Lea von Wintzingerode: Young Team

7. FEBRUAR 2015 - 26. APRIL 2015, KUNSTVEREIN NüRNBERG

#Ausstellung, #Kunst, #Kunstverein Nürnberg, #Natalie de Ligt

Die Bilder von Lea von Wintzingerode (*1990) erscheinen im ersten Moment heiter und verspielt und in ihrer Fragilität zugleich wie unbeholfene Versuche einer Jugendlichen, der die eigentlich angestrebte Präzision des Bildes, das klar vor dem inneren Auge steht, noch nicht gelingen will, weil die malerische Erfahrung noch fehlt. Aber hier ist eine Künstlerin mit abgeschlossenem Kunststudium am Werk, die nach eigenem Bekunden ihr künstlerisches Tun, genauer: die figurative Malerei, nicht nur explizit reflektiert, sondern sie auch als Alternativansatz versteht innerhalb der Gattung und Gemengelage Malerei, welche nach wie vor (zu) männlich dominiert ist.

Von Wintzingerode gelingt das insofern, als sie mit verschiedenen Erwartungen an ein figuratives Bild bricht und eine eigenwillige, für sich stehende Bildsprache jenseits gängiger Muster entwickelt. Alles in den Bildern scheint dem Prinzip des Vorläufigen verpflichtet zu sein: Malweise und Bildgeschehen. Mit extrem verdünnter Ölfarbe, fantasievollem Farbeinsatz und mit mehr suchenden, denn ausformulierenden Pinselstrichen lässt sie auf der Leinwand parkähnliche, bisweilen idyllenhafte Landschaften entstehen. In und vor diesen durchscheinenden Naturkulissen bewegen sich skizzenhaft und feengleich Figuren. Es sind junge Menschen, die miteinander agieren, sich zu Paaren oder kleinen Gruppen finden oder isoliert am Rand des Geschehens stehen. Es ist Frühling oder Sommer. Das Gefühl von Anfang durchweht die Szenerien. Die Figuren scheinen kein Arg zu kennen, sie tragen bunte Kleidung, tanzen, beobachten, betrachten, deuten auf sich oder andere. Die Young Teams finden sich ein – an einem Swimmingpool, vor einer Kamera, einer Skulptur oder einer provisorischen Freilichtbühne. Die Bilder flirren vor Farbigkeit und Bewegtheit. Betont werden der Prozess der Bildwerdung und das Prozesshafte des Bildgeschehens. Die Bilder wirken wie Momentaufnahmen performanceartiger Choreografien, die voller Chiffren sind und die auf kein Ziel hinauslaufen. Alles, was sich auf der Leinwand abspielt, scheint dieser mit Bedeutungen aufgeladenen zeichenhaften Choreografie zu gehorchen, deren Regisseurin die Künstlerin selbst ist. Diese zu dechiffrieren ist allerdings aus der bloßen Betrachtung heraus kaum möglich. So offenporig die Bilder sind, hier verschließen sie sich bisweilen, wirken konstruiert, zerfallen und laufen Gefahr, sich ungewollt im Indifferenten zu verlieren. Das Dargestellte erscheint nicht zwingend. Da, wo die Künstlerin stärker fokussiert und darauf bedacht ist, dass das Ganze am Ende als Bild funktioniert, gelingt das Vorhaben der figurativen Malerei jenseits ausgetretener Pfade. Die Malerei von Lea von Wintzingerode ist nicht glatt, eher auf eine sympathische Weise perfekt unperfekt. Wie die beiden Klavierstücke, die sie anlässlich ihrer Schau im Kunstverein komponiert hat und die sich der Besucher während des Rundgangs durch die Präsentation über portable Kopfhörer anhören kann.
Die Ausstellung wird im Rahmen des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums gezeigt und ermöglicht der Künstlerin ihre erste institutionelle Einzelausstellung.

Parallel ist im Kunstverein Nürnberg die Ausstellung Lou Lou replay der tunesisch-schweizerischen Künstlerin Sonia Kacem zu sehen.

Beides bis zum 26. April 2015.


KUNSTVEREIN NÜRNBERG - ALBRECHT DÜRER GESELLSCHAFT
Kressengartenstr. 2, Nbg
Di-Fr 14-18 Uhr, Sa/So 13-18 Uhr u. n. V.
kunstvereinnuernberg.de




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