‘s besser und macht mit – per Mail an info @curt.de!

CURT: Jeff, jeder kennt ja irgendwie diesen Song Scatman, aber niemand die Geschichte hinter dem Künstler. Wie bist du auf die gestoßen?
JEFF: Ich selbst bin erst spät bei YouTube auf den Song gestoßen. Damals war das schon so eine Art Meme. Die Szene kommt auch im Buch vor. In den Kommentaren bei YouTube wurde immer wieder angedeutet, dass das mehr dahintersteckt und ein bisschen was stand natürlich bei Wikipedia.
Mir ist das dann immer präsent geblieben als eine Geschichte, die ich weiß, aber sonst nur wenige Leute und die einfach nicht erzählt wurde. Zur der Zeit kam ja zu allem Möglichen eine Doku oder ein Buch. Aber die Geschichte von Scatman John blieb unerzählt.

Wann war dir klar, das taugt für ein ganzes Buch?
Das war mir lange klar. Ich hatte gerade die Doku Searching for Sugarman gesehen, das ist ja eine ähnliche Geschichte, wo es um einen Musiker geht, bei dem nicht ganz klar ist: Ist der berühmt oder nicht? Ich habe da gemerkt, es funktioniert, solche Geschichten zu erzählen. Ganz konkret ist der Anfang von Who‘s The Scatman? dann als meine Bachelorarbeit entstanden.

Man hat beim Lesen das Gefühl, das ist alles sehr faktisch. Wie hast du recherchiert?
Meine größte Arbeit war tatsächlich nicht das Zeichnen, sondern dieser Recherchefall, das aufzuarbeiten und in eine Geschichte einzuarbeiten. John Larkin selbst lebt ja nicht mehr, aber es ist ja nicht lange her und die, die mit ihm zu hatten, leben noch. Das heißt, zuerst habe ich geschaut, welche Plattenfirma war das, gibt es da Kontakte, können die mich weiterleiten …? Bis auf eine Person wollten alle total gerne mit mir sprechen. Außerdem gibt es bei Facebook noch Fangruppen, wo die Leute sich über ihn austauschen.
Bei der Witwe war es ein bisschen schade. Die war in den Jahren zuvor noch total aktiv bei Facebook und hat sein Andenken hochgehalten. Gerade als ich angefangen habe, hat sie sich aber zurückgezogen.

Du hast in Erlangen den Max & Moritz-Preis für das beste Comicdebüt bekommen, jetzt im November wird dir der Bayerische Kunstförderpreis verliehen. Also zwei dicke Dinger hintereinander, hast du ansatzweise mit so einem Erfolg gerechnet?
Mit dem Kunstförderpreis kann man nicht so wirklich rechnen, anders als mit Max & Moritz, weil man da selber einreichen muss. Mein Verlag hat mich dabei von Anfang an unterstützt. Schon als ich das Buch gepitcht habe, haben die mir gesagt: Das ist ein Stoff, der hat Potential auf dem Markt, mit einem Haken, um auch Leute zu kriegen, die sonst vielleicht keine Comics lesen, mit einem biografischen Stoff und einer journalistischen Herangehensweise. Das geht momentan einfach gut auf dem Markt. Bei der Abgabe des Buches war ich schon sehr zufrieden und stolz. Es kommen manchmal Bücher raus, wo ich selbst denke, die sehen schön aus, aber es fehlt an Substanz. In diesem Buch steckt ein Jahr nur Konzeptarbeit.

Das Konzept war wichtig, die Recherche. Würdest du trotzdem sagen, du bist primär Comiczeichner oder Journalist, Autor …?
Primär bin ich Webentwickler (lacht). Das ist alles schön jetzt und die Preise sind auch dotiert, am Ende verdient man aber trotzdem nicht wirklich Geld damit. Ich bin nicht beruflich Comiczeichner. Es ist aber auch eine besondere Situation in Deutschland, dass alles aus einer Hand kommt. In den USA gibt es Teams, wo einer schreibt, einer zeichnet. Ich selbst finde das Zeichnen eher langweilig und müßig.

Nochmal auf deinen Protagonisten: Jeder kennt ja das One-Hit-Wonder Scatman. Lohnt sich sein sonstiges musikalisches Werk?
Man kann sagen, das ist kein Geheimnis, es ist musikalisch nicht hochwertig. Es ist auch keine schlechte Musik, die hat schon ihren Reiz. Und die Texte sind alle von ihm, da steckt seine Lebensgeschichte drin. Ich höre mir das nach wie vor manchmal an. Ob man das hören muss, naja … Was aber interessant ist: Wenn man ein bisschen bei YouTube sucht, findet man auch Aufnahmen von John Larkin als Jazzmusiker, vor seinem Durchbruch und danach. Da gibt es eine kleine, aktive Fanszene, die diese Sachen auf VHS ausgräbt und hochlädt.

Wie geht es bei dir weiter, kommt ein nächstes Buch?
Beide Preise, die ich bekommen habe, sind Förderpreise, die den Anreiz dafür geben sollen, eine Karriere zu starten. Aber das Buch war zur Hälfte meine Bachelorarbeit und das war die Hälfte, die schneller ging. Die andere war nebenberuflich. Ich kann es mir nicht wirklich leisten, nur an Comics zu arbeiten. Abgesehen davon ist es noch kein Jahr her und ich konzentriere mich zurzeit auf andere Sachen. Aber es wird schon mal noch was kommen, das wäre schon schade, wenn nicht.  

Aber jetzt darfst du erst mal curt-Hund & -Hirn weber malen!

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Jeff Chi: Who‘s the Scatman
Zwerchfell Verlag, 248 Seiten, 30 Euro.

JEFF CHI Geboren 1993 in Kiel, aufgewachsen nahe Hannover. Lebt seit 2012 in Bayern/Franken. Comic-Zeichner seit 2008, mit Veröffentlichungen auf dem eigenen Web-Blog und in Independent-Magazinen. Verlags-Debut 2022 mit „Who‘s The Scatman?“ beim Zwerchfell-Verlag. Das Buch über den Eurodance-Musiker „Scatman John“ wurde auf dem Comic-Salon Erlangen 2022 mit dem Max-&-Moritz-Preis für das beste deutschsprachige Comic-Debüt ausgezeichnet. Ebenfalls 2022 erhielt Jeff den Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur.

ACHTUNG: curt verlost zwei Ausgaben der Graphic Novel.
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