Peter Pan im Gostner: Kissenschlacht im Nimmerland

24. SEPTEMBER 2026 - 10. OKTOBER 2026, GOSTNER HOFTHEATER



Das Gostner Hoftheater, Nürnbergs älteste Off-Bühne, startet mit einer gelungenen Version von „Peter Pan“ in die 48. Saison. Von Andreas Radlmaier

Die einen denken bei Nimmerland an Walt Disney, die anderen an Michael Jackson. Traum und Trauma begleiten „Peter Pan“, den Jungen, der nicht erwachsen werden will oder kann, seit über 120 Jahren. Jetzt stellt die künstlerische Leitung des Gostner Hoftheaters den Stoff an die Spitze seiner 48. Saison und dem Abend gleich noch eine Warnung voran: „Diese Inszenierung ist kein Kindertheater, sondern ein ,Peter Pan‘ für Erwachsene.“ Die amüsieren sich prächtig bei dieser unterhaltsamen Kissenschlacht eines bestens gelaunten Schauspieler-Quartetts, wie bei der Premiere zu erleben war.

„Phantasie ist wichtiger als Wissen“, sagt einer zu Beginn auf der Bühne. Denn Phantasie steht für Ideen. Und Ideen erlauben uns, an eine fröhlichere Zukunft zu glauben. Bei diesem „Peter Pan“ verwandelt sich das Kinderzimmer zum Schlaflabor der wilden Träume. Zum Abenteuertrip in Ängste und Wunschwelten. Wenn’s zu gefährlich wird, spinnt man die Story einfach weiter oder wacht auf. „Und wir können jederzeit wieder an Land gehen“, lautet der letzte Satz nach hundert pausenlosen Minuten.

Autor James Matthew Barrie hat in seinem Weltbestseller seelische und körperliche Verwundungen zu einer wundersamen Wirklichkeitsflucht vermengt. Auf der Insel Nimmerland warten die verlorenen Jungs, die nie eine fürsorgliche Mutter kennengelernt haben, Piraten unter dem brutalen Kommando des berühmten Captain Hook, fliegende Elfen wie Tinker Bell und wilde Tiere wie das Tick-Tack-Taktik-Krokodil (so ein Wecker im Leib treibt jeden Bösewicht in die Neurose). All die bekannten Figuren kommen sich auf der tropischen Insel nicht in die Quere, solange sie im Kreis in eine Richtung laufen. Im Gehirnstrom aus Zick-Zack-Träumen eine echte Herausforderung. Die Karambolage der aberwitzigen Gedanken, die genauso fliegen können wie Peter Pan, droht immer und überall.

Hausregisseur Laurent Gröflin und Dramaturgin Christine Haas schälen aus ihrem „Peter Pan“ den Aufruf zur spielerischen Ideensprengkraft, mit der handelsübliche Logik mühelos auszuhebeln ist und können sich auf vier Schauspieler verlassen, die aus Lust Laune machen. Timing, Slapstick, Leicht-Sinn, Impro-Kunst sitzen.
Johanna Steinhauser, Thomas Witte, Helwig Arenz und Matthias Eberle formen die nächtlichen Ruhe-Kissen zu hohlen Bäumen, zum Matrosenfelsen, zum Schiffsbug der „Jolly Roger“ und zum kleinen Schutzhaus für Wendy und stürzen dann immer wieder in die kindlichen Phantasiewelten aus Merksprüchen und Alibi-Kulissen. Da wird dann die Bühnenwand zur dichten Nebelwand, gegen die man – ruder, ruder – knallt, da wird im Schaukelstuhl aus Kissen Eltern gespielt und sich waffenlos beinhart duelliert. Dass Mütter Luder sind, erfährt man, und dass es einem unangenehm wäre, von einem Schellfisch kommandiert zu werden. Und mittendrin immer wieder Egoshooter Peter Pan, der bei allem Tatendrang doch ein offenes Fenster in sein Londoner Zimmer als Rückzugsort braucht. Träume sind Schäume. Und Lebensfilter für das ständige Schwanken zwischen Selbstbewusstsein und Selbstzweifel.

Damit liegt „Peter Pan“ offensichtlich wieder im Trend. Bühnen in Krefeld, Bielfeld, Hamburg und München planen in dieser Spielzeit Inszenierungen. Auch Erlangen ist dabei. Ab 29. November ist dort das „Märchen“ im Markgrafentheater als „Familienstück mit Menschen und Puppen“ zu sehen.

Infos unter www.gostner.de
Weitere Aufführungen:
Sa, 26. September, 19.30 Uhr
Mi, 30. September, 19.30 Uhr
Do, 1. Oktober, 19.30 Uhr
Fr, 2. Oktober, 19.30 Uhr
Mi, 7. Oktober, 19.30 Uhr
Do, 8. Oktober, 19.30 Uhr
Fr, 9. Oktober, 19.30 Uhr
Sa, 10. Oktober, 19.30 Uhr



 
 
 




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