Nun Flog Dr. Bert Rabe: Wir sind besessen von unserem Ding

DONNERSTAG, 1. DEZEMBER 2022, FüRTH



Der Bandname, die Musik und die Live-Performance – alles an Nun Flog Dr. Bert Rabe ist ungewöhnlich. Jetzt kommt ihr Debütalbum Geschichten über das Übliche auf den Markt. Ein Haufen guter Gründe, den beiden mal auf den Zahn zu fühlen.

TOMMY: Am 11. November ist euer Album Geschichten über das Übliche erschienen. Wie geht’s euch und hat der Albumtitel eine spezielle Bedeutung?
NFDBR: Hi, uns gehts prima. Die Geschichte zum Albumtitel hat einen langweiligen Anfang und ein etwas spannenderes Ende: Der Anfang geht so, dass der Titel uns einfach eingefallen ist und wir fanden, er klingt gut. Wir mögen das Doppel-Ü und dieses Spiel damit, dass unsere profanen Liedthemen auf dem Album doch eher unüblich in der Musikwelt sind. Das etwas spannendere Ende ist, dass uns eine Rahmengeschichte zu dem Album eingefallen ist, nachdem wir alle Lieder fertig produziert hatten. Mit der ist das Album quasi nachträglich zu einem Konzeptalbum geworden: In der Geschichte sitzt Bert Rabe in seiner Lieblingskneipe und wird von seinem Lieblingswirt mit der Frage „Heute wieder das Übliche, Herr Rabe?“ zum Stammgast ernannt. Darauf hat der Bert lang gewartet und es haut ihn ziemlich vom Hocker und inspiriert ihn dazu, die „Geschichten über das Übliche“ in ein Notizbuch zu kritzeln. Die Seiten, die er da vollschmiert sind quasi die fiktiven Vorlagen für die Lieder auf dem Album (obwohl in Wahrheit umgekehrt entstanden). Das Buch kann man zum Album haben und z.B. prima am Klo lesen, weil es recht kurz ist.

Bis auf wenige Ausnahmen könnte man die Songs fast eine Ansammlung von kleinen Fabeln nennen. Oder habt ihr einfach nur einen Tier-Fetisch?
Eigentlich gibt es nur ein Lied – Zahn der Zeit –,das wirklich explizit um ein Tier geht: Um einen Biber. Den haben wir oft im Fürther Stadtpark gesehen letztes Jahr. In den anderen Liedern kommen zwar oft Tiere vor, aber eher nebensächlich und es sind auch keine Fabeln: Der Maulwurfmann z.B. ist ein Dude, der sich mit Gaffa-Tape Schaufeln an die Hand klebt und sich für einen Superhelden mit Maulwurffähigkeiten hält, aber keiner ist. Wir finden Tiere einfach gut und interessant. Die gehören zum Üblichen dazu.

Erzählt doch ein wenig von eurer musikalischen Sozialisierung. Viele eurer Songs haben einen Twist, der an deutsche Musik aus den 70ern erinnert. Zufall?
Ja? Das ist tatsächlich Zufall. Wir finden ein paar Lieder von Hildegard Knef toll, aber das kennen wir noch gar nicht lang. Wir lieben z.B. Tristan Brusch, vielleicht kommt davon etwas auf dem Album durch? Aber auch ihn kennen wir noch nicht so lang und haben vorher schon unsere Lieder gemacht.
Wir hören echt so viel verschiedene Musik und irgendwas beeinflusst uns da sicher, vor allem beim Produzieren, aber wir nehmen uns jedenfalls nicht vor, wie irgendwas zu klingen. Wir machen einfach drauflos. Ob es am Ende dann Trap, Chanson, Drum’n’Bass oder Pop-Ballade wird, soll eigentlich das Lied entscheiden.

Auch eher ungewöhnlich ist euer Bandname ...
Unser Bandname ist ein Anagramm aus „Farbton Dr. Ruebengeil“ und das wiederum ist ein Anagramm aus „Notruf Dr. Nabelberg“, was wiederum ein Anagramm aus „Dr. N. Brieftaubenorgel“ ist – und Dr. N. Brieftaubenorgel ist unser gemeinsamer Zahnarzt. Und das war alles gelogen. In Wahrheit ist „Nun flog Dr. Bert Rabe“ ein Anagramm aus Altdorf b. Nuernberg – da sind wir aufgewachsen. Wir verraten das aber ungern, weil wir finden, dass es den Namen ein bisschen entzaubert.

Ihr erweckt derzeit doch recht reges Interesse – zumindest in meinem Umfeld. Wie geht ihr damit um bzw. wie ambitioniert seid ihr mit eurer Musik?
Dein Umfeld finden wir gut! Wir schreiben und produzieren jetzt schon einige Jahre zusammen Lieder und finden es täglich spannender. Auch Konzerte finden wir mittlerweile richtig gut, das war nicht immer so. Unsere Ambition ist es, damit nie aufzuhören. Wir sind davon ziemlich besessen. Das Problem dabei ist aber, dass man für dieses Vorhaben in seiner künstlerischen Reinform leider kein Geld bekommt, sondern sogar welches dafür braucht. Um mit der Musik Geld zu verdienen, muss man dieses Herzensprojekt dann halt den Gesetzen der deutschen Musikwirtschaft unterwerfen. Was das bedeutet, finden wir so langsam raus und ziemlich ätzend. Aber wir sind so besessen von unserem Ding, dass wir uns das trotzdem vorgenommen haben. Ob es funktioniert, haben wir zwar nicht in der Hand, aber wir verausgaben uns dafür jedenfalls so weit, wie‘s geht ...     

Social Media als Band. Ist das Lust oder Frust für euch? Dass es ohne nicht mehr geht, steht ja außer Frage, oder?
Ja, genau. Man muss halt. Deswegen haben wir mittlerweile unseren Frieden damit gemacht und laden da halt irgendeinen Blödsinn hoch, damit man uns mitbekommt. Folgt uns auf Instagram für regelmäßigen Rabenblödsinn.

Seit wann arbeitet ihr zusammen?
Wir machen zusammen Musik seit 2016. Aber „ernsthaft“ mit Liveauftritten (und einem Instagram-Account) seit Ende 2019.

Jetzt nochmal zurück zu den 70ern. Die Zeiten waren politisch sehr aufgeheizt, was sich auch in der Kunst niederschlug. Kann bzw. sollte die heutige Kunst auch politisch(er) sein?
„Politisch“ ist sehr abstrakt. Es braucht z.B. definitiv nicht mehr Rechtsrock. Da kommt es eben auf den Inhalt an. Aber was wir inhaltlich an der Welt auszusetzen haben, kriegen wir hier platztechnisch echt nicht rein. Vielleicht will das ja irgendwer mal mit uns in einer Kneipe besprechen. Aber ein kurzer Antwortversuch ohne Inhalte auf deine Frage: Wir waren mal versehentlich auf einer Dorffeier, auf der die Kids von der Jungen Union „Boom Boom Boom“ von KIZ mitgegrölt haben. In dem Lied gibt´s ein paar Zeilen gegen den Kapitalismus und die damalige Flüchtlingspolitik (fast schon Argumente), die wir richtig gut finden — die haben aber der JU sicherlich nicht eingeleuchtet, nur weil sie zum Lied gefeiert haben. So ein Lied kann man nämlich gut finden, ohne seinen Text inhaltlich zu teilen oder zu verstehen. Und diese Unverbindlichkeit von Musik als Politmedium würde uns persönlich stören, wenn wir versuchen würden, politische Lieder zu machen. Aus dem Grund machen wir’s nicht. Das soll aber echt kein Hate sein gegen politische Lieder (solange sie links genug sind, hehe) — hören wir auch viel und fühlen uns oft darin wohl. Aber zum Glück hat Marx Das Kapital in Bücher geschrieben und nicht als Album releast.

Wie geht’s weiter? Was macht ihr mit eurem tollen Album? Wie sehen eure Pläne für das kommende Jahr aus?
Wir wollen das Album ganz viel live spielen. Die Termine dazu findet man auf unserer Homepage – da kann man sich auch das Album auf CD oder Kassette kaufen). Und was noch so nächstes Jahr passiert, ist ´ne Überraschung.

___
NUN FLOG DR. BERT RABE
2019 Gewinner Newcomer-Festival Erlangen E-Werk  /  2020 EP Semitrash (aufgenommen bei Rafael Strzodka im Red Audio Studio) 2021 Bier getrunken  /  Herbst 2022 Support für Tristan Brusch. 2022 Debütalbum Geschichten über das Übliche.
www.doktorrabe.bandcamp.com
@doktorrabe

Dieses Interview wurde gefördert vom Mediensupport des Verbands für Popkultur in Bayern e.V.
@vpby_ / @pop_aufm_schirm




Twitter Facebook Google



20210304_Mam_Mam_Burger
20221201_Waldorf
20210201_Allianz_GR
20221201_MfK_Avatar
20210318_machtdigital
20221216_Stadtmuseum_Erlangen_Regine_von_Chossy
20221001_GNM
20221221_KuF_Cover
20221201_WLH
20221220_SuP
20220201_berg-it
20221122_KUF_Literaturpreis
20220812_CodeCampN
20221201_BA_Beef_Club
20220601_Hofpfisterei
20230201_Retterspitz
20221201_Kulmbacher_Moenchshof
20221101_curt_Terminkalender