Karen Jacobs | Ratloser Bär, ratloser Mensch

FREITAG, 12. MäRZ 2021

#Dr. Marian Wild, #Im Gespräch mit, #Interview, #Karen Jacobs, #Locked in, #Malerei

Locked in | 052 – Ich habe nie geheiratet, weil ich drei Haustiere zu Hause habe, die den gleichen Zweck erfüllen wie ein Ehemann. Ich habe einen Hund, der jeden Morgen knurrt, einen Papagei, der den ganzen Nachmittag flucht und eine Katze, die spät in der Nacht nach Hause kommt. (Marie Corelli)

Viele Tiere sind nicht nett. Überhaupt ist die Natur nicht sehr höflich und freundlich, man jagt einander, schüchtert sich gegenseitig ein, spielt das Recht des Stärkeren aus oder frisst sich auch mal gegenseitig auf. „Oh, das niedliche Löwenbaby“ wird irgendwann „und schau mal da, das niedliche Häschen“ auffressen, wenn es Gelegenheit hat, aber dieses Detail sparen die meisten Kinderbücher gerne aus, vermutlich aus Gründen. Karen Jacobs surreale Szenen sind in dieser Hinsicht ehrlicher: Der gelbe Bär vor lila Grund will nicht nur kuscheln um dich glücklich zu machen, er will es genießen. Die Elchfrau – oder ist es Elchdrag? Jedenfalls hat sie ausgesprochen sinnliche, rote Lippen… oder ist es doch Blut? – hat einen menschlichen Kopf im Schlepptau und präsentiert sich vor einer ausgesprochen fröhlichen Katzentapete. Und die Pferdesilhouette vor blauem Grund bäumt sich auf, ohne dass man irgendwo einen Grund sehen würde; reines Dominanzgehabe vermutlich. Bei all der so hemmungslos gelebten Bösartigkeit der Tierwelt scheint es logisch, dass mancher Mensch sich zurücksehnt, so wird der nackte, grüne Mann wieder zum Frosch, der ins Cocktailglas Springende fast zum Delphin, oder an anderem Ort ein Liegender zur Flunder; Menschen sind halt auch nur Tiere.

Im Interview erzählt Karen von mordenden Elchen, spontan entstehende Geschichten und unbewussten Ornamenten.

Marian Wild: In deinen Bildern kommen immer wieder rätselhafte Figuren vor. Menschen und Tiere, von denen man schwer sagen kann, ob sie gerade feiern, lamentieren, sich ergeben, oder ein Verbrechen begehen, wie der Elch. Die Welt ist ein sonderbarer Ort, aber woher nimmst du diese Situationen?
Karen Jacobs: Schwer zu sagen. Ich glaube, viele meiner Bilder sind ein Versuch, mir selbst darüber klar zu werden, was gerade in meinem Leben und meiner Gefühlswelt passiert, wie ich mich selbst positioniere, wie es mir gerade geht. Andere sind aber bloße Spielerei, in denen ich mir irgendwelche Figuren ausdenke und darstelle, wie sie Dinge tun oder einfach nur existieren. Es entsteht eine ganz interessante Mischung, bei der ich selbst oft im Nachhinein nicht mehr so richtig weiß, wie ich jetzt auf das Motiv kam.

Die Farbwahl deiner Arbeiten ist kräftig, sie unterstreicht mithin die surrealen Motive. In manchen Bildern scheinst du auch fast klassische Ornamente zu entwickeln. Um was geht es dir, wenn du malst?
Wenn ich male geht es für mich oft um schwer greifbare emotionale oder mythische Zustände und Situationen und es fühlt sich richtig an, mit kräftigen Farben das Geschehen zu überdrehen. Im Alltag umgeben mich so viele eintönige, graue Farben, dass wenn ich male, ich etwas anderes vor mir haben möchte. Und es macht mir auch schlichtweg einfach Spaß grell und bunt zu arbeiten. In Ornamente rutsche ich auch oft ungewollt hinein, oder zumindest unterbewusst. Ich mag Bilder auf denen viel passiert. Wenn nichts passiert, muss ich diese Leere irgendwie füllen. Ich bin selbst noch nicht auf den einen Nenner gestoßen, der alles begründet, was ich mache. Ich glaube generell geht es darum Geschichten zu erzählen. Ob sehr kurze, oder etwas kompliziertere. Gleichzeitig möchte ich aber nicht, dass meine Bilder eine Geschichte diktieren. Jeder, der sich meine Bilder anschaut, soll sich selbst eine ausdenken können.

Pferde, Bären, Elche, ein grüner Mensch, der wie ein Frosch auf dem Boden hockt. Du hast anscheinend eine Vorliebe für Tiere, welche Rolle spielen sie in deinem Leben?
Tatsächlich keine sehr große. Oder nicht größer als bei anderen Menschen auch. Ich fand Tiere schon immer interessant und würde mir auch einreden, dass ich einen guten Draht zu ihnen habe. Aber wenn ich ehrlich bin, sind die Tiere in meinen Bildern oft auch nur Platzhalter für menschliche Eigenschaften, die ich ihnen zuspreche. Die Tatsache, dass Menschen immer schon eigene Eigenschaften auf Tiere projiziert haben, finde ich sehr spannend, denn es bringt uns der Tierwelt irgendwie näher.

Weitere Informationen zur Künstlerin: (KLICK!)




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