Frauenfußball ist noch authentisch

14. FEBRUAR 2026 - 15. FEBRUAR 2026, KüNSTLERHAUS

#Andrea Hintermaier, #Christin Wehner, #Fußball, #Künstlerhaus, #Performance

11 FREUNDINNEN* – Performed-Photography-Premiere von Andrea Hintermaier und Jennifer Schäufelin im Künstlerhaus.
Kritik von Andreas Thamm, zuerst erschienen bei freieszenenbg.de

Schockmoment zu Beginn der Performance! Christin Wehner bläst in die Trillerpfeife. Erstaunlich laut das Ding. Mit strengem Trainerinnenblick beordert die Schauspielerin im roten Adidas-Anzug das Publikum in den Festsaal. Hier hängen, in Aufstellungsformation, die großformatig abgezogenen Bilder von Jennifer Schäufelin von der Decke. 11 FREUNDINNEN* basiert auf einer gemeinsamen Recherche. Regisseurin Andrea Hintermaier und die Fotografin Schäufelin haben Frauen* besucht, portraitiert und interviewt, die den Fußball als Lebensinhalt haben.

Eine Stunde lang führt Wehner durch die Ausstellung und schlüpft in die jeweiligen Sprechrollen. Mal ist das eine kindliche Perspektive, die von den Idolen Klara Bühl, Giulia Gwinn schwärmt, meistens sind es Geschichten der Adoleszenz: „Jeden Tag nach der Schule bin ich auf dem Platz.“

Faszinierend ist es einerseits zu beobachten, wie es Christin Wehner gelingt, sich jede Protagonistin sprachlich „anzuziehen“. Mal tritt sie zaghaft, fast schüchtern auf, mal energisch-kämpferisch, laut werdend, mal komplett breit Hessisch: „Frauefussball is noch audendisch! Da gedds noch um Fussball!“

Beeindruckend andererseits, wie es der Autorin Hintermaier gelungen ist, ganz bei ihren Gesprächspartnerinnen und ihren individuellen, konkreten Erfahrungen bleibend, extrem viel über das große Ganze zu erzählen: Über eine Gesellschaft, in der eine Hälfte der Bevölkerung am mit Abstand beliebtesten Sport des Landes, entweder mitmachen darf oder auch nicht. Es gibt kaum eine Geschichte, die nicht auch, aber unplakativ, die Macht des Patriarchats zum Thema hat.

Hintermaier erzählt von der Tochter des Profis, der nur ihren Bruder mitnahm auf den Platz (hier könnte eine gewisse Verwandtschaft zur Autorin bestehen), von der schwangeren Torhüterin, vom Mädchen, das auf der Straße entdeckt und später tatsächlich Profi wurde, vom lesbischen Paar, das zusammen spielt, sich im Stadion aber nie küsst, vom immensen Druck, der auf ganz jungen Menschen lastet, die von mehr träumen: „Da kannst du dir keinen Fehler mehr erlauben! Da bist du weg vom Fenster!“

Die Performed Photography 11 FREUNDINNEN* schafft es mit wenigen Mitteln, im Grunde als szenische Lesung mit raffiniert gesetztem Licht und schönen Fußballsong-Versionen von Barbara Klara Hofbauer, psychologische Tiefe herzurstellen, gesellschaftliche Konfliktlinien erkennbar und persönliche Widersprüche deutlich zu machen: Warum hat man schlechte Laune, wenn Deutschland verliert, auch wenn man gegen Patriotismus eingestellt ist? Der König Fußball ist selbst das Spielfeld, das Versuchslabor, in dem viel mehr über unser Zusammenleben verstanden werden kann, als man zunächst annehmen würde. Ein Abend, der Gesprächsstoff in die Welt setzt.




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#Andrea Hintermaier, #Christin Wehner, #Fußball, #Künstlerhaus, #Performance

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KULTURWERKSTATT AUF AEG. Berühmt wurde die Niederländerin Margaretha Geertruida Zelle durch exotische, verführerische Tänze, berüchtigt weil ihr während des erste Weltkriegs die Rolle einer Agentin für die Deutschen nachgesagt wurde, Deckname H 21. 1917 wurde sie hingerichtet, bis heute bleibt ihre Schuld jedoch umstritten. Als Mata Hari wurde Margaretha zum Mythos, zur Projektionsfläche und zum Symbol nicht nur für Verführung und Geheimnis, sondern auch für die Macht des Erzählens an sich. Die Choreografin Eva Borrmann und die Tanzwissenschaftlerin Dörte Kordzumdieke widmen sich diesem Mythos in der Lecture Performance Plan Mee: Salon Mata Hari in der Kulturwerkstatt auf AEG. Als Lecture Performance versteht man eine Aufführung an der Schnittstelle von Vortrag und theatraler Performance. Borrmann und Kordzumdieke bauen aus biografischen Fragmenten ein Porträt, das bewusst auch die Leerstellen der Überlieferung offenlegt. Im Fokus stehen Brüche, Widersprüche und das Unausgesprochene – jene Momente, in denen Biografie zur Behauptung und Interpretation zur Waffe wird. Premiere am Samstag, 10.01., 20 Uhr in der Kulturwerkstatt auf AEG

Weitere Termine:
11.01.2026, 19Uhr
24.01.2026, 20Uhr
25.01.2026, 19Uhr

Außerdem im Experimentiertheater der FAU in Erlangen: 
22.04.2026, 19Uhr                                   
23.04.2026, 19Uhr

Weitere Infos: www.planmee.de  >>
TAFELHALLE. Es gibt ein neues Kunstkollektiv in Town, das einen tatsächlich sehr radikal eigenen Ansatz der Performance wählt: roams (wohl bekannt aus der Nürnberger Szene: Harald Kienle, Michaela Pereira Lima, Veith von Tsotzhousn und Maria Trunk) verbinden bildende und darstellende Kunst in einem drei Tage andauernden Tanz ums Holz.

Konkret handelt sich bei der Aufführung roams: adventures um ein Bühnenstück mit einem wachsenden Bühnenbild, das selbst Kunstwerk und Protagonist ist. Dieses Bühnenbild von Harald Kienle wiederum setzt sich aus Klanghölzern zusammen, die von Veith Michel bespielt werden, gibt also auch einen Sound ab und verändert sich unterm Einfluss der Choreografie der Performenden Pereira Lima, Markl und Bess. Inhaltlich dreht sich das experimentelle Stück um das Ursprüngliche, das die Gesellschaft zusammenhält, symbolisch verbildlicht im Holz. Das Spiel drum herum ist auch eines mit dem Risiko, die Performenden setzen ihr eigenes Bühnenbild aufs Spiel: Wird es zusammenkrachen wie ein Jenga-Turm? “Das Fallen, das Zusammenkrachen, das Ungeplante ist stets Teil des Prozesses”, sagt Maria Trunk aus dem Produktionsteam. 

Die drei Aufführungen von roams_adventures bauen aufeinander auf und funktionieren jeweils für sich. Sie sind sind in allen Sprachen, Kulturen und Generationen verstehbar. Das Publikum wird Teil eines skuplturalen Erlebens und eines Dialogs zwischen Raumkörpern, Menschen, Hölzern und Klängen. 

Spannendes Projekt, alle Infos hier:

roams: adventures
20.-22.11., Tafelhalle


Konzept, künstlerische Leitung & Produktionsleitung: Michaela Pereira Lima & Harald Kienle
Regie: Nicole Schymiczek
Soundkunst: Veith von Tsotzhousn
Performance: Michaela Pereira Lima, Miriam Markel, Barbara Bess
Video: Linda Havenstein
Lichtdesign: Gunnar Tippmann und Saša Batnozic
Grafik: Steffi Probst
Klangstapler:innen: Moritz Kienle, Natacha Cayrol, Chan Bess, Lola Pereira Lima
Ground Control: Maria Trunk
Coaching: Katharina Tyllack
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ZUKUNFTSMUSEUM / AEG. Das Brachland-Ensemble zieht bei seiner neuesten Produktion alle technischen Register, sie findet nämlich im Zukunftsmuseum statt. Interspecies Families ist vieles: ein Theater-Performance-Talk, Infotainment, TechNovela. Bezugspunkt ist die Familie, die sich nicht mehr nur aus Mensch und Tier zusammensetzt, auch die KI ist Teil des Haushalts. Wir haben Theo Fuchs zur Premiere geschickt, er schreibt: "Es bleibt letzten Endes der Mensch und seine Körperlichkeit im Mittelpunkt. Der bodennahe Ausdruckstanz, den Sarah Plattner im Duett mit einem der Regenwürmer auf dem Körper improvisiert, während Ludger Lamers das Winden und Wälzen filmt, hinterlässt wohl den stärksten visuellen Eindruck der Vorführung." Ganze Besprechung HIER. Weiter geht's mit der TechNovela am 26.04. Dann monatlich bis Oktober. Gäste und Inhalte wechseln, es lohnt sich also, jede Folge zu sehen.

Etwas wieder ganz Anderes präsentiert Brachland in der Kulturwerkstatt auf AEG. Am 09.05. feiert dort The Beginning Premiere, ein inklusives Projekt in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe, das Science Fiction und Dokumentation, Performance und Film vermischt. Das Projektteam hat sich mit dem Ende der Menschheit auseinandergesetzt, mit dem Weiterleben der Spezies auf fernen Planeten, mit realen Szenarien für die Erde. Auf der Leinwand werden Expert:innen-Interviews zu sehen sein. Auf der Bühne setzt sich die Gesellschaft zusammen, eine mixed-abled Gruppe, die eine Zukunft eerdenkt und vielleicht neue konstruktive Lösungen entwerfen kann. Weitere Aufführungen am 10. und 11.05.

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Brachland-Enssemble
Im Zukunftsmuseum und in der Kulturwerkstatt Auf AEG
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GOSTNER HOFTHEATER. Das Gostner in seiner Spielzeit der Wagnisse lässt auf die Thamm-Uraufführung eine Stückentwicklung folgen. Was heißt, aus Bochum wurde das Theater- & Performancekollektiv von Patricia Bechtold und Johannes Karl, äöü, eingeladen, das sich mit Produktionen an der Schnittstelle zwischen Theater, Performance und Installation einen Namen gemacht und bereits einige Preise eingeheimst hat. In Nürnberg setzten sich Bechtold und Karl und ihr Team (auf der Bühne neben den beiden: Matthias Eberle und Robin Braun) mit einer Flaneurin auseinander, die auf alles kackt, was uns lieb ist, einer Großstadtbewohnerin mit fragend geneigtem Köpfchen, der bislang selten zugehört wurde: Wenn die Tauben singen ist ein verspielter, musikalischer, schillernd bunter Abend, der wie ein Kessel 60s-Showkonfetti daher kommt und am Ende aber noch ein paar ernste Botschaften mit im Gepäck hat. Läuft bis 12.04. Und wird in diesem Gostner Hoftheater direkt von der nächsten Stückentwicklung abgelöst: Das neue Ensemble des Gostner, Johanna Steinhauser, und die vom Tanz her kommende Regisseurin Johanna Heusser untersuchen anhand der sieben biblischen Todsünden Faulheit, Neid, Hochmut, Völlerei, Gier, Lust und Zorn, wie das Bild der Frau von der Geschichte genährt wurde und was passieren würde, wenn die Frau aufhören würde, gefallen zu wollen, sich zu benehmen, sich anzustrengend. Die Zornigen – ein Stück mit viel Bewegung und ohne Worte, ab 15.05.  

Gostner Hoftheater   
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