OB & Kandidat Marcus König: Weniger Gegeneinander, mehr Balance

SONNTAG, 8. MäRZ 2026, NüRNBERG



Er will Oberbürgermeister bleiben. Vor sechs Jahren eroberte Marcus König die rote Metropole. In seine Amtszeit fällt der Baubeginn des Opern-Interim in der Kongresshalle, die Erweiterung der Fußgängerzone, der Beschluss zur urbanen Gartenschau und pro Baby ein Baum. Und natürlich der Kampf gegen die Pandemie. 
Hat der CSU-OB einen guten Job gemacht, gut genug, um wieder-gewählt zu werden? 

Welche vordringlichste Aufgabe sehen Sie für die kommenden sechs Jahre?
Die wichtigste Aufgabe der kommenden sechs Jahre ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und Nürnberg lebenswert zu halten. Nur mit genügend Wohnungen können wir den sozialen Zusammenhalt sichern und jungen Familien eine Perspektive bieten. Erste Erfolge haben wir erzielt – 2023 wurde erstmals das Ziel von 2000 neuen Wohnungen im Jahr erreicht. Daran knüpfe ich an: Wir mobilisieren weiteres Bauland und weiten Förderprogramme aus, damit Wohnen in Nürnberg bezahlbar bleibt und niemand verdrängt wird.

Gastronomie prägt zusehends das Stadtbild, während der stationäre Handel weiter in Bedrängnis gerät. Ist das der Weg für Nürnbergs City-Zukunft?
Gastronomie belebt unsere Innenstadt, aber sie allein kann nicht die Zukunft der City sein. Wir brauchen einen Mix: attraktive Cafés und Restaurants, aber auch innovativen Einzelhandel und kulturelle Angebote. Ich setze mich dafür ein, den stationären Handel bei Digitalisierung und neuen Konzepten zu unterstützen – zum Beispiel mit Pop-up-Stores im leerstehenden Kaufhof. Gleichzeitig schaffen wir mehr Aufenthaltsqualität durch Märkte, Kulturveranstaltungen und attraktiv gestaltete und sichere Plätze. So bleibt Nürnbergs Innenstadt vielfältig, lebendig und für alle Generationen ein Anziehungspunkt.

Die Stadt Nürnberg möchte dem 1. FCN, einem mittelständischen Wirtschaftsunternehmen, einen Stadionneubau für mehrere Hundert Millionen finanzieren. Warum eigentlich? Und welche Investitionsbereiche müssen sich im Gegenzug dafür beschränken?
Ein modernes städtisches Stadion des 1. FC Nürnberg ist wichtig für unsere Stadt: Der Club ist Identitätsträger und Wirtschaftsfaktor – Spiele und Events dort bringen Umsatz und stärken Nürnbergs Ruf. Deshalb unterstütze ich den Neubau, zumal der Freistaat Bayern uns dabei kräftig unter die Arme greift.

Der „Lago di Aufsess“ in der Schocken-Baugrube verschlechtert die Lebensqualität ausgerechnet da, wo die Menschen eh schon unter Getier und Schmutz zu leiden haben. Wie wollen Sie dieses Problem aus der Welt schaffen?
Ich werde dafür sorgen, dass diese Baugrube verschwindet. Wir sind intensiv mit dem Eigentümer im Gespräch, damit dort endlich gebaut wird. Durch den Neubau werden der Aufseßplatz und unsere Südstadt insgesamt aufgewertet.

Welche konkreten Strategien haben Sie in Bezug auf die verstärkte Präsenz und das Einschüchterungsgebaren von rechtsradikalen Kräften in Nürnberg, wie z.B. die montägliche Demonstrationen, politische Anfragen etc.?
Rechtsextremismus hat in Nürnberg keinen Platz. Ich setze auf Null-Toleranz gegen Hetze und Einschüchterung. Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut – aber wir müssen klar zwischen legitimer Meinungsäußerung und gezielter Einschüchterung durch rechtsextreme Gruppen unterscheiden. Ich setze auf konsequente Rechtsdurchsetzung, klare Auflagen und einen engen Dialog mit Polizei und Versammlungsbehörde.

Wie gehen Sie mit Umbrüchen in der Medienlandschaft und daraus resultierenden Hürden für die Pressearbeit um, und wie möchten Sie eine Informations-/Meinungs- und Perspektivvielfalt in unserer Großstadt unterstützen?
Eine vielfältige Medienlandschaft ist wichtig für unsere Demokratie – gerade auch lokal. Ich stehe für Transparenz: Die Stadt stellt Informationen offen und digital bereit, damit Bürger und Medien sie leicht nutzen können. Ich halte engen Kontakt zu allen lokalen Medien – von der Zeitung bis zum Lokalradio – und suche den regelmäßigen Austausch. Zudem fördern wir Medienkompetenz, etwa in Schulen, und unterstützen unabhängige Initiativen.

Da die Innenstadt nicht zwingend mit dem Auto erreichbar sein müsste, könnten viele Parkhäuser in der Altstadt neu gedacht werden: Welches Konzept haben Sie für eine gemeinschaftliche Nutzung dieser gewaltigen Räume?
Unsere Altstadt soll für alle erreichbar bleiben – auch für jene, die auf das Auto angewiesen sind. Deshalb brauchen wir funktionierende Parkhäuser, etwa für Besucher, Lieferdienste oder das Handwerk. Ein Großteil der Stellplätze wird weiterhin gebraucht. Wenn sich in Zukunft echte Überkapazitäten zeigen, prüfen wir gezielt neue Nutzungen. Aber Aktionismus hilft nicht – ich stehe für einen ausgewogenen Mobilitätsmix.

Die seit Jahren wachsende Überflutung der Stadt mit Automobilen in jeder Darreichungsform: ruhend, rottend, rasend. Sollte man da überhaupt etwas dagegen tun oder passt das für alle?
Wir brauchen eine Mobilität, die funktioniert – für alle: zu Fuß, mit dem Rad, im ÖPNV oder auch mit dem Auto. Klar ist: Der öffentliche Raum ist begrenzt, und wir müssen ihn klüger nutzen. Deshalb fördern wir den Ausbau von Rad- und Fußwegen und investieren massiv in Bus und Bahn. Gleichzeitig achten wir darauf, dass der Autoverkehr nicht pauschal verteufelt wird. Ziel ist ein gutes Miteinander aller Verkehrsformen – weniger Gegeneinander, mehr Balance.

Welche Maßnahmen müssen Politik und Verwaltung ergreifen, um den viel beschworenen Zusammenhalt in unserer diversen Stadtgesellschaft für möglichst viele Menschen sichtbar und erlebbar zu machen?
Nürnberg ist eine vielfältige Stadt – und das ist eine Stärke. Damit der Zusammenhalt gelingt, müssen wir Begegnung ermöglichen: in Stadtteilen, Schulen, Vereinen, Kulturläden. Wir gestalten und fördern Projekte, die Integration, Teilhabe und Respekt stärken. Gleichzeitig müssen Verwaltung und Politik zuhören, wenn es Spannungen oder Ungleichheiten gibt. Mein Ziel ist ein Miteinander auf Augenhöhe – wir alle sind Nürnberg.

Sie sind Sie bereits Oberbürgermeister. Warum soll mit Ihrer Wiederwahl die Zukunft Nürnbergs besser und rosiger werden?
Ich habe Nürnberg in schwierigen Zeiten – Pandemie, Energiekrise u.v.m. – erfolgreich auf Kurs gehalten und wichtige Projekte angestoßen. Diese Erfahrung unterscheidet mich: Als amtierender OB habe ich bereits viel bewegen können – vom Wohnungsbau über die Klimaschutz-Strategie bis hin zur Digitalisierung der Verwaltung. Mit Unterstützung der Nürnbergerinnen und Nürnberger möchte ich das Begonnene weiterführen und neue Vorhaben anpacken. Unsere Stadt soll in den nächsten Jahren noch lebenswerter und moderner werden. Dafür stehe ich mit Erfahrung, verlässlicher Führung und klaren Zielen.

Der Superblock in Gostenhof ist seit etwas mehr als einem halben Jahr Realität und scheidet die Geister. Würden Sie mehr Projekte dieser Art unterstützen?
Der Superblock in Gostenhof war ein mutiger Schritt, die Kommunikation dazu ist klar verbesserungsfähig. Deshalb gilt: Bürger-beteiligung steht an erster Stelle. Ein Superblock kann nur im Einvernehmen mit der Nachbarschaft entstehen, wenn ein Viertel ähnliche Veränderungen anstrebt. Unser Ziel sind lebendige, sichere Quartiere in ganz Nürnberg.

Was sollte Ihrer Meinung nach mit dem Areal Kaufhof und City Point nach der Pop-up-Phase passieren?
Zunächst ein großes Lob an unser Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat: In kürzester Zeit wurde die Pop-up-Nutzung ermöglicht 
– ein starkes Signal gegen Leerstand. Langfristig wünsche ich mir eine gemischte Nutzung: Wissenschaft, Kultur, innovative Arbeitskonzepte und Erdgeschossbereiche, die Leben in die Altstadt bringen. Wichtig ist, dass wir Eigentümer, Fachleute und Bürger weiterhin eng einbinden. Keine Lösung von der Stange – aber ein echtes Stück Innenstadt von morgen.

In Nürnberg wurde zuletzt zwar viel gebaut, trotzdem bleibt der Wohnungsmarkt angespannt. Rund 10.000 Wohnungen fehlen, während über 3.500 leer stehen. Mit welchen Mitteln wollen Sie diesem Problem begegnen?
Bezahlbarer Wohnraum bleibt meine Top-Priorität. Wir nutzen alle Hebel, um mehr Wohnungen zu schaffen und Leerstand zu beenden. Wir treiben den Neubau voran: Die Stadt stellt Bauland bereit, beschleunigt Genehmigungen und die städtische Wohnungsbaugesellschaft baut mit. Gleichzeitig gehen wir gegen Leerstand vor und sanktionieren die Zweckentfremdung von Wohnraum. Zudem fördern wir kreative Lösungen wie den Umbau von Büroleerstand zu Wohnungen.
Dem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zu genügen, ist für alle Großstädte eine Herausforderung. Neu ist der auf einen Hortplatz. An denen mangelt es in Nürnberg aber besonders, wie auch an Fachkräften. Gibt es eine schnelle Lösung für den Engpass?
Wir schaffen zusätzliche Plätze, wo es kurzfristig möglich ist – z.B. durch Anmietung oder Übergangslösungen. Parallel setzen wir auf Ausbildung, Personalgewinnung und attraktive Arbeitsbedingungen. Mein Ziel: verlässliche Betreuung für Familien – aber ohne falsche Versprechen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Schritt für Schritt besser zu werden.

Wir leben in krisenhaften, unsicheren und leider auch kriegerischen Zeiten. Wie kann die Kommunalpolitik den global-politischen 
Ängsten der Menschen begegnen?

Wir können die Weltpolitik nicht ändern, aber den Menschen vor Ort Halt geben. Ich setze auf offene Information und ein starkes Miteinander: Die Stadt klärt transparent über Auswirkungen globaler Krisen auf, damit keine unbegründeten Ängste entstehen. Gleichzeitig stärken wir den Zivilschutz. Nürnberg setzt auch Zeichen für Frieden und Solidarität – etwa durch Unterstützung für Geflüchtete. So zeigen wir: In Krisenzeiten steht die Stadt zusammen und lässt niemanden allein.

Soll die Nürnberger Stadtverwaltung weiterhin ein eigenständiges Kulturreferat unterhalten und warum, bzw. warum nicht?
Nürnberg ist Kulturstadt. Nürnberg bleibt Kulturstadt. Der Bereich Kultur wird auch in Zukunft eigenständig und hochkarätig besetzt sein.

Wie gedenken Sie in Ihrem Amt eine vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft in Nürnberg zu fördern, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Hochkultur, Soziokultur und freier Szene?
Nürnbergs Kultur lebt von der hohen Qualität und großen Vielfalt, die ein Z-Bau, Heizhaus, Germanisches Nationalmuseum, Albrecht-Dürer-Haus, Hirsch, die Symphoniker, Opernhaus und Stadtbibliothek, Kunsthalle und Galerien, Tillystudios, die Kulturläden, Desi, KUNO und KaKuZe, Sternenhaus, die Musikschule, MUZ und Mubikin, Bardentreffen und Blaue Nacht und viele, viele mehr repräsentieren. Hier wird so viel bewegt, das finde ich spannend. Überall hier fördert die Stadt Nürnberg bereits nach Kräften. Die Wahrheit lautet aber auch, dass nicht immer überall alles möglich ist, gerade auch angesichts des angespannten Haushalts.

Sind Sie der Meinung, die freie Szene in Nürnberg wird von der Stadt ausreichend und zufriedenstellend gefördert?
Die Stadt Nürnberg leistet viel, auch für die freie Szene. Punktuell konnten hier Förderungen erhöht werden, etwa für Festivals wie NUEJAZZ, Nürnberg Pop oder das Musikfest ION. Auch den freien Theatern in Nürnberg stehen wir zur Seite. Übergreifend herrscht auch Konsens, dass die Förderansätze für die freien Kulturszenen nicht gekürzt werden. Zielführend wäre es, Julia Lehner betont es seit langem, dass Kultur nicht als freiwillige Leistung einer Kommune zu gelten hat. Das wäre auch aus meiner Perspektive der richtige Weg, denn Kunst und Kultur leisten einen wesentlichen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt.

Mit welchen konkreten Programmen werden Sie freie Kulturträger in Nürnberg unterstützen?
Die Stadt Nürnberg fördert viele freie Kulturträger, sei es in Form einer sogenannten festen Kostenstelle oder mit Blick auf einzelne Vorhaben oder Mietzuschüsse, damit programmatische und langfristige Arbeit gesichert werden kann. Die konkreten Maßnahmen richten sich jedoch auch nach den Bedarfen, die uns übermittelt werden – das kann Raumbedarf sein, Bedarf an Infrastrukturen und weiterer Unterstützung. Hier hat die Verwaltung immer ein offenes Ohr.

Die Meistersingerhalle soll dem Kulturbereich weggenommen und der Messe zugeschlagen werden. Unterstützen Sie diesen Vorschlag? 
Die Meistersingerhalle bleibt immer ein Ort für Kultur. Derzeit prüfen wir, ob wir mit Blick auf den Betrieb der Meistersingerhalle eine Partnerschaft mit der Messe Nürnberg GmbH, an der die Stadt Nürnberg übrigens zu knapp 50 Prozent beteiligt ist, eingehen können. Denn die Messe wächst und hat Raumbedarf, der in den Konferenzsälen der Meistersingerhalle abgebildet werden könnte. Und wenn hier im besten Sinne nachbarschaftliche Synergien entstehen, die den Kulturbetrieb langfristig sichern und zeitgleich den Haushalt der Stadt entlasten, sollten wir das auch prüfen dürfen.

Die Finanzierung des Umbaus der Kongresshalle stagniert offenbar. Gerade was die Quartiere für die freie Szene angeht. Was, wenn von der Vision nur eine Ruine bleibt?
Im Gegenteil, die Baustelle befindet sich derzeit zeitlich und wirtschaftlich genau im Plan – und gerade die für die Kongresshalle und die Ermöglichungsräume vorgesehenen Bundesmittel sind im jüngsten Haushaltsgesetz des Bundes formell hinterlegt worden. Das Vorhaben wird wie geplant weiter umgesetzt.

Wie möchte die Stadt sicherstellen, dass in den Ermöglichungsräumen der Kongresshalle auch die Arbeiten der freien Szene finanziell gut ausgestattet werden? Bisher abrufbare Fördersummen sind für eine Stadt der Größenordnung eher bescheiden. Muss unterm Strich vielleicht eine andere städtische Spielstätte geschlossen werden, damit die Kongresshalle überhaupt bespielt werden kann?
Mit Blick auf den Betrieb der Kongresshalle Nürnberg forcieren wir die Gründung einer Stiftung, an der sich auch der Bund und der Freistaat beteiligen. Wir stehen hier in aussichtsreichen Gesprächen. Und wir stehen gleichzeitig fest zu unseren bestehenden Kultur-Einrichtungen, investieren in deren Ausbau und Zukunft, etwa beim Dokumentationszentrum, beim Museum Industriekultur, beim Memorium Nürnberger Prozesse, beim Künstlerhaus.

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Marcus König (CSU)
Seit 2020 Oberbürgermeister in Nürnberg.
Geboren 1980 in Nürnberg, gelernter Bankkaufmann, Jogger, Glubb-Fan.
Ein Kind.

www.csu-koenig-nbg.de
www.instagram.com/marcuskoenignbg
 




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