[LEAK]: Der Geist eines Albums

SAMSTAG, 1. JANUAR 2022, NüRNBERG



[LEAK] ist ein Kollektiv, das durch die Musik miteinander verbunden ist. Die Lebenslinien der einzelnen Akteur*innen sind dabei so divers wie irrelevant. Das Kollektiv übernimmt die Federführung. An die Stelle einer klassischen Struktur tritt ein selbstbenannter „Geist“, der den roten Faden übernimmt.

So steht es im Infotext der Nürnberger Band. Sängerin Rachel und ihre vier Bandfreunde Flo, Jakob, Tim und Yoshi hatten u.a. einen Auftritt beim Great Escape Festival in Brighton in der Tasche. Das Album war eigentlich fertig und dann kam ... na, ihr wisst schon was. Nachdem sich der erste Nebel verzogen hatte, war klar: [LEAK] lässt sich nicht unterkriegen, arbeitet das Album nochmals nach und bleibt. Mit der Unterstützung ihres Managements (David Lodhi/NBG POP Festival/Club Stereo und Tommy Wurm/NBG POP Festival/curt) wurden Pläne geschmiedet, wieder über Bord geworfen und durch neue ersetzt. Jetzt ist das Album da. Gut für [LEAK] und noch besser für uns.

CURT: Erzählt doch ein wenig von euren letzten 19 Monaten. Man hatte das Gefühl, dass ihr kurz vor dem Durchstarten wart und dann kam das Virus.
[LEAK]: Wir haben 2020 ein paar schöne Auslandskonzerte gespielt, aber wir waren jetzt trotzdem nicht so am Durchstarten wie z.B. die Autotuner vor meinem Fenster immer (Ein lieber Gruß geht an dieser Stelle raus). Im Herbst hatten wir dann die Möglichkeit, zwei der Gigs nachzuholen und ein paar vielleicht sogar noch nächstes Jahr. Die gewonnene Zeit haben wir genutzt, um weiter an unserem Album zu werkeln und es zu einem Abschluss zu bringen, auf den wir stolz sind. Dass die letzten zwei Jahre für alle Kulturschaffenden ein ordentlicher Dämpfer gewesen sind, weil Kultur nicht aus Stillstand entspringt, ist ja selbstverständlich.

Euer Debütalbum heißt „Ghost“. Gibt es eine Geschichte dahinter oder ist es einfach nur ein Albumtitel?
Zum einen ist „Ghost“der erste Song, den wir als Band zusammen arrangiert haben, und immer noch einer unserer Lieblingssongs zum Livespielen. Zum anderen fanden wir den Titel auch passend im Hinblick auf die Entstehungsgeschichte des Albums, das ja eigentlich 2019 schon einmal fertig war und dann wegen der Pandemie doch nicht veröffentlicht wurde.

Wer hat alles an dem Album mitgewirkt und wie war der Prozess?
Wie gesagt ist das Album eigentlich in zwei Schritten entstanden. Zuerst haben wir – weil wir kein Geld hatten – in Eigenproduktion daheim und im Proberaum die Songs aufgenommen. Dabei wurden wir von Jan Kerscher ganz hervorragend mit viel Produzenten-Knowhow unterstützt. Das Album war dann 2019 fertig und sollte eigentlich 2020 veröffentlicht werden. Aber dann kam da ja die Pandemie dazwischen und so richtig happy waren wir mit dem Ergebnis auch gar nicht. Dann haben wir im Rahmen der Corona-Kulturhilfen über die Initiative Musik auf einmal einen Batzen Geld bekommen und konnten deshalb nochmal in ein richtiges Studio – nämlich das Magic Room Studio unseres Live-Mischers und guten Freundes Ben – und an den Songs arbeiten. Dabei haben wir dann auch gleich noch ein paar neue Lieder aufgenommen. Und dieses Frankensteinmonster wurde dann von Tobi Siebert in Berlin gemischt und gemastert. Der war unfassbar geduldig mit uns chaotischem Haufen und hat nebenbei auch noch einen Spitzensound hingezaubert.

Zu den Vorab-Singles gab es tolle Videos. Wie wichtig ist für euch der visuelle Aspekt?
Schön, dass euch die Videos gefallen haben. Wir sind der Meinung, Musikvideos sollten als Kunstwerke eine eigenständige Berechtigung haben und nicht einfach ein paar bewegte Bilder sein, die über einen Song gelegt werden. Dabei hatten wir jetzt bei den Videos das Glück, mit neuen und begabten Künstler*innen zusammenarbeiten zu können. Wir würden ja auch live gerne mit Visuals arbeiten, aber das ist technisch immer dermaßen aufwendig, dass wir das bisher erst selten wirklich umsetzen konnten.

Nicht wenige Musiker*innen aus der Region haben in den vergangenen Monaten gestaunt, wie viel ihr – virtuell und live – in Europa rumgekommen seid. Erzählt doch ein wenig von euren Erfahrungen.
Naja, der virtuelle Teil war einfach nur maximal kafkaesk. Da war man halt auf Arbeit und hat gleichzeitig ein Konzert in Athen gespielt. Was bedeutet, dass ein paar Lieder von einer Livesession, die wir Monate davor in München aufgezeichnet haben, auf irgendeiner Website gestreamt wurden.
Der Live-Teil war dann ein sehr schöner Urlaub mit Auftritten auf Festivals in Vilnius und Wien. Ökonomisch und ökologisch zwar eine absolute Vollkatastrophe und mit vier Tagen und Nächten ohne Schlaf verbunden, weil aus irgendwelchen Gründen unsere Verbindungen immer nachts um halb fünf losfuhren, aber für die Seele nach der ganzen Zeit eine gute Streicheleinheit. In Litauen auf dem Festival haben wir zum ersten Mal seit März 2020 wieder ohne Maske zu Livemusik getanzt, eine wilde Sache war das. Dort waren auch alle so unfassbar nett zu uns und wir wurden wie echte Rockstars überall mit dem Taxi hinkutschiert. In Wien hingegen standen wir vollkommen zerstört eine Stunde vor dem Auftritt mit unseren ganzen (sehr schweren) Instrumenten in der U-Bahn und wussten nicht, an welcher Station wir eigentlich aussteigen müssen, bis wir zum Glück zwei Bekannte getroffen haben, die auch zum Festival wollten. Das war dann eine gute Erdung danach. Aber bei beiden Festivals haben wir als Musikschaffende und Musikhörende wieder gemerkt, wie sehr uns das alles gefehlt hat. Diese Energie, die während eines Konzertes zwischen Künstler*innen und Publikum entsteht, ist einfach anders nicht zu erzeugen.

Auch wenn sich die ersten dunklen Wolken am Konzerthimmel der kommenden Monate abzeichnen, werdet ihr doch sicher das ein oder andere Konzert spielen. Wann und wo werden wir euch sehen können?
Tja, die Frage ist schlecht gealtert. Theoretisch hätten wir am 10.12. nochmal auf dem Prinzip Hoffnung Festival im Stereo gespielt. Und im März 2022 wollten wir dann eine kleine Album Release-Tour spielen, aber da wurde uns jetzt auch schon ein Termin abgesagt, bevor wir ihn überhaupt verkünden konnten. Mal schauen. Ansonsten haben wir ja noch die Aufnahme von der Livesession aus München in der Hinterhand …

Wie geht es mit [LEAK] 2022 und die folgenden Jahre weiter?
Jetzt, wo das Album endlich durch ist, haben wir richtig Bock, neue Musik zu schreiben. Und irgendwann doch noch wieder Konzerte wären auch eine nette Sache.

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[LEAK]
veröffentlichten am 26. November 2021 ihr Debütalbum „Ghost“.
www.instagram.com/leaksound



 




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