Angela beim Bade und andere Devotionalien

22. APRIL 2018 - 20. MAI 2018, GALERIE BERNSTEINZIMMER

#Ausstellung, #Galerie Bernsteinzimmer, #Kunst, #Natalie de Ligt

Manche Titel von Martin Fürbringers Bildern müssen bereits als Teil seiner Kunst und als Ausdruck seines Verhältnis‘ zur Welt verstanden werden: La Mystification du Reichstag, Weißhausgnom, Leid ist ein Geschenk Jesu oder The Böcklin Faktor.

Letztgenannter ist zugleich auch der Titel seiner Einzelschau im Bernsteinzimmer, in der der Nürnberger Künstler ausschließlich Malerei und Zeichnung zeigt, die meisten davon «wundbrandaktuell», ein von Fürbringer in einem anderen Zusammenhang kreierter Begriff. Mit dem Bild «The Böcklin Faktor» weist er zunächst in die Kunstgeschichte. Die 80 x 120 cm messende Leinwand zeigt unverkennbar eine Version von Arnold Böcklins ikonischer und zum Bildklischee geronnener Toteninsel, allerdings in der Gegenschussperspektive. Martin Fürbringer versetzt sich und die Betrachter auf die Insel und lässt uns vom Reich der Toten durch das Tor ins Reich der Lebenden schauen. Das Gemälde verrät auch etwas über Fürbringers Verhältnis zur Malerei oder besser, dass er überhaupt eines hat. Er vertraut sogar der Malerei, auch weil er ein Begriff vom Werk hat. Als er in den 1990er Jahren an der Nürnberger Kunstakademie studierte, blies ihm und vielen seiner Kollegen ein anderer Wind entgegen. Die Antwort auf die Frage: «Braucht die bildende Kunst ein Werk?» musste «Nein» lauten. Und wenn man gefragt wurde, warum man male, war die schlimmste Auskunft «Weil es mir Spaß macht». Nur hinter vorgehaltener Hand wagte man über ein Bild zu äußern: »Das ist schön». Martin Fürbringer stand da wie ein begossener Pudel: Er glaubte an das Werk, er malte, weil es ihm Spaß macht, und er fand vieles schön. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In der Tat zeigen Fürbringers Arbeiten, dass sich Spaß, Schönheit und Werkgehalt einerseits und Relevanz und Substanz anderseits nicht ausschließen. Es ist möglich, mit ironischer, satirischer Schärfe den gesellschaftlichen und bisweilen auch politischen Verhältnissen zu Leibe zu rücken und zugleich das Medium, in dem man es tut, ernst zu nehmen. Hierfür steht das wenig schmeichelhafte Bildnis der Mutter Teresa «Leid ist ein Geschenk Jesu» oder »Veronicas Vesperbrett (vermutlich 20.n. Chr.)», welches das nebulöse, wunderschöne Konterfei Christi auf einem runden Frühstücksbrett zeigt. Man darf solche Arbeiten durchaus als kleine Rache an der Bigotterie begreifen, wie sie vor allem die Institution Kirche bis heute zu kultivieren versteht. Es sind mit Vorliebe die kleinen und großen Heucheleien, denen Martin Fürbrigner aus einem erkennbar gesellschaftspolitischen Bewusstsein und mit malerischen Mitteln, die ihrerseits keine handwerkliche Perfektion vortäuschen, mitunter saftige Gnackschelln verpasst. Martin Fürbringer interessiert es, ein Thema zu beleuchten und nicht einen Diskurs oder gar sich selber zu bespiegeln. Er weicht dem Thema nicht aus und auch nicht der Malerei.

22. April bis 20. Mai 2018
MARTIN FÜRBRINGER: THE BÖCKLIN FAKTOR

GALERIE BERNSTEINZIMMER
Großweidenmühlstr. 11, Nbg
Sa/So 15-19 Uhr
galerie-bernsteinzimmer.de




Twitter Facebook Google

#Ausstellung, #Galerie Bernsteinzimmer, #Kunst, #Natalie de Ligt

Vielleicht auch interessant...

20181025_DIFF
20181116_premium_pakete