Alexsandro Akapohi: Ich hasse es, nicht auf der Bühne zu stehen

DONNERSTAG, 24. OKTOBER 2019



Er ist gerade einmal 22 Jahre alt, aber dass er genau das, was er tut, sein Leben lang tun will, wusste er schon mit acht. Alexsandro Akapohi gehört seit 2015 zum Tanzensemble des Staatstheaters Nürnberg. Im Sommer erhielt er vom Freistaat Bayern den Bayerischen Kulturförderpreis. Die Jury würdigte vor allem die Darstellung des Puck in Shakespeares Sommernachtstraum. Im Interview versucht Alex dem Bewegungs-Legastheniker Andreas zu erklären, was Tanz für ihn bedeutet.

Seit wann wusstest du dass du, dass ein professioneller Tänzer sein möchtest?
Ein Profi… Ich denke, da war ich acht. Zu der Zeit kam ich in Sao Paulo in eine etwas professionellere Tanzschule. Und da wusste ich es. Ich wusste einfach, ich möchte damit Geld verdienen. Auch weil ich nicht aus der wohlhabendsten Familie komme. Und ich wusste, ich will das für den Rest meines Lebens machen.
 
Wie bist du mit Tanz denn überhaupt in Berührung gekommen?
Über meine Schwestern, die tanzen beide und haben beide einen Abschluss gemacht. Seit ich drei war, rannte ich durch meine Klassenzimmer und sorgte für Unordnung. Bis mein Lehrer gesagt hat, er sollte zum Ballett gehen, weil er hier sonst nur Chaos verursacht. Von da an habe ich all meine Energie ins Ballett gesteckt.
 
Kannst du jemandem wie mir, der gar nicht tanzt, erklären, wie es sich für dich anfühlt, auf einer Bühne zu tanzen?
Ich glaube, das ist für jede Person total anders. Jeder hat seine eigenen Gründe, auf einer Bühne zu stehen, sei es ein Tänzer, ein Sänger, ein Musiker… Ich fühle mich dann, als würde ich in eine andere Welt transportiert werden. Nicht meine Welt, sondern eine ganz andere Erfahrung. Das ist unglaublich. Es ist schwer zu erklären, beyond words… Ich glaube, mich hat das noch nie jemand gefragt. Ich hasse es, nicht auf einer Bühne zu stehen. Ich hasse den Sommer, wenn man so lange nicht auf der Bühne steht.
Natürlich kann es hart und anstrengend sein, das ganze Drama, usw. Aber es ist das, was ich mir ausgesucht habe und ich mag es, auf der Bühne zu stehen. Und die Idee, dass so viele Menschen das gleiche sehen und dabei ganz unterschiedliche Dinge erfahren.
 
Du hast an der Akademie für Bühnentanz Princesse Grace in Monte Carlo studiert. Was ist das Wichtigste, das du auf dieser Schule gelernt hast?
Nicht unbedingt, wie man ein Tänzer ist, sondern wie man ehrlich ist. Ehrlichkeit mit anderen und mit dir selbst. Wenn man ehrlich ist, überträgt sich das auf deine Bewegungen auf der Bühne und überall. Und immer bescheiden zu bleiben. Auch wenn man in Monte Carlo ist, dem reichsten Ort auf der Welt, muss man demütig und auf dem Boden bleiben, sonst wird alles zu viel.  
 
Hast du dort auch auf besondere Art Konkurrenz erfahren?
Konkurrenz gibt es immer, egal wo, Monaco, New York, Sao Paulo. Ich hasse es. Jeder sagt, es gäbe so etwas wie einen gesunden Wettbewerb, aber das sehe ich anders.
 
Und gewöhnt man sich daran?
Für mich hat das mit 3 Jahren angefangen. Das erste Vortanzen hatte ich mit 6. Von daher, ja, auf jeden Fall. Und ich war auch immer sehr ehrgeizig. Wenn einem das früh beigebracht wird, gibt es gar keine andere Möglichkeit. Aber ich versuche aktiv, nicht zu wetteifernd zu sein, weil das nicht gesund ist, nicht nur für dich, sondern auch für die Menschen um dich. Das ist keine gute Arbeitsatmosphäre. Man muss nicht immer besser als der nächste sein, du kannst einfach du selbst sein und das ist gut genug, ganz ehrlich.
 
Gab es einen Plan B für den Fall, dass es mit Tanzen nicht klappt?
Ich hatte einige Pläne, sicher. Aber da ich mit 13 von zu Hause weg gegangen bin, um zu tanzen, ging all meine Energie nur dort hinein. Ich hatte andere Pläne, aber Ballett war immer die Hauptsache.
 
Gibt es für dich eine Rolle oder ein Stück, das du unbedingt tanzen möchtest, ein Ziel?
Ich möchte mit Menschen arbeiten, mit Choreografen, die für mich etwas entwerfen. Ich möchte nichts tun, was schon gemacht wurde, sondern dass sie mich sehen und sehen, was ich anzubieten habe und dann noch mehr aus mir herausholen. Ich denke an Menschen wie Crystal Pite oder Sidi Larbi, diese Choreografen, die größten… dream big. Ich möchte mit Menschen arbeiten, woran ist erstmal egal.
 
Als du gehört hast, dass du den Kulturförderpreis Bayerns bekommst, was hast du gedacht?
Ich dachte: holy fuck. Was ist hier los? Ich hätte nie gedacht, dass ich ihn bekommen würde. Allein, weil es hier in Compagnie andere gibt, die älter sind als ich und auch viel besser… Aber natürlich war ich sehr glücklich und geehrt. Das ist so ein Klischee, aber auch so wahr: Alleine nominiert zu werden, war schon eine große Ehre. Ich habe keine Ahnung, wie ich den Preis bekommen habe, was die Politik dahinter ist, aber es hat funktioniert und ich bin so glücklich darüber. Natürlich ist das nicht das Ende meiner Karriere oder so, aber es fühlt sich auf einmal so an als würde meine Arbeit, insbesondere hier am Staatstheater, viel stärker wahrgenommen werden. Und das ist so erfüllend. Denn am Ende des Tages geht es natürlich nicht nur darum, meine Arbeit zu machen. Alles, was ich tue, mein ganzes Leben dreht sich nur um Tanz.
 




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