12.10.2026  Theater
Theater Mummpitz: Schlimm, schlimm. Bild: Rudi Ott
Theater Mummpitz: Schlimm, schlimm. Bild: Rudi Ott
Theater Mummpitz: Schlimm, schlimm. Bild: Rudi Ott
13.10.-27.10.2026, THEATER MUMMPITZ. Man kann ja nie früh genug mit der Gruppen-Therapie der German Angsthasen und ihrer immerwährenden Vollkasko-Mentalität anfangen. Also schickt das Nürnberger Theater Mummpitz zum Auftakt in die 46. Saison die Generation 6+ mit der hausgemachten Uraufführung Schlimm Schlimm aufs heilende Chaka-Karussell zwischen Schießbude und Geisterbahn. Ja, wenn’s hilft, lautet die sanft blinkende Botschaft.

Der Plüsch-Angsthase erobert symbolisch die Kulisse und Aufmerksamkeit, noch bevor nostalgischer Schallplatten-Sound, wie von Geisterhand in Gang gesetzt, durch die fahle Kinderzimmer-Szenerie knistert. Am Ende überlistet die trostreiche Absicht dieses durchweg leichtfüßigen Mutmachwerks doch glatt die Logik der Wirklichkeit. Dann ist der ganze Spuk in der Geisterbahn Schlimm Schlimm vorbei. Und mit ihr die Ängste, die die neunjährige Luzie mit Vorliebe im Bett umstellen. Ob Mörder, Monster oder Marder, Nacktschnecken oder schlechte Noten, Phantasie-Monster oder Schulflegel – das Gruselige ist immer und überall: Lauert unterm Teppich und dem Bett, als Skelett im Bühnen-Hintergrund oder als handfester Raufbold auf dem Pausenhof.

Meist hilft da eine Stinkbombe oder ein Handkantenschlag zur Bereinigung der bedrohlichen Situation. Manchmal aber auch, den Angstgegner einfach wegzuzwinkern. Weiß die schnelle Eingreiftruppe aus den Erinnerungsfetzen der Filmgeschichte, die mit allen Ticks und Tricks arbeitet und dem Mädchen zur Seite steht. Die Geisterjäger, die man rief, leisten denn auch ganze Komödiantenarbeit. Judy Punk (Sabine Zieser im fließenden Rollentausch zwischen Kraft-Punk und Luzie-Leidensdruck), CoolCool7 (Michael Schramm im James-Bond-Smoking mit Schuhtelefon und Cocktailglas) und Herr Dutschke (Özgür Kantar als schlappohriger Gefühlsanker) treiben diese Suche nach dem Selbstvertrauen voran. Lustigsein verscheucht die Monster in uns und macht gute Laune.

Regisseurin Andrea Maria Erl hat mit dem Trio und Bühnenbildnerin Maria Pfeiffer ein typisches Mummpitz-Stück geschaffen, das Musik und Moral, Humor und Bildwitz vereint. Luzies Bett mutiert zur Riesenrad-Gondel, dient als Schießbude oder fährt als Geisterbahn-Wagen durch den Kleiderschrank. Die Inszenierung setzt mit Schlagzeug, Gitarre und Sax auf den Charme des Dilettantischen und kitzelt auch sonst an den Nerven, legt sie aber nicht blank. Da gerät auch der Schrecken der Geisterbahn zum Schauplatz einer Verwandlung und macht aus Luzie einen ganz neuen, mutigen Menschen. Das Leben könnte so einfach sein. Man müsste einfach mehr auf den Rummelplatz gehen. Diese Besuche sind bekanntlich immer Mutproben.

Die Mummpitz-Gemeinde feierte die Schlimm Schlimm-Premiere jedenfalls. Auch wenn dieses Mal das Ergebnis hinter der Idee zurückblieb. Glanzleistung hin oder: Illusionen dürfen sich weiter lohnen. 

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Theater Mummpitz: Schlimm, schlimm (6+)

Termine

Di 13.10.2026, 10:00 Uhr
Mi 14.10.2026 10:00
Do 15.10.2026 10:00
Fr 16.10.2026 10:00
Sa 17.10.2026 16:00
So 18.10.2026 15:00
Di 20.10.2026 10:00
Mi 21.10.2026 10:00
Do 22.10.2026 10:00
Fr 23.10.2026 10:00
Sa 24.10.2026 16:00
So 25.10.2026 15:00
Mo 26.10.2026 10:00
Di 27.10.2026 10:00
Mi 28.10.2026 10:00
Do 29.10.2026 10:00

Eine Wiederaufnahme ist für Mai 2027 geplant.

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Filmhaus: Der Mönch mit der Peitsch
18.09.2026 
Letters To A Grandfather. Bild: Moritz von Gestern
Solo Terror. Bild: Rina Nakano
Call Me A Pussy. Bild: Laura Stokes
01.10.-04.10.2026, KüNSTLERHAUS IM KUKUQ. Zum bereits fünften Mal gibt es in Nürnberg die Gelegenheit Theaterproduktionen zu sehen, die eigentlich schon abgespielt sind. re:festival heißt dieses tolles Konzept bekanntlich, eigentlich statftfindend in der Tafelhalle, wegen der Dachsanierung umgezogen ins Künstlerhaus. Diesmal zum Thema monströs! und erstmals inklusive Filmabend und Clubnacht. Gezeigt werden Produktionen aus ganz Deutschland, die sich den Monstern der Gegenwart widmen und auch die Frage in den Raum stellen, warum Horror und Mystery immer gerade in Krisenzeiten so relevant werden und ob der Grusel helfen kann, mit schlechten Nachrichten umzugehen.

Zu sehen sein wird: Call Me A Pussy der preisgekrönten Zirkusartistin Laura Stokes, eine fast schon brutale Darstellung von Weiblichkeit. Ready For Boarding ein mehrfach ausgezeichnetes Live-Hörspiel des Brachland Ensemble über das Internierungs- und Verhörprogramm der CIA. Ein dreiteiliger Horror-Abend wird der Samstag, 03.10., mit Solo Terror, einer Zombie Performance von Julieta Figueroa und Margherita Vestri, inspiriert von  George A. Romeros Filmklassiker Die Nacht der lebenden Toten, der im Anschluss freilich im Komm Kino gezeigt wird, gefolgt von der Zombie Dirtbag Clubacht im Stereo. Weiter geht’s mit Spank For Spa des Theaterkollektivs Megaplot, eine partizipative Performance in Form eines Gesellschaftsspiels. Und zum Abschluss kommt die  Tänzerin und Choreografin Josefine Patzelt, die sich in ihre Arbeit Letters To A Grandfather mit der familiären Schuldfrage auseinandersetzt, ihr Großvater war Nationalsozialist. 

Spannendes Programm, mehr Details findet ihr hier: 
re:festival: Kunstkulturquartier  >>
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